Bitcoins for Oil -Wie Putin, Iran und Venezuela den Dollar herausfordern

Rudi Rucker

Washington in Panik. Russland, Venezuela und der Iran wollen ihren Ölhandel in Bitcoin abwickeln: -Götterdämmerung für das globale Dollar-Finanzsystem? Einige Probleme erwarten die neuen Fans der Kryptowährung aber noch.

Der Bitcoin ist in. Nachdem China wegen mangelnder Kontrolle die Netzwährung verboten hatte, fehlten neue Player. Japan erlaubte den Bitcoin 2017 und Russland will ihn 2018 zulassen -doch jetzt bahnt sich sogar ein Schlag gegen den Dollar aus dieser Richtung an.

Iran, Russland und Venezuela sind bedeutende Erdöl-Länder, die bislang vom US-Dollar abhängen, da der Rohölmarkt von Dollar-Kontrakten beherrscht wird. Alle drei Länder sind auch mit Sanktionen der USA bzw. des Westblocks überzogen. Sanktionen, die vor allem auch dadurch wirksam sind, dass die Ölproduzenten bisher nur in US-Dollar ihr Rohöl verkaufen können. Das wollen sie nun ändern.

Bitcoin-Boom schüttelt die Finanzmärkte

Der aktuell boomende Bitcoin stieg im Wert rapide: 2016 kostete ein Bitcoin nur 700 US-Dollar, inzwischen 15.000 Dollar -eine Finanzblase bildet sich. Der Bitcoin ist (neben Litecoin, Ethereum u.a.) eine dezentralisierte Netzwährung, die anonyme Transaktionen mittels Blockchain-Technologie ermöglicht. Dabei wird in einer netzweit verteilten Datei jede Transaktion eines Bitcoin (der im Kern aus eben dieser Datei besteht) verzeichnet. Mit derartiger Technologie könnten auch Ölkontrakte organisiert werden, um dem Dollar den Rücken zu kehren, meldete Russia Today.

„Das Aufkommen von Kryptowährungen stellt daher einen neuen Katalysator für rohstoffproduzierende Länder dar, die den Dollar als Zahlungsmittel für Öl aufgeben wollen“, so Stephen Brennock, Ölanalyst bei PVM Oil Associates, auf CNBC.

Etliche Ölproduzenten haben bereits angekündigt, den Dollar im Ölhandel nicht mehr zu benutzen. Venezuela hat außerdem die Einführung einer eigenen Kryptowährung angekündigt, den Petro. Dieser würde dann mit den natürlichen Ressourcen des Landes, das über die weltweit größten bekannten Ölreserven verfügt, hinterlegt sein.

Schwächen des Bitcoin

Kryptowährungen kranken jedoch noch an einigen Schwächen: So sind sie im Netz von kriminellen Hackern zu stehlen, so geschehen bei Mt.Gox (Tokio), wo 2014 Bitcoins im Wert von damals (!) 500 Mio. Dollar verschwanden. 2016 wurde die Bitcoinbörse Bitfinex gehackt, Schaden: 60 Mio. Dollar. Das aufwändige „Schürfen“ (Mining) nach Bitcoins erfolgt in riesigen Rechnerparks, die inzwischen -wegen der Hype- schon mehr Strom verbrauchen sollen als ganz Schwarzafrika.

Bis jetzt existieren ca. 18 Mio. Bitcoins (derzeitiger Wert ca. 500 Milliarden Dollar), technisch sind aber -unter wachsendem Aufwand- nur 21 Mio. erzeugbar. Das treibt den Wert bei Spekulanten, die eine Art virtuelles Gold glänzen sehen. Aber als Währung macht es den Bitcoin unbrauchbar, da keine Geldmengen-Erweiterung möglich ist. Künftig zu entwickelndes Kryptocash wird diese Probleme zuerst meistern müssen. Sonst landen die Öleinnahmen von Russen, Iranern und Venezuelanern am Ende bei den Hackern der NSA.

Derzeit sorgen neue Bitcoin-Futures für einen weiteren Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. auf den Märkten. Bitcoin-Futures ermöglichen den Anlegern, auf den Preis der Kryptowährung in ein, zwei oder drei Monaten zu wetten. „Dies sollte die zunehmende Popularität von Kryptowährungen unterstützen. So sehr, dass sie eine Bedrohung für die Rolle des US-Dollars als Reservewährung der Welt darstellen könnten“, meint Stephen Brennock. Die USA haben in der Vergangenheit wenig erbaut auf Ausbruchsversuche aus dem Dollar-System reagiert -und, wie manche meinen, deshalb den Nahen Osten mit verdeckten und offenen Kriegen in Schutt und Asche gelegt. Gaddafi und selbst einige saudische Araber planten bekanntlich Parallel-Währungen im Ölgeschäft. Gaddafi ließ Hillary Clinton in bester IS-Manier vor laufender Kamera pfählen, um ein Exempel zu statuieren, und in Riad läuft auch eine Säuberungswelle, die an Stalins beste Zeiten erinnert.

In Venezuela sind CIA & Co offensichtlich schon dabei, einen verdeckten Krieg zu führen, um das Öl von Caracas wieder einzukassieren. Beim Iran und besonders Russland wird ihnen das zwar nicht so leicht gelingen, doch die digitale Verwundbarkeit künftiger Netzwährungen werden die USA schon auszuschlachten wissen. Auch dank technischer Dominanz der NSA, die unter Trump mit an Irrsinn grenzenden Geldmitteln weiter ausgebaut wird. Doch das Netz schläft auch nicht und neue Möglichkeiten werden täglich weiter entwickelt.

Litecoin: Alternative zum Bitcoin

Litecoin wurde am 7. Oktober 2011 von Charlie Lee veröffentlicht -also noch deutlich vor dem derzeit sich überschlagenden Bitcoin-Boom. Das Litecoin-System ist technisch beinahe mit dem Bitcoin-System identisch: Erstellung und Übertragung von Litecoins basiert auf einem Open-Source-Krypto-Protokoll, wird also nicht zentral gesteuert. Ein Peer-to-Peer-Netzwerk ähnlich dem von Bitcoin verwaltet alle Transaktionen, Bilanzen und Ausgaben und macht Banken und Finanzfirmen überflüssig. Litecoin wurde als alternative Kryptowährung zu Bitcoin entwickelt und unterscheidet sich von dieser in mindestens drei Punkten:

  • Blöcke werden im Litecoin-Netzwerk alle 2,5 Minuten anstatt alle 10 Minuten erzeugt, was für die Clients zu schnelleren Transaktionsbestätigungen führt.
  • Das Litecoin-Netzwerk produziert daher auch im gesamten Verlauf viermal so viele Einheiten wie das Bitcoin-Netzwerk, wodurch die Anzahl der Litecoins gegen 84 Millionen konvergiert.
  • Im Gegensatz zu Bitcoin, für welche SHA256 verwendet wird, verwendet Litecoin scrypt in seinem Proof-of-work-Algorithmus: eine spezielle sequentielle Funktion, erdacht und beschrieben von Colin Percival. Mit dem Ziel, das Mining gleichmäßig auf viele Menschen zu verteilen und einer Zentralisierung wie bei der Währung Bitcoin vorzubeugen, wurde ein Algorithmus ausgewählt, der auf PCs zugeschnitten ist (CPU- und GPU-optimiert). Einer (wesentlich schnelleren) Implementierung in ASICs, die für diese Anwendung extra produziert werden, sollte dagegen vorgebeugt werden, um das Mining weniger von der Finanzkraft abhängig zu machen. Scrypt wurde speziell entwickelt, um Brute-Force-Angriffe mit spezialisierter Hardware wie etwa FPGAs und ASICs zu erschweren. Sie nutzt dazu die Tatsache, dass Arbeitsspeicher verhältnismäßig teuer ist. Aus diesem Grund ist scrypt absichtlich sehr speicheraufwendig konstruiert worden. Deshalb sind für das Mining von Litecoins Grafikprozessoren (GPUs), die u.a. für den Umgang mit Texturen und anderen größeren Datensätzen ausgelegt sind bzw. Zugriff auf den Arbeitsspeicher der CPU haben, gut geeignet, und es ist vergleichsweise kostenaufwendig, Geräte mit FPGAs oder ASICs erfolgreich umzusetzen. Jedoch gibt es bereits seit einiger Zeit ASIC-basierte Miner, welche die vergleichbare Hashraten erreichen wie GPUs – aber bei einem Bruchteil des Stromverbrauchs von Grafikkarten.
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6 Gedanken zu “Bitcoins for Oil -Wie Putin, Iran und Venezuela den Dollar herausfordern

    • Oder der Anfang von einer neuen Finanzmarkt-Blase, an deren Ende die Bevölkerung wieder zur Bankenrettung zur Kasse gebeten wird

    • Die Bitcoin-Ideologie? Das sollte doch Open Source sein, gegen Megabanken usw., was kann man da heute noch dagegen haben? Wenn die jetzt kommen, um sogar daraus eine Hype zu machen, ist das 1.dreist, 2. ein panischer Versuch, dem eigenen Ende zu entgehen und 3. entlarvend, falls ein paar der jetzt wie wild spekulierenden Börsianer mal über das nachdenken, was in Open Source steckt.

      • Bei jedem Handel, den man über eine Währung abwickelt, tauscht man einen wirklichen Wert/Leistung, gegen diese Währung. So lange die Währung ebenso einen Wert hatte, war das einigermaßen ok, denn um schöne Edelmetall geprägte Münzen herzustellen, braucht es Arbeit, Zeit und Wertstoff. Und das sind exakt die 3 Parameter mit denen man auch andere Werte misst, die man mit einer Währung bezahlt. Man könnte es die Trinität der Werte nennen.

        Seit man die Goldbindung der Währungen aufgehoben hat, tauscht man einen wirklichen Wert gegen keinen wirklichen Wert, sondern gegen einen Imaginären Wert, den man der Währung andichtet, weil in der Herstellung eines 100 Euro Scheins nur noch minimal die drei Wertfaktoren Arbeit, Zeit, Wertstoff, enthalten sind. Ein 500 Euro Schein hat einen wirklichen Wert von maximal, einer Sekunde, 10 Cent Papier und Farbe, und 10 Watt Energie. Der Rest ist Einbildung.

        Wenn man nun in vollkommen bargeldlose Währungen gehen will, wie z.B. den Bitcoin, die noch nicht mal mehr einen geringen wirklichen Wert haben, wie es z.B. im Papiergeld zu mindest noch rudimentär vorhanden ist, dann besteht der Wert gegen den man dann alle wirklichen Werte eintauscht, nur noch in der Vorstellung von einem Wert.

        Was ist denn ein Bitcoin ohne die konstruierte Vorstellung des Wertes, den man in ihn hineindenkt? Was kann denn ein Bitcoin aus sich selbst, ohne daß man in ihn einen Wert hineinglaubt? Worin liegt also der wirkliche Wert eines Bitcoins den er aus sich selbst hat, wenn man den Kollektiven Glauben mal weg lässt ?

        Dinge, an die man glauben muß, damit sie einen Wert haben, obwohl sie in Wirklichkeit aus sich selbst keinen Wert haben, kann man mit Fug und Recht eine Ideologie nennen. Eine Ideologie, die etwas in Etwas hineinglaubt, ohne das dies wirklich vorhanden ist, wird irgendwann von der Wirklichkeit eingeholt werden. Selbst ein Liter Wasser hat einen höheren wirklichen Wert, als sämtliche Bitcoins zusammen. Was kann Wasser aus sich? Was kann ein Bitcoin aus sich?

        Wenn man die wirklichen Werte vertauscht, und einem Bitcoin einen höheren Wert zuspricht, als dem Wasser, dann wird man den Bitcoin auch mehr achten als das Wasser, und dann kommt man irgendwann an den Punkt, an dem der Satz stimmt, den irgendwelche Indianer einst gesagt haben sollen, „erst wenn der letzte Baum gefällt ist,… werden die Weißen merken, daß man Gold/Geld/Bitcoin nicht essen kann“.

        Der Bitcoin ist eine schwerst ansteckende ideologie. Ideologien müssen die verbreiten, die über keine wirklichen Werte verfügen, aber mittels der Ideologie an die Werte Anderer kommen wollen.

  1. Pingback: blognetnews » Gerät die Hype aufs Glatteis? Bitcoins auf Island

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