Voller Erfolg: Die Toten kommen zu Merkel

Nora Drenalin ZPS_Gedenkbogen

Kunst macht Politik war das Programm des „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) am Sonntag. Wie bei uns angekündigt, bekam Merkel Besuch von einem Trauerzug für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge. Das ZPS machte damit auf die Verlogenheit aufmerksam, mit viel Pomp und Pathos 100 Mauertoten der DDR zu gedenken, aber Tausende „Mauertote“ der Festung Europa an der EU-Südflanke kaum mehr als ein Achselzucken zu spenden.

Die Aktion am Wochenende bekam polizeiliche Auflagen der Superlative: Das „Mitführen von Baggern“ vor das Kanzleramt wurde untersagt (auf ihrer Website hatten die Künstler in satirischer Absicht Bagger abgebildet, mit denen  angeblich die Gräber ausgehoben werden sollten). Alle Särge oder „sargähnlichen Behälter“, die mitgeführt werden sollten, hätten die Demonstranten vorher in der zuständigen Gerichtsmedizin zur Kontrolle vorlegen sollen (hätte ja wirklich ein Toter drin liegen können und den Anblick wollte man normalen Polizisten wohl nicht zumuten). Die ARD-Tagesschau berichtete jedenfalls und brachte damit ein Thema auf die Agenda, das sonst von den Medien abgetan wird. Das Schicksal massenhaft sterbender Flüchtlinge wurde jedoch medial weniger aufgegriffen als erhofft.

ARD: Mittelmeer-Massenmord ist bloß EU-„Abschottungspolitk“

Auch die ARD konzentrierte sich auf den Tabubruch, menschliche Leichen in politischen bzw. künstlerischen https://pbs.twimg.com/media/CICCZCLWwAASsa2.jpg:origAktionen zu verwenden: „Ob das ZPS tatsächlich Leichen von Flüchtlingen durch Berlin gefahren hätte, darüber war in den vergangenen Tagen heftig spekuliert worden. Die Künstler selber blieben stets bei ihrer Behauptung, blieben bei der Frage, ob es sich um eine Inszenierung handele, aber vage.

Der ARD-Tagesschau-Bericht blieb beimZiel der Demonstration seinerseits vage, gab aber immerhin zu, die Aktion habe „so gegen die Abschottungspolitik der Europäischen Union demonstrieren“ wollen, siehe ARD. So spielt unsere Mainstream-Journaille den wahren Skandal herunter: Das tägliche Massensterben, um nicht zu sagen Massenmorden, an der Mittelmeer-Seegrenze der EU ist der ARD nur ein kaltes Wort wert -„Abschottungspolitik„.

Das Gedenken vor Merkels Kanzleramt stand unter dem Titel „Den unbekannten Einwanderern“ (angelehnt an zahllose deutsche Mahnmale, die den unbekannten Soldaten errichtet wurden). Das ZPS hatte bereits eine Parallele von Frontex-Toten im Mittelmeer und Mauertoten gezogen -nur letzteren widmete die deutsche Justiz und die politisch stramm rechts stehende Mehrheit der Politkaste ihre Aufmerksamkeit (denn da konnten sie ihren ideologischen Hass auf die sich sozialistisch nennende DDR austoben).

Vom ZPS wurden einige Flüchtlingsleichen tatsächlich nach Deutschland umgebettet, zuletzt eine Mutter mit ihrem Kind und ein 60jähriger Moslem. Vor den Gedenkfeiern zum Mauerfall in Berlin hatte die Gruppe im letzten Jahr Gedenkkreuze entwendet, um sie an der EU-Südgrenze für die Mittelmeer-Toten, die neuen “Maueropfer” zu errichten. Es gab Strafanzeigen und Ermittlungen wegen Diebstahl. Mehr zum Hintergrund

7 Gedanken zu “Voller Erfolg: Die Toten kommen zu Merkel

    • Die Reichsdeutsche Abschottungspolitik gegenüber nichtarischen Personenkreisen (früher: „Rassen“) war ja irgendwie stilbildend auch über den „Zusammenbruch“ der Träume vom Übermenschentum hinaus…

    • Ein paar Zweifel an diesem ZPS darf man aber wohl mal anmelden: So leicht kommt man nämlich nicht mit politischen Aktionen in die Tagesschau. Das ist an sich schon etwas verdächtig. Aber dann gibt es da noch einen Philipp Ruch, der im Februar 2011 gegen Gaddafi hetzte, was das Zeug hält und Kampfjets für die Putschtruppen anforderte, die Tripolis zusammenschießen sollten. „Die Menschenrechte“ wären unter Gaddafi in Gefahr. Waren sie vielleicht auch, aber der Grund für die Bomben und Lohnterroristen, die ihn ermorden sollten war das nicht. Das war sein Plan, Öl auch an Chinesen zu verkaufen. Um danach seinen Sturz zu propagieren, setzte die CIA in Bewegung was sie so hatten in Europa. Philipp Runch könnte dazu gehört haben. Hier sein Votum, das ziemlich nach US-Interressen klingt:

      E-Mail vom 26.02.2011 von Philipp Ruch / Zentrum für Politische Schönheit

      Im Norden Afrikas ist eine Revolution ausgebrochen. Die Menschen riskieren ihr Leben. Und die deutsche Politik? Sie schaut verblüfft zu. Im Weltsicherheitsrat kam es gestern zu einer bewegenden Szene von seltener politischer Schönheit: der libysche Botschafter flehte seine Kollegen an: “Bitte retten Sie Libyen!” Danach trat er von seinem Amt zurück. Wie wir jetzt erfahren, ist die Lage in Libyen sehr, sehr viel ernster, als bislang angenommen wurde. Niemand hat derzeit eine Vorstellung, was sich in der Hauptstadt Tripolis abspielt. Sie liegt im medialen Blackout. Afrikanische Söldnerheere verwüsten die Hauptstadt und erschiessen gezielt Demonstranten.

      Der Mut der Libyer erscheint angesichts der grässlichen Verbrechen Gaddafis als schier unfassbare und unermessliche Tat menschlicher Größe. Die Tatenlosigkeit Europas hingegen erscheint als gigantisches Verbrechen. Sieht so die angemessene Reaktion auf den Aufbruch in der arabischen Welt aus? Wir bitten Sie, eine Zeitung oder einen Fernsehsender übers Wochenende zu kontaktieren. Oder rufen Sie am Montag früh im Auswärtigen Amt unter Tel. 030 18-17-0 an (lassen Sie sich verbinden mit einem der Büros der Staatsminister Hoyer, Pieper, Ammon, Born oder Biesel). Bekunden Sie Ihren Unmut über die Reaktions- und Tatenlosigkeit der deutschen Politik.

      Wofür wir uns jetzt einsetzen müssen:

      – Die Einrichtung einer NO-FLY-ZONE – ein absolutes Flugverbot – über Libyen.
      – Feststellung von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ im Weltsicherheitsrat.
      – Ein Waffenembargo gegen Libyen.
      – Schärfste Sanktionen gegen alle noch im Amt befindlichen Kabinettsmitglieder
      – Die Entsendung von Militärbeobachtern.
      – Ein Einreiseverbote für und das Einfrieren der Gelder des Gaddafi-Clans.

      Was wir wissen:

      1. Gaddafi erließ den Befehl, Hunderte Demonstranten wahllos hinzurichten. Der italienische Aussenminister spricht inzwischen von mindestens 1.000 ermordeten Zivilisten. Die Gaddafi-Getreuen schießen aus Kasernen, Panzern und Kampfjets. Aber nicht auf Häuser oder Kriegsziele, sondern in unbewaffnete Mengen. Das wissen wir, weil zwei libysche Kampfjets am vergangenen Dienstag auf Malta um 16.32 Uhr Ortszeit gelandet sind. Die beiden Piloten beantragten Asyl. Die Soldaten konnten es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, auf Demonstranten zu schießen.

      2. Schlimmeres dürfte im Gange sein: der zurückgetretene Justizminister Mustafa Abdel Galil verriet Al Jazeera, dass das libysche Militär über biologische und chemische Waffen verfügt. Morgen Freitag werden die größten Proteste aller Zeiten die Hauptstadt Tripolis erreichen. Galil deutete an, dass biologische und chemische Waffen gegen die Zivilisten eingesetzt werden und er forderte die Vereinten Nationen auf, den Wahnsinn zu stoppen.

      3. Politische Parteien in Tunesien, Algerien und Marokko forderten am Mittwoch in einer gemeinsamen Stellungnahme von ihren Regierungen, die Menschen in Libyen militärisch zu schützen: „Es ist eine Industrie der Vernichtung, die hier angerollt ist“, heißt es in der Stellungnahme. Auch der Chefradiologe am Al Jala Hospital im befreiten Benghazi, Jabril Hewadi, fragte Vertreter einer westlichen NGO: “Sie müssen uns helfen. Wo ist die Welt? Wo sind die Vereinten Nationen?“

      4. NICHT EINMAL EINE DROHUNG WURDE GEGEN GADDAFI AUSGESPROCHEN. Er lässt Hunderte Menschen hinrichten. Die Libyer riskieren ihr Leben. Und die deutsche Politik schaut verblüfft zu. Das ist beschämend. Was wir heute nicht begreifen: sollte Gaddafi sich gegen sein Volk durchsetzen – was denken Sie, wen der nächste Diktator nachahmt: Mubarak oder Gaddafi? Mubarak ist vor seinem Volk geflohen. Gaddafi will es niedermetzeln.
      Mit freundlichen und schockierten Grüßen,
      Philipp Ruch
      Zentrum für Politische Schönheit
      Quelle
      http://www.gehvoran.com/2011/02/kriegsverbrechen-in-libyen-wo-bleibt-die-welt/

      • Das sind also die häßlichen Geheimnisse des ZPS… igitt. Vielleicht exhumieren die erstmal die Leichen in ihrem eigenen Keller.

  1. Wer die Begriffe beherrscht, beherrscht die Debatte, das habe ich bereits erfahren. Wenn ich statt „US-Amerika“ „Amerika“ sage, werde ich mich kaum wundern können, wenn ich eine Debatte zum Thema US-Imperialismus bereits verloren habe, denn den imperialistischen Anspruch der USA auf den gesamten Doppelkontinent namens Amerika habe ja ich bereits anerkannt, durch meine Verwendung des Begriffes „Amerika“ als Bezeichnung für das Land USA.

    Eine weitere Bedeutungsfalle stellt der Begriff „islamistischer Terrorismus“ dar – der als „islamischer Terrorismus“ verstanden wird, weil auf der Straße wohl kaum jemand einen Unterschied sieht – und deshalb kaum verwenden kann, ohne damit unfreiwillig zu behaupten, dass 1700 Angehörige aller verschiedenen Konfessionen des Islam grundsätzlich terroristisch seien, obwohl die meisten dieser Lohnterroristen in Wahrheit Anhänger der engstens westverbündeten, von allen vier Konfessionen des Islam als Irrlehre abgelehnten, seinerzeit vom britischen Kolonialismus aufgebrachten, saudisch-terroristischen Halsabschneidersekte des Wahhabismus sind, Menschen als Ungläubige beschuldigen und damit auch den heiligen Propheten des Islam, also sich selbst als die Ungläubigen zeigen, bekanntlich für US-Dollars, US-trainiert und mit US-Waffen Muslime ermorden, jedes islamische Gotteshaus zerstören, mit ihren menschenhasserisch-faschistischen Verbrechen die Fahne mit dem Siegel des islamischen Propheten und eine ganze Weltreligion in den Dreck ziehen, eher die Nato anbeten als Allah und damit alles andere sind als islamisch.

    Daher nun meine Anregung zum Begriff „Flüchtling“. Zunächst die Definition aus dem Duden:

    Flücht­ling, Bedeutung: „Person, die aus politischen, religiösen, wirtschaftlichen oder ethnischen Gründen ihre Heimat eilig verlassen hat oder verlassen musste und dabei ihren Besitz zurückgelassen hat.“

    Warum mussten diese Menschen so eilig ihre Heimat verlassen? Etwa nicht auch wegen des von Washingtons Westen im Rahmen seiner Chaos-Strategie geförderten Lohnterrorismus? Diese Menschen sind demnach also eher Heimatvertriebene.

    Heimatvertiebener, Bedeutung: Person, die zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen wurde.

    Die die derzeitige Bedeutung des Begriffes „Flüchtling“ beinhaltet zum Teil noch die Wahl zu bleiben. Dagegen jemanden als Heimatvertriebenen zu bezeichnen besagt, dass dieser Mensch keine Wahl hatte, dass es eindeutig benennbare Täter geben muss und das ist dann die Frage danach, wer in der Heimat der Vertriebenen die Vertreiber trainiert, bezahlt und bewaffnet und ob es nicht in Wirklichkeit nur wieder um „offene Territorien für Investoren“ geht, wie die Propagandisten der Geschäftemacher so zynisch zu sagen pflegen.

    Danke

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