And the Winner is: Rotgrün

Gerd R. Rueger 21.01.2013

Hannover. Nach spannendem Endspurt zwischen Pest und Cholera liegt im amtlichen Endergebnis Rotgrün mit gut 46 % vor Schwarzgelb mit nur 45,9%. Das Siegerlager SPD/Grüne folgte dabei der Strategie der Banken im Finanz-Raubzug: Langjährig aufgebautes Vertrauen ausbeuten. Im Vorfeld der Wahl wurden Linke und Piraten von den Medien konsequent runtergemacht. Vor allem für die Piraten kam das als Schock: in Umfragen wurden sie für diese Wahl mit 9% gehandelt. Der Medien-Hype-Jojo-Effekt hat zugeschlagen.

NiederS_wahl2013

Im Piratenblatt Flaschenpost mahnte Pirat Michael Renner eine Rückkehr zur Debatte der piratigen Inhalte des Programms an und distanzierte sich von infantilen Hacker-Scherzen gegen politische Gegner auf den NDR-Wetterseiten:

„Als infantil outeten sich Anhänger (?) der Piraten, als per Cross-Site-Scripting (XSS) eine gefälschte Meldung auf den Wetter-Seiten des NDR platzierten: Die FDP hätte Meinungsforschungsinsititute bestochen um Umfrageergebnisse der FDP und der CDU höher zu bewerten, die der Piraten um 3% niedriger auszuweisen. Auch wenn nicht klar ist, wer hier aus dem Scriptbaukasten für Heranwachsende seine Fähigkeiten unter Beweis stellte: Wir Piraten wollen wegen unseres Programms gewählt werden. Nicht, weil Falschmeldungen über andere Parteien verbreitet werden. Wir haben ein Programm, für dieses bitten wir die Wähler um ihre Stimme.“

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Einen Vorsprung an Medienkompetenz haben die Piraten-Skriptkids mit ihrem NDR-FDP-Hack zwar bewiesen, aber kaum Beachtung für die Piraten erzeugt und eher Wähler abgeschreckt.

Nun kann vermutlich in Hannover ein Revival der rotgrünen Politik stattfinden und im Bundesrat steht Merkels Schwarzgelb jetzt vor einer feindlichen Mehrheit, die ihr manches Ding verhageln wird: Schlecht ins Bundestags-Wahljahr gestartet.

Für die Menschen in unserem Land und in Europa ist dies jedoch ein zweifelhafter Sieg, denn Rotgrün hat sich lange von sozialen und demokratischen Werten entfernt. Auch Ökologie scheint nur noch ein Markenimage der Grünen zu sein -immerhin propagandistisch noch erfolgreicher im Polit-PR als das soziale Gefasel der SPD, das kaum noch jemand glauben mag.

Mit Bilderberger Steinbrück an der Spitze steht die SPD vor allem für ein politisches Dogma: Die Linkspartei von der Macht fernhalten, solange es geht. Denn die Linken sind die einzigen im politischen Spektrum, die den Geldeliten der Bilderberger-Sponsoren ernsthaft an die Geldbörse gehen wollen. Eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums mit aller Gewalt zu verhindern, ist oberstes Ziel aller Bilderberger-Medien, -Parteien und Persönlichkeiten im Land. Darum wird bei Debatten über Machtkonstellationen die Option Rot-Rotgrün auch verbissen totgeschwiegen, inzwischen ohne jede Begründung. Anfangs wurde Rot-Rotgrün noch mit der dümmlichen Behauptung für unmöglich erklärt, Oskar Lafontaine sei der Erzbösewicht-Verräter für die ganze SPD immerdar. Nach Lafontaines Abtritt von der politischen Bühne griff man auf abgeschmackte DDR-, Stasi- und Antikommunismus-Beschuldigungen zurück. Heute ist unter dem Medien-Trommelfeuer auf die deutschen Hirne die Option Rot-Rotgrün bereits als Tabu fest eingebrannt, wie es scheint.

Bilderberger, Banken und SPD -wie hängt das zusammen? New Labour unter Blair/Schröder hat in ihrer Politik im Prinzip dasselbe getan, wie die Banken: Die Banken haben in ihren großen Wellen der globalen Abzocke vor allem eines ausgebeutet: Das Vertrauen, das die Menschen ihnen nach jahrzehnten zufriedenstellender Arbeit entgegen brachten. Neoliberalismus heißt Raubkapitalismus und dem Räuber ist sein guter Ruf schnurzegal. Er grapscht sich unter der Maske des Biedermanns, was er kriegen kann. Sozis, Labour und in ihrer Nachfolge viele Linke und „Sozialisten“ Europas taten das Gleiche in der Politik. Sie haben die Finanzwelt dereguliert, besonders in Deutschland Rotgrün, aber auch Blair und in den USA Clinton (nicht, dass der als Sozi gelten könnte -aber man glaubte die US-Reps doch einer gnadenlosen Ausbeuterpolitik etwas näher als die US-Demokraten).

Wie der ehedem seriöse Banker seine altgedienten Bankkunden mit Lehmann-Zertifikaten usw. abzockte, so zocken neoliberale „Linke“ ihre Wähler ab, also die Menschen, die ihnen vertrauten. In Deutschland wählt die SPD weiterhin die Oma, die das immer tat, aber auch der Onkel Facharbeiter. Der Facharbeiter tut dies, obwohl er eigentlich schlau genug sein müsste, zu erkennen, dass sein Lebensstandard sinkt -auch dank Agenda2010 ff. Er gehört zur breiten Mittelschicht, von der das Geld der parasitäteren obersten 10% der Einkommenspyramide stammt. Aber er wird bedroht mit dem Abstieg in Hartz IV, glaubt zurecht, die Rechten würden ihn noch tiefer fallen lassen und hat ja einen perversen Gewinn dabei: Er steht noch weit besser da, als viele der unteren 50%. So kann der Herr Facharbeiter-SPD-Wähler mit seinem selbstverschuldet fallenendem Einkommen immerhin noch auf die breite Masse der prekär Schuftenden herabschauen. Und die Damen und Herren Pseudo-Linke, Labour, SPD, Grüne & Co laben sich an ihrem Anteil der Beute in einer sich ausbreitenden „Postdemokratie“. Die nächste Drehung der totalitären Politschraube führt vom pseudo-sozialen New Labour (hierzulande: Rotgrün) direkt in den braunen Neorassismus -Ungarn hat es vorgemacht.

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