Paris: Hartes Urteil gegen Film-Downloader

Verwerter haben es geschafft: Raubkopierer wurden zu Verbrechern erklärt

Gerd R. Rueger 28.09.2012
2008 wurden die Kino-Downloader verhaftet
Zwei Wochen nach einer der ersten strafrechtlichen Verurteilungen für illegales Downloaden in Frankreich, wurde am Mittwoch in Paris das Strafmaß verkündet: Die fünf jungen Männern wurden zu Haftstrafen von drei bis sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Schwerer wiegt die Geldstrafe für die -nach eigenen Angaben- nicht ökonomisch motivierten Täter: Das Gericht verurteilte sie auch zu mehr als 1,1 Millionen Euro Schadensersatz.

„Les teams Cinefox et Carnage ont eu une forte visibilité dans les années 2000“, schreibt das französische Magazin Numerana: Ihre große Zeit hatten die Film-Befreier im vergangenen Jahrzehnt. Die verurteilten Raubkopierer waren in den Release-Gruppen Carnage und CiNEFOX aktiv. Ihnen wurde vorgeworfen, von 2005 bis 2008 Kinofilme auf Videocams mitgeschnitten und über ftp verbreitet zu haben. Eine Sondereinheit der Polizei nahm sie 2008 in Lyon, Montpellier und Straßburg fest.

Verwerter setzten sich durch

Den fünf Filmpiraten wird von den US-Medienkonzernen Disney, Warner Bros. und Universal vorgeworfen,  Schäden in Millionenhöhe erzeugt zu haben. Das Gericht schloss sich augenscheinlich dieser Meinung an.  CiNEFOX machte sich Releases wie Könige der Wellen, Der goldene Kompass, Jumanji, Der Polar Express, Serenity, Star Wars Episode 5 einen Namen. Die Anklage verdeutlichte die Schadenshöhe am Beispiel des Transformers„-Films, der demnach mehr als 1, 7 Millionen mal heruntergeladen worden sein soll -ob all diese Schwarzgucker auch wirklich eine DVD gekauft hätten, darf jedoch bezweifelt werden.

Vor Gericht sagten die Angeklagten,  es sei alles nur ein Spiel für sie gewesen. Die Verteidigung setzte auf mildernde Umstände wegen Cyber-Sucht und wies das Gericht darauf hin, die Angeklagten seien in virtuelle Welt hinein gezogen worden, dafür spricht vor allem: Keiner der Angeklagten hatte aufgrund von finanziellen Interessen gehandelt. Viel genützt hat es nicht -dennoch bekamen sie hohe Geldstrafen. Die drei Mitglieder von CiNEFOX erhielten jeweils sechs Monate auf Bewährung und wurden zur Zahlung von insgesamt 710.000 Euro verurteilt. Die beiden Mitglieder von Carnage erhielten jeweils drei Monate auf Bewährung und müssen insgesamt 410.000 Euro bezahlen.

So sieht die Welt der Urheberrechte derzeit in Frankreich aus -nicht viel besser ist es in Deutschland, wo Verwerter und Rechteinhaber schon ca. 30 Millionen Abmahnungen verschickt haben sollen. Die rechtlich zweifelhafte Massenabmahnung hat sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt. Wie es anders gehen könnte, zeigt jüngst der UHG-Neuentwurf der Piratenpartei NRW.

Rückschlag für Netzkultur in Frankreich

Numerama erinnert daran, dass der Artikel  L335-2 des Code de la propriété intellectuelle, mit Strafen von drei Jahren Haft und 300 000 Euro Geldstrafe hätte geahndet werden können. Strafen könnten auf bis zu fünf Jahren Haft und 500.000 Euro Strafe erhöht werden, wenn die Straftaten, wie in diesem Fall, in „organisierten Banden“ begangen wurden. Insofern sei das ergangene Urteil noch recht milde ausgefallen. Doch die Höhe der Schadensersatzzahlungen war ein Schock im Vergleich einem anderen Fall: Am 13. September hatte das Tribunal de Police von Belfort die erste strafrechtliche Verurteilung gegen einen Schwarz-Downloader ausgesprochen, es ging damals aber auch nur um von zwei Songs von Rhianna.  Er wurde zu einer Geldstrafe von lediglich 150 Euro verurteilt.  Die ökonomische Bewertung von Release-Aktivitäten nach Maßstäben der Medienindustrie beginnt sich in Frankreich damit anscheinend durchzusetzen. Dies ist sicher ein Rückschlag für die Netzkultur in Frankreich, die sich jüngst mit Hilfe bei der Finanzierung von Wikileaks hervor tat und
mit “La Quadrature du Net“, einen Netzrechte-Verein aufweist, der u.a. gegen ACTA kämpft und in seinem Wikiviele netzpolitische Tools & Applications bereitstellt:

  • Quadpad Collaborative realtime text editor
  • Co-ment Collaborative text annotation and writing.
  • Political Memory Reach and informations about Members of European Parliament
  • PiPhone Campaigning tool to call your MEPs
  • Mediakit Audio and video data bank

Soweit das Surfen wie Gott in Frankreich. Bei uns in Deutschland liegen auch viele neue Vorschläge auf dem Tisch, Politik anders zu gestalten:
Siehe auch neuen UHG-Entwurf der NRW-Piratenpartei (besonders Teile zu privater Nutzung, privaten Sharingbörsen, Mashups):

5 Gedanken zu “Paris: Hartes Urteil gegen Film-Downloader

  1. Armes Frankreich -Hacken wie Gott in Frankreich ist damit wohl vorbei -aber wenigstens geben die Franzosen dem blassroten Hollande jetzt mal Saures.
    Vive la revolution!

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