Bundesinnenminister fordert mehr Videoüberwachung auf öffentlichen Toiletten?

Nora Drenalin 20.4.2013 https://i2.wp.com/www.postswitch.de/wp-content/uploads/2010/12/ueberwachungsstaat15.jpg

Schnell die Boston-Bomben-Stimmung ausnutzen, um die Schraube am Überwachungsstaat eine Drehung fester zu ziehen. Das sind wir den Terroristen schuldig, dass wir nach jeder Bombe kreischend unsere Bürgerrechte auf den Müll werfen. Und das nur weil ein paar Apparatschiks Panik machen und ihr schmutziges Süppchen mit dem Blut der Opfer kochen wollen. Unser Bundesminister des Inneren will die Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen auszuweiten -warum nicht gleich auf öffentlichen Toiletten?

Nackt-Scanner für alle, auch die Bundeskanzlerin will mit gutem Beispiel vorangehen in den Überwachungsstaat

Schnell die Boston-Bomben-Stimmung ausnutzen, um die Daumenschraube in den Überwachungsstaat noch eine Drehung fester zu ziehen. Das sind wir den Terroristen schuldig, dass wir nach jeder Bombe vor Wut und Angst kreischend unsere Bürgerrechte auf den Müll werfen. Und das nur weil ein paar Politapparatschiks Panik machen und ihr schmutziges Süppchen mit dem Blut der Opfer kochen wollen? Nö.

Unser Bundesminister des Inneren, Hans-Peter Friedrich, will im Bundeshaushalt 2014 mehr Mittel beantragen, um die Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen auszuweiten -warum nicht gleich auf öffentlichen Toiletten? Da kann man die Islamisten mit herunter gelassener Hose erwischen und gleich ein Wörtchen über Beschneidung mit ihnen sprechen. Der CSU-Politiker führt angeblich schon Gespräche mit der Deutschen Bahn AG, um die Videoüberwachung auf Bahnhöfen auszuweiten. Der Terror lauert auf dem Bahnhofsklo, das weiß doch jeder. Und besonders die Londoner mit ihrer zugleich bestüberwachten und bestbombardierten U-Bahn der Welt.

https://i0.wp.com/www.hackthenet.de/images/180.jpgNoch weitere Innenminister der Union hängen sich an die Panikmache dran und forderten den Ausbau des Überwachungsstaates. Quasi als Internisten des fauligen Staatsköpers, der jetzt bald sein schwarzgelbes Zombiestadium erreicht. Bei den Anschlägen in Boston hätten Videoaufnahmen wichtige Täterhinweise und schnell verfügbare Ermittlungsansätze geliefert, plapperte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von der CSU gegenüber Springers „Welt“, die für ihn die Bühne ist mit den Brettern, hinter denen wir seinen Kopf vermuten. Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) behauptete frech und wahrheitswidrig, Videokameras seien nicht nur bei Terrorakten ein gutes Mittel, sondern schafften auch an Kriminalitätsschwerpunkten Sicherheit und ein wohliges Gefühl.

Wohl ein wohlig-braunes Gefühl der warmen, faschistoiden Volksgemeinschaft. Halleluhja. Aber eines hoffen wir jetzt wirklich: Dass dieses miese Schmierentheater nicht ernst gemeint ist, sondern nur zwischen Schwarz und Gelb wieder mal die Proiflierungsgeilheit befriedigen soll. Denn wo ein braunschwarzer Unionist nach Polizeistaat schreit, ist ein neidgelber Neoliberaler nicht fern, der die Freiheit anmahnt. Und hepp, bei der nächsten gut fingierten Umfrage schafft Merkels Versagertruppe noch die 50 Prozent.

Werbeanzeigen

Lüge der Woche: Arme Deutsche

Galindo Gaznate 20.4.2013

Erneut machten viele Mainstream-Medien mit dieser Falschmeldung auf, die auf einer absichtlich falsch gedeuteten Statistik der EZB beruht. Die Lüge: „Die Deutschen“ sind ärmer als andere Europäer. Der Trick: Bei der Messung des Reichtums wurde die exotische statistische Größe “Median” ausgewählt. Der Median sagt aber nichts über den (sonst gemeinten) durchschnittlichen Reichtum aller Deutschen aus. Alles Gerede über Hausbesitz und Renten, die angeblich dafür wichtig seien, ist dabei relativ belanglos.

Europas Presse debattiert aufgeregt über die EZB-Vermögensstudie: Titelbild„Unglaublich, die Deutschen sind die Ärmsten in Europa“, staunt „JDD“ aus Frankreich, „Keineswegs“, kontert der Wiener „Standard“ und falls doch, dann sind die deutschen „Übeltäter“ selbst dran Schuld, heißt es im „Guardian“ -der „Spiegel“ machte gar seine Titelstory daraus und fabulierte und schwadronierte kräftig mit –„Vermögen in Griechenland größer als in Deutschland“ machte SpiegelOnline (SpiOn) auf unterstellte den vom deutschen Banken gebeutelten Südeuropäern, ihr „Vermögen zu verstecken“ (als ob deutsche Reiche alle brav damit beim Finanzamt ankämen), mit diesen Hasstiraden setzt SpiOn  seine heimtückische Griechen-Hetze vom letzten Jahr nahtlos fort.

Erneut machten viele Mainstream-Medien also mit dieser Falschmeldung auf, die auf einer absichtlich falsch gedeuteten Statistik der EZB beruht (die auch von der Bundesbank vor vier Wochen vermutlich ebenso absichtlich in missverständlicher Form lanciert wurde). Die Lüge: Deutsche sind ärmer als andere Europäer. Der Trick: Bei der Messung des Reichtums wurde statt des üblichen Durchschnitt als „Mittelwert“ die exotische statistische Größe „Median“ ausgewählt.

Der Median ist der Wert jenes Deutschen, der in der Mitte steht, wenn man alle Deutschen nach anwachsendem Reichtum hintereinander aufstellen würde. Dessen Vermögen entspricht aber nicht dem durchschnittlichen Reichtum aller Deutschen, denn das meiste davon horten die oberen zehn Prozent -davon das meiste wieder die obersten ein Prozent, die ca. 50 Prozent des Geldvermögens besitzen. Fazit: der Median-Mittelwert zeigt nur, dass es in Deutschland mehr Arme gibt als etwa in Spanien. Er verschweigt aber, dass es in Deutschland auch viel, viel mehr Reiche gibt. Deutsche Journalisten verstehen den Median offensichtlich aber nicht und denken an den alltagssprachlichen „Durchschnitt“ (genauer: das arithmetische Mittel, d.h.man zählt alle Personen, summiert ihre Vermögen und teilt die Summe durch die Anzahl der Personen -genau so funktioniert der Median aber nicht!).

Sogar die Junge Welt fiel herein

Leider gilt das sogar für die Junge Welt (jW), sonst ein Lichtblick in unserer weitgehend neoliberalisierten Presselandschaft. Deren Finanzjournalist Lucas Zeise folgte am13.April in der jW der Mainstreamer-Fehldeutung des Median, verteidigte aber dennoch tapfer eine soziale Sichtweise der Thematik:

„Das mag alles richtig sein. Wichtiger wäre der Hinweis, daß die Vermögensstatistik jedes Landes von der schmalen Spitze bestimmt wird. Die Vermögenssumme der fünf oder besser des einen Prozents Superreicher jedes Landes bestimmt, was am Schluß bei Durchschnitt und Median herauskommt.“

Das ist jedoch falsch, wie ich gleich belegen werde: Der Median lässt gerade die Superreichen unter den Tisch fallen. In der Online-Version von Lucas Zeises Artikel „Arme Deutsche“ hat die jW immerhin schon den „Median“ aus diesem Satz getilgt, aber den Hintergrund nicht weiter klargestellt; vielleicht hat die jW unsere Kritik hier mitbekommen, aber nicht ganz verstanden? Keine Angst, weiter unten wird gleich der mysteriöse Median nochmal ganz langsam erklärt: Auch jW-Finanzexperten sollten ab und zu in dieses Blog schauen 😉

Was wollen die EZB-Bankster?

Offensichtlich wollen die EZB-Bankster, wie schon vor drei Wochen die obersten deutschen Bankster und ihre Helfer in den Redaktionen von Presse und TV, zur aktuellen Zypernkrise Nebelkerzen werfen und den deutschen Michel einmal mehr zum Neid auf Südeuropäer aufhetzen. Basis ist die “versehentliche” Verwechslung von Median und Durchschnittswert, die beide als “Mittel” umschrieben werden können, jedoch ganz Unterschiedliches bedeuten.

Propaganda durch Verzerrung und Weglassung

BILD behauptete etwa, das Vermögen deutscher Privathaushalte sei “angeblich um einiges kleiner als das in vermeintlich viel ärmeren Euro-Krisenländern wie Italien oder Spanien”, das gehe aus einer aktuellen “Studie der Bundesbank” hervor.

BILD.de: “Deutsche haben demnach im Mittel ein Vermögen von 51 400 Euro – in Frankreich liegt dagegen das mittlere Vermögen bei 113 500 Euro, in Spanien bei 178 300 und in Italien bei 163 900 Euro. Grund für den vergleichsweise geringen Wert in Deutschland ist die sehr niedrige Eigenheim-Quote hierzulande. Während nur 44,2 Prozent der Deutschen ein Haus oder eine Wohnung ihr Eigen nennen, sind es etwa in Frankreich 57,9 Prozent, in Italien 68,4 Prozent und in Spanien sogar 82,7 Prozent.”

Das ist natürlich falsch -aber die Mainstreamer brachten diese verlogene Verzerrung der Wahrheit durch die Bank, von Bertelsmanns Sender n-tv bis zu den Edelfedern der FAZ. Die Trick ging so: Statt des Durchschnittswertes der Vermögen wurde von der Bundesbank der MEDIAN angegeben, ein seltsamer statistischer Wert, dessen Eigenheiten nur Fachleuten bekannt sind. Der Median führt in diesem Fall zu einer starken Unterschätzung der hohen Einkommen, die sich an der Spitze der Pyramide in Deutschland angesammelt haben. Die wahre Bedeutung ist also nicht: Deutsche sind ärmer als Spanier usw., sondern bei den Deutschen ist der viel größere Reichtum auch noch viel ungleicher verteilt, d.h. die untere Hälfte der Einkommenspyramide ist viel ärmer als in Spanien -dafür ist die obere Hälfte, besonders das obere Zehntel der reichen Deutschen viel reicher. Es geht den Medien aber darum, bei den von ihren Reichen ausgeplünderten armen Deutschen Neid auf Spanier, Griechen usw. zu schüren, statt daheim auf gerechtere Verteilung zu drängen.

Die Bundesbank schrieb:

“Auch im Vergleich mit anderen Ländern der Eurozone ist der Median in Deutschland niedrig: In Frankreich hat der mittlere Haushalt ein Nettovermögen von 113.500 Euro, in Italien von 163.900 Euro und in Spanien sogar von 178.300 Euro. Ein Grund dafür könnte die ungleiche Neigung zum Immobilienbesitz sein…”

Vorher erklärte die Bundesbank zwar kurz den Median, aber die Mainstream-Journalisten waren damit überfordert oder stellten sich zumindest dumm -und außerdem boten die Bundesbanker ja gleich eine Pseudoerklärung dazu: Den Immobilienbesitz. Das ist jedoch Blödsinn -denn wer kaum was auf der Bank hat, kann sich natürlich auch kein Eigenheim leisten. Erklärungswert also gleich Null!

Wikipedia erklärt uns die Statistik des Median:

Der Median oder Zentralwert ist ein Mittelwert für Verteilungen in der Statistik. Der Median einer Anzahl von Werten ist die Zahl, welche an der mittleren Stelle steht, wenn man die Werte nach Größe sortiert…  Im Vergleich zum arithmetischen Mittel, oft Durchschnitt genannt, ist der Median robuster gegenüber Ausreißern (extrem abweichenden Werten).

Konkretes Zahlenbeispiel: Von den spanischen Werten 1, 1, 1, 2, 3, 4, 7 ist der Median 2 (Summe der Vermögen ist nur 19);

Von den deutschen Werten 1, 1, 1, 1, 1, 4, 90, 900, 9000 ist der Median nur 1 (Summe der Vermögen ist aber 9999 -bei doppeltem Median war oben die Vermögenssumme 500mal kleiner: darum können „die Deutschen“ reicher sein bei kleinerem Median!) vgl. auch Statistika-Lexikon.

Unsere Superreichen Multimillionäre und  -milliardäre sind solche statistischen “Ausreißer” und dass der MEDIAN gegen sie “robuster” ist, bedeutet schlicht, dass sie unter den Tisch fallen, statistisch weggelogen werden. Kurzum, wer diese mathematischen Hintergründe nicht kennt und an den Durchschnitt denkt, wenn er Median hört (was alle tun werden, außer Fachleuten), wird de facto belogen. Was wohl Sinn und Zweck der Übung gewesen sein dürfte.

Tatsächlich sind nicht Spanier, Franzosen oder gar Griechen „reicher als Deutsche”, sondern es gibt in Deutschland viel mehr Arme als in Spanien usw., weil den deutschen Armen von den deutschen Reichen viel mehr Geld abgenommen wurde. Aber aus dem gleichen Grund gibt es auch viel mehr Reiche in Deutschland als in Spanien und damit viel mehr Reichtum. Hätten die offiziellen Statistikfälscher bei Bundesbank und EZB nicht Armut, sondern Reichtum in ihrer Statistik und zwar ehrlich gemessen, wäre sicher ein weit größerer deutscher Wert zu verzeichnen gewesen. Traurig: Vor drei Wochen konnte dieser Artikel schon einmal erscheinen, damals gegen eine Medienwalze der Lügen, die die Bundesbank losgetreten hatte -jetzt kam alles noch einmal, nur mit verdrehten Statistiken der EZB. Wenn sie mit einer Lüge gut durchkommen, erfolgt gleich der zweite Aufguss davon mit noch größerem Getöse, wie wir sehen. Aber sage kein Journalist diesmal, er hätte es nicht wissen können -jeder hätte es hier vor drei Wochen schon nachlesen können und viele wurden hoffentlich von ihren Lesern mit der Nase auf Jasminrevolution gestoßen.

Nachtrag:

Auf der Website der London School of Economics and Politics

erschien am 10.04.2013 der Artikel “Selective truths and Spanish riches: The Bundesbank’s study on household wealth” von Stefan Bauchowitz und José Javier Olivas, deren ersterer in der Debatte unter dem Artikel u.a. das Folgende schrieb:

Stefan Bauchowitz says (April 10, 2013)

“…The reporting on the Bundesbank’s PHF and the ECB HFCN focuses on the median values, presumably because the median values is where the differences are starkest. Using the median makes sense if one wants to make within-country assessments (and in fact a large chunk of the PHF focuses on the inequality within Germany), it’s probably less useful for a cross-country assessment and even less so when it comes to debating bail-outs (which is not the stated goal of either study)…”

Was eine -wenn auch entpolitisierte und weniger deutlich ausformulierte-  Soft&Short-Version meiner Argumentation darstellt. qed Galindo Gaznate

Wikileaks meets Google

Gerd R. Rueger 20.04.2013

Worüber redete Julian Assange 2011 fünf Stunden lang  mit Google-Boss Eric Schmidt? Wikileaks hat das Gespräch jetzt in voller Länge online gestellt. Internet-Tycoon Eric Schmidt war am 23.06.2011 in Großbritannien als Julian Assange  noch  unter Hausarrest stand und gegen seine Auslieferung klagte. Eine Kooperation Google-Wikileaks wurde ausgelotet, Googles Beziehung zu US-Behörden kritisiert. Es ging um Phil Zimmerman („Mr.PGP“), Kryptographie sowie um Freiheit, Gerechtigkeit und – Geld.

Worüber sprach Julian Assange volle fünf Stunden lang  mit dem mächtigen Google-CEO Eric Schmidt? Wikileaks hat das Gespräch jetzt online gestellt. Schmidt traf zusammen mit seinem Google-Kollegen Jared Cohen den Wikileaks-Gründer am 23. Juni 2011. Cohen leitet die Denkfabrik Google Ideas und war zuvor schon für das US-Außenministerium tätig, wo er als Experte für Internet und Digitales galt. Julian Assange  stand damals noch in Großbritannien unter Hausarrest und klagte gegen seine Auslieferung an Schweden -und von dort wahrscheinlich weiter in ein US-Gefängnis. Es ging um Phil „Mr.PGP“ Zimmerman sowie um Freiheit, Gerechtigkeit und Geld.

Eric Schmidt bekundet in dem lockeren Gespräch Respekt und Bewunderung für die Arbeit des Wikileaks-Gründers, fragt nach der praktischen Arbeitsweise von Wikileaks und der Verfolgung von Julian Assange durch US-Behörden. Der lässt im Gegenzug durchblicken, dass kräftige Geldspenden des schwerreichen Google-Hippsters nicht ungelegen kämen, was mit Scherzen quittiert wird („Nimmst du auch Bitcoins?“ „Klar, her damit“ oder so ähnlich, gut möglich, dass Eric Schmidt danach tatsächlich einige Dollars locker machte).  Julian Assange erklärte, die Whistleblower-Plattform sei als Antwort auf ein “verkrüppeltes” System der Informationsverbreitung nötig gewesen, übersetzte ZDNet“Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass Desinformation so leicht zu erzeugen ist, weil die Komplexität das Wissen überdeckt.” Es sei daher im laufenden Jahrzehnt für Regierungen, Unternehmen und Marketingexperten naheliegend, Systeme der Desinformation aufzubauen , sagte der Wikileaks-Gründer, das mache natürlich die Arbeit eines ernsthaften Journalisten erheblich schwieriger. Die Themenpalette  reichte von der virtuellen Währung Bitcoin bis zum Einfluss von Wikileaks auf die Revolution in Tunesien. Im Verlauf des Gesprächs fragte Eric Schmidt, wie Assange überhaupt mit seinen Mitarbeitern kommuniziere. Assange erklärte, keine E-Mails zu nutzen, da es “zu gefährlich” sei, und Leute lieber persönlich treffe:

“…verschlüsselte E-Mails sind vielleicht noch schlimmer, weil sie leicht auffallen und so zu Endpunkt-Angriffen provozieren … aber wir haben verschlüsselte Mobiltelefone. Leider arbeiten sie nicht in allen Ländern, aber mit SMS-Nachrichten geht es überall.”

Bezüglich seiner Strafverfolgung zeigte sich der Wikileaks-Gründer damals noch optimistischer, hoffte auf eine ähnliche Entwicklung wie im Fall Phil Zimmerman. Der PGP-Entwickler wurde von US-Strafverfolgern wegen angeblichen Bruchs der „Waffenexportgesetze“ angeklagt, weil er sein Krypto-Programm weltweit zugänglich machen wollte. Es war die Zeit der „Krypto-Kriege“ zwischen den USA und Europa, wo auch Paris und Berlin Zugang zu mehr Verschlüsselungs-Technologie suchten.

JA: So remember Philip Zimmermann’s PGP case?
ES: Yes

JA: That was just a grand jury investigation. It was moderately serious. ButJAssangeBobby he wasn’t convicted. No one at that time was being convicted, they were being investigated. It changed the behaviour of tens of thousands of people who were involved in choosing to put cryptography into programs or not. All sorts of tortured copyright assignments and inter software company structuring arrangements, and how code was deployed, were engaged in, just from that negative signal of a grand jury investigation. So what that means is that signals about what behaviour is acceptable, what behaviour you can get away with and what behaviour is beneficial to individuals engaging in it and what behaviour is not, changes how many people behave. So we are at a crossroads now where those organizations that are fighting against those people who want to be able to publish freely and disclose important information to the public…

Die Sache mit PGP und Zimmerman verlief jedoch mehr oder weniger im Sande, die US-Regierung hatte dem dreisten Hacker nur die Grenzen aufgezeigt. Ab 9/11 2001 wurden die USA dann aber auf Krieg eingeschworen, nach außen gegen „den Terror“ in islamischen Ländern und nach innen gegen die Bürgerrechte, die Präsident Bush junior rigoros einschränkte -unter Terror-Panik und Alarmstufe Rot erlebte das Land einen Rückfall in den Kalten Krieg. Die letzten beiden Jahre bezeugen daher, dass im Fall Assange weniger Milde walten dürfte: Man will offensichtlich an Wikileaks ein Exempel statuieren.

Tatsächlich lotete Julian Assange mit Google-Chef Eric Schmidt damals vor zwei Jahren sogar Kooperationsmöglichkeiten aus und regte voller Optimismus an, dass Google etwa die Anfragen veröffentliche, die von US-Behörden auf Basis des „Patriot Act“ an das Unternehmen gestellt werden. Schmidt meinte dazu, er habe darüber lange und intensiv nachgedacht, aber es sei für Google nicht möglich in den USA einen derartigen Rechtsbruch zu begehen -denn die „Anti-Terror-Krieger“ im Patriot Act haben natürlich strikte Geheimhaltung über ihren Zugriff auf die Privacy aller Googlenutzer verfügt. Die Frage, ob das hippe Google-Team mit seiner „Wir-sind-die-Guten“-Politik noch allzu glaubwürdig ist, beantworten heute viele pessimistischer. In den USA wurde unter Quasi-Kriegsrecht nicht zimperlich mit den Bürgerrechten umgegangen, schon gar nicht mit Rechten von Nicht-Amerikanern. Firmen, die Kundenprofile anlegen, schaffen nicht nur Datenbestände für die Überwachung, sie entwickeln auch Methoden und gewöhnen das Publikum daran, seine Privacy nicht ernst genug zu nehmen.

US-Amerikaner Eric Schmidt beschwerte sich seinerseits, warum Wikileaks vor allem Dokumente westlicher Demokratien veröffentliche und nicht totalitärerer Regime und „Böser-Diktator-Typen“, etwa in Afrika. Julian Assange sagte dazu, dass man auch dazu viel „anständiges Zeug“ publiziert habe. (Tatsächlich begann ja die Leak-History von Wikileaks mit Enthüllungen in Kenia und der Giftmüll-Verbringung aus Europa nach Westafrika, vgl. Gerd R. Rueger 2010). Aber ärmere Länder seien nicht so gut vernetzt wie westliche, das Interesse der westlichen Medien ließ zu wünschen übrig. Auch gebe es Sprachbarrieren, wenn die Amtssprache nicht Englisch sei, das erschwere z.B. das Auffinden von Leaks.

Schmidt und Cohen publizieren demnächst das Buch „The new digital age“, fürWL_Logo das die beiden Googlianer auch Julian Assange interviewten. Die Wikileaks-Veröffentlichung wird dazu beitragen, den Lesern Transparenz über das Gespräch zu vermitteln. Ein direktes Zugänglichmachen von Quellen sieht Wikileaks als beste Form von Veröffentlichung -man wird sehen, was in dem Buch aus dem Gespräch herausgefischt wurde und ob es korrekt wiedergegeben wird. Leider musste Julian Assange mit Guardian-nahen Journalisten schlechte Erfahrungen in dieser Hinsicht machen: Aus einem langen Interview mit ihm wurden nur wenige Minuten tendenziös ausgesucht, um ihn zu diffamieren und das ganze in der hetzerischen Anti-Wikileaks-„Dokumentation“ Secrets and Lies in einen extrem diffamierenden Kontext zu stellen.