Pariser Korruption: Sarkozy und L’Oreal

Gerd R. Rueger 22.11.2012 France.svg

Sarkozy –ein Ex-Staatschef steht unter Korruptionsverdacht und muss sich endlich, nach Ende seiner Immunität, der Justiz stellen. Im Mittelpunkt des Korruptions-Skandals standen Liliane Bettencourt, die Erbin des edlen L’Oréal-Imperiums, geschätztes Vermögen 17 Milliarden Euro, und der französische Arbeitsminister Eric Woerth, früher Haushaltsminister der Grande Nation unter Sarkozy.

Sarkozy durfte nach einer zwölfstündigen Vernehmung durch Untersuchungsrichter den Justizpalast in Bordeaux als „verdächtiger Zeuge“ wieder verlassen: Alles deutet daraufhin, dass Indizien für die Beteiligung von Sarkozy an einer Straftat vorliegen, die aber noch nicht für ein Anklageverfahren genügen. Über Verlauf und Inhalt der Vernehmung machte die Justiz keine Angaben, dabei geht es möglicherweise um den Verdacht, Sarkozy könnte seinen erfolgreichen Wahlkampf 2007 mit illegalen Bargeldspenden aus dem Milliardenvermögen des Bettencourt-Milliardärsclans finanziert haben.

Korpus delicti waren u.a. Tonbandaufzeichnungen, die ein Bediensteter dem französischen Internetmagazin Mediapart übergeben hatte. Das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Bettencourt und ihren Günstlingen führte bis zu Sarkozys engerer Umgebung und zu ihm selbst, was die Angelegenheit zu einer Staatsaffaire machte. Sarkozy soll nach Angaben von Mediapart schon in seiner Zeit als Bürgermeister in Neuilly und später als Präsidentschaftskandidat gut gefüllte Briefumschläge von Mme. Bettencourt erhalten haben. Im Mittelpunkt der Debatte stand damals aber nur der frühere Haushaltminister Eric Woerth, dessen Frau Florence bei einem Unternehmen Bettencourts in leitender Position bei der Vermögensverwaltung tätig war. Eine Korruption durch personelle Verstrickung lag in der Luft.

Besonders verdächtig waren in diesem Zusammenhang die 30 Millionen Steuerrückzahlung vom Mai 2008, die Liliane Bettencourt erhielt – zu Zeiten als Woerth als Haushaltsminister für die französischen Finanzen und Frau Gemahlin Woerth für Bettencourts Finanzen zuständig war. Woerth, dessen Zustimmung als Minister für eine derartige Rückzahlung nötig war, versuchte sich seinerzeit mit großer Mühe herauszureden. Deutsche Beobachter fragten damals ironisch, ob nicht die Oberschicht die einzige Klasse sei, die noch wirklich kollektiv und solidarisch funktioniert… Die politischen Folgen dieser Affäre konnten Sarkozy leider nicht gefährlich werden, erst jetzt wird geklärt, ob der kleine Führer der Grande Nation nicht die Arbeit der Justiz in seinem Sinne beeinflusst hatte.

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