Presse-Meute heult: Hat Steinmeier zufällig was richtig gemacht?

Hannes Süß Frank-Walter_Steinmeier_2009a_(cropped)

Sogar die ARD-Tagesschau musste es kleinlaut bringen: Unser deutscher Außenminister und Vizekanzler Steinmeier (SPD) lugte einmal ganz kurz hinter dem mächtigen Schatten der Kanzlerin hervor und murmelte etwas von Frieden mit Russland in ein Mikrofon. Sofort brach ein Sturm der Entrüstung (im Sinn von: Angst vor weniger Geld für Rüstung) los: FAZ titelte „Steinmeiers Kriegsgeheul“ und heulte selber fast: „Hatte Putin etwa Geburtstag?“ Friede Springers ideologisches Schlachtschiff „Die Welt“ posaunte von „beispielloser Illoyalität“ gegenüber den Kriegsfürsten der Nato und argwöhnt, der SPD-Mann wolle womöglich seiner Merkel von der Stange und in Richtung Rot-Rot-Grün gehen. O Graus! Untergang des Abendlandes!

Die rechtspopulistische „Welt„, die nur dank großflächiger Gratisverteilung des Blattes ihre mickrige Auflage halten kann, empört sich, wohl im Auftrag ihrer Großindustriellen (Anzeigenkunden): „Außenminister Frank-Walter Steinmeier attackiert offen die Nato. Er unterminiert eine westliche Strategie, die seine Regierung mitträgt. Sein Motiv für die Absetzbewegung: der Traum von Rot-Rot-Grün.“

Dolchstoß-Legende aus dem Springer-Verlag

Während die Nato mit Manövern in Polen und im Baltikum ihre Abwehrkräfte gegen einen möglichen russischen Angriff auf osteuropäische Bündnisstaaten erprobe, so das Propagandablatt der Multimilliardärin Friede Springer und Freundin der Bertelsmann-Erbin Liz Mohn, wartete Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit einem „rhetorischen Paukenschlag“ auf. Dass ein deutscher Außenminister „dem gesamten westlichen Verteidigungsbündnis in den Rücken fällt“ sei ein „beispielloser Akt von Illoyalität“. Dabei ging es doch bloß um für die Nato dringend nötiger Übungen, an denen auch die Bundeswehr teilnimmt. Wie kann man die nur mit Kriegslüsternheit in Verbindung bringen? Am Wochenende hatte Merkels Vize davor gewarnt, „durch lautes Säbelrasseln und Kriegsgeheul die Lage weiter anzuheizen“, mit „symbolischen Panzerparaden an der Ostgrenze des Bündnisses“ könne man nicht mehr Sicherheit schaffen.

Es dürften Russland keine Vorwände für eine Konfrontation geliefert werden, meinte Steinmeier. Schon in der Frage der Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland habe Steinmeier, so jault die „Welt“ weiter, die Kanzlerin brüskiert. Preschte er doch mit der Forderung nach schrittweiser Aufhebung der Strafmaßnahmen vor, obwohl Moskau die daran geknüpften Bedingungen „nicht ansatzweise erfüllt“ habe, meint jedenfalls das rechte Springerblatt. Es gehe doch um Putins  „anhaltende Aggression in der Ostukraine“. Aha. Dabei wirft doch Poroschenko, der Mann des Westens, dort verbotene Streubomben auf sein eigenes Volk, aber davon hat „Die Welt“ natürlich noch nie etwas gehört. Die jagt lieber wieder sowjetische, pardon russische U-Boote vor Schwedens Küste, wie einst im Kalten Krieg. Ach war das schön damals, als der Sozialist Olof Palme erschossen wurde, der Schweden in eine Entspannung mit Moskau führen wollte. Heute weiß man, dass die U-Boote, mit denen Schweden und Europa damals jahrelang Angst gemacht wurde, nicht aus Moskau, sondern aus Washington ihre Befehle erhielten. Arte brachte 2015 endlich eine Doku dazu: Die Methode Reagan (leider dreißig Jahre zu spät), doch kein Trick der Nato ist zu blöd als dass unsere Mainstream-Presse nicht mit Hurra in die Propaganda-Schlacht ziehen würde vgl. telepolis.

Steinmeiers unerwarteter Anfall von Vernunft hat die Rechtspopulisten im Land aufgescheucht wie nichts, was der SPD-Spitzenmann sonst je in seinem Leben getan hat. Die FAZ jammert am Ende ihres Artikels, der nur an Wortschwall, nicht an Inhalt oder Intelligenz den hysterischen Erguss der „Welt“ übertraf, ebenso wie diese: „Sprach hier nicht der Außenminister, sondern der Kandidat eines Linksbündnisses?“ FAZ. Die Angst sitzt den Rechten tief in den Knochen, dass in unserem Land die drei Parteien, die von sich behaupten, soziale Politik machen zu wollen, und die seit der letzten Bundestagswahl auch die Mehrheit dafür haben, nach der nächsten Wahl dies auch tun könnten. Aber nur die Ruhe, alte Kalte Kriegskameraden! Viel wahrscheinlicher als dies ist doch, dass die SPD hier nur schon mal für den Wahlkampf 2017 das Links-Blinken vor dem üblichen Rechts-Abbiegen übt. Und ob die Grünen wirklich soziale Politik wollen? Für anthroposophische Kindergartenkinder aus gutem Hause vielleicht. Aber doch nicht für Pommes fressende Proleten, igittigittigitt! Die Scheiße fressen die anderen!

8 Gedanken zu “Presse-Meute heult: Hat Steinmeier zufällig was richtig gemacht?

  1. Vielleicht ist es ja jemandem aufgefallen: Weder Merkel oder Seehofer noch Steinmeier oder Gabriel sind bei den Bilderbergern in Dresden gewesen.
    Wenn die SPD sich jetzt noch vor der Bedeutungslosigkeit retten will, muss sie sich auf ihr eigenes Profil besinnen. Und Merkel mit ihrer USA-Hörigkeit macht es ihr sehr leicht, weil sie sich auf eine harte Linie festgelegt hat – wie immer „alternativlos“!. Die SPD hat die aktuelle Russlandpolitik Merkels öffentlich relativ kommentarlos mitgetragen, ist parallel dazu aber einen eigenen Weg gegangen, wenn auch nicht immer offensichtlich mit ihren Spitzenpolitikern. Außerdem scheint es, als würde Gerhard Schröder im Hintergrund seine ehemaligen Kollegen „auf Linie“ bringen und sich als Mediator für die deutsche Wirtschaft in Russland betätigen.
    Wenn wir keinen Krieg wollen, wenn wir gute Nachbarschaft mit Russland wollen und wenn wir – auch wenn es opportunistisch scheinen mag – Arbeitsplätze in Deutschland sichern wollen, dann sollten wir diese Politik ermuntern und unterstützen. Dass es nach wie vor Kritik an so manchem Verhalten und Vorgehen der SPD-Politiker in dieser Regierung und in deren Vorgängern gibt, bleibt davon unbenommen.
    Solange wir selbst aber nicht mehr unternehmen, um die Situation mit unserem großen Nachbarn und in Folge mit unserem „großen Bruder“ in unserem Sinne zu klären, solange werden wir mit den Ergebnissen einer Regierungspolitik leben müssen, die sich regelmäßig über die Wünsche und berechtigten Erwartungen ihrer Wähler hinwegsetzt und wir sollten dann die wenigen Chancen nutzen, bei denen wir Gelegenheit haben, jemanden, der in unserem Sinn argumentiert und verhandelt, zu unterstützen.

    • Duckhome ist auch nicht so überzeugt vom linken Steinmeier-Jubel:
      „Oh mein Gott. Frank-Walter auf Abwegen als Natokritiker und Putinversteher. Unter meinen Facebook-„Freunden“ hatten einige schon fast ein Orgasmus. Andere jubelten mir durchs Telefon zu, dass jetzt endlich Bewegung in die Sache komme. Die Kriegsgefahr fast vorbei sei und ich mich in der SPD doch geirrt habe. Ich habe ein wenig dagegen an argumentiert, aber der Sachverhalt ist zu kompliziert… “
      http://duckhome.net/tb/archives/14162-Die-verlorene-Ehre-des-Frank-Walter-Steinmeier.html

      • Leute es ist kurz vor den Wahlen… dann muss man was tuen, ich würde Nachts besser schlafen wenn wir mal Kompetente Politiker in Berlin sitzen hätten, zum Beispiel jemanden der den Amis, Bertelmanns, Springers, mal die Stirn bieten würde und für uns Habenichts mal eintreten würde. Aber ich glaube ich muss weiter träumen.( zu melden haben wir Amerikanische Untertan und billige Arbeitssklave NICHTS)

  2. Pingback: News 21.06.2016 | Krisenfrei

  3. Super Artikel!
    Aber Steinmeier als Wegbereiter des Maidan-Putsches und BND-‚Bomben-wir-Schulen-im-Irak‘-Koordinator hat mit Frieden genau so wenig im Sinn, wie die NSA mit dem Schutz des Bürgers.
    Hier beginnt tatsächlich nur ein Wahlkampftheater mit aus Versehen gewählten wahren Worten.
    Sollte die SPD jemals wieder an die Macht kommen, mir graut’s schon vor einem wiederauferstehenden Steinbrück, evtl. mit Hilfe der LINKEN, dann wird es die selbe transatlantische Kriegspolitik bleiben.

  4. Ich sehe „Die WELT“ und Konsorten eher im linkspopulistischen Spektrum. Rechts gibt es ja gar nicht mehr, sieht man mal von der AfD ab.
    Red.:Für unsere Mainstream-Medien-Matrix ist die Mitte inzwischen im Neoliberal-Konservativen verortet. Linke Werte wie Freiheit für alle (nicht nur der Geldbesitzer), Gerechtigkeit, Gleichheit, Soziale Solidarität (klassisch „Brüderlichkeit“) werden überhaupt in ihrer Existenz geleugnet, als explizit „rechts“ gilt nur noch, wer wirklich lauthals gegen Ausländer hetzt (was die „WELT“ nur deshalb nicht tut, weil sie in vielen arbeitsfähigen Einwanderern Potential für Ausbeutung und Lohndrückerei der einheimischen Bevölkerung wittert -„links“ ist das rechte Blatt deshalb noch lange nicht).

    • Die WELT linkspopulistisch? Weil sie sich so rührend sozial um teutsche Multimillionäre sorgt? Das ist doch DAS rechtspopulistische Hetzblatt schlechthin für Hirnproleten aus gutem Hause, die Standesdünkel mit Primitivismus verbunden haben wollen: Die BILDschmierpresse für die Bosse von der BILDlesenden Dumpfbevölkerung. (Pardon, entschuldigen Sie den harten Ausdruck „Hirnproleten“)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s