Nato-Regime Libyen: Überfall auf Botschaft Tunesiens

Gerd R. Rueger tunisia-flag-svg

Tripolis. Bewaffnete einer Miliz haben das tunesische Generalkonsulat überfallen und zehn Angestellte als Geiseln genommen. Einsatzkräfte der islamistischen “Miliz”, Fadschr Libya, umzingelten das Konsulat. Grund könnte das Vorgehen der tunesischen Regierung gegen islamistische Terrorgruppen im eigenen Land sein. Libyen wird derzeit von diversen Warlords beherrscht, die den Nato-Angriff auf Gaddafi gewannen und westlichen Ölkonzernen die reichen Ölquellen des Landes preisgaben. Ging es nur um Öl und Geopolitik oder auch um Gaddafis „Arabischen Sozialismus“? Glauben die US-Machteliten immer noch an die „Domino-Theorie“ des Sozialismus, wie Noam Chomsky kritisiert? Oder sind es schlicht Betonköpfe, die im Kalten Krieg steckengeblieben sind und nur ebenso lernunfähigen Nachwuchs in ihre Organisationen lassen?

In Libyens Hauptstadt sind Terroristen einer „Miliz“ in das Gebäude des tunesischen Konsulats in Tripolis eingedrungen und haben zehn Mitarbeiter entführt oder als Geiseln genommen. Unklar ist, ob die Geiseln sich noch in dem Gebäude befinden oder verschleppt wurden. Einsatzkräfte der herrschenden islamistischen „Miliz“, Fadschr Libya, umzingelten das Konsulat. Grund könnte das Vorgehen der tunesischen Regierung gegen islamistische Terrorgruppen im eigenen Land sein. Libyen wird derzeit von diversen Warlords beherrscht, die den Nato-Angriff auf den Arabischen Sozialismus Gaddafis mit Nato-Bombenangriffen gewannen und im Gegenzug westlichen Ölkonzernen die reichen Ölquellen des Landes preisgaben.

Tunesiens Außenministerium bestätigte am Freitagabend den Vorfall im Nachbarland und kündigte umgehend die Einrichtung eines Krisenstabs an. Es teilte nicht mit, welche Miliz für die Entführung in Tripolis verantwortlich sein könnte. Das Land ist in Chaos und Gewalt versunken, seit dem Ende der Herrschaft des 2011gestürzten und ermordeten Muammar al-Gaddafi. Es siegten von westlichen Geheimdiensten gesteuerte islamistische Putschisten, weil Nato-Kampfjets ihnen den Weg nach Tripolis freibombardierten.

Gaddafi hatte in seinem autokratischen „Arabischen Sozialismus“ eine Insel von Stabilität und Wohlstand auf dem afrikanischen Kontinent geschaffen, weil er das Geld aus dem libyschen Öl nicht bei westlichen Banken ablieferte, sondern im Land investierte. Das passte aber dem Westen nicht, der wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen (die aber anderswo viel gravierender sind, z.B. in den prowestlichen Diktaturen Saudiarabien und Qatar) das Land mit Krieg überzog. Der in Elend und Terror abgerutschte Staat wird nun von der islamistischen Gruppe Fadschr Libya kontrolliert.

Lage in Tripolis unklar -Tunesien empört

Es gab zunächst keine Informationen darüber, ob die Geiselnehmer Forderungen stellten und ihre Identität blieb unbekannt. Die Regierung in Tunis zeigte sich empört über diesen brutalen Gewaltakt, den zu verhindern Pflicht der prowestlichen Regierung Libyens gewesen wäre. Das tunesische Außenministerium bezeichnete den Angriff als „abscheuliche Aggression“ gegen die tunesische Souveränität. Er verletze die internationalen Konventionen, nach denen diplomatisches Personal geschützt ist. Allen tunesischen Staatsbürgern wurde geraten, Libyen sofort zu verlassen und von nicht notwendigen Reisen abzusehen.

Ministerpräsident Omar al-Hassi  sagte, die Behörden arbeiteten daran, die Geiseln frei zu bekommen. Seine islamistische Regierung wird international nicht anerkannt. Das Islamistenbündnis Fadschr Libya kontrolliert große Teile von Tripolis und hat eine Parallelregierung unter Führung von al-Hassi eingesetzt. Die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdullah al-Thani und das Parlament sind nach Tobruk im äußersten Osten des Landes geflüchtet.

Steckt die CIA-Terrormiliz „Islamischer Staat“ dahinter?

Libyen ist gespalten zwischen den beiden rivalisierenden Regierungen, zudem kämpfen Hunderte Milizen um regionale Vorherrschaft. Mehrere Extremistengruppen haben sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen, die weite Teile von Syrien und Irak besetzt hält und hinter dem Terrorangriff stecken könnte.

Inzwischen bestehen kaum noch Zweifel, dass die USA mit ihren arabischen Marionettenregimen und ihrem Geheimdienst CIA hinter dem rasanten Aufstieg des IS stecken. Man wollte offenbar dem erlahmenden Anti-Islamismus in einigen westlichen Ländern (z.B. Deutschland) mit Blutaten und sexuellen Gräueln wieder Nahrung verschaffen. Der IS operiert auch in Tunesien selbst: Die Organisation bekannte sich zu dem feigen Angriff auf das Bardo-Museum in Tunis, bei dem im März 22 Menschen, die meisten von ihnen ausländische Touristen, getötet wurden. Es war offenbar ein Terrorakt, der sich gegen die nicht 100-prozentig US-gesteuerte Regierung Tunesiens richtete, in dem die sich gerade erholende Tourismusbranche zerstört werden sollte. Tourismus ist wichtigste Einnahmequelle Tunesiens und die CIA-Strategie der Destabilisierung zielt traditionell immer auf solche Schwachpunkte in missliebigen Demokratien.

Noam Chomsky 1977

“Der Domino-Effekt war das Hauptthema des Kalten Krieges: Kuba, Brasilien, Vietnam… Henry Kissinger verglich ihn gar mit einem Virus, der ganze Regionen verseuchen könnte. Als er und Nixon den Sturz des demokratisch gewählten Allende in Chile planten – wir kennen mittlerweile alle Dokumente – sagte Kissinger ausdrücklich, dass der chilenische Virus Staaten selbst im entfernten Europa beeinflussen könnte. An und für sich waren er und Breschnew einer Meinung. Beide fürchteten die Demokratie. Und Kissinger sagte, dieses Virus müsste ausgelöscht werden. Und das ist genau das, was sie dann auch getan haben.” Noam Chomsky