Anti-Piraten-Verschwörung? Wikileaks-Kinofilm „The 5th Estate“ verzögert

Gerd R. Rueger JAssangeBobby

Die deutsche Piratenpartei hat im vor zwei Wochen in Toronto angelaufenen Wikileaks-Streifen „The 5th Estate“ ihren großen Auftritt. Bringt man den Hollywoodfilm erst so spät ins deutsche Kino, um die Piraten ihrer letzten Chance zu berauben? Ansonsten liefert die Filmindustrie darin erneut Propaganda gegen Julian Assange, orientiert am Wikileaks-Abtrünnigen Domscheit-Berg: Ein Film über Mozart aus Sicht von Salieri?

Redakteure des Bertelsmann-Blattes „Spiegel“ durften „The 5th Estate“ vorab sehen und plauderten vor zwei Wochen in ihrer Gazette aus dem Nähkästchen. Da der „Spiegel“ selbst an der Seite von Guardian und New York Times in die Wikileaks-Affäre verstrickt war, ist natürlich keine objektive Bewertung von ihnen zu erwarten. Doch sie berichten, dass auf Rat des Piratenpartei-Funktionärs Domscheit-Berg die deutsche Hackerszene in dem Film großflächig im Piraten-Shirt dargestellt wurde. Unerwünschte „Parteien-Werbung“ für die deutsche Filmindustrie?

„Als die Kostümabteilung nachfragte, was man im Milieu denn so trage, empfahl Domscheit-Berg ihnen ein paar T-Shirts. So kommt es, dass im Film immer wieder Leute mit Hemden der deutschen Piraten durchs Bild laufen und Werbung für die Partei machen. Die Stelle seiner Loslösung, in der Daniel Brühl in der von uns gesehenen Fassung im Piraten-Outfit symbolisch WikiLeaks zerstört, ließ Domscheit-Berg nachbearbeiten. Wenn der Film in die Kinos kommt, soll Brühl ein einfaches schwarzes Shirt tragen. Ein Pirat, der WikiLeaks ruiniert, das wäre den Parteifreunden wohl doch sauer aufgestoßen.“ „Spiegel“ 9.9.2013, S.129

„Spiegel“: Uncooler Unsympath Domscheit-Berg

Ex-„Spiegel“-Informant Domscheit-Berg kommt auch ansonsten eher nicht gut weg im „Spiegel“, der Domscheit-Berg mit WL_LogoDomscheit-Berg-Darsteller Brühl vergleicht:

„Anders als der echte Domscheit-Berg, der unter Druck gelegentlich flatterte und dem die Bühne der Weltpolitik irgendwann zu groß erschien, bleibt Brühl auf der Leinwand stets cool und sympathisch.“ (S.128)

Cool und sympathisch ist also nur der Heldendarsteller Brühl, „bei dem man gar nicht anders kann, als ihn zu mögen.“ Domscheit-Berg mögen die Bertelsmann-Redakteure offenbar nicht, gestehen dem als Naivling hingestellten Hacker aber immerhin Einsatz für Transparenz und Basisdemokratie zu:

„Der echte Domscheit-Berg ist ein mitunter etwas unbedarfter, aber leidenschaftlicher Anhänger von Transparenz und Basisdemokratie, der a zeitweilig bedingungslos verfiel und sich das Logo von WikiLeaks auf den Rücken tätowieren ließ.“ (S.127)

Soviel Glück hat Julian Assange nicht. Doch sogar bei seinen schlau lavierenden Ex-Verbündeten vom „Spiegel“ hört man heraus, dass „The 5th Estate“ in der Dämonisierung des Wikileaks-Gründers fast übers Ziel hinaus geschossen ist.

„Am Ende grinst er diabolisch in die Kamera“

Vor allem gibt es nun im Film, so der „Spiegel“, einen moralischen Helden und einen schillernden Schurken. Dafür aber habe das Drehbuch verkürzt, vermengt, Figuren neu montiert und sich auf die Perspektive derjenigen verlassen, die sich mit Assange überworfen haben, zuallererst Domscheit-Berg. Assange werde zuweilen „geistig abwesend wie ein Psychopath“ dargestellt, und „am Ende grinst er diabolisch in die Kamera“ (S.129) Ob das den Film nun zu einem Propaganda-Streifen gegen Assange macht, fragen sich die Spiegel-Schreiber nicht. Sie schwelgen lieber in den diffamierenden Details und ergötzen sich an ihrer eigenen vermeintlich objektiven Filmanalyse. Statt die Motive der Hollywood-Filmer beim Umgang mit dem von den USA politisch verfolgten Hacker zu ergründen und kritisch zu reflektieren, ergehen sie sich in Blabla und eitlem, pseudokritischen Wortgeklingel:

„Aus Assange hat Hollywood dagegen vor allem im letzten Drittel des Films eine Art Fürst der Internetfinsternis konstruiert, der keine Freunde, nur Untergebene kennt und dessen Zaubersprüche aus verschlüsselten Algorithmen bestehen.“ (S.128)

Von einer Selbstkritik ihrer eigenen Zunft, der Journaille ist natürlich gar nichts zu bemerken. Im Gegenteil. Auch diese Filmkritik nutzen sie, um ihre Anteile am Wikileaks-Drama noch einmal zu vertuschen.

„Spiegel“ verhaspelt sich beim Abstreiten

Für die Bemäntelung der zwielichtigen Rolle der Journaille in der Wikileaks-Affäre 2010 erfanden die Medien tausendundeine Lügengeschichten. In seiner Filmkritik verstricken sich die Star-Schreiberlinge in Widersprüche, wenn sie über den Herbst 2011 schreiben:

„WikiLeaks hatte damals gerade die unbearbeiteten 250000 Depeschen des am Außenministeriums ins Netz gestellt. Der „Spiegel“, die NYT und der „Guardian“ hatten vor den Veröffentlichungen vereinbart, Informanten zu schützen und Klarnamen gefährdeter Personen zu schwärzen. Assange entschied sich anders“ (S.127)

Für die Freischaltung der Depeschen-Datei wird wie üblich, alle Schuld von den verantwortlichen Guardian-Redakteuren (die das Passwort in ihrem Buch publizierten) auf Julian Assange abgewälzt. Die dümmliche Begründung der Top-Journaille damals: Sie hätten gedacht, Wikileaks-Hackergenies hätten die Daten schon irgendwie besser geschützt. Im Bestreben, doch auch an Domscheit-Berg herumzumäkeln, kommt jedoch zwei Seiten weiter eine interessante Passage:  Im Film, meint der „Spiegel“, wird Domscheit-Berg „zur moralischen Instanz“ hochgejubelt. Aber zu Unrecht, wie die Autoren Marcel Rosenbach und Holger Stark nun behaupten, die damals selbst auf Medienseite mit Domscheit-Berg verhandelten:

„Sein reales Vorbild indes verriet einem Journalisten, wie eine im Internet kursierende Datei mit den Depeschen zu entschlüsseln sei. So konnten erstmals alle Papiere unbearbeitet nach außen dringen, inklusive der Namen vieler Informanten.“ (S.129)

Das war auch wieder halb gelogen: Denn auch der damalige Wikileaks-Vize Domscheit-Berg trug nicht die Verantwortung dafür, dass Top-Journalisten dermaßen dämlich waren, das Depeschen-Passwort ungeschwärzt und ungekürzt im Klartext in ein Buch zu drucken. Später wusste keiner mehr, wann irgendein gelangweilter Nerd den Code aus dem Bestseller ausprobieren würde. Domscheit-Berg hatte es nur als erster wieder einem Journalisten gesteckt: Die Juwelen hängen im Kronleuchter.

Interessant ist aber hier, dass Rosenbach und Stark ein Ereignis hier zweimal unterschiedlich darstellen –und zwar so, als ob es zwei Ereignisse gewesen wären: Einmal schieben sie die Schuld Assange zu (S.127), einmal Domscheit-Berg (S.129). Nur sie selbst, die Top-Journaille, die es eigentlich verbockt hatte, steht im „Spiegel“ mal wieder unschuldig da wie ein Säugling. Doch das Diffamierer-Duo Rosenbach/Stark setzt noch einen drauf:

„Spiegel“ steht zu Hetzfilm ‚We Steal Secrets‘

Das Bertelsmann-Blatt steht ansonsten treu zum Guardian und seinem Anti-Assange-Hetzfilm: „Anders als der Dokumentarfilm ‚We Steal Secrets‘ von Alex Gibney, der im Juli anlief, erhebt ‚Inside WikiLeaks‘ indes nicht den Anspruch eine objektive Chronik der Ereignisse zu liefern“, schwadronieren die Spiegel-Schreiber, „die als Nebenfiguren auftauchenden „Spiegel“-Redakteure Marcel Rosenbach u.Holger Stark“, auf S.129 ihrer Filmkritik, dabei wissen sie es besser. In der Guardian-nahen feindselig-hetzerischen “Dokumentation” Wikileaks – Secrets and Lies war Julian Assange übel hereingelegt worden: Aus einem mehrstündigen Interview hatten sie nur ein Minuten heraus geschnippelt, die ihn in ein besonders negatives Licht rückten -und diese O-Töne dann heimtückisch so zwischen einen Schwall von Verleumdungen und Diffamierungen platziert, dass Julian am Ende als Ungeheuer dargestellt wurde. Der Assange-Gegner Domscheit-Berg wurde dagegen freundlich dargestellt und kam ausführlich mit seiner Sicht zu Wort. Nun darf Hollywood seine Sicht noch einmal als Spielfilm-Aufguss präsentieren.

Film über Mozart aus Sicht von Salieri

Der Film „The 5th Estate“ betrachtet Wikileaks hauptsächlich durch die Augen von Daniel Domscheit-Berg, eines frühen Daniel Domscheit-Berg at 26C3.jpgMitstreiters und späteren Gegners von Julian Assange. Wikileaks-Gegner Daniel Domscheit-Berg sagte sich 2010 unter dem Druck der US-Regierungs-Propaganda von Julian Assange los und gründete sein Konkurrenz-Projekt OpenLeaks. Sein vorschnell mit viel Trara ins Leben gerufenes “Openleaks” hat nach drei Jahren immer noch keine nennenswerten Enthüllungen präsentieren können, doch er fand eine neue Heimat bei den Piraten.

Für sein bei der Propagierung von “Openleaks” an den Tag gelegtes Verhalten wurde Domscheit-Berg aus dem Chaos Computer Club (CCC) ausgeschlossen, der Hacktivisten-Vereinigung, in der er Julian Assange kennen gelernt hatte. Der CCC fühlte sich von Domscheit-Berg auf ethisch fragwürdige Art für das “Openleaks”-Projekt taktisch missbraucht.

Antonio Salieri (1750-1825) war Kapellmeister der italienischen Oper. Über Paris kam Salieri 1788 nach Wien, wo er als Joseph Willibrod Mähler 001.jpgkaiserlicher Hofkapellmeister Karriere machte. Als Komponist konkurrierte er mit dem sechs Jahre jüngeren, von der etablierten Gesellschaft allseits angefeindeten Jahrhundert-Genie Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Der mäßig begabte Salieri gönnte Mozart nicht das schwarze unterm Fingernagel und ist in der Musikgeschichte ausschließlich wegen seiner Intrigen gegen Mozart bekannt.

„Der Name Antonio Salieri ist in der Musikgeschichte mit dem von Wolfgang Amadeus Mozart eng verknüpft. Ihm wird ein Großteil der Schuld an dessen wirtschaftlicher Erfolglosigkeit zur Last gelegt. Es dürfte richtig sein, daß er die Bedeutung des Konkurrenten erkannte und fürchtete und daher manche Intrige gesponnen hat.“ Propyläen Komponisten Lexikon Bd.4, Berlin 1989, S.590 (Eintrag Salieri umfasst drei Absätze, der des jung verstorbenen, in einem Armengrab beigesetzten W.A.Mozart erstreckt sich über 24 Seiten).

Journaille sieht alt aus in „The 5th Estate“

Was dem „Spiegel“ wohl am wenigsten an „The 5th Estate“ von Filmemacher Condon gefällt: Die Journaille kommt nicht so gut weg, wie sie sich selber immer darstellt.

„Klassische Journalisten spielen nur eine Nebenrolle, sie sind für Condon die Steigbügelhalter für Assange zunächst atemberaubenden Aufstieg.“ (S.128)

Aha. Sie wären gerne mehr gewesen. Waren sie aber nicht. Im Gegenteil: Anfangs versuchten sie andauernd die Lorbeeren für Enthüllungen immer ausschließlich für sich selbst einzustreichen. Erst als Wikileaks Fakten nur noch gegen verbindliche Zusage einer wahrheitsgemäßen Quellenangabe herausgab, bequemten sie sich zur kurzen Erwähnung. Und erst als der durchschlagende Erfolg der Wikileaks-Eigenproduktion „Collateral Murder“ das sensationsgeile, aber die Mächtigen meist schonende, im fadenscheinigen Blabla endende Gefasel der Journaille alt aussehen ließ, wurde Wikileaks der Öffentlichkeit ein Begriff. Der Film würdigt dies immerhin ansatzweise, was die Spiegler, wenn auch mühsam verschwafelt, zugeben:

„‚Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich spricht‘, zitiert der Film Oscar Wilde. ‚Gib ihm eine Maske, dann wird er dir die Wahrheit sagen‘ Assange ist der Maskenverleiher dieser Revolution. Der erste Vertreter einer neuen ‚Fünften Gewalt‘, eine Gatekeeper für Informationen, der Entscheidungen nach Gutdünken fällte.“

Condon und sein Drehbuchautor Josh Singer gehe es aber um mehr als WikiLeaks, dieses sei „für ihn Ausdruck einer neuen Epoche. Es geht um die Idee des Informanten im Herzen der Bestie, der –scheinbar perfekt geschützt durch moderne Technologien– aus der Anonymität heraus über die Verbrechen der herrschenden Klasse zu berichten weiß.“

Den Spieglern gefällt dies offenbar weniger, sehen sie sich doch selbst in Heldenpose –und sie waren nicht die ersten im Mainstream-Medienbetrieb, die verschnupft aus einem Kontakt mit Julian Assange herauskamen: Schon der Hauptdarsteller Cumberbatch machte im Vorfeld der Dreharbeiten so sein Erfahrungen.

Cumberbatch: ‘Julian Assange refused to meet me’

Der britische Schauspieler Cumberbatch spielt den Wikileaksgründer im geplanten Film The Fifth Estate. Nach Unterzeichnung seines Filmvertrags für die Assange-Rolle wollte Cumberbatch  den Starhacker studieren, um an einer möglichst ähnlichen Darstellung zu arbeiten. Aber der “berüchtigte Internet Hacker ” (Starpost) weigerte sich, ihn zu treffen. Was für ein Skandal! Darf sich eine öffentliche Person heute noch dem Starkult der Hollywood-Kulturindustrie entziehen? Julian Assange wurde von einem Heer gleichgeschalteter Medienarbeiter und pseudointellektueller TV-Psychologen immer wieder pathologischer Geltungsdrang, Egomanie und sogar Narzißmus angedichtet. Der als Sherlock-Holmes-Darsteller berühmt gewordene Mime drückte seine Enttäuschung, wenn nicht Empörung aus, von Julian Assange zurück gewiesen worden zu sein: “Julian Assange refused to meet me“. Cumberbatch behauptete in einem Promi-Magazinchen, er wolle Assange nicht zum Narren machen, sondern eine faire Darstellung abliefern. Was jetzt über den Film bekannt wurde sagt jedoch das Gegenteil: Cumberbatch lässt Assange als dämonischen Antihelden dastehen, macht sich zum Büttel der Propaganda-Industrie.

Wikileaks: Theater ließ Filmindustrie weit hinter sich

Eine vermeintlich alte Kunstgattung hat die Filmindustrie bei der Arbeit mit dem Wikileaks-Stoff  ohnehin schon lange überholt: Das Bühnentheater. Mit “Assassinate Assange” hat Angela Richter in den Kulturbetrieb transferiert, sicher finanziell nicht so lukrativ wie es die Hollywood-Kulturindustrie plant, aber dafür vermutlich origineller und für Wikileaks weniger unangenehm. Wikileaks drang damit erstmals in die sogenannte “Hochkultur” ein, wo betuchte Herrschaften und die kulturellen Bohemiens (meist die rebellierenden Sprösslinge betuchter Herrschaften) gemeinsam die Real-Life-Eventkunst des Bühnentheaters genießen können. Für die Massen gibt es dagegen Kino und Fernsehen. Julian Assange zeigte sich der Kultur zugeneigter als der Kulturindustrie: Er traf sich mit Angela Richter und hatte sogar einen multimedialen Auftritt in ihrem von der Kritik der Mainstream-Medien wenig beachteten Bühnenwerk.

Quelle:

„Spiegel“ Nr.37, 9.9.2013, Enthüllte Enthüller, Marcel Rosenbach u. Holger Stark, S.126-129

6 Gedanken zu “Anti-Piraten-Verschwörung? Wikileaks-Kinofilm „The 5th Estate“ verzögert

  1. und die NSA schläft auch nicht😉
    NSA-Affäre: EU-Bericht warnt vor massiver Gefahr für die Demokratie
    Meldung vorlesen und MP3-Download

    Das Wissen um die Überwachungsprogramme, die Edward Snowden enthüllt hat, könnten einen zutiefst destabilisierenden Effekt auf demokratischen Gesellschaften haben und die Anwendung von grundlegenden politischen und bürgerlichen Rechten verhindern. Zu diesem Urteil kommt der Datenschützer Caspar Bowden in einer unabhängigen Untersuchung für das Europäische Parlament. Für den Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) hat er darin Hintergründe über die Aktivitäten der NSA und ihre Konsequenzen auf Grundrechte der EU-Bürger zusammengefasst. Ein LIBE-Untersuchungsausschuss beschäftigt sich derzeit mit der NSA-Affäre.

    NSA-Affäre

    Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dieses totalen Überwachungssystems enthüllen streng geheime Dokumente, die der Whistleblower und ehemalige NSA-Analyst Edward Snowden an sich gebracht und an Medien weitergegeben hat.

    Aktuelle Berichte zur NSA-Affäre
    Was bisher geschah
    Warum die NSA-Affäre alle angeht
    Globaler Abhörwahn

    Bowden widmet sich darin zuerst der Geschichte US-amerikanischer Überwachung, um dann auf die derzeit enthüllten Programme und ihre gesetzliche Legitimierung einzugehen. Er erklärt, die USA hätten ununterbrochen fundamentale Rechte von Nicht-US-Bürgern missachtet. Um das zu begründen, geht er nicht nur auf Echelon und die Programme ein, die nach dem 11. September 2001 eingerichtet wurden, sondern erläutert weit ältere Entwicklungen. So erklärt er, Unterseekabel würden bereits seit dem 19. Jahrhundert angezapft und auf diese Weise erlangte Informationen seien für Großbritannien entscheidend gewesen, um die USA für den Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu gewinnen.

    Im zweiten Teil des Berichts erläutert Bowden, dass die Komplexität der US-Überwachungsgesetze und ihre Auslegung durch Geheimgerichte zu ungesetzlicher Überwachung geführt habe, die sowohl US-Bürger als auch Ausländer betreffe. Unter dem einschlägigen Gesetz FISA (Foreign Intelligence Surveillance Act) würden die USA für Nicht-Amerikaner sowieso keinerlei Recht auf Privatsphäre anerkennen. Die immer stärkere Nutzung von Cloud Computing untergrabe die Datenschutzrechte von EU-Bürgern weiter. Darauf hatte Bowden bereits vor Beginn der NSA-Affäre hingewiesen.

    Zu guter Letzt erklärt Bowden, dass Mechanismen, die eigentlich zum Schutz europäischer Rechte eingeführt wurden, stattdessen nun als Schlupflöcher dienten. So hätte das US-Handelsministerium eng mit US-Unternehmensvertretern zusammen ausgearbeitet, wie Vorschriften des Safe-Harbour-Abkommens möglichst unternehmensfreundlich und datenschutzfeindlich ausgelegt werden können. Das sei etwa im Fall der Cloud-Industrie besonders problematisch, wo US-Konzerne weltweit führend sind und ein Ende ihrer Dominanz nicht absehbar.

    Auch Vorschläge für das weitere Vorgehen hat Bowden erarbeitet. So sollte jede US-Website verpflichtet werden, sichtbar um Zustimmung zur Datensammlung zu bitten und auf die Gefahr der Überwachung hinzuweisen. So würde das Bewusstsein der EU-Bürger geschärft und der Druck auf die USA erhöht. Verträge wie das Safe-Harbour-Abkommen sollten ausgesetzt und neu verhandelt werden, da sie keinen Schutz bieten. Schließlich solle die Europäische Union die Entwicklung einer autonomen europäischen Cloud-Infrastruktur auf Basis freier Software unterstützen. Damit würde die US-Kontrolle sowie die Gefahr von Überwachung und Industriespionage verringert. Auf diese weise könne der Grundstein für eine dauerhafte „Datensouveränität“ gelegt werden.

    Der Untersuchungsausschuss im Europaparlament wird am morgigen Dienstag zum inzwischen dritten Mal zusammentreten und über die massenhafte Überwachung der EU-Bürger beraten. (mho)

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/NSA-Affaere-EU-Bericht-warnt-vor-massiver-Gefahr-fuer-die-Demokratie-1964635.html

  2. Hurra, die Schlömer-Partei ist weg!
    Seppel, die sich so unfassbar schnell und in solch peinlicher Weise unterwandern lassen, haben in keinem Parlament der Welt etwas verloren – und sei es dort noch so korrupt! Schein-Alternativen sind wirklich das absolut größte aller Übel, da sie den Ärger gezielt kanalisieren und so das Elend auf ewig hinauszögern. Übrigens hab ich sogar Piraten getroffen, die wussten nicht einmal, wer dieser „Schlömer“ ist. Aber sie wollten mich überzeugen, doch bitte Piraten zu wählen.
    Was für ein Haufen von %&/(*/!!!

  3. Die Wahrheit war schon immer ein zweischneidiges Schwert. Oder aber, wie Gummi, dehnbar.

    Aber bleiben wir einfach mal bei jener Wahrheit, wie sie die meisten noch realistisch denkenden Menschen sehen.

    Die Wahrheit zusagen z.B. in politischen Dingen, die uns alle angehen, wenn es gegen die Interessen einiger Zampanos Fädenzieher geht, wird, wenn sie gefährlich werden kann, fehement bekämpft. Mit allen abartigen und böswilligen zur Verfügung stehenden Mitteln.

    Was diesen Film betrifft, konnte man nichts anders erwarten.
    Es sei denn, Michael Moore hätte ihn gedreht. Von seiner Sorte brauchte unser Land …(einige)
    Aber selbst dann, sorry, würde der „Deutsche Michel“ weiter schlafen.

    Armes Deutschland könnte man sagen, aber, na ja, jeder bekommt mit der Zeit was er verdient.
    Unsere Politiker, sind im Grunde nur das Spiegelbild unserer wahlberechtigten Bürger.
    Würden sich die Bürger entsprechend ändern, denn die Möglichkeit haben sie, wiürde sich mit der Zeit auch die Politik positiv verändern!
    Leider … ist und bleibt das vorerst nur ein schöner Traum.

  4. Der gegenfilm von WL:
    MEDIASTAN
    http://wikileaks.org/Announcing-Australian-Preview.html

    Announcing Australian Preview Release of Mediastan – WikiLeaks’ Fifth Estate Challenger
    Thursday 7 November 2013, 2:00 UTC

    TODAY, on Thursday 7 November, WikiLeaks and Sixteen Films are proud to announce the Australian and New Zealand preview release of MEDIASTAN, the WikiLeaks road movie.

    Fairfax Media will be streaming MEDIASTAN for FREE for Australian and New Zealand audiences only, during an exclusive preview period, between Thursday 7 November and Monday 11 November.

    MEDIASTAN will be available to stream on all major Fairfax digital platforms including smh.tv, theage.tv, canberratimes.tv and brisbanetimes.tv.

    Viewers elsewhere can rent or buy the download of the film at any other time, here: http://wikileaks.org/Mediastan
    This exclusive preview of MEDIASTAN is timed to challenge the Australian opening of THE FIFTH ESTATE – the multi-million dollar Hollywood WikiLeaks film – produced by Dreamworks in collaboration with Disney.

    MEDIASTAN is a vivid portrayal of the constraints – external and self-imposed – that journalists face, all over the world: from Dushanbe, Tajikistan, to Fifth Avenue, New York City.

    MEDIASTAN asks a distressing question: What do the crisp-shirted, expensively-tanned media big guns of Manhattan have in common with the beaten-down, dissident hacks of Dushanbe, Tajikistan? Who is braver? Who is freer? And who is closer to the truth?

    And what should YOU watch this weekend?

    Well over 50,000 people saw nano-budget indie-flick MEDIASTAN during its UK opening weekend release.

    Meanwhile, THE FIFTH ESTATE – the spawn of Dreamworks’ huge-bucks publicity machine – has been soundly panned by audiences the world over. The measly $1.7m taken by the film during its US opening weekend represented the poorest performance for any major film released so far in 2013.

    In the words of WikiLeaks founder and MEDIASTAN Producer Julian Assange:

    ‘Why is everybody watching David? Because Goliath is an insufferable bore.’

    WATCH MEDIASTAN HERE: http://wikileaks.org/MediastanThis exclusive preview of MEDIASTAN is timed to challenge the Australian opening of THE FIFTH ESTATE – the multi-million dollar Hollywood WikiLeaks film – produced by Dreamworks in collaboration with Disney.

    MEDIASTAN is a vivid portrayal of the constraints – external and self-imposed – that journalists face, all over the world: from Dushanbe, Tajikistan, to Fifth Avenue, New York City.

    MEDIASTAN asks a distressing question: What do the crisp-shirted, expensively-tanned media big guns of Manhattan have in common with the beaten-down, dissident hacks of Dushanbe, Tajikistan? Who is braver? Who is freer? And who is closer to the truth?

    And what should YOU watch this weekend?

    Well over 50,000 people saw nano-budget indie-flick MEDIASTAN during its UK opening weekend release.

    Meanwhile, THE FIFTH ESTATE – the spawn of Dreamworks’ huge-bucks publicity machine – has been soundly panned by audiences the world over. The measly $1.7m taken by the film during its US opening weekend represented the poorest performance for any major film released so far in 2013.

    In the words of WikiLeaks founder and MEDIASTAN Producer Julian Assange:

    ‘Why is everybody watching David? Because Goliath is an insufferable bore.’

    WATCH MEDIASTAN HERE: http://wikileaks.org/Mediastan
    WHAT IS MEDIASTAN?

    MEDIASTAN audiences are treated to a behind-the-scenes insight into the world’s first truly global media event: „Operation Cablerun“: the 2011 operation during which WikiLeaks ran hundreds of thousands of secret US government cables to media outlets around the world.

    In MEDIASTAN, an undercover team of journalists drives across the central Asian republics of Kazakhstan, Kyrgyzstan, Tajikistan, Turkmenistan, Uzbekistan and into US-occupied Afghanistan, before continuing its journey into the west; regrouping in Julian Assange’s kitchen, ambushing the editor of the Guardian, and obtaining candid footage of the New York Times editor and its publisher Arthur Sulzberger wisecracking about Obama and WikiLeaks.

    Julian Assange, explaining why he produced the film, stated, “Central Asia is the most fascinating geopolitical region in the world. It is the cream in the geopolitical layer cake. On the top, Russia, on the bottom, China; in the middle, a fight for US influence“ But, Mr. Assange explained, „what started out as a geopolitical road movie transformed into a tale of comparative censorship as our adventure continued into the unexpected heart of MEDIASTAN.“

    VISIT THE MEDIASTAN WEBSITE: http://mediastan.net

    WHERE IS MEDIASTAN?

    MEDIASTAN director Johannes Wahlström explains „Mediastan is not so much a physical place as it is a state of mind among many of the journalists and editors who form our perceptions of the world.“

    Producer Julian Assange said: „This is journalism in extremis. This is how it is done. This weekend, instead of wasting your time and money on Hollywood propaganda, why not get your friends together and watch MEDIASTAN instead?

    Fairfax Media will be streaming MEDIASTAN for FREE for Australian and New Zealand audiences only, during an exclusive preview period, between Thursday 7 November and Monday 11 November. The film will also be available worldwide to buy or rent online at all other times. Watch it at http://wikileaks.org/Mediastan

    MEDIASTAN was directed by Johannes Wahlström and produced by Julian Assange with Rebecca O’Brien and Lauren Dark at Sixteen Films. It is being distributed by Journeyman Pictures.
    dazu
    http://www.heise.de/tp/artikel/40/40290/1.html

    Whistleblowing ist sexy
    Viktor Dill 10.11.2013
    Die fragwürdigen Methoden und Mechanismen globaler Informationsdistribution – „Mediastan“ von Wikileaks als Antwort auf den Hollywood Blockbuster „Inside Wikileaks“

    Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Eine Gruppe aus fünf jungen, idealistischen und zudem attraktiven JournalistInnen macht einen Roadtrip von Tadschikistan, über Mazar-e Scharif in Afghanistan, direkt ins Hauptquartier der NY Times – im Gepäck: streng geheime Depeschen US-amerikanischer Botschaften. Das Ziel: Medienpartner finden, die den Mut haben, das Material zu publizieren. Geschickt wurden sie von einer der meist gesuchten Personen der Welt: Julian Assange.
    All das hört sich wie ein perfektes Hollywood-Skript an? Nun, es ist tatsächlich der Plot eines Films, nämlich der kürzlich veröffentlichten Dokumentation Mediastan, die von Wikileaks-Gründer Assange selbst produziert wurde. Also kein Hollywood und auch kein Daniel Brühl. Regie führte der junge Journalist Johannes Wahlström, Gründer des IMEMC (International Middle East Media Center). Der Film war zunächst kostenlos im Internet zu sehen. Nun gibt es ihn für ein paar Euro als Video on Demand.

    Fiktion als Gegenwartsbewältigung

    Es ist nicht der erste Film über Wikileaks und Julian Assange. In diesem Jahr liefen in den Kinos die Dokumentation „We steal secrets“ von Alex Gibney (Verräter des Verrats) und der Dreamworks Blockbuster „Inside Wikileaks – The Fith Estate“, unter der Regie von Bill Condon, der sich mit Filmen wie dem Musical „Dreamgirls“ oder der „Twighlight Saga: Breaking Dawn“ nicht gerade einen politischen Namen gemacht hat.

    Beiden Wikileaks-Filmen wurde eine teils tendenziöse Haltung attestiert. Es entwickelte sich ein medialer Schlagabtausch zwischen den jeweiligen Machern und Julian Assange. Der oftmals wiederholte Vorwurf: Die Filme schaden im Kern Wikileaks und verunglimpfen dessen Gründer. Nicht von der Hand zu weisen ist dabei, wie konsequent Assange die eigene Plattform nutzt, um sich gegen ihm unliebsame Filme oder Bücher zu wehren.

    Im aussichtslosen Kampf um das alleinige Vorrecht auf sein Image in der Öffentlichkeit leakt er rigoros Drehbücher, Email-Verkehr mit Schauspielern und Regisseuren – alles nachzulesen auf der Plattform Wikileaks selbst.

    Neben aller Polemik ist bemerkenswert, wie die Populärkultur das Live-Geschehen unmittelbar fiktionalisiert und damit gewissermaßen ad acta legt. „Es ist schon (eine) Geschichte, also müssen wir nicht mehr darüber nachdenken“, scheint uns diese Praxis der Gegenwartsbewältigung sagen zu wollen. Über „Inside Wikileaks“ schreibt Adrian Kreye in der SZ:

    Der Film ist ein Phänomen des Pop, der seine Kraft schon immer aus dem Radical Chic der Subkulturen zog. Dieses Hollywood kennt keine Ideologien, sondern nur Geschichten und Figuren.

    Auch wenn „Inside Wikileaks“ kein explizit politischer Film ist, stellt sich doch die Frage, wieviel subversives Potenzial in der filmischen Inszenierung der Wirklichkeit stecken könnte, das heißt auch: Wie hätte man den Film anders oder relevanter gestalten können? Schließlich ist Wikileaks nicht zuletzt durch die Enthüllungen von Edward Snowden, den sprichwörtlich die ganze Welt für sich beansprucht, das Thema der Stunde.

    Gerade dem politischen Ringen um die Person Snowdens kann ein Hang zur (Selbst-)Inszenierung nicht abgesprochen werden. Insofern wird das mediale Bild von Wikileaks auch ganz ohne Meinungen geprägt werden können. Maßgeblich könnte vielmehr die Frage sein, ob Whistleblowing sexy ist. Womit auch Daniel Brühl und Dominic Cumberbatch unweigerlich im Rennen um das Ansehen von Wikileaks wären.

    Operation Cablerun – David gegen Goliath

    In „Mediastan“ bekommen wir nun die andere Seite von „Inside Wikileaks“ zu sehen – aus der Perspektive einer jungen Gruppe an Journalisten, die sich auf den Weg gemacht hat, den größten Leak an „classified material“ der Geschichte publik zu machen: Cablegate. Als Informantin gilt Chelsea Manning (ehemals Bradley Manning), die deswegen im August 2013 zu 35 Jahre Haft verurteilt wurde. Wir alle kennen die Geschichte aus den Medien.
    Aber nur wenige von uns dürften dabei wohl die Bilder vor Augen gehabt haben, die uns „Mediastan“ zeigt. Das junge Team fährt mit dem Auto durch wilde abgelegene Berglandschaften Kasachstans, vorbei an Kuhherden, durch unbeleuchtete Tunnel weiter über Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Mazar-e Sharif in Afghanistan, bis ins Herz des Weltjournalismus, nach Manhattan zur NY Times. Ein Projekt, das sich aufmacht, Goliath gegenüberzutreten.

    Idealismus und Größenwahn

    Auf ihrer Reise treffen Johannes Wahlström und sein Team einen ehemaligen Guantanamo-Häftling, im Hungerstreik stehende Öl-Arbeiter in Kasachstan, über die keiner der lokalen Medien berichten möchte – und sie treffen jede Menge Journalisten, denen sie die cables unter gewissen Konditionen anbieten. Die Ergebnisse sind ernüchternd – zu groß scheint der Einfluss US-amerikanischer Interessen, zumindest suggeriert uns das der Film.

    „Mediastan is a journey from Afghanistan to Manhattan, through the boundaries of freedom of speech. Venturing into the minds of those who shape our understanding of the world“, heißt es auf der offiziellen IMDb- Seite. Und tatsächlich bekommt man im Laufe des Films mehr und mehr Einblick in die fragwürdigen Mechanismen globaler Informationsdistribution.

    Im selben Maße erhält man aber auch einen ungetrübten Blick auf die teils fragwürdigen Methoden von Wikileaks und dessen charismatischer Galionsfigur Assange, der via Skype von einem britischen Landsitz aus die Operation koordiniert. Selbstverständlich wird kräftig selbstinszeniert – die Kritik daran ist womöglich ebenso berechtigt, wie die Kritik von Assange an „Inside Wikileaks“ und „We steal secrets“.
    Dennoch sprechen die Abgründe, die uns die sympathischen Wikileaks-Aktivisten durch ihren teils naiven Idealismus vor Augen führen, für sich. Im Dickicht aus (Selbst-)Zensur, „Newspeak“ und Konformismus gibt sich der Film selbst die Legitimation für seine Handlungsweise – in einer offenen Diskussion zwischen Assange und einigen MitstreiterInnen, einer Schlüsselszene des Films, wird die Frage gestellt, wieso verschiedenste Medien die cables nicht oder nur beschränkt publiziert hätten.

    Assange: „What criteria is there other than fear? (…) it is very very profitable to publish cables, because you don’t have to write cables. It’s free stories!“

    Diese bittere Wahrheit bestätigt sich, als Assange den Chefredakteur des Guardian Alan Rusbridger interviewt, der zugibt: „there are difficulties in publishing this (…) among them legal considerations“.

    Kurz, der Guardian hat berechtigte Angst verklagt zu werden. Aber das ist nicht der alleinige Grund: Die Affäre um Edward Snowden hat unlängst gezeigt, dass die britische Regierung und Geheimdienste massiven Druck auf den Guardian ausgeübt haben, um weitere Publikationen zu verhindern. Und auch das Interview mit dem ehemaligen NY-Times Chefredakteur Bill Keller zum Schluss des Films wirft nicht gerade ein warmes Licht auf die „Grey Lady“, wie die Zeitung genannt wird, der man nachsagt, dass sie linksliberal sei.

    Keller erzählt, umrahmt von Fotografien ehemaliger Präsidenten etwas selbstzufrieden davon, wie Außenminister, Geheimdienste und Regierungsvertreter in der „Embassy of New York Times“ ein- und ausgingen. Er bemüht sich nicht, den Einfluss der Politik auf das Blatt zu bestreiten.

    Es gibt Stories, die nicht erzählt werden dürfen

    Wer glaubt, es gehe in „Mediastan“ um den medienwirksamen Komplex Assange, Manning und Domscheid-Berg, der wird enttäuscht.

    In ruhigen, eindringlichen Szenen wirft der Film immer wieder Grundsatzfragen zum journalistischen Arbeiten auf, deren Beantwortung er uns jedoch schuldig bleibt: Wer entscheidet, was in welcher Form an die Öffentlichkeit gerät? Sind es die Medien selbst, oder gibt es „höhere“ Instanzen die entscheiden, was publik wird und was nicht?
    Mit dem Aufwerfen dieser Fragen trifft der Film den wunden Punkt des investigativen Journalismus, nämlich die Diskrepanz zwischen Quellenschutz und der Publikation von Geheimnissen. Was bleibt, ist ein ernüchterndes Bild, das wohl allen voran die Medienmacher selbst nicht gerne sehen werden. In „Mediastan“ ist die Frage nach der Freiheit der Presse nur eine rhetorische.

    Die Antwort kennen wir im Prinzip schon aus dem zynischen Hollywood. Es gibt Stories, die nicht erzählt werden dürfen – es gibt eine Grenze der Freiheit der Presse, die skurrilerweise an jenem Meridian zu liegen scheint, an dem das Recht des Einzelnen auf informative Selbstbestimmung begraben wird. Keine Aufklärung also zu mangelnder Aufklärung. Das Credo des Films: Informationen sollen uns möglichst ungefiltert erreichen.

    Der Widerspruch: Damit die Enthüllungen, die cables, brauchbar einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, bedarf es einer Filterung und Bearbeitung. Aber von wem? Regeln hierfür gibt es nicht. Es bleibt im Dunkeln, wie mit solchen Informationen umgegangen werden kann und soll. Aber eben hiermit stellt der Film mit großem Pathos die Grundsatzfrage jeder journalistischen Aktivität neu – und stößt damit eine der wichtigsten öffentlichen Debatten unserer Zeit an: Wie gehen wir im Informationszeitalter verantwortungsvoll mit Information um?

    „Mediastan“ ist ein ebenso eindrucksvoller wie ernüchternder Versuch, dem politisch-moralischen Dilemma von Wikileaks und des globalen Journalismus gerecht zu werden. In jedem Fall sind der Film und seine Aussagen vielschichtiger als die weitaus populäreren „Inside Wikileaks“ und „We steal secrets“.

    Und eines muss man den Wikileaks-Aktivisten wirklich zu Gute halten – nämlich dass sie mutig sind. Und Mut ist bekanntlich ansteckend. Die Kernbotschaft transportieren jedoch alle Filme gleichermaßen: Whistleblowing ist sexy.
    Telepolis > Kultur > Film

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