Schavan -Rücktritt cum laude?

Nora Drenalin 9.2.2013 

Annette mit Angela vor die Kameras: Ein Rücktritt cum laude, statt großmäuligem Herumgeeiere, wie bei vielen anderen schwarzgelben Rohrkrepierern des letzten Jahres. Wenigstens etwas. Aber die Mediokren aus Politik und Journaille, die sich heute vor Respektsbekundungen überschlagen, sollten nicht das Bildungs-Desaster vergessen, das Schavan uns hinterlassen hat: Studiengebühren, Elite- und Exzellenz-Blödsinn sowie gnadenlose Bologna-Bildungsplattmache und vermurkste Schulpolitik.

Die Studierenden litten unter Schavan: Die Ministerin hatte in der deutschen Bildungslandschaft den sogenannten Bologna-Prozess auf ihre Kosten gnadenlos durchgezogen. Bekannt war Schavan für ihre an der US-Politik orientierte Elite- und Exzellenz-Ideologie, die Gelder für Bildung genauso unfair verteilt, wie alles andere im erzkapitalistischen Land der unbegrenzten Ausbeutungs-Möglichkeiten. Schavans „Deutschland-Stipendium“ verteilte schamlos Geld von armen BAFöG-Studis als Extra-Taschengeld (300,-/Monat) an reiche Schmocks, die dank privilegierter Herkunft, ohne nebenher arbeiten zu müssen und oft mit teuerer Nachhilfe gepampert die Noten-Anforderungen dafür vorweisen konnten.

Schavans eigene Doktorarbeit „Person und Gewissen“ war kein Beispiel für Exzellenz –schavanplag hat es uns gezeigt. Deutschland als eines der Schlusslichter in Sachen Aufwendungen für Forschung und Bildung unter den Industrieländern lässt seine Unis verrotten -aber Schavan beschaffte nicht mehr Geld alle Bildungssuchenden, sondern konzentrierte die wenigen neuen Mittel auf angebliche Eliten und „Exzellenz-Cluster“. Sie ist maßgeblich mitverantwortlich, dass die „Bildungsrepublik Deutschland“ (Merkel)  mit einem BIP-Anteil der Bildungsausgaben von 5,3 Prozent deutlich unterhalb des OECD-Durchschnitts von 6,3 Prozent liegt -vergleiche Dänemark: 8,3 %; Norwegen und Schweden: 7,0 %. Jährlich wären in Deutschland ca. 90 Mrd. Euro mehr an Bildungsausgaben erforderlich. SPD und Grüne haben auf diesem Gebiet freilich ebenfalls versagt, aber nicht so fatal wie Schwarzgelb.

In neoliberalen bzw. neodarwinistischen Ausleseverfahren wurden die Elite-Unis gekürt und bekamen eine Vorzugsfinanzierung mit dem Geld, das aus allen anderen heraus gequetscht wurde. Glamour für die einen -schimmelige Wände bei den anderen. Und die Kriterien für solche „Elite“-Selektion waren nicht unumstritten: War es wirklich immer wissenschaftliche Kompetenz? Oder vielleicht auch politische Unterwürfigkeit unter die Belange von Geldmächtigen und Industrie -das Hauptmerkmal der ganzen Bologna-„Reformen“?

Bologna: Schavan, die Walküre der Lobbyisten

Denn Hintergrund war der sogenannte “Bologna-Prozess“: Unter dem Deckmantel der europäischen Harmonisierung hatten Industrielobbyisten in Brüssel (Bertelsmann u.a.) das Bildungswesen plattgemacht. Ein gnadenlos verschultes Studium hatte die Unis zu einem Schlaraffenland für die Industrie aber zu einer Hölle für die Studierenden umgestaltet. Schadenfrohe Kommentatoren freuten sich darüber, dass nun endlich Schluss sei, mit der Freiheit des studentischen Lebens. Doch schon bald jaulten die Arbeitgeber über die mangelhafte Ausbildung der Bachelor-Absolventen -was hatten die denn erwartet nach nur acht, teils nur sechs Semestern Studium? Für Kritikfähigkeit und Anleitung zum Selberdenken bleibt heute nicht viel Zeit. Deutschland unter Schavan war bei der Bologna-Abwicklung ein Vorreiter -heute steht die Hochschulbildung vor dem Scherbenhaufen dieser neoliberalen Machenschaften.

Die spätere Ministerin soll ihre eigene Doktorschrift schon mit 25 verfasst haben, ohne vorher ein Studium abgeschlossen zu haben. Mit schnell zusammen gepfuschten Texten zu akademischen Ehren, so sollte der Bologna-Bachelor wohl auch aussehen. Aber es fehlte echte Kompetenz und Tiefgang -in einer Polit-Laufbahn fällt sowas wohl weniger auf als im richtigen Leben. Exzellenz vortäuschen mag als Politiker/in genügen…

Bei näherem Hinsehen bleibt davon aber wenig: Gutachter für die Dissertation von Schavan war der Düsseldorfer Philologe Stefan Rohrbacher. Er fand 60 Beanstandungen auf 351 Seiten der Dissertationsschrift ausgerechnet mit dem Titel “Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung”. Das Gewissen der Ministerin hat wohl unter Anspannung gestanden und sie wird jetzt endgültig in einer Reihe mit anderen prominenten Plagiatoren wie Guttenberg und Koch-Mehrin stehen bleiben.

Als heuchlerisch erscheint unsere Politprominenz vor allem deshalb, weil die Plagiatoren eine Politik dergnadenlosen Jagd auf Raubkopierer verfolgen. Vor diesem Hintergrund, den die Vroniplag-Netzbewegung genüsslich weiter auszubauen scheint, kann man nur von Heuchelei und Korruption sprechen: Denn die Politik vertritt hier die Interessen der großen Medienindustrie gegen uns alle –wir brauchen keine Jagd auf Raubkopierer, sondern ein neues Urheberrecht.

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