Grexit: Athen und der Kampf um den Euro

Prometheus Griechflag

Athen. Ein großes Problem der Syriza Linksregierung von Alexis Tsipras ist, dass allen Umfragen zufolge eine Mehrheit der Griechen in der Euro-Zone verbleiben will. Aber zugleich verlangt eine noch größere Mehrheit ein Ende der Troika-Verarmungspolitik des Austerizids. Doch beides zugleich geht nicht. Um das der Bevölkerung klarzumachen, bedürfte es jahrelanger Aufklärungsarbeit. Die Zeit hat Tsipras nicht.

Kaum war der von der deutschen Journaille diffamierte und dämonisierte Finanzminister Gianis Varoufakis vom jüngsten Treffen vor zwei Wochen nach Athen zurückgekehrt, erklärte er: Ja, man werde sich an die Brüsseler Vereinbarungen halten, sie aber dahingehend interpretieren, dass die Forderungen an Griechenland alle Maßnahmen ausschließen, welche die gegenwärtige Krise im Land noch verschärfen würden. Daher werde Athen eine Liste von ausschließlich wachstumsorientierten Maßnahmen ausarbeiten und beim nächsten Treffen präsentieren. Angesichts der immer näher rückenden Termine für die Rückzahlung von Zinsen und Anleihen an reiche Gläubiger in Nordeuropa wird deshalb der Tsipras-Regierung Verschleppungstaktik vorgeworfen.

Tatsächlich ergibt eine solche Vorgehensweise wenig Sinn, wenn Tsipras und Genossen den VaroufakisFingerStaatsbankrott und den damit verbundenen Hinauswurf aus der Euro-Zone vermeiden wollen. Neue »Hilfsgelder« gibt es nur, wenn die verlangten »Reformen« auch »Wort für Wort« (so Berlin) umgesetzt werden. Bis Ende März sind 3,2 Milliarden Euro zur Rückzahlung von kurzfristigen Staatsanleihen nötig. Auf das ganze Jahr 2015 berechnet braucht Athen (je nach Quelle) zwischen 25 und 30 Milliarden Euro. Bei ihrem Amtsantritt aber hatte die von Syriza geführte Regierung versprochen, die Politik der Zahlung fälliger Schulden durch Aufnahme noch höherer Schulden zu beenden. Vermutet wird nun, dass man dieses Ziel klammheimlich weiter verfolgt.

Finanzmedien reden vom Graccident

Internationale Finanzmedien reden derzeit immer öfter von Graccident. Dabei werden zwischen den Zeilen die Sorgen des Finanzkapitals deutlich, dass die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras zwar immer öfter gute Miene zum bösen Spiel der von Berlin dirigierten Troika macht, tatsächlich aber insgeheim auf einen »Unfall« hinarbeite.

Die Verhandlungen mit Athen liefen immer nach dem gleichen Schema ab, hieß es jüngst in einem TsiprasBeitrag des US-Finanzportals zerohedge.com: Die Euro-Gruppe trifft sich, um Griechenland neue »Reformen« zu diktieren. In einer gemeinsamen Erklärung versprechen die Griechen mitzuarbeiten. Aber sobald sie wieder zu Hause seien, interpretierten sie die gemeinsame Erklärung auf ihre ganz eigene Art. Dann hagele es gegenseitige Vorwürfe. An deren Ende stehe ein neues Treffen zwischen Griechen und der Euro-Gruppe und die nächste Runde in diesem Kreislauf beginnt – das ist eine durchaus korrekte Beobachtung.

Für einen Grexit hat er kein demokratisches Mandat. Sollte seine Regierung den Ausstieg dennoch wagen, würde sie einen Staatsstreich und womöglich Bürgerkrieg riskieren. Die herrschende Klasse hat kein Interesse am Euro-Ausstieg, und ihre Vertreter halten seit Jahrzehnten Schlüsselpositionen in den Machtministerien und Ämtern besetzt. Daran haben einige Monate Linksregierung nichts geändert.

Um das Land aus den Fängen der Troika zu befreien, wäre daher ein Graccident die richtige Variante. Ein Unfall, nicht fahrlässig herbeigeführt von der Tsipras-Regierung. Die hat schließlich stets betont, im Euro bleiben zu wollen. Dummerweise hat die EU die Hilfe verweigert, und das nur, weil die Regierung ihren demokratischen Auftrag, die Austerität zu beenden, umgesetzt hatte. Sollte dann die Regierung in einer »katastrophal« zugespitzten Lage ein Referendum abhalten, bei dem sich die Mehrheit der Griechen für die Zurückgewinnung der nationalen Souveränität entscheidet, wäre der Wiederaufbau des Landes außerhalb der Euro-Zone demokratisch legitimiert.

Vorkämpferin gegen Bilderberger-Weltordnung verstorben

Theodor Marloth und Daniela LobmuehBilderbergerClubLogo

Berlins bekannteste Kassiererin Barbara Emme ( 57) besser bekannt unter ihrem Kampf- und Tarnnamen Emmely, verstarb am 23. März 2015. Ihr größter Sieg: Eine Unrechtspraxis zu widerrufen, die sogenannte „Verdachtskündigung“ gegen Beschäftigte aufgrund von Bagatellen. Dieses ultimative Totschlagargument von Arbeitgebern gegen ihre Untergebenen ermöglichte Kündigung selbst mittels untergeschobener Büroklammern als angebliches Diebesgut. Wenn etwas Willkür und Ausbeutung decken kann, dann die Erpressung mit derartigen Maßnahmen. Gegen eine Weltordnung zu kämpfen, in der alle Macht vom Gelde ausgeht, war Emmelys Leben. Sie zeigte, wie es in der Praxis aussehen kann, die Pläne der Bilderberger zu durchkreuzen -hier und heute, denn die Ausbeutung kommt nicht erst mit TTIP, sie ist schon da.

Die Kinder von Barbara Emme, Judith, Jana und Katharina, teilten mit (Labournet):
Unsere Mutter, „Emmely“ Barbara Emme, bekannt als die Kassiererin von Kaiser’s ist plötzlich und unerwartet am Montag, den 16.03.2015 verstorben; ein Schock für die ganze Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen und Unterstützer. Sie ist an Herzversagen friedlich im Bett eingeschlafen…”

Unter dem Namen Emmely zog sie gegen ihren Arbeitgeber Kaiser’s Tengelmann und die deutsche emmely_solidaritaet-macht-stark_foto-uwe-pohlitz-erfurtArbeitsgerichtsbarkeit zu Felde. Mit ihrem Anwalt Benno Hopmann und MitstreiterInnen ihres Berliner Solidaritätskomitees konnte sie das Bundesarbeitsgericht dazu zu bringen, eine Unrechtspraxis zu widerrufen, die seit 1958 Bestand hatte: Die Verdachtskündigung gegen Beschäftigte aufgrund von Bagatellen.

Im Kampf für Gerechtigkeit wurde Emmely in den Jahren von 2007 bis 2010 zu einem Symbol des Widerstands aller Arbeitenden in Deutschland, die am Arbeitsplatz entrechtet und schikaniert werden. Ausbeutung ist im Kapitalismus Chefsache und ihre Unterstützung durch Medienmanipulation und gewieften Lobbyismus im Bilderberger-Stil ebenso. Nichts hat das Ausbeuten so leicht gemacht wie die Drohung mit Entlassung in den Jobcenter-Terror des Hartz-IV-Regimes. Ein Medienkonzern zählte zu den Hauptdrahtziehern der „Agenda 2010“, auch bekannt als „Agenda Ausbeutung“ der rotgrünen Bundesregierung unter Medienkanzler Schröder (SPD).

Die Durchsetzung von Hartz IV wurde maßgeblich durch Lobbyisten des Medienkonzerns Bertelsmann vorbereitet und durchgesetzt. Der Grund dafür: Die Pläne für die „Reformen“ stammten aus der Bertelsmann-Konzernstiftung. Heute schieben Bertelsmann-Medien die Schuld für alles auf die SPD und ihren Altkanzler Schröder: Eine Strategie, um die Grünen, aber auch Union und FDP reinzuwaschen? Letztere hatten alle Verschärfungen bejubelt, wollten später aber nicht dabei gewesen sein. Emmely kämpfte gegen die üble Welle von Lohndrückerei, Ausbeutung und Entrechtung der Arbeitenden an. Mit großem Erfolg.

Der Fall Emmely schrieb Rechtsgeschichte

Wikipedia weiß: Der Fall Emmely war ein Arbeitsrechtsstreit um die fristlose Kündigung einer langjährig beschäftigten Kassiererin der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann, der 2009 bundesweit ein kontroverses Medienecho erregte und eine gesellschaftliche Diskussion zu Bagatellkündigungen hervorrief. Der Kassiererin, die in der Öffentlichkeit oft als Emmely bezeichnet wurde und mit bürgerlichem Namen Barbara Emme hieß, war vorgeworfen worden, zwei ihr nicht gehörende Flaschenpfandbons im Wert von 1,30 Euro eingelöst zu haben; ihr wurde fristlos gekündigt. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt erklärte die Kündigung am 10. Juni 2010 für unverhältnismäßig und damit für unwirksam (Az. 2 AZR 541/09)

Hartz IV macht Ausbeutung erst richtig schön

Emmely arbeitete bereits in der DDR in jener HO-Filiale, die später zu Kaiser’s Tengelmann gehören sollte. Das Kaiser’s Management wollte sie nach 31 Jahren wegen zweier Pfandbons im Wert von 1,30 Euro feuern. Wir gehen bis heute davon aus, dass man ihr diese scheinbaren “Beweise” untergejubelt hat, weil sie sich gewerkschaftlich organisierte und an Streiks teilnahm. Weil Leute, die aus ihrem Holz geschnitzt waren, in der schönen neuen Arbeitswelt keinen Platz mehr haben sollten.
Doch Emmely konnte nach langem Kampf in ihre Filiale zurück kehren. In ihrem Stadtteil Hohenschönhausen blieb sie eine Größe. Die Presse berichtete noch im August 2014, dass sie an der Kasse mitunter Autogramme geben musste, nicht selten von Anwohnern um Rat und Beistand gefragt wurde.

2012 publizierte  Barbara Emme mit Benedikt Hopmann und Reinhold Niemerg das Buch “Emmely und die Folgen” (Inhaltsverzeichnis und ein Text von ihr als pdf). Im März 2014 wählten die Kaisers-Beschäftigten Emmely in den 33-köpfigen Berliner Betriebsrat der Kette.

Das Blog Arbeitsunrecht: Wir trauern um Emmely

 

Nachruf des Komitees “Solidarität mit Emmely” vom 26.3.2015
Solidarität mit dem Emmelys dieser Welt

Barbara Emme, auch bekannt als Emmely, ist in der Nacht von Montag auf Dienstag überraschend an Herzversagen gestorben, sie wurde 57 Jahre alt. Sie hat 1977 begonnen, bei der HO (Handelsorganisation) zu arbeiten, und war damit 38 Jahre im selben Arbeitsverhältnis im Einzelhandel tätig.
Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde sie durch den Kampf gegen ihre Kündigung. Die Kaiser’s-Tengelmann AG hatte ihr im Februar 2008 kurz nach dem Streik im Einzelhandel gekündigt, Emmely hatte für ihre Gewerkschaft ver.di die Streikliste in ihrer Filiale in Berlin-Hohenschönhausen geführt. Die Kaiser’s-Tengelmann AG kündigte , Emmely wegen des Verdachts, sie habe Pfandbons zu insgesamt 1,30 Euro, die ein Kunde im Laden verloren hatte, zu Unrecht eingelöst.
Ihre Gewerkschaft hatte ihr immer wieder geraten, eine Abfindung zu akzeptieren, aber Emmely ging trotz zwei verlorener Verfahren beim Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht in Berlin vor das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Alle drei Gerichte gingen davon aus, dass die Emmely die Pfandbons zu Unrecht eingelöst hatte. Emmely hat diesen Vorwurf immer abgestritten. Trotzdem gab das Bundesarbeitsgericht im Juni 2010 der Klage Emmelys gegen die Kündigung statt, indem es die Kündigung als unverhältnismäßig einstufte und Emmely erhielt ihren Arbeitsplatz zurück.
Für Emmely bedeutete der Kampf gegen die Kündigung einerseits viel Unterstützung durch die Öffentlichkeit, neue Bekanntschaften in ganz Deutschland und viele neue Erfahrungen, aber auch eine hohe nervliche Belastung: ständig wollte die Presse mit ihr sprechen, Juristen der Arbeitgeberseite bezeichneten sie als „notorische Lügnerin“, sie musste in eine kleinere Wohnung ziehen und der Ausgang des Verfahrens war ungewiß. Ihre Berühmtheit war ein hohes Risiko: Wer will schon eine engagierte Gewerkschafterin einstellen, die ihre Renitenz sogar in der Show von Johannes B. Kerner bekräftigt?
Es war beeindruckend, mit welcher Energie und welchem Trotz, die auch aus Stolz auf die von ihr geleistete Arbeit rührten, sich Emmely gegen die Anschuldigungen gegen sie und dem Verlust ihres Arbeitsplatzes gewehrt hat. Noch am selben Tag, an dem Sie ihren zweiten Prozess verloren hatte und unter Tränen zur Presse sprach, fuhr sie mit ihrem Anwalt, Benno Hopmann, nach Hamburg, um abends im Fernsehen aufzutreten. Niemand von den erfahrenen AktivistInnen, die sie unterstützt haben, hätte dazu den Mut aufgebracht. Wir haben ihr sogar abgeraten, doch Emmely hatte keine Scheu davor. „Jetzt erst recht.“ – dies war die Haltung, die sie ausgestrahlt hat.
Nach ihrem Erfolg vor dem Bundesarbeitsgericht erhielt Emmely erst einmal auch den Urlaub und den Lohn für mehr als 2 Jahre und konnte so an der Weltfrauenkonferenz in Venezuela im Jahr 2010 teilnehmen. An ihrem alten neuen Arbeitsplatz erhielt sie weiterhin viel Zuspruch von KundInnen und auch von MitarbeiterInnen, oft erhielt sie kleine Geschenke oder wurde nach Autogrammen gefragt. Sie blieb weiterhin politisch engagiert, hat regelmäßig ihren Bildungsurlaub bei einer von GewerkschafterInnen organisierten Reise nach Frankreich verbracht und lernte dort viele AktivistInnen kennen, die wie sie gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung kämpften. Im Einzelhandelsstreik 2013 hat Emmely sich an Aktionen beteiligt, bei denen Berliner Beschäftigte KollegInnen in Brandenburg mit der Blockade einer Supermarktfiliale unterstützt haben.
Bei den Betriebsratswahlen 2014 wurde sie bei Kaisers in den Betriebsrat gewählt. Wenige Monate später hat Kaisers Tengelmann das Aus für die Lebensmittelkette verkündet, die nun zwischen Edeka und Rewe aufgeteilt werden wird. Emmely klagte häufig über lange zehnstündige Schichten, die sie sehr erschöpft haben. Zuletzt hat Emmely sich in einem Bündnis von GewerkschafterInnen gegen das Tarifeinheitsgesetz engagiert. Ihr Bildungsurlaub in Frankreich im April dieses Jahres wurde nach langem Hin und Her mit dem Arbeitgeber genehmigt. Sie kann ihn nicht mehr antreten. Emmely hinterläßt drei Töchter. Wir werden sie nicht vergessen.
An Emmelys Fall wurden Bagatell- und Verdachtskündigungen breit diskutiert und kritisiert. In mehreren Städten der BRD fanden Veranstaltungen statt. Zahlreiche vergleichbare Fälle wurden in den Medien aufgegriffen. Emmelys Erfolg vor dem Bundesarbeitsgericht kam für alle erfahrenen Beobachter völlig überraschend. Unmittelbar danach gewannen mehrere gekündigte ArbeiterInnen ihre Bagatellkündigungen vor Arbeitsgerichten, die zuvor immer zu Gunsten der Arbeitgeber geurteilt hatten.
ArbeitsrechtlerInnen beobachteten danach einen Rückgang von Bagatellkündigungen, aber auch eine Anpassung der Arbeitgeber: Die Zunahme von Abmahnungen auf Vorrat und die Hortung von abgelaufenen Abmahnungen in Parallelakten, um ArbeiterInnen weiterhin prozessfest kündigen zu können.
Nach unserem gegenwärtigen Wissenstand möchte die Familie eine Beerdigung im kleinen Kreis ohne öffentliche Aufmerksamkeit.
Aus dem Komitee “Solidarität mit Emmely”: Jörg, Willi, Gregor

Bilderberger-Presse bereitete Maidan-Putsch vor

Theodor Marloth BilderbergerClubLogo

Josef Joffe, der Big Boss der ZEIT und somit der Held der freien Presse, verklagte schon Kabarettisten: Kritik an korrupter Journaille nicht erwünscht. Die ZDF-Anstalt hatte ans Licht gebracht, wie Atlantiker und Bilderberger intrigieren und Militarisieren: Merkel & Co. wurden auf Krus gebracht für Obamas Pläne in Kiew. Nun hat Bittner ein neues Thema: Der Ostdeutsche hängt immer noch dem Irrglauben an, im Kapitalismus würde ausgebeutet. Ist das nicht Wehrkraftzersetzung?

Am 29. April 2014 zog das ZDF-Kabarett Die Anstalt über Joffe und Bittner her. Damals, 2014, wäre Joffes Kollege, Zeit-Redakteur Jochen Bittner, beinahe berühmt geworden. Die ZDF-Hofnarren vom öffentlich-rechtlichen Dienst hatten sogar schon Goldman Sachs, Bilderberger und Trilaterale satirisch tafelfertig gemacht -und für den Mainstream-Konsumenten genießbar serviert. Lustig fanden die ZDF-Clowns Jochen Bittners Mitarbeit am 2013 veröffentlichten Strategiepapier Neue Macht. Neue Verantwortung. In dem Militarisierungskonzept wurde das Mehr-Verantwortung-Kriegsgetrommel vorweggenommen, welches dann ab Dezember 2013 aus Berlin an die Öffentlichkeit drang -die Einteilung der Kontinente in »Partner« und »Störer« oder die Direktive für Angela Merkel, auch »Mut zur Außenpolitik« zu haben.

Wohl nicht zufällig betrieb die Zeit ihre Strategieplanungen zu jener Zeit voran, passend zu den Putschplänen Obamas für die Ukraine, wo Jazenjuk mit Geld von Soros derweil die „Demokratie vorbereitete“. Selbiger Zeit-Mann Bittner verkaufte in seinem Zeit-Geschreibsel Anfang Februar 2014 seine und Joachim Gaucks Auffassung, dass Deutschland wieder Großmacht sei und dies der übrigen Welt mit geeigneten, auch militärischen Mitteln zur Kenntnis bringen sei, als sensationelle neue Erkenntnis. Seine eigene Mitarbeit an dem von ihm belobhudelten Strategiepapier verschwieg er listig. Offenbar ist die Personaldecke an Menschen, die des Schreibens mächtig sind, dünn da oben.

Später fragte Jochen Bittner scheinheilig in der Zeit: „Joachim Gauck, Frank-Walter Steinmeier und Ursula von der Leyen fordern eine entschlossenere deutsche Außenpolitik. Wie kam diese Wende zustande?“ Alle drei Atlantiker seien wild entschlossen, Deutschland eine aktivere Rolle in der Weltpolitik zuzuweisen, ob in der Diplomatie, bei der Entwicklungshilfe, bei der Überwindung von Finanzkrisen, am Liebsten aber auch bei Militäreinsätzen. Sie hätten „keine Furcht mehr, wenn von Deutschland Führung verlangt wird“. Eher fürchteten sie den Vorwurf der Passivität und der Drückebergerei -der aus den gleichgeschalteten Bilderberger-Medien auf sie niedergehen würde, wenn nicht kräftig militarisiert würde.

Satire durfte Transatlantiker letztlich doch verspotten

Als die ZDF-Anstalt den filzigen Zusammenhang einem breiteren Publikum nahebrachte, erwirkte Jochen Bittner gemeinsam mit seinem Boss Joffe gegen das ZDF eine einstweilige Verfügung, die im Oktober teilweise aufgehoben wurde. Die Aussage »Bittner habe im Zusammenhang der Rede des Bundespräsidenten Gauck vor der Münchner Sicherheitskonferenz für den Bundespräsidenten geschrieben« ist seither wieder erlaubt. Jochen Bittner hatte an einem Projekt ähnlicher Thematik des German Marshall Fund of the United States (GMF) und der (bundes-) regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) teilgenommen, behauptet aber, dies hätte nichts mit Gaucks Rede zu tun.

Third-Party-Technique” heißt ein Lobbyisten-Trick in der Fachsprache moderner Propaganda-Technologen: Wenn mehrere scheinbar voneinander unabhängige Quellen die gleiche Botschaft trommeln, wirkt das überzeugender auf ein unwissendes Publikum. Eine transatlantische Bilderberger-Pentagon-Connection hat in diesem Sinne eine neoliberal-reaktionäre Seilschaft im deutschen Pressewesen installiert, um Kriegstreiberei ans militärunwillige deutsche Volk zu bringen. Es geht um die Macht der Westoligarchen und speziell die Profite der Militär-Geheimdienst-Industrien. Im Westen unseres Landes scheinen solche Propagandataktiken besser zu verfangen, als im Osten. Dort leben weit mehr Menschen am Existenzminimum, wird härter ausgebeutet und häufiger die Hartz-IV-Drangsalierung erduldet. Macht das am Ende kritischer? Oder alles nur Folge der Stasi-Indoktrination in der „DDR“ (die BILD, natürlich ganz ohne Indoktrinationsabsicht, stets in Anführungszeichen setzte). Dort im elenden Osten verpassen Bertelsmann, RTL&Co. der Jugend besonders gründlich ihre Hirnwäsche mit sozialdarwinistischen DSDS-Castingshows zu Deutschlands Next-Top-Arschkriecher.

Ostdeutschlands Schwachstelle für Russland

In Redaktion der New York Times ist der Stratege Jochen Bittner seit Herbst 2013 Gastautor. und widmete sich am 31. Dezember in ihr einem Gegenstand weit unterhalb der Höhen, in denen er sich sonst aufhält. Nun beschäftigte den Zeit-Mann, das seit 25 Jahren in allen bundesdeutschen Großmedien breitgetrampelte, aber nie zu Ende gebrachte Thema »Verhaltensbiologie und -psychologie des Ossis«. Die Zeit titelt dazu: »Ostdeutschlands Schwachstelle für Russland«. Laut Umfragen hätten die »Easterners« eine deutlich freundlichere Haltung gegenüber Russland, und die gehe mit einer »generellen Antipathie gegenüber dem Kapitalismus westlichen Stils« einher. Schlimm, schlimm. 82 Prozent der Deutschen im Osten falle bei dem Begriff »Ausbeutung« ein, gegenüber nur 43 Prozent in Westdeutschland. Dieser dramatische Befund ist seit 25 Jahren von ungezählten westlichen Demoskopen und Soziologen erstellt und mit Ratlosigkeit quittiert worden.

Aber nun steht ein Zeit-Mann dagegen auf: Jochen Bittner. Als einer, der in Westdeutschland mitten im Kalten Krieg geboren sei, kämpfe er mit solchen Haltungen. Die Antwort könne vielleicht sein, dass »Deutschland sein eigenes kleines Russland in sich selbst« trage. Materiell habe der Osten profitiert, aber psychologisch sei der Schaden viel größer als etwa in Polen oder den baltischen Staaten gewesen: Die »westlichen Eliten wie vorher die Sowjets« seien für die Ostdeutschen verantwortlich. Der listige Zeit-Schreiberling schlägt vor, spottet die Junge Welt, den Ärger der Ostdeutschen ernstzunehmen – aber nur begrenzt: »Wenn wir gestatten, dass unsere gerechtfertigte Kritik heute an Russland morgen Gewohnheit wird, dann werden wir damit scheitern, skeptische ›Easterners‹ davon zu überzeugen, dass wir wirklich das Beste für das ganze Land wollen…«.

Der Osten bleibe ein Zoo von Halb- oder Dreiviertelrussen, und wenn Bittner, Joffe und Co. Washingtons, Warschaus oder Kiews kriegsgeilen Unfug über Russland verbreiten, haben sie das still zu tragen. Aber es bestehe Hoffnung für Moskau und das Reservat: Beide ordnen sich einfach dem Besten fürs Land und Europa unter, der neuen Macht und den Bittners, dann reiten die in den Sonnenuntergang, nach Westen.

Hotel de Bilderberg

Die Zeit gilt übrigens als Verbindungsglied der deutschen Bilderberger-Delegation und des Mohn-Bertelsmann-Clans. Milliardär und Medienmogul Reinhard Mohn hatte möglicherweise in den 70ern Probleme, sich als Emporkömmling bei den Transatlantikern zu etablieren. Mohn hatte daher durch halbliterarisch-„verschwörungstheoretisch“ inspirierte Bücher von Bernt Engelmann („Hotel Bilderberg“) mittels seines Verlagsimperiums publizistischen Druck ausgeübt. Vielleicht qualifizierte er sich so als großer Fernsehbaron in der gerade herauf dämmernden Ära des deutschen Privat-TV. Die Bilderberger wurden durch den „Tatsachenroman“ Hotel Bilderberg erstmals dem breiten Publikum bekannt gemacht –wenn auch für viele Jahre nur durch viele Blümchen und um die Ecke herum. Wer wollte konnte das als Fiktion abtun, genaueres sagte Engelmann dort nicht, munkelte nur von Verbindungen der Bilderberger zur Starfighter-Affäre, die gerade im Bilderberger-Milieu zu beträchtlichen Verwerfungen geführt hatte. Die Bilderberger waren gewarnt und Mohn stieg mit Bertelsmann zum mächtigsten Medienmogul Europas, zeitweise sogar der Welt auf.

siehe auch

Vorkämpferin gegen Bilderberger-Weltordnung verstorben

Bilderberger in der Anstalt: Bröckelt die totale Medienkontrolle?

Wie funktioniert Bilderberger-Propaganda? Beispiel: Stefan Kornelius (SZ)

Bilderberger 2015 in Tirol: Drohen lokale Proteste?