3sat-Magazin mit Ukraine-Propaganda aufgelaufen

BazonBrock

Bazon Brock in Aktion (-skunst)

Daniela Lobmueh

Kunstprofessor Bazon Brock ließ 3sat-Magazin auflaufen: Zum Thema Putin-Schröder-Männerfreundschaft wollte 3sat mit heißen Luftblasen die üblichen Propaganda-Klischees bedienen. Doch der anarchische Bazon Brock ließ eine nach der anderen platzen. Peinlich für den Kultursender und sein anspruchsvolles Magazin, das sonst oft mehr kritische Töne an sein marginales Spartenpublikum durchdringen lässt als viele andere Sender von ARD bis ZDF. Doch im Ukraine-Propaganda-Rausch knickte auch 3sat ein.

3sat 30.4. Bazon Brock ließ 3sat-Rechtsaußen Tina Mendelsohn auflaufen. Zum Thema Putin-Schröder-Männerfreundschaft wollte die Redakteurin mit heißen Luftblasen die üblichen Propaganda-Klischees ablassen. Doch der anarchische Kunstprofessor Bazon Brock ließ eine nach der anderen platzen.
Dem Schröder, dem gings doch nur um Geld, der Putin habe ihn reich gemacht! Wo, so darauf Brock, gehe es im Westen nicht nur ums Geld? Und er zitierte Beispiele von inner-westlicher Politkorruption.
Aber sei es nicht empörend, wie sich Schröder da mit Putin getroffen habe? Nö, meinte Brock, empörend sei die Heuchelei des Westens, Putin zum Diktator zu erklären, wenn einer wie Berlusconi jahrzehntelang hofiert wurde: Warum soll Putin schlimmer sein als Berlusconi? Das wusste Mendelsohn auch nicht. Doch wie Schröder da mit Putin Champagner trinke, wo die Menschen so leiden in der Ukraine! Quatsch, meinte Brock, im Westen würde doch auf alles Champagnergläser gehoben, was solle die Heuchelei? So watschte der Nestor der kritischen Kunstszene eins ums andre Mal die smarte Redakteurin ab, die sonst so eloquent aus jungen ukrainischen Nachwuchs-Künstlern NATO-Treueschwüre herauskitzelte oder Femens und Pussy Riots Heldentaten gegen Putin feierte. Reingefallen.
„Ein inniger Schulterschluss zwischen Freunden erzürnt die Republik. Altkanzler Gerhard Schröder feiert mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag. Kann man, darf man, sollte man so etwas tun – während sich doch in der Ost-Ukraine westliche Geiseln in der Hand sogenannter prorussischer Separatisten befinden?“ 3sat-Kulturzeit
In diesem Tenor wollte Tina Mendelsohn auf 3sat die übliche Hetz-nach-Osten-schleim-nach-Westen-Nummer durchziehen, aber nicht mit Bazon Brock, wie sie schmerzvoll lernen musste.

Bazon Brock, der eigentlich Jürgen Johannes Hermann Brock heißt, ist nicht nur emeritierter Professor für Ästhetik, sondern auch einer der profiliertesten deutschen Kunsttheoretiker und Künstler. Also genau der richtige Kandidat für die teilweise gar nicht so üble 3sat-Kulturzeit, nur nicht für Tina Mendelsohn.

Mehrere Jahre arbeitete Mendelsohn als Reporterin für das politische TV-Magazin „Klartext“ des ORB, in dessen TinaMendelsohnAuftrag sie unter anderem den Osten Chinas bereiste. Dann kam der SFB-“Kulturreport“ sowie verschiedene ARD-Magazine, darüber hinaus hat sie seit 1997 für den SWR gedreht. Tina Mendelsohn lebt in London, wo ihr Mann an der Universität lehrt. Neben ihrer Moderatoren-Aufgabe bei Kulturzeit arbeitet die Mutter von vier Kindern, so sie in ihrer Selbstdarstellung, freiberuflich für die BBC und Channel 4.

Bazon Brock schleimte sich nicht an die Medien heran, sondern übte sogar drastische Kritik am Internet. In einem Interview mit der FAZ 2010 bezeichnete er das Internet als die Hölle der Neuen Welt. Die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes, seien gewesen, was jetzt das Netz geworden sei. Skandal, Skandal. Ein Julian Assange hat sowas wenigstens nur von Facebook & Co. gesagt.

3sat aufgelaufen: Auch bei den Zuschauern

Meiner spontanen Fernseh-Kritik Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus noch während das 3sat-Magazin „Kulturzeit“ lief, stimmten zahlreiche Leser und Leserinnen zu. Bazon Brock erntete großen Beifall und kritische Zustimmung. Tina Mendelsohn wurde von vielen Zuschauern offensichtlich als wenig kompetent bewertet. Vor allem wurde sie als sehr unkritisch die an Kriegspropaganda grenzenden Phrasen der Medien nachplappernd gesehen. Dies zeigt, dass die 3sat-Sendung über ein kritisches Publikum verfügt, das sich nicht länger veralbern lassen möchte. Vielleicht auch ein Signal an die öffentlich-rechtlichen Sender, ihre Journalisten sorgfältiger auszuwählen und weniger auf eine gleichgeschaltete Linie festzulegen. Ich habe mich über die Verstörtheit Frau Mendelsohns gefreut
Anna Stiefvater schrieb:
Sehr gute Zusammenfassung des Kulturzeit-Interviews mit Bazon Brock. Die suggestive Fragetechnik Frau Mendelsohns forderte ja geradezu heraus, die ganze lächerliche Diskussion über die Gefahr „Russland“ im deutschen Fernsehn als Farce zu entlarven. Ich habe mich richtig über dieses Interview auf Kulturzeit gefreut- auch über die Verstörtheit Frau Mendelsohns, die gar nicht wusste, mit welchen Fragen sie noch nach-laden sollte, um endlich eine Antwort nach ihrem Geschmack zu bekommen.“Nicht mit mir“, hat er sich wohl gedacht, Herr Brock und er hatte Recht: „Ein bisschen kurz“ hat man ihn da nur zu Wort kommen lassen. Auch wenns unangenehm für die Deutschen ist: Wann hören wir mehr von Bazon Brock in den Medien? Verfasst am Mai 2, 6:38 PM
Bazon Brock war eine Wohltat
Helge Mannteuffel schrieb:
Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus -Bravo, das war gut so! Bazon Brock war eine Wohltat.
Tina Mendelsohn und viele Kollegen, geht in die Lehre bei Gabriele Krone-Schmalz! So etwas brauchen wir nicht, verblöden kann man lustvoller!
Verfasst am Mai 1, 9:24 PM
Wo hat Brock die ganzen Jahre gesteckt?
S. Livey schrieb:
Wo hat Brock die ganzen Jahre gesteckt, in denen sich niemand traute, den Mund aufzumachen. Ein großer Mann!Mir ist es manchmal sogar peinlich, dass mit einem Selbstverständnis von Kolonialherren Deutschland und mit ihm Europa demokratische Werteanforderungen postuliert. Seit Gaucks Freibrief, Deutschland zu mehr „Engagement“ in der Welt aufzufordern, treibt dies Blüten. Deutschlands Politiker sind mal wieder treibende Kraft in Konflikten, die uns eigentlich nichts angehen. Die Realitätsnähe, die Brock von ihnen fordert sind schon in dem Größenwahnprojekt „politisch vereintes Europa“ verloren gegangen. Verfasst am Mai 2, 12:02 PM
Sie käut wieder, was ARD, ZDF, BILD, Zeit, FAZ, Spiegel, taz als Nachrichten verkaufen
Gerald Druminski schrieb:
Eigentlich muss man dem nichts hinzufügen, denn es trifft den Nagel auf den Kopf. Egal, was Mendelsohn studiert oder von der Welt gesehen hat: kapiert hat sie nichts. Ich frage mich, wie sie überhaupt einen Studienplatz ergattern konnte und danach auch noch in einer bislang qualitativ hochkarätigen Kultursendung unterkam. Beim Brock-Interview wurde selbst für einen unaufmerksamen Zuschauer offenkundig, wie hohl die Dame ist, wenn ihr Gegenüber vom vorbereiteten Suggestivfragen-Katalog abweicht. Sie käut das wieder, was ARD, ZDF oder Bild Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher bzw. Zeit, FAZ, Spiegel, taz etc. dem Bildungsbürgertum als Nachrichten verkaufen. In „Kulturzeit“ haben weder Mendelsohn noch Schortmann etwas zu suchen. Für mich haben sich sowohl „Kulturzeit“ als auch die neuerdings zur Show verkommene „Aspekte“-Sendung erledigt. Mal abgesehen von den sprachlichen Entgleisungen, bei denen Accessoires zu Assessoires werden, zugewunken statt -gewinkt wird, jeder der etwas Neues beginnt, „durchstartet“ und sich „neu erfindet“ usw., ist das, was mir dort ideologisch (welch garstig Wort) zugemutet wird, unerträglich geworden. Es ist bezeichnend, das Nachrichten mit erhellendem Hintergrund im ZDF nur noch in der „heute-Show“ und der „Anstalt“ vorkommen. Danke für Ihren Beitrag, denn, wenn ich mich in den Medien und in meinem unmittelbaren Umfeld umhöre, bin ich verunsichert und denke manchmal, nur ich allein ticke nicht ganz richtig.
Gerald Druminski, geralddruminski@gmail.de
Verfasst am Mai 1, 10:31 PM

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Bommeleeër: Gladio und das Allied Clandestine Committee (ACC)

Gerd R. Rueger Gladio_Logo

Luxemburg. Im Kalten Kriegs unterhielt die NATO bekanntlich eine Geheimarmee namens “Gladio”, die sogenannten Stay-Behind-Einheiten. Es handelte sich um paramilitärisch ausgebildete “Zivilisten”, oft aus rechtsextremen Gruppen rekrutiert, die im Kriegsfall einen Guerillakrieg organisieren sollten, nachdem die Rote Armee sie überrollt haben würde. Gladios Aufgabe: Hinterhalte, Spionage, Sabotage, eben “Bombenleger” (luxemburg. “Bommeleeër”) hinter den feindlichen Linien. In Luxemburg hatten vermutlich einige dieser Leute ihre bombigen Fähigkeiten für Anschläge auf Strommasten etc. genutzt, um höhere Aufwendungen des friedlichen Kleinstaates für die Polizeitruppen zu erzwingen. Diese um ihre Finanzierung besorgten Polizisten verwiesen, als sie für die nur Sachschaden bewirkenden Attentate angeklagt wurden, zwecks Selbstverteidigung auf ihre Tätigkeiten bei “Stay-behind”. Bei der Aufdeckung vor Gericht kamen auch Neuigkeiten über Gladio ans Licht, wobei die Geheimdienstler durch ein undurchsichtiges Netz von Desinformationen offenbar Verwirrung stiften wollen. Der langjährige Regierungschef und Ober-Eurokrat Juncker stürzte über die Gladio-Affäre.

Gladio im Zeugenstand: Luxemburger packen aus

Bis zum heutigen Tag hält die NATO immer noch alle Unterlagen über “Stay Behind” bzw. Gladio zurück, obwohl die Truppen angeblich aufgelöst wurden. Im Luxemburger “Bommeleeër”-Prozess wurde erstmals enthüllt, dass die eigentlich national organisierten Stay-Behind-Einheiten auch länderübergreifend trainierten. Neun geheime Handbücher des “Allied Clandestine Comitee” (AAC) gaben den undercover operierenden Paramilitärs ihre Rahmen vor, man studierte sie beim Luxemburger Geheimdienst SREL, wie Jean Kuffer alias Agent “HH” vor Gericht darlegte. Kuffer berichtete über die Funktionsweise des Luxemburger Stay-Behind-Ablegers “Plan” aus. Jean Kuffer kam 1976 als ehemaliger Ingenieur der Post zum SREL, wo er folglich für die (Abhör-?) Technik zuständig war. Ein gutes Drittel seiner Arbeit beim Srel machte aber, so das Luxemburger Wort, etwas ganz anderes aus: Er war als “HH” Ausbilder und Agentenführer im Stay-Behind-Netzwerk. Sogar in Westdeutschland absolvierte Jean Kuffer einen Lehrgang zur Lauschabwehr, so tp, zu seinen Kollegen gehörte auch “GG”, der spätere Luxemburger Geheimdienstchef Charle Hoffmann.

Im April 1977 sei Kuffer zur Ausbildung gemeinsam mit einem weiteren SREL-Agenten und zwei Belgiern nach Großbritannien geschickt worden, erklärte er vor der Kriminalkammer. Zum Lehrstoff des Stay-Behind-Netzwerks hätten Luftmarkierungen mit Taschenlampen und auch die Informationsbeschaffung durch Lauschen gehört, so die wenig aufsehenerregenden Einlassungen des Zeugen. Einen halben Tag lang habe man den Agenten Sabotagetaktiken vorgeführt, von der Sprengwirkung einer Briefbombe bis zum Werfen einer Brandbombe.

Stay-Behind-Mitglieder habe Kuffer selbst nie angeworben, er habe aber neu angeworbene Agenten in Kommunikationstechniken ausgebildet und ihnen beigebracht, wie man “Kunden” in- oder exfiltriere. Im Feldeinsatz habe er den Agenten gezeigt, wie man heimlich eine Landesgrenze überschreitet und sich unauffällig in besetztem Gebiet fortbewegt, Waffenbesitz war dabei angeblich ein absolutes Tabu. Nach dem Waffenlager des Luxemburger Stay Behind habe man dann bei der Auflösung 1990 auch lange suchen müssen, drei Kisten mit Handgranaten, Maschinenpistolen und Handfeuerwaffen habe man ausgegraben. Dann habe man das “operative Material” bei den Agenten einkassiert und das Netzwerk bei den ausländischen Partnern (wohl den Briten?) abgemeldet. Spannend war Kuffers Erinnerung an die Stimmung bei der Geheimtruppe: Damals hätte es eine regelrechte Panik gegeben. Es sei von Todeslisten im Zusammenhang mit Stay Behind die Rede gewesen, einige befürchteten, ihr Kopf würde wegen Gladio rollen müssen, so das Luxemburger Wort. Heute ist man offensichtlich entspannter.

Enthüllungen kriminalisiert?

Der Verteidigung wurde vorgeworfen, geheime Informationen auszuplaudern, die man sich überdies illegal besorgt habe. “Wird hier der Verteidigung der Prozess gemacht?”, empörte sich Rechtsanwalt Vogel laut Luxemburger Wort daraufhin. “Die Rechte der Verteidigung stehen über einem idiotischen Geheimdienstgesetz!”

Als “top secret” eingestuften Dokumente seien, wie RA Vogel selbst eingeräumt hatte, von den SREL-Agenten Schneider und Kemmer illegalerweise an die Verteidigung weitergegeben worden. Außerdem habe auch der damalige Geheimagent Roger Mandé Informationen an RA Vogel weitergegeben. Kemmer berufe sich aber auf Dokumente über Gladio-Gründer Liccio Gelli, eine BBC-Reportage, in welcher der belgische Ex-Söldner und Enthüllungsautor Lucien Dislaire zu Wort gekommen sei, und die Bücher von Daniele Ganser.

Geschredderte Unterlagen und Gedächtnislücken

Leider sind viele Dokumente, die Licht in die dunkle Angelegenheit bringen könnten, beim SREL nicht mehr auffindbar. Aus dem Gerichts-Protokoll laut Luxemburger Tageblatt:

Kuffer: Bei allen bilateralen Übungen sind mindestens sieben Schreiben hin und her gegangen. Der Verteidigung reichen die Antworten des Zeugen nicht.

RA Vogel: Warum gibt es kein Inventar über Schredderaktionen. Santer fürchtete um seinen Kopf, darum wurde geschreddert.

Richterin Conter: Natürlich stellt sich hier die Frage, was da genau geschreddert wurde. Jean Kuffer hat keine Antwort dafür.

Richterin Conter: Wer gab die Anordnung zum Schreddern?

Kuffer: Ich habe jede Woche meinen Papiermülleimer im Büro geschreddert. Das war normal. Ob es Order gab, Stay Behind-Unterlagen zu schreddern, weiß ich nicht mehr.

Wappen Luxemburgs

Wappen Luxemburgs

Mühsam bleibt die Wahrheitsfindung. Die Mainstream-Medien tragen auch nur ungern etwas dazu bei: Auf ihrer Website präsentierte die Tagessschau im letzten Oktober nach Junckers Sturz wenig Erhellendes. Nach dem ellenlangen, aber völlig nichtssagenden Juncker-Bericht nur einen einzigen weiterführenden Link, der mit der Bombenleger-Affäre zu tun hat. Dort erfährt man jedoch ebenfalls nichts über Gladio, geschweige denn über die Aussagen des Zeugen Kramer, der über die BND-Verwicklung seines verstorbenen Vaters mit Gladio und dem Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1981 berichtete. Nichts über die hier schon am 1.Mai dokumentierte Bommeleeer-Gladio-Affäre: 20 Gladio-Bombenanschläge auf Sendemasten und Hochspannungsleitungen in den Jahren 1984-86. SREL-Chef Charles Hoffmann hatte 1985 die Stay-Behind (Gladio)-Manöver beim damaligen Staatsminister Jacques Santer wohl genehmigt bekommen. Ziel: Die Untaten Linksextremisten in die Schuhe schieben, um Stimmung für die Rechtspopulisten Westeuropas zu machen (z.B. die CDU unter Kohl). Und der deutsche BND war immer mittendrin.