Ex-Doktorin Schavan: Bologna, Elite und Exzellenz

Nora Drenalin 6.2.2013

Nun er futsch, ihr Doktortitel, Schavan will dagegen klagen. Das steht ihr frei, wie jedem anderen Schüler und Studenten, der durchs Abitur oder Rigorosum fällt. Erfolg haben solche Klagen selten -vermutlich wollte sie sich zunächst Luft vor der Pressemeute verschaffen, um sich mit Merkel zu beraten. Die Studierenden liebten Schavan nie: Die Ministerin hatte in der deutschen Bildungslandschaft den sogenannten Bologna-Prozess auf ihre Kosten durchgezogen.

Plagiatoren auf der Regierungsbank

Ein Herz hatte sie nur für die an den USA orientierte Elite- und Exzellenz-Ideologie, die Aufwendungen für Bildung unfair verteilt. Ihre eigene Doktorarbeit war dabei, wie sich jetzt bestätigte, alles andere als ein Beispiel für Exzellenz –schavanplag hats gezeigt. Deutschland als eines der Schlusslichter in Sachen Aufwendungen für Forschung und Bildung unter den Industrieländern lässt seine Unis verrotten -aber Schavan beschaffte nicht mehr Geld alle Bildungssuchenden, sondern konzentrierte die wenigen neuen Mittel auf angebliche Eliten.

Noch schlimmer war der sogenannte „Bologna-Prozess„: Unter dem Deckmantel der europäischen Harmonisierung hatten Industrielobbyisten in Brüssel (Bertelsmann u.a.) das Bildungswesen plattgemacht. Ein gnadenlos verschultes Studium hatte die Unis zu einem Schlaraffenland für die Industrie aber zu einer Hölle für die Studierenden umgestaltet. Höhnische Reaktionäre freuten sich darüber, dass nun endlich schluss sei, mit der Freiheit des studentischen Lebens. Deutschland unter Schavan war dabei ein Vorreiter -heute steht die Hochschulbildung vor dem Scherbenhaufen dieser neoliberalen Machenschaften.

Gutachter für die Dissertation unserer Bildungsministerin Annette Schavan war der Düsseldorfer Philologe Stefan Rohrbacher. Er fand 60 Beanstandungen auf 351 Seiten der Dissertationsschrift ausgerechnet mit dem Titel “Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung”. Das Gewissen der Ministerin wird derzeit stark unter Anspannung stehen, sie  doch jetzt endgültig in einer Reihe mit anderen prominenten Plagiatoren wie Guttenberg und Koch-Mehrin.

Als heuchlerisch erscheint unsere Politprominenz vor allem deshalb, weil die Plagiatoren eine Politik der gnadenlosen Jagd auf Raubkopierer verfolgen. Vor diesem Hintergrund, den die Vroniplag-Netzbewegung genüsslich weiter auszubauen scheint, kann man nur von Heuchelei und Korruption sprechen: Denn die Politik vertritt hier die Interessen der großen Medienindustrie gegen uns alle.

Dennoch: Nun er futsch, ihr Doktortitel, und Schavan will dagegen klagen. Vielleicht haben Richter ja mehr Verständnis für fehlende Quellenangaben in den Fußnoten als Germanisten und andere Philologen. Eine Wissenschaftsministerin sollte freilich mit etwas mehr Würde und Demut vor den Kriterien der akademischen Forschung glänzen. Die Uni Lübeck will ihr dennoch eine Ehrendoktortitel verleihen: Sie rettete die dortige medizinische Fakultät (während sie aber im Rahmen des sog. „Bologna-Prozesses“ Dutzende Fakultäten an vielen deutschen Unis vor die Hunde gehen ließ). Kurzum: Unsere „Eliten“ haben eine Lachnummer mehr.

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