Whistleblower in Folterhaft: Bradley Manning

Gerd R. Rueger 25.Dezember 2010

Im Mai 2010 wurde ein Verdächtiger festgenommen: Der US-Soldat Bradley Manning. Der mutmaßliche Informant von WikiLeaks wird in den USA in Folterhaft gehalten, unsere Mainstream-Medien sprechen gern von „verschärften Haftbedingungen“. Er wird mit einer Strafe von 52 Jahren Gefängnis wegen Geheimnisverrats bedroht. Der 23jährige Obergefreite wird unter unmenschlichen Bedingungen eingekerkert. Angeblich wegen Suizidgefahr wird er ständig von den Wachen befragt, wie es ihm gehe. Er wird dabei alle fünf Minuten kontrolliert. Man will ihn zu dem Geständnis zwingen, Julian Assange hätte ihn zum Geheimnisverrat angestiftet. Daraus ließe sich endlich eine Anklage gegen Assange basteln, die zur Grundlage einer Auslieferung gemacht werden könnte.

Physische und psychische Gesundheit zerstören

Im Militärgefängnis von Quantico, Virginia, darf Mannings nur eine Stunde täglich seine Zelle aus der Isolationshaft verlassen. In seiner knapp 7qm  großen Zelle gibt es weder Stuhl noch Tisch, um Mahlzeiten einzunehmen und  er bekommt keine persönlichen Gegenstände. Bei Besuchen von Anwälten oder Freunden wird er angekettet, obwohl er niemals aggressiv war. Es wurde ihm verboten, in seiner Zelle Gymnastik zu treiben, um seine körperliche Gesundheit zu erhalten. Er wurde gezwungen, nackt zu schlafen, ohne Decke oder Kissen unter den Augen seiner Wärter –eine sexuelle Demütigung, die an die Praxis im Foltergefängnis Abu Ghraib erinnert.

Dazu gehört, dass Manning, der 23 Stunden täglich in seiner sehr engen Zelle verbringt, seit mehreren Monaten, alle fünf Minuten danach gefragt wird, wie es ihm geht und er umgehend darauf zu antworten hat. Selbst in der Nacht, wenn er schläft, wird er von den Wärtern immer wieder mit der Frage nach seinem Befinden geweckt. Das kommt einem Schlafentzug gleich, wie er auch bei Gehirnwäsche angewendet werden könnte (Pany 23.12.2010). Fazit: Man will offensichtlich Mannings physische und psychische Gesundheit zerstören, um ihn gefügig zu machen. Amnesty International und die American Civil Liberties Union verurteilen diese inhumanen Haftbedingungen.

Ex-Hacker Adrian Lamo zeigte Manning an

Manning wird beschuldigt, das Collateral-Murder-Video bzw. die zugrundeliegenden Aufzeichnungen, die Depeschen des US-Außenministeriums und viele weitere geheime Dokumente an WikiLeaks geschleust zu haben. Ein Hacker namens Adrian Lamo zeigte Manning bei US-Behörden an, nachdem dieser in vertraulichen Chats angeblich behauptet hatte, die große Quelle  für WikiLeaks zu sein. Lamo zufolge, soll Assange eine aktive Rolle bei der Entwendung der Daten gespielt haben, den Wikileaks-Gründer strafrechtlich angreifbar machen würde. Das geht aus den bislang veröffentlichten Chat-Logs zwar nicht hervor, wurde aber in Medien behauptet oder angedeutet, u.a. von Kevin Poulsen in Wired. Es scheint also, dass das Pentagon kann keinen Kontakt zwischen Manning und Assange belegen kann.

Glen Greenwald von Salon hat daraufhin scharf kritisiert, dass Wired nicht die Teile des Chat-Logs veröffentlicht, in denen Manning Assange belastet und über seine Beziehung zu diesem und WikiLeaks spricht. Nach einer derartigen Verbindung dürfte auch ein Bezirksrichter von Virginia gesucht haben, als er Twitter aufforderte, alle Informationen über Accounts mit WikiLeaks-Bezug dem Gericht zu übergeben. Als Bezugspersonen genannt wurden u.a. Assange, Manning oder die isländische Abgeordnete Birgitta Jonsdottir. Assange hatte erklärt, er habe vor dessen Festnahme nie von Manning gehört und könne auch nicht sagen, woher die Dateien gekommen seien, weil sie anonymisiert eingereicht werden. NBC berichtete später, dass das Pentagon angeblich daran gescheitert sei, die gesuchte Verbindung zwischen Manning und Assange belegen zu können. Informanten aus dem Pentagon hätten NBC gegenüber erklärt, dass Manning zwar Tausende von Dokumenten illegal auf seinen Computer heruntergeladen und an eine nicht-autorisierte Person weiter gegeben habe. Aber es gebe keine Beweise dafür, dass er Daten an Assange weitergegeben habe oder in direktem Kontakt zu ihm gestanden sei. Der womöglich schon wegen seiner Homosexualität in der US-Army gegängelte Manning erhält viel Unterstützung weltweit.

Zahlreiche Initiativen unterstützen inzwischen Bradley Manning.

3 Gedanken zu “Whistleblower in Folterhaft: Bradley Manning

  1. Wie erbärmlich ist eine Nation, die so mit wahren Helden umgeht?
    Die feigen Befehlsempfänger, die auf Weisung Zivilisten abschlachten gehören vors Kriegsgericht (zusammen mit denen, die die Weisung erteilt haben) nicht der mutige Mann (oder Frau), die das unter Lebensgefahr an die Öffentlichkeit bringen!

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