FDNN: Hilfe für WikiLeaks in Geldnot

FDNN – Fonds de Défense de la Neutralité du Net

Gerd R. Rueger, 23.Juli 2012

Für die Finanzierung von Wikileaks wird es eng und Julian Assange droht laut Aussage der isländischen Politikerin und WL_Unterstützerin Birgitta Jónsdóttir immer noch eine Vendetta der US-Justiz.

Von über einer Million sind nur noch 100 000 Euro für laufende Ausgaben übrig, so die erfolgreichste Whistleblower-Plattform der Geschichte. Rechtsvertretung, neue Leaks wie die SyriaFiles und Kampagnen haben 2011 viel Geld verschlungen -und die Spenden sind knapper geworden, so Wikileaks.

Vor allem die US-Finanzblockaden (Visa/Mastercard und andere) dürften die Geldknappheit verursacht haben, denn gerade zu Zeiten der Aufmerksamkeits-Hype wurde die Spendenmöglichkeit stark eingeschränkt. Ein kleiner juristischer Sieg über die blockierenden Finanzfirmen hat noch keine nennenswerte Entlastung gebracht.

Hauptsächlich die deutsche Wau-Holland-Stiftung (WHS) aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs (CCC) hat überhaupt noch Geld für Assange und seine Projekte einsammeln können (siehe Transparenz-Berichte der WHS).

Die gemeinnützige Stiftung in Hamburg ist nach dem Mitbegründer und langjährigem Alterspräsidenten des CCC, Herwart „Wau“ Holland-Moritz (1951-2001), benannt. Im ersten Halbjahr 2012 stehen bislang Einnahmen von 32.838 Euro Ausgaben von 246.620 Euro gegenüber.

Die vorhandenen Mittel sind somit trotz viel ehrenamtlich geleisteter Arbeit in wenigen Monaten aufgebraucht, falls nicht neue Spenden eingeworben werden können. Die WHS leidet auch unter verschärfter Verfolgung durch deutsche Kontrollbehörden: Seit der Unterstützung des Projektes „WikiLeaks“, völlig legal im Rahmen des gemeinnützigen Stiftungszieles „Informationsfreiheit“ gefördert, wurde auf Anordnung des Finanzamtes Kassel im Dezember 2010 die Gemeinnützigkeit der Stiftung in Frage gestellt. Bis zur Klärung dieser Angelegenheit darf die Stiftung keine Zuwendungsbescheinigungen für Spenden ausstellen. Diese Prüfung dauert bis heute (so die WHS im März 2012) ohne Entscheidung des Finanzamtes an.

Wikileaks beziffert seinen akuten Finanzbedarf mit einer Million Euro. Eine neue Möglichkeit für Spenden per Kreditkarte hat jetzt der französische Fonds für die Verteidigung der Netzneutralität FDNN oder FDN2 (Fonds de Défense de la Neutralité du Net, http://www.fdn2.org) eingerichtet. Wikileaks rief dazu auf, diese französische „Carte Bleu“ zu nutzen, „bevor Visa/Mastercard versucht, auch diese lahmzulegen“. Carte Bleu steht mit Visa und Mastercard in Geschäftsbeziehungen, weshalb fraglich ist, wie lange die Konstruktion funktioniet. Julian Assange betonte kämpferisch, obgleich immer noch asylsuchend in der Botschaft Ecuadors in London: „Wir haben sie in Island besiegt und bei Gott, wir werden sie auch in Frankreich besiegen.“

Die FDNN fördert in Frankreich auch das Linuxianer-Projekt Framasoft/Logiciel (Logikhimmel) und „La Quadrature du Net“, einen Netzrechte-Verein der u.a. gegen ACTA kämpft und in seinem Wiki viele netzpolitische Tools & Applications bereitstellt:

  • Quadpad Collaborative realtime text editor
  • Co-ment Collaborative text annotation and writing.
  • Political Memory Reach and informations about Members of European Parliament
  • PiPhone Campaigning tool to call your MEPs
  • Mediakit Audio and video data bank

Hackerprojekte wie FDNN, Wikileaks oder den deutschen Chaos Computer Club mit seiner Gründerfigur Wau Holland -die in seinem Andenken errichtete Stiftung war entscheidende Stütze für Wikileaks während der Finanzangriffe) helfen seit beginnender Internet-Ära, die Freiheit der Netze zu verteidigen. Heute haben sie eine Breitenwirkung erreicht, von der lange niemand zu träumen wagte. Es bleibt abzuwarten, ob die Piratenparteien die von der netzgemeinde in sie gesetzten Erwartungen werden erfüllen können.

5 Gedanken zu “FDNN: Hilfe für WikiLeaks in Geldnot

  1. Hat die Piratenpartei (deutsche Abt.) eigentlich schon irgend etwas für Wikileaks getan???
    Die glauben wohl, die Leute sind auf Internet-Themen gekommen, nur weil ein paar Deppen Filme klauen wollen und mit Augenklappe rumdackeln?
    Ohne WL und Assange wären die Piraten niemals möglich gewesen und es ist erbärmlich, wenn die jetzt nur an ihre tolle Polit-Karriere denken, statt an ihre Basics… das wird keinen Bestand haben, wenn die nicht mal nachdenken, wo sie eigenlich herkommen

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