Gladio: Finanzierten Alt-Nazi-Netze unter Adenauer Israels Atombombe?

Theodor Marloth

Portraitaufnahmen von Staatssekretär Globke

Hans Globke, Adenauers Staatssekretär im Kanzleramt

Hans Globke war der starke Mann hinter Adenauer, obwohl er für Hitler Rassegesetze formuliert hatte und am Holocaust beteiligt war. Um dies nach der Eichmann-Ergreifung zu vertuschen, zahlte Bonn heimlich 600 Millionen DM an Jerusalem, für das geheime Atomprojekt Dimona. Jetzt kommen neue Dokumente ans Licht, die auch Gladio (stay-behind) bis zu Globke verfolgen. Wie starb Oberstaatsanwalt Fritz Bauer? Der einzige Nazi-Jäger in der westdeutschen Justiz wurde tot in seiner Badewanne gefunden, als er Globke auf den Fersen war.

Timothy Naftali (*1962 in Quebec, Canada), Historiker (Yale, Havard, Nixon Museum) publizierte zum Kalten Krieg, Kuba-Krise, Watergate und 9/11 (Terrorismus-Studie). 2006 enthüllte er aus freigegebenen CIA-Geheimdokumenten Zusammenhänge zwischen Gladio (stay-behind, Operation Kibitz), Alt-Nazi-Netzwerken und vor allem Hans Globke. Der umstrittene Globke war erst Adolf Hitlers Hausjurist, später mehr noch Konrad Adenauers (CDU) rechte Hand. Hans Globke organisierte zuerst die Erfassung der deutschen Juden u.a. mit Rassegesetzen, nach 1945 dann die „Renazifizierung“ des westdeutschen Beamten-Apparats. Er war laut Naftali der erste westdeutsche Staatsvertreter, der von den US-Geheimdiensten 1953 über stay-behind (Gladio) informiert wurde und vermutlich später eine graue Eminenz hinter dem westdeutschen Gladio. Hans Globke hielt die Verbindung der Adenauer-Regierung zu US-Geheimdiensten und sorgte dafür, dass Adolf Eichmann nach seiner Ergreifung durch den Mossad 1960 nichts über seine (Globkes) Drahtzieher-Rolle im Holocaust aussagen konnte. (Siehe unten: Auszug Naftali-Studie)

Massenmörder Adolf Eichmann fragte 1943 bei seinem Vorgesetzten Hans Globke um Erlaubnis für die Aussetzung der Ermordung von 20.000 griechischen Juden. Globke verweigerte sie ihm und trug damit die direkte Verantwortung mindestens für diesen Teil des Holocaust (zweifelhaft bleibt, ob Eichmann wirklich vorhatte, die Juden zu retten, wie er vor seinen Richtern in Jerusalem behauptete, oder sie vielleicht nur deportieren wollte, um sie woanders effektiver zu töten). Oberstaatsanwalt und Nazi-Jäger Fritz Bauer hatte mit dem Mossad für die Ergreifung von Eichmann gesorgt, den bis dahin Alt-Nazi-Netze in der westdeutschen Justiz geschützt hatten. Fritz Bauer war Globke dicht auf den Fersen, als er unter mysteriösen Umständen tot in seiner Badewanne aufgefunden wurde. Globke hatte zu diesem Zeitpunkt Kontakte zu Gladio und war möglicherweise auch einer der Drahtzieher dieser mit Alt-Nazis aufgebauten Geheimorganisation, die unter anderem für politische Terroranschläge und Morde trainierte. (Siehe unten Auszug aus Fritz-Bauer-Archiv)

Adenauer, Globke und Atom-Zentrum Dimona (Negev)

Globke und Adenauer machten zur Vertuschung von Globkes Nazi-Vergangenheit einen kriminellen Deal mit Israel,

Zentralbild Stolp-23.7.1963 Fotomontage zum Urteil gegen den Judenmörder und Intimus Adenauers, Staatssekretär Globke, der am 23.7.1963 im Namen des Volkes- zur lebenslangen Zuchthaus verurteilt wurde.

Adenauer und sein Staatssekretär Globke, der am 23.7.1963 im Namen des Volkes (der DDR) zu lebenslangen Zuchthaus verurteilt wurde.

dessen Details jetzt ans Licht kommen könnten. Am Ende war Israel geheime Atommacht und das Regime Adenauer konnte seine Nazi-Strukturen weiter geheim halten. Globke ließ Akten aus den 1960er Jahren verschwinden, die aus dem von ihm geleiteten Bundeskanzleramt stammen sowie solche über Adenauers Verhandlungen mit Israel. Diese betrafen Wiedergutmachungsleistungen an Israel: Im Rahmen der Aktion „Geschäftsfreund“ soll im Zeitraum von 1961 bis 1965 aus Finanzmitteln der Bundesrepublik Deutschland ein Betrag von insgesamt 630 Millionen DM an Israel für Projekte in der Negev-Wüste, darunter das Nuklearwaffen-Forschungszentrum Dimona, gezahlt worden sein.

Ein Fall von Staatskriminalität? Bei den 0,6 Milliarden DM soll es sich um westdeutsche Steuergelder gehandelt haben, die illegal verausgabt wurden, d.h. ohne hinreichende parlamentarische Genehmigung und ohne Kabinettsbeschluss. Für Adenauer wäre dies nicht der erste kriminelle Griff in die Staatskasse gewesen: Schon als Kölner Oberbürgermeister hatte er lange Finger gemacht, aber mehr für seinen Privatbedarf. „Die Akten und Unterlagen sind nach dem 1963 erfolgten Ausscheiden von Dr. Globke als Chef des Bundeskanzleramtes nicht dort verblieben und wurden später auch nicht an das Bundesarchiv übergeben“, so Dieter Deiseroth, ehemaliger Richter am Bundesverwaltungsgericht, in Telepolis.

Siehe auch Eichmann-Globke-Adenauer aus Der Freitag, vgl. dagegen die abwiegelnde, Globke verteidigende Desinformation auf Wikipedia.

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Fritz-Bauer-Archiv: Der Fall Globke

Film zum Auschwitz-Prozess: Der Staat gegen Fritz Bauer

„Als der „Fall Dr. Globke“ mit dem Eichmann-Prozess 1960 politisch wieder akut wurde, war die Legende von der „Milderung“ der Judenverfolgung durch Dr. Globke – und zwei weitere Referenten im Reichsinnenministerium, Bernhard Lösener (1890-1952) und seinem Vorgesetzten SS-Obergruppenführer Wilhelm Stuckart (1902-1953), mit dem Hans Globke den Kommentar verfasste- bereits ein Selbstläufer geworden. In ihrer Studie über Die „Nürnberger Gesetze“ oder Die Verwaltung des Rassenwahns 1933-1945 schreibt Cornelia Essner, der „vage, aber humanitär klingende Ausdruck“ sei zum Synonym für alle Versuche der NS-Bürokratie geworden, den „Halbjuden“ das Schicksal der Juden zu ersparen. Essens Kritik des so genannten Lösener-Dokuments, eine 1950 verfasste und nicht zufällig 1961 veröffentlichte Aufzeichnung des „Rassereferenten im Reichsinnenministerium“, ist eine minutiöse Rekonstruktion der Genese der Nürnberger Rassegesetze. Sie weist nach, dass die Rassegesetze langfristig vorbereitet wurden und dass das Lösener-Dokument im Jahr 1961 publiziert wurde, um zu belegen, dass Adenauers Staatssekretär „weder mit Entstehung noch Umsetzung der ‚Nürnberger Gesetze‘ zu tun gehabt hätte“. Hans Globke, so schrieb Lösener, der sich selbst in seiner Aufzeichnung als Widerstandskämpfer hinstellte, habe „mit der Bearbeitung der ‚Judenfrage‘ im Innenminsterium“ nichts zu tun gehabt.

Während Lösener 1950/61 sowohl Dr.Globke wie auch seinen ehemaligen Vorgesetzten Dr.Stuckart entlastete, hatte Hans Globke hingegen bereits 1948 vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg (wo Dr. Stuckart sich ausschwieg) gesagt, die „beteiligten Vertreter des Reichsinnenministeriums“ hätten „Inhalt und Tendenz der Gesetze im wesentlichen“ bejaht. Was er nicht sagte war, dass er an den Gesetzesprojekten mitwirkte, die den in den Nürnberger Rassegesetzen kodifizierten minderen Rechtsstatus der Juden durch Einführung der Vornamen „Sarah“ und „Israel“ weiter ausweiteten. Gleiches gilt für den Plan, die in Deutschland geborenen deutschen Juden und „Mischlinge“ zu Staatenlosen zu machen. Auch wenn dieser Plan nicht umgesetzt wurde, kann von einer „mildernden“ Einflussnahme nicht die Rede sein. Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauers Vorermittlungen setzten ein, als ihm bekannt wurde, dass Dr. Globke die Rettung von Tausenden Juden in Saloniki verhindert haben sollte, deretwegen Adolf Eichmann das Reichsinnenministerium kontaktiert und Dr. Globke um Erlaubnis gebeten haben sollte.Fritz-Bauer-Archiv

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Naftali_Timothy

Timothy Naftali, Historiker

Auszug aus Naftali, Timothy: New Information on Cold War Stay-Behind Operations in Germany and on the Adolf Eichmann Case (University of Virginia Paper, 6.6.2006)

„Between 1959 and 1955, the Central Intelligence Agency organized stay-behind networks of German agents in southwestern Germany and Berlin. The programs, known as Pastime (berlin) and Kibitz (Southwestern Germany) were designed to provide a source of intelligence from behind enemy lines in the event of a Soviet invasion of West germany… The Kibitz operation involves at least two former members of the SS-Staff (S.1 f.) …

Zentralbild 14.10.1960 Ausschuss für Deutsche Einheit weist nach: Hitlers Kriegsrichter und Wehrstafexperten im Dienste der Bonner Kriegsvorbereitungen. Der Ausschuss für Deutsche Einheit wies am 14.10.1960 auf einer internationalen Pressekonferenz in Berlin anhand von dokumentarischem Material nach, dass die Paktiker und Theoretiker des brutalen Kriegs"rechts" der Nazis, die Herausgeber und Artikelverfasser der faschistischen "Zeitschrift für Wehrrecht" heute wieder in gleicher oder ähnlicher Funktion für Adenauer und Strauss tätig sind. U.B.z.: der deutsche Reichsinnenminister Wilhelm Frick wird bei seinem Aufenthalt am 2. bis 8.9.1941 in der slowakischen Hauptstadt Pressburg vor dem Carlton-Hotel von Kindern mit Blumen begrüßt. In seiner Begleitung (im Hintergrund links neben Frick) Ministerialrat D. Hans Globke. (Frick und Globke weilten in Pressburg, um die faschistischen Judengesetze in der Slowakei einzuführen).

Globke in Nazi-Uniform mit Frick

In April 1953, the CIA briefed Hans Globke, Konrad Adenauer’s chief national security adviser, in general terms on US stay-behind operations in Germany. With the exception of the few remaining Kibitz agents that the CIA kept running, the US government pledged to leave this activity to the Germans themselves and to finance a West German stay-behind system. (…) …we now have information that suggests that West German intelligence could have captured fugitive war criminal Adolf Eichmann in the 1950s but fearde the consequences of what he might say about State Secretary Dr. Hans Globke, a highly-placed former Nazi in the Adenauer government. As a member of the ‚Jewish Affairs Department‘ of the interior ministry in the 1930s, Globke had assisted in the writing of the Nuremberg laws. In postwar West Germany, Globke was effectively Konrad Adenauer’s national security adviser and the chancellor’s principal contact with US intelligence.“ (S.4 f.)

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Deep State Deutschland: Wie unsere Plutokratie funktioniert

Fritz Bauer Gladio_Logo

Wie hängen Geheimarmeen wie Gladio mit der Durchsetzung von Konzern- und Bankinteressen und der Ideologie des Neoliberalismus zusammen? Enthüllungsautor Jürgen Roth klagt die Regierung in Berlin an, in Wahrheit von plutokratischen Mächten manipuliert zu werden. Von ARD&ZDF hört man eigentlich keinen Widerspruch -die Herrschaften Journalisten hoffen mal wieder, die dramatischen Befunde totschweigen zu können.

Der „tiefe Staat“ zeigt sich heute in Deutschland als eine Struktur jenseits des demokratischen Systems, ohne demokratische Legitimation und ohne parlamentarische Kontrolle. Teile von Geheimdiensten und privaten Sicherheitsunternehmen sind eng vernetzt mit multinationalen Konzernen und Banken, so Jürgen Roth. Roth beschreibt einen plutokratischen Staat im korrupten Staate, dessen demokratisches Antlitz nur noch ein potemkinsches Dorf ist, das immer mühsamer von seinen privaten wie staatlichen Medien maskiert werden muss.

Dazu zählt Roth auch den inzwischen von den Medien bis zu einer halb-offiziellen Institution verharmlosten Lobbyismus: Also die direkte Einflussnahme kapitalstarker Lobbyorganisationen auf parlamentarische Entscheidungen. Die Medien vermischen diese Korruption gerne mit Lobbyarbeit von sauberen NGO, die aber inzwischen auch schon durch dubiose NGO unterwandert werden, hinter denen dieselben Mächte stecken könnten, die korrupten Konzernlobbyismus betreiben.

Gladios Ziel: Demokratie zerschlagen

Innerhalb dieser Strukturen spielen, so Roth, nationalkonservative Politiker und rechtsextreme Parteien und Organisationen eine zentrale Rolle. Als Schlägertrupps, Killer und Terrorkommandos stehen im Hintergrund rechtsradikale Terroristen. Diese Strukturen sind seit den fünfziger Jahren (!) bekannt und haben ein gemeinsames Ziel: die demokratische liberale Zivilgesellschaft zu zerschlagen. Dabei wird gleichzeitig der Kapitalismus von seinen politischen sozialen und moralischen Auflagen befreit: Die Ideologie des Neoliberalismus wird terroristisch durchgesetzt, wo die Medien-Propaganda nicht ausreicht.

Jürgen Roth berichtet, dass in zentralen Institutionen des demokratischen Rechtsstaates Deutschland bis weit in die Achtzigerjahre hinein ein autoritärer und völkischer, teilweise von der NS-Ideologie durchtränkter Geist herrschte. Vor allem innerhalb der Verwaltung, der Justiz und der Sicherheitsbehörden der alten westdeutschen Bundesrepublik, wo Medien diese Wahrheit nach Leibeskräften verdrängen.

Unbestritten ist, dass es eine Geheimorganisation gab, die sich jeglicher demokratischer Kontrolle entzogen hatte Porträt von Jürgen Roth © Cyril Schirmbeckund von nationalen Geheimdiensten, in Zusammenarbeit mit der NATO, geleitet wurde. Die Rede ist von Gladio. Sie bestand aus Militär, Geheimdiensten, klerikal-rechtsnationalen Politikern und rechten Terroristen. Sie wurde mit blutigen Terrorakten in Verbindung gebracht, konnte illegal in das politische Leben demokratischer Staaten eingreifen und könnte es heute noch. Sie operierte außerhalb jeglicher Legalität und entwickelte gefährliche Angriffskapazitäten gegen demokratische Strukturen. Das ist keine Verschwörungstheorie von mir, sondern so steht es in einer Entschließung des Europäischen Parlaments vom 22. November 1990.“ Jürgen Roth, telepolis 4.2.2016

Genauso tabuisiert wird von unseren Mainstream-Medien demnach die Kooperation von der-tiefe-staatRechtsextremisten und Rechtspopulisten mit Teilen der deutschen Sicherheitsbehörden, insbesondere dem Nachrichtendienst angeht. Roth beschreibt das konkret am Beispiel Thüringen und insbesondere dem Freistaat Sachsen, wo Teile der Sicherheitsbehörden in der jüngeren Vergangenheit rechtsradikale Organisationen gefördert haben. Ihm ist zuzustimmen: Allzu abwegig ist der Verdacht nicht, dass Terrorwarnungen von Nachrichtendiensten dazu dienen, die Bevölkerung zu verunsichern, Panik auszulösen, um dafür einen starken Sicherheitsstaat zu installieren.

Eine aktuelle Umfrage (Allstate/National Journal Heartland Monitor) machte den Zusammenhang zwischen der Akzeptanz von Überwachung und der Angst bzw. Sorge um den Schutz nationaler Sicherheit bei den Amerikanern klar. Auch in Deutschland wird mit der Flüchtlingskrise, den Terroranschlägen und den medial aufgeblasenen Ausschreitungen der Silvesternacht den Menschen Sicherheit immer wichtiger (gemacht).