Juncker-Rücktritt: Tagesschau verschweigt weiter Gladio-Skandal

Gerd R. Rueger 12.07.2013

Die NATO-Geheimtruppe Gladio steht im Mittelpunkt der Luxemburgischen Regierungskrise. Dennoch verschweigt die Tagesschau, das wichtigste TV-Leitmedium im Land, was andere Medien längst berichten. Das Wort „Gladio“ wird ebenso vermieden wie „Stay-behind“. Statt dessen langatmiger Infotainment-Video zu Junckers Gefühlen und dem Herzogssitz. Auch auf der ARD-Website keine Hintergrundinformation. Ein Medien-Skandal im Geheimdienst-Skandal.

ARD-Journalisten hielten dem zurücktretenden Juncker ihr Mikro ins Gesicht und fragten wie dümmliche Sportreporter im Stil von „Und wie fühlen Sie sich jetzt, Herr Juncker, wo sie zurücktreten müssen?“ Dann filmten sie ausgiebig seinen Fußweg vom Regierungsgebäude zum daneben liegenden Sitz des Großherzogs, brachten launige Kommentare. Tenor: Nichts besonderes passiert und Juncker ist so beliebt, dass er sicher sein Comeback erleben wird.

ARD: Hofberichterstattung statt Information

Auf ihrer Website präsentiert die Tagessschau nach dem ellenlangen, aber Wappen Luxemburgsvöllig nichtssagenden Juncker-Bericht nur einen einzigen weiterführenden Link, der mit der Bombenleger-Affäre zu tun hat. Dort erfährt man jedoch ebenfalls nichts über Gladio, geschweige denn über die Aussagen des Zeugen Kramer, der über die BND-Verwicklung seines verstorbenen Vaters mit Gladio und dem Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1981 berichtete. Nichts über die hier schon am 1.Mai dokumentierte Bommeleeer-Gladio-Affäre: 20 Gladio-Bombenanschläge auf Sendemasten und Hochspannungsleitungen in den Jahren 1984-86. SREL-Chef Charles Hoffmann hatte 1985 die Stay-Behind (Gladio)-Manöver beim damaligen Staatsminister Jacques Santer wohl genehmigt bekommen. Ziel: Die Untaten Linksextremisten in die Schuhe schieben, um Stimmung für die Rechtspopulisten Westeuropas zu machen (z.B. die CDU unter Kohl). Und der deutsche BND war immer mittendrin.

Dagegen der Hintergrundbericht der Tagesschau: „Zwischen 1984 und 1986 gab es eine Serie von Bombenanschlägen auf öffentliche Gebäude und Infrastruktureinrichtungen in Luxemburg. Die Täter blieben lange unentdeckt. Erst seit Februar dieses Jahres stehen zwei Polizisten vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, die Anschläge verübt zu haben, um mehr Personal und Ausrüstung für die Polizei zu erzwingen.“

Dies war die erste Schutzbehauptung, der beiden luxemburgischen Elite-Polizisten, denen die Bomben-Attentate nachgewiesen wurden: Sie hätten damit mehr Geld für ihre Behörde erzwingen wollen -was sicher eine Nebenmotivation für solche Operationen ist, immer und bei jedem Sicherheitsdienst, der selber Terrortaten begeht. In den Gerichtsprotokollen und Luxemburger Zeitungen steht inzwischen jedoch viel mehr, was die ARD jedoch gezielt verheimlicht. Nicht viel besser sind die Privatmedien von Bertelsmann.

„STERN“ adelt Terror-Truppe Gladio zur „Untergrundpolizei“

Der deutsche Mediengigant und Chef-Lobbyist Bertelsmann ist zwar etwas weniger geheimniskrämerisch als die ARD, präsentiert seinen Lesern jedoch auch nur die halbe Wahrheit -und das Monate nach Bekanntwerden, als es sich kaum noch verschweigen ließ. So berichtet der „STERN“ (Bertelsmann) über Missstände im SREL: „Sie reichen von ungenehmigten Telefonabhörungen, Schmiergeldzahlungen und dem Missbrauch von Dienstwagen bis hin zum Vorwurf, der SREL sei beim Aufbau der der Untergrundpolizei ‚Gladio‘ durch westliche Geheimdienste beteiligt gewesen.“

„SpiegelOnline“ nannte Gladio eine „illegale paramilitärische Geheimorganisation„, die von „Militärs und Geheimdienstler aus mehreren europäischen Ländern“ aufgebaut worden war (SPIEGEL-Leser wissen weniger). Auch dort erfuhr man nichts zu den Verbindungen von Gladio zu zahlreichen brutalen Bombenanschlägen, die Linksextremisten in die Schuhe geschoben wurden und erst recht nichts über die Verbindungen zum BND. Die vor Gericht geleisteten Aussagen eines glaubwürdigen Zeugen, dokumentiert und von renommierten internationalen Medien wie Le Monde bereits publiziert, werden von deutschen Mainstream-Medien systematisch totgeschwiegen. Dies ist ein Medienskandal im Geheimdienstskandal.

Selbst zum Euro-Strahlemann Jean-Claude Juncker erfährt man eher wenig und nichts Kritisches. Der dienstälteste Staatschef Europas gilt als einer der Väter des Euro und der EU-Maastricht-Vertrag zeigt seine Handschrift. Von 2005-2013 führte er als „Mr. Euro“ die Gruppe der Euro-Länder und war in der Finanzkrise 2008 ff. maßgeblich daran beteiligt, die Kosten der Fehlspekulationen der Finanzindustrie den Staatskassen aufzubürden -zur Freude von Goldman Sachs. Die Verelendung Griechenlands, Portugals, Spaniens und anderer Mittelmeerstaaten ist diesen Maßnahmen zu verdanken.

Gladio-Skandal I

Gladio-Skandal zieht Kreise: Licio Gelli und Geheimloge P2

6 Gedanken zu “Juncker-Rücktritt: Tagesschau verschweigt weiter Gladio-Skandal

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