Julian Assange: Krank im Botschaftsasyl?

Gerd R. Rueger 04.11.2012

Die Londoner Botschaft von Ecuador zeigt sich besorgt um die Gesundheit des dort Asylsuchenden Julian Assange. Die Vertretung Ecuadors hat angefragt, ob London ihm eine sichere Passage zu einem Krankenhaus garantieren würde, doch die britischen Behörden beharren bislang darauf,  dass der Wikileaks-Gründer festgenommen wird. Trotz Fürsprache von „Women Against Rape“ werden Assange von Medien und Justiz weiter sexuelle Delikte vorgeworfen, die angeblich Grund zur Auslieferung sein sollen.

Die Botschaft von Ecuador zeigte sich jüngst besorgt um die Gesundheit des dort Asylsuchenden Julian Assange. Die Vertretung Ecuadors hat angefragt, ob London ihm eine sichere Passage zu einem Krankenhaus garantieren würde, falls er behandelt werden muss. Die britischen Behörden beharren jedoch darauf,  dass Julian Assange festgenommen wird, sobald er einen Fuß vor die Botschaft setzt. Die Vertretung von Ecuador steht in London unter ständiger polizeilicher Überwachung. Als er im August auf dem Balkon des Gebäudes eine Andsprache hielt, erschien der Wikileaks-Gründer noch bei guter Gesundheit, aber ein BBC-Reporter, der ihn kürzlich sah, beschrieb ihn als „einen sehr blassen Mann“. „Assange ist merklich abgemagert und wir sind sehr um seine Gesundheit besorgt“, zitierte Voice of Russia Radio Ecuadors stellvertretenden Außenminister Marco Albuja Martinez, „Wenn er krank wird, müssen wir zwischen zwei Alternativen wählen: Assange in der Botschaft behandeln oder ihn in ein Krankenhaus bringen.“

„This is a very serious situation and it can affect Assange’s human rights.“

Die in Russland öffentlich gemachten Kommentare wurden von der ecuadorianischen Botschaft in Moskau bestätigt.

Ecuador hat dem britischen Foreign Office ein Dokument übergeben, mit dem Julian Assange ins Krankenhaus überführt werden könnte, wobei sein Flüchtlingsstatus gewahrt bliebe, doch Großbritanniens Auswärtiges Amt antwortete, man wisse nichts von gesundheitlichen Problemen des Asylanten Assanges. „Ecuador have not told us that Mr Assange is ill. However, were they to do so, we would consider the matter“, so ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der Briten. Die Begründung der Briten, Assange wegen angeblicher sexueller Vergehen an Schweden ausliefern zu wollen erscheint immer mehr Menschen unglaubwürdig. 1998 wurde der chilenischen Diktator Augusto Pinochet in London verhaftet, es lief ein Auslieferungsersuchen aus Spanien. Bewiesen war zu diesem Zeitpunkt schon Pinochets Verantwortung für den Mord an 3.000 Menschen, die Folter von mehr als 30.000 Menschen, einschließlich brutaler Vergewaltigungen, begangen an mindestens 3.000 Frauen. Der Massenmörder bekam Asyl in London und die Briten verweigerten nach einem langwierigen Rechtsstreit die Auslieferung an Madrid –Ankläger in Madrid war der berühmte Richter Balthasar Garzon (in Spanien von neofrankistisch-rechtspopulistischen Kreisen abgesetzt und ins Ausland getrieben, jetzt im Juristen-Team von Wikileaks). Damals standen tägliche Mahnwachen von chilenischen Flüchtlingen vor dem Britischen Parlament, darunter Frauen, die unter Pinochet gefoltert und vergewaltigt worden waren.  London ließ den Massenmörder, -folterer und –vergewaltiger Pinochet nach Chile zurückkehren, ohne dass er für seine unzähligen Verbechen belangt werden konnte.

„Women Against Rape“ für Assange

In der Assange immer feindseliger behandelnden Mainstream-Presse wird keine Gelegenheit ausgelassen, auf die ihm vorgeworfenen sexuellen Delikte hinzuweisen, oft wurden sie sogar verleumderisch zur „Vergewaltigung“ aufgebauscht. Erst umfangreiche juristische Schritte, gegen diese von fast allen westlichen Medien mitgetragene Hetzkampagne konnten den journalistischen Lynchmob ein wenig zur Ruhe bringen. Heute reden viele wieder von sexuellen Delikten, statt „Vergewaltigung“ zu schreien, doch die zweifelhaften Umstände, unter denen dieser Verdacht konstruiert wurde, werden totgeschwiegen.

Ein lange fälliger Vergleich des britischen Justizhandelns im Fall des Massenvergewaltigers und -mörders Pinochet mit dem Fall Assange bleibt in der Presse weiterhin aus. Im Fall Assange geht es um sehr fragwürdige Anklagen in unvergleichlich banaleren Anschuldigungen, aber London will Assange unbedingt ausliefern. Warum?

Auch Katrin Axelsson and Lisa Longstaff von “Women against Rape” wiesen auf diesen Widerspruch hin:

“Whether or not Assange is guilty of sexual violence, we do not believe that is why he is being pursued. Once again women’s fury and frustration at the prevalence of rape and other violence, is being used by politicians to advance their own purposes. (…) In over 30 years working with thousands of rape victims who are seeking asylum from rape and other forms of torture, we have met nothing but obstruction from British governments. Time after time, they have accused women of lying and deported them with no concern for their safety.” (Guardian 23.08.2012)

Das Schweigen der Medien wird zur Waffe, die gerade in westlichen Demokratien effizient wirkt -denn dort vertraut immer noch ein Großteil der Bevölkerung blind den verzerrten Halbwahrheiten, die ihnen vorgesetzt werden. Der Rest der Menschen ist oft resigniert und zieht sich in unpolitische Traumwelten zurück, die ihnen von derselben Medienindustrie vorgesetzt werden, die ihren Zugang zu Informationen verwehrt: Zu solchen Informationen, die der westlichen Herrschaftselite unbequem sind -wie die Wahrheit über Assange.

Siehe auch zu Wikileaks/Assange: 

Geheimdienst-Kooperation USA-Australien

Politik der Einkerkerung: Die Detainee Policies

Wikileaks und Anonymous

Assange kritisiert Obama

Hexenjagd auf Assange -London im Abseits

Kritik an Anti-Assange-Hetzfilm

Whistleblower in Folterhaft: Bradley Manning

Finanz-Terror gegen Wikileaks

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