PRISM-Leak: Sex-Propaganda gegen Snowden

Nora Drenalin 2.7.2013 Snowden

Snowden sucht Asyl in 20 Ländern.  Aber fand er Schweizerinnen (bei denen er jetzt Asyl sucht) wirklich häßlich und zu flachbrüstig? Forderte Whistleblower Edward Snowden wirklich früher einmal, Whistleblowern „die Eier wegzuschießen“? –So posaunen Medien aus angeblichen Chatprotokollen von Snowden,  die mysteriöserweise im Internet auftauchen, seit die CIA-Meute Snowden zur Strecke bringen und diskreditieren will. Die Sex-Propaganda gegen Snowden erinnert schon fast an den Fall Assange, es fehlen nur noch ein paar Frauen, die „Vergewaltigung“ schreien.

Asyl für SnowdenDie Rechtsberaterin des rechtswidrig von den USA verfolgten Whistleblowers Edward Snowden, Sarah Harrison, hat just eine Reihe von Anträgen auf Asyl im Namen des PRISM-Whistleblowers eingereicht, meldet Wikileaks. Die Anträge wurden einem Beamten des russischen Konsulates im Sheremetyevo Airport in Moskau in den späten Abendstunden übergeben. Die Dokumente beschreiben die Risiken der US-Verfolgung für Snowden und es wurde vom russischen Konsulat damit begonnen, sie  an die entsprechenden Botschaften in Moskau weiterzuleiten.

Die Anträge betreffen eine ganze Reihe von Ländern, darunter Bolivien, Brasilien, Ecuador, Kuba, Nicaragua, Venezuela, China, Indien, Russland auch die westeuropäischen Länder Island,  Norwegen, Finnland, Irland, Holland, Spanien, Frankreich, Italien,  Polen sowie Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bezüglich der Schweiz mutmaßt Telepolis, der Whistleblower würde dort Probleme bekommen, weil angebliche Chatprotokolle von ihm aufgetaucht sein sollen, in denen

„…Snowden die Schweiz, in der er sich damals als Attaché der US-Botschaft bei den Vereinten Nationen aufhielt, zwar grundsätzlich „amazing“ findet, sich aber abfällig über Preise (zu hoch), Essen („wie fettiger Karton“), Straßen (zu schmal), Frauen (zu flachbrüstig) und Einwohner der Eidgenossenschaft allgemein äußert, weil diese Landfahrer diskriminieren und sogar untereinander auf sich herabsehen würden.“

Dann folgt ein Verweis auf die schweizer Boulevardpostille „BLICK“, wo statt von „Landfahrern“ Klartext von „Zigeunern“ geredet wird und Snowden noch weitergehend aus angeblichen Chats zitiert bzw. diskreditiert wird:

„Im Jahr 2009 liest Edward Snowden einen Artikel der «New York Times» über Whistleblower. Er ist entsetzt und äussert sich dazu im gleichen Chat: «Versuchen die, einen Krieg zu starten? Jesus Christus, die sind ja wie Wikileaks.» Snowden hat auch eine klare Meinung dazu, wie man mit solchen Verrätern umgehen soll. «Man sollte solchen Leuten in die Eier schiessen.» Ob er diese Massnahme jetzt immer noch für angebracht hält?“ „BLICK“

Spätestens hier fragt man sich, ob derlei Chat-Protokolle nicht eher dem aac53-yes-we-scan-round-200Wunschdenken einer vor Wut über den „Verräter“ schäumenden NSA-CIA-FBI-Truppe entspringen, die Snowden derzeit mit Sicherheit auf den Fersen sind. Selbstverständlich können sie ihre IT-Macht nutzen, um solche platten Fälschungen überall im Netz zu verbreiten. Derartige Beleidigungen, Verleumdungen, zugleich nur schwach verbrämten Drohungen mit brutalster Gewalt, sind natürlich auch gedacht, um potentielle Verbündete gegen Snowden aufzuhetzen. Sie wären genau das, was man von CIA & Co. jetzt erwarten kann.

Dies ist die Handschrift der sexuell verklemmten Supermacht USA, die in mediale Raserei verfällt, wenn beim Superbowl mal ein Nippel aus dem Kleidchen hüpft. Als Google-Streetview in unsere Vorgärten filmte, mokierten sich US-Amerikaner über die datenschutz-verrückten Deutschen, die in der Sauna (für beiderlei Geschlechter!) ihre intimsten Teile zeigen, aber nicht von einem netten US-Datenmoloch fotografiert werden wollten. Kulturelle Differenzen: Die Sex-Propaganda gegen Snowden ist aus solch puritanischer Sicht wohl nicht so harmlos, wie sie für uns bis jetzt noch klingen mag. Wenn neben dem Schmierblatt BLICK aber auch Telepolis sowas unhinterfragt kolportiert, ist das eine unerwartete Enttäuschung. Die schweizer Leser des BLICK sind da zum Glück etwas kritischer:

Das ist wieder typisch Blick. Schreiben lustig drauf los, ohne hinzuweisen, dass dieser Chat offiziell nicht bestätigt oder gar bewiesen ist.
Genauso gut könnte es sein, dass man seine Glaubwürdigkeit untergraben will. Ihr glaubt nicht, dass man sowas macht?
Na, dann erinnert Euch mal an die Abzockerinitiative, wo Studenten bezahlt wurden, damit gewisse Diskussionen unterwandert werden.
Aber eben….typisch Blick.

Leserbrief an Snowden-Basher-Postille „BLICK“ (BILD für Eidgenossen)

Wikileaks an der Seite von Snowden

Wikileaks stand von Anfang an an der Seite des NSA-Whistleblowers Edward Snowden. Das von Snowden enthüllte Spionagesystem PRISM habe keinerlei rechtliche Basis, so Julian Assange. Vor allem sollte man nicht auf die Beteuerungen von US-Präsident Barack Obama hereinfallen, dass keine Gespräche mitgehört würden, außer bei Terrorverdacht. Bei der zur offiziellen Regierungspolitik erklärten Paranoia der US-Regierung (“war against terror”) seit 9/11 gerät eigentlich jeder unter “Terrorverdacht”, der kein begeisterter Bejubler von US-Interessen sein will. Und wie der rechtswidrig verfolgte Snowden aufdeckte, bespitzeln die NSA selbst viele US-Bürger, die sogar gute US-Patrioten sind -was ihre US-Herrschaftseliten ihnen aber nicht recht zu glauben scheinen. Inzwischen formiert sich auch in Europa eine Solidaritätsbewegung.

5 Gedanken zu “PRISM-Leak: Sex-Propaganda gegen Snowden

  1. Snowden zeigte uns, wie die USA uns bespitzeln…
    kein Wunder, dass deren Wirtschaft global Nr.1 ist: Wenn die alle unsere Geheimnisse kennen, unsere Kundendaten stehlen und uns die Geschäfte klauen, unsere Erfindungen als Patent anmelden, unsere Leute erpressen, wo sie sie bei Verfehlungen ausspioniert haben usw. usf.
    (was bleibt ohne PRISM eigentlich von der „only Superpower“ noch übrig? ein mit Hollywood-PR aufgeblasener Sack McDonaldsfraß?)

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