Assange: 90.000,- Pfund Kaution wurden fällig

Gerd R. Rueger 21.10.2012

Neun wohlhabende Wikileaks-Unterstützer, die  für Wikileaks-Gründer Julian Assange Kaution stellten, müssen nach dessen Flucht in die Botschaft von Ecuador jetzt 93.500 Pfund zahlen. Der oberste Richter (Chief Magistrate) von Westminster, Howard Riddle, bestimmte für die neun Bürgen, dass die Kaution nun am 6. November fällig würde. Julian Assange ist heute der prominenteste Kritiker von Kriegsverbrechen und anderen Formen von „Elitekriminalität“ der westlichen Herrschaftseliten. Er wird unter dubiosen Umständen wegen „sexuellen Missbrauchs“ verfolgt, während der anerkannte Massenmörder und Massenvergewaltiger Pinochet 1998 in London Asyl fand und nicht ausgeliefert wurde.
In westlichen Medien wird derzeit kaum ein gutes Haar an Julian Assange gelassen, ganz anders als bei Kritikern an den Herrschaftseliten etwa in Peking, Moskau oder Minsk.Besonders deutlich wird dies bei der stark kontrastierenden Berichterstattung über die politischen Prozesse gegen die Punkband PussyRiot und gegen Julian Assange. Wikileaks deckte Tausende von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Wirtschaftsverbrechen auf -PussyRiot, bei allem Respekt für ihren mutigen Protest, kann nicht annähernd auf vergleichbare politische Kritik zurückblicken. Aber westliche Journalisten stellen sich in ihrer überwältigenden Mehrheit genauso hinter die westlichen Machthaber und gegen ihre Kritiker, wie dies etwa ihre Kollegen in der russischen oder chinesischen Staatspresse tun. Unterstützung für Wikileaks oder wenigstens für den in US-Haft gefolterten Whistleblower Bradley Manning muss man im Westen mit der Lupe suchen und findet sie eher von marginalen Fachgruppen, wie den Whistleblowerpreis für Anonymous.
Dabei nützt es Julian Assange wenig, dass er sich prominente Unterstützung verschaffen konnte, etwa den weltbekannten spanischen Richter Baltasar Garzón: Ein kluger Schachzug, denn Garzón war schon einmal in einen Auslieferungsprozess tätig, der London betraf:  Auf Betreiben von Garzón wurde 1998 der chilenischen Diktator Augusto Pinochet in London verhaftet, es lief ein Auslieferungsersuchen aus Spanien.
Bewiesen war zu diesem Zeitpunkt schon seine Verantwortung für den Mord an 3.000 Menschen, die Folter von mehr als 30.000 Menschen, einschließlich brutaler Vergewaltigungen, begangen an mindestens 3.000 Frauen. Der Massenmörder und Massenvergewaltiger bekam Asyl in London und die Briten verweigerten nach einem langwierigen Rechtsstreit die Auslieferung an Madrid.
Ein großer Kontrast zur Britischen Politik heute im Fall Assange, wo London unbedingt ausliefern will, obwohl sowohl das Delikt als auch die Beweislage gegen Assange vergleichsweise läppisch erscheinen, vgl. „Messias Robin Hood“: Medienecho auf die Balkon-Rede von Julian Assange. Die politische Instrumentalisierung der Justiz wird in diesen Fällen sehr viel klarer als derzeit etwa im Fall Pussy-Riot in Moskau. Baltasar Grazón wurde aus Madrid ins Ausland vertrieben, weil er angeblich „seine Kompetenzen überschritten habe“, wie man immer wieder in westlichen Medien liest. Er kämpft jetzt gegen die  Hexenjagd auf Julian Assange und bringt London ins moralische Abseits.
Auch die Bürgen für die Kaution des in einem wohl beispiellosen politischen Prozess verfolgten Wikileaks-Gründers, haben sich bei der westlichen Justiz unbeliebt gemacht. Ihr Einstehen für Transparenz, Menschenrechte und Demokratie wird sie jetzt teuer zu stehen kommen, wenn eine gnadenlose Justiz in ihrem Verfolgungswahn gegen einen Freiheitskämpfer wütet. Unter anderen Vorzeichen, hätten sie etwa für PussyRiot gebürgt, würde man sie in den westlichen Medien hochjubeln und herumreichen, ihre Schulden bei der Gerichtskasse wären im Nu über Spenden beglichen. Doch im eiskalten Gegenwind der versammelten Medienmeute steht Wikileaks heute mit dem Rücken zur Wand. So auch die Unterstützer von Wikileaks. Im einzelnen handelt es sich laut BBC um folgende Bürgen für Julian Assange:
  • Lady Caroline Evans £15,000,
  • journalist Phillip Knightley £15,000,
  • scientist Sir John Sulston £15,000,
  • retired professor Tricia David £10,000,
  • friend Sarah Saunders £12,000,
  • friend Vaughan Smith £12,000,
  • Tracy Worcester £7,500,
  • Joseph Farrell £3,500,
  • Sarah Harrison £3,500,

3 Gedanken zu “Assange: 90.000,- Pfund Kaution wurden fällig

  1. Sollte doch kein Problem sein wenn genügend den Bürgen Geld spenden, diese wieder zu entlasten. Müssen nur genug mitmachen und diese Info publik werden. Mir war dieser Zusammenhang zwischen Kaution und Botschaft Ecuador bisher unbekannt.

    • Unsere Medien bis hin zu den Netzaffinen sind leider durch die Anti-Assange-Propaganda schon derart aufgehetzt, dass dort nur oder vorwiegend negative Dinge berichtet werden.
      Die Spenden-Aktion mit dem „Paywall-Skandal“ wurde rauf und runter beschrieben und die Spaltung von Anonymous und WL immer wieder in den Vordergrund gestellt -das ist der mediale Gegenwind gegen einen globalen Whistleblower. (Der penetrante Spendenpopup war wirklich keine gute Idee, aber daraus eine Spaltung von Anonymous zu machen riecht schon sehr nach einer US-Intrige).
      Die Bürgen sind allerdings eher sehr wohlhabende Menschen, da wird jetzt keiner ins Obdachlosenasyl ziehen müssen wegen 15,000 Pfund; aber das Geldproblem bei WL wird neben der US-Finanzblockade vor allem durch die West-Mainstreammedien-Hetzpropaganda erzeugt. Schaffen wir wieder eine positive Stimmung für WL, dann ist das kein Problem mehr -an die Wau-Holland-Stiftung spenden ist übrigens kein Problem-.

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