Gazakrieg/Iran: Israels Drohnen von NSA und GCHQ angezapft

Cora Currier, Henrik Moltke DroneSnapshotNSA

US-amerikanische und britische Geheimdienste unter Führung von NSA und GCHQ haben heimlich Video-Feeds aus israelischen Drohnen und Kampfjets angezapft. Es ging um die Überwachung von Militäroperationen im Gazastreifen sowie für einen möglichen Angriff auf den Iran. NSA und GCHQ haben Zugriff auf die Drohnen-Technologie, die Israel in die ganze Welt exportiert -darunter auch die bewaffnete Riesendrohne Heron TP.

In einem geheimen Programm mit dem Codenamen „Anarchist“ des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) zusamme mit der National Security Agency (NSA) wurden systematisch zielgerichtete israelische Drohnen von einer Bergspitze auf der Mittelmeer Insel Zypern angezapft. Durch den NSA-Dissidenten Edward Snowden geleakte GCHQ-Dateien beinhalten eine Reihe von „Anarchist Snapshots“, Miniaturansichten von Videos von Drohnen-Kameras aufgenommen (siehe Abbildung). Die Dateien zeigen auch die Standortdaten sowie die Zuordnung der Flugrouten des Flugzeugs. Amerikanische und britische Dienste machten sich im Wesentlichen die Vogelperspektive der israelischen Drohnen zu Nutze.

Mehrere Snapshots, teils zusammengestellt 2009 und 2010, scheinen Drohnen zu zeigen, die Raketenangriffe durchführen. Obwohl sie nicht deutlich genug sind, um völlig schlüssig zu sein, bieten die Bilder seltene visuelle Beweise für Berichte, dass Israel überhaupt Drohnen-Angriffe fliegt -bislang ein offenes Geheimnis, welches die israelische Regierung kaum anerkennen wird.

“There’s a good chance that we are looking at the first images of an armed Israeli drone in the public domain,” so Chrisblackwater Woods, Autor von „Sudden Justice, a history of drone warfare“, “They’ve gone to extraordinary lengths to suppress information on weaponized drones.”

The Intercept publizierte eine Auswahl von drone snapshots in einem weiteren Artikel. Zusätzlich berichtete 2012 ein GCHQ-Analyst “regular collects of Heron TP carrying weapons,” bezüglich einer „giant drone“, welche die staatliche Israel Aerospace Industries (IAI) produzierte. (…)

Übersetzung: Gerd R. Rueger aus The Intercept 29.1.2016

Anmerkung: Im Juni 2007 wurde eine weiterentwickelte bewaffnete Version mit Namen IAI Heron TP auf der Airshow 2007 in Le Bourget erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese von einem 895 kW starkem Turboprop angetriebene Version ist mit 26 m Spannweite, 13 m Länge und etwa 4,5 Tonnen Abflugmasse (1.800 kg Nutzlast) jedoch deutlich größer. Die maximale Einsatzdauer beträgt 36 Stunden. (Bredow-web)

Ganzer Artikel (englisch) auf The Intercept

Spies in the Sky: Israeli Drone Feeds Hacked By British and American Intelligence

Secret documents published with the article:

A MQ-9 Reaper unmanned aerial vehicle prepares to land after a mission in support of Operation Enduring Freedom in Afghanistan. The Reaper has the ability to carry both precision-guided bombs and air-to-ground missiles. (U.S. Air Force photo/Staff Sgt. Brian Ferguson)

A MQ-9 Reaper

  • JSSU (Cyp) 6 Month Overview
  • MHS FISINT Successfully Collects Israeli F-16 Heads-Up Display
  • S455N – Israeli UAV Digital Video
  • ISUAV Video Descrambling
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Snowden in Berlin: Das große Hosenflattern bei der CDU

Gerd R. Rueger Snowden

Rekordverdächiger Rücktritt des CDU-Statthalters im NSA-Untersuchungsausschuss: Clemens Binninger (CDU) ergreift die Flucht vor der eigenen Courage. Sein designierter Nachfolger wirkt wie frisch von der Jungen Union rekrutiert. Es ist ja auch heikel, gegen den großen Bruder ermitteln zu wollen, gegen die USA und ihren allmächtigen Lauschdienst NSA. Und gerade jetzt, wo auch noch ein neuer Kalter Krieg lanciert wird, der rein zufällig natürlich bestens von US-Untaten ablenkt und Kritik an der Machtfülle der US-Geheimen erschwert. Müssen wir nicht dankbar sein, ausspioniert zu werden? Was nützen uns Menschenrechte, wenn der Putin kommt?

Grund für Binningers Rücktritt soll die Forderung von Ausschuss-Mitgliedern sein, den NSA-Whistleblower Edward Snowden als Zeugen nach Berlin einzuladen. Dabei haben die Enthüllungen Snowdens diesen Ausschuss erst möglich gemacht und nur er kann sinnvollerweise zu den weltweiten Aktivitäten der NSA befragt werden. Wen will man sonst einladen? Den NSA-Direktor? Seinen Chef Obama, der sich täglich mit NSA-Informationen versorgen lässt? Ohne die NSA-Daten wüssten US-Drohnen ja gar nicht, welche Hochzeitsfeier sie heute wieder bombardieren sollen. Auch ungünstig: Gerade jetzt kommt der von deutschem Boden aus geführte Drohnen-Terrorkrieg sogar im Medienmainstream ins Gerede. Die Süddeutsche Zeitung gab laut dw zu, dass im Drohnenkrieg der USA schon ca. 1000 Menschen getötet worden seien, überwiegend Zivilisten –natürlich ohne Gerichtsurteil auf Anweisung von US-Präsident Obama.

Die Verletzung von Völker- oder Menschenrechten kratzt die US-SoldatInnen, die am Predator-USAflagFernsteuerknüppel sitzen zwar wenig, dafür haben sich die USA ja schließlich ihren Status jenseits der internationalen Gerichtsbarkeit vorbehalten. Aber eine US-Terrorzentrale in Rammstein verstieße ja nicht nur gegen Völkerrecht, wenn dort wirklich Hellfire-Raketen auf Zivilisten gelenkt worden sein sollten –sondern auch gegen deutsche Gesetze. Der Staatsanwalt müsste unverzüglich einschreiten, sobald gerichtfeste Beweise vorlägen und Snowden könnte solche im Gepäck haben.

Bekanntlich sind transatlantische Unstimmigkeiten etwas heikel, gerade wenn sie die Macht der US-Geheimdienste betreffen. Als bei den Kryptologie-Konflikten seinerzeit die deutsche Bundesregierung wagte, Washington etwas die Zähne zu zeigen, fiel zufällig der damit beauftragte Staatssekretär aus dem Fenster seines Büros. Er überlebte wie durch ein Wunder, lag lange im Koma und die Umstände seines Unfalls sind bis heute ungeklärt. Wenn Clemens Binninger (CDU) jetzt seinen Rücktritt erklärte, kann man spekulieren, ob ihm ganz langsam da einige Zusammenhänge dämmerten. Besser mit fliegenden Fahnen bzw. flatternden Hosen zurück auf die Hinterbänke als der Globalen Gestapo ans Bein pinkeln und sein Leben riskieren. Das EU-Parlament war da mutiger.