Wir „Nafris“: Donald Trump und die Hetzjagd auf Nordafrikaner

Gerd R. Ruegertunisia-flag-svg

Nafris“ sind im Polizeijargon Nordafrikaner. Sie werden mit einer Methode polizeilich ausgesiebt, die man ganz offiziell „racial profiling“ nennt: Rassen-Profiling. Die Pressesprecher bemühten sich dieses profiling vom Aussehen auf „das Verhalten“ der so einer „Sonderbehandlung“ zugeführten Menschen zu verschieben. Auffällig dabei: Bei keiner dieser tausendfach von Medien verbreiteten Schutzbehauptung fragte ein „Qualitätsjournalist nach, um welches „Verhalten“ der „Nafris“ es dabei ging. Man machte lieber Panik für die innere Aufrüstung –und die politische Massensteuerung.

Ist das Qualitätsjournalismus? Bei keiner der von Medien verbreiteten Schutzbehauptungen, „racial profiling“ basiere auf „dem Verhalten“ fragte ein „Qualitätsjournalist nach, um welches angebliche „Verhalten“ der „Nafris“ es denn dabei gegangen sein sollte. Das war auch nicht nötig. ARD, ZDF, RTL & Co. wussten schon, um welches „Nafri“-Verhalten es ging. Sie hatten seit der Kölner Silvesternacht vor einem Jahr millionenfach darüber berichtet: Es geht beim racial profiling der Polizei um das obszön-kriminelle Verhalten notgeiler Araber, die ununterbrochen anderen Menschen zwischen die Beine grapschen wollen –vorzugsweise blutjungen, arischen Blondinen.

Rassismus inszeniert –um Linksruck zu verhindern

Belegt wurde das rassistische Propagandabild mit monströsen Fallzahlen an Strafanzeigen: Vergewaltigung, sexuelle Belästigung nebst Taschendiebstahl (die bei schließlich erfolgten Verurteilungen tatsächlich schuldiger „Nafris“ kläglich im einstelligen Bereich landeten, also eigentlich –wenn überhaupt- nicht sehr weit über üblichen Fallzahlen anderer Silvesternächte). Die geschürte Panik, die sich im jetzt praktizierten racial profiling wie im rassistischen Unwort „Nafri“ fortsetzt, hat Methode. Es geht darum, den Deutschen eine rassistische Hirnwäsche zu verpassen, um sie politisch nach rechts zu treiben.

Die psychologische Methode dahinter: Unbewusste, aber verbotene Wünsche werden angesprochen und „den Fremdrassigen“ als Sündenböcken angedichtet. Dafür musste man zunächst ein Ereignis inszenieren, dass einen minimalen Realitätsbezug schaffen sollte: Ungeklärt ist bis heute, wer den 2015 in Köln aufgetauchten „Nafris“ die Spickzettel und Anweisungen zugesteckt hatte. Eine Kleinigkeit für Profi-Marionettenspieler der Geheimdienste, zu Silvester frustriert in tristen Heimen festsitzende junge Männer mit Lügenmärchen über deutsche Sitten dorthin zu locken, könnte man sich vorstellen.

Das politische Ziel? Massenmanipulation der Deutschen, um einen lange fälligen Linksruck zu verhindern. Die Frustration der Deutschen über eine immer ungerechtere Verteilung ihres Reichtums (die gierigen 1% haben mehr als die Hälfte davon, weitere 20% bunkern ihre Vasallen, die nützlichen 9%, z.B. gutbezahlte „Qualitäts“-Journalisten) soll übertüncht werden. Statt linke Parteien zu wählen, die Reiche zur Kasse bitten und das Land gerechter machen, sollen die Deutschen in primitive Gefühle rassistischer Wut auf „Nafris“ getrieben werden. So simpel könnte es sein. Verschwörungstheorie? Welche unbewussten, verbotenen Wünsche sind denn gemeint?

Pussygrapscher Trump und Soziologe Leggewie

Donald Trump verstand es, die gleichen Wünsche der Amerikaner anzusprechen, mit seinen geschickt trumplancierten „Pussy-Grapscher“-Bemerkungen. Während über Trumps Sieg entsetzte deutsche Soziologie-Professoren wie Claus Leggewie noch ihre üblichen billigen Vorurteile plapperten, Trumps Wähler wären doch bloß „ungebildete weiße Männer“ gewesen, zeigen die Zahlen, dass der bekennende Pussygrapscher Trump sogar mehr weibliche als männliche Wähler überzeugte (53%). So simpel, „der Pöbel hat gewählt“, ist es wohl doch nicht. Obwohl die dümmlich-snobistische Haltung bei den Clinton-Fans in „links“-liberalen gutbürgerlichen Schichten sich auch selbst ad absurdum führt: Geht es bei Demokratie nicht um die Mehrheit des Volkes? Und die kann per definitionem schon nicht gleich der Elite sein.

Vermutlich ist aber Trumps Wahl in USA vom selben Kalkül getrieben wie die AfD-Hype in Deutschland: Die Reichen, also die (in den Westmedien nicht existierenden) Westoligarchen, kurz: die gierigen 1% schicken ihre Geheimdienst-, Polizei- und Medien-Lakaien los, um den deutschen Michel nach Rechts zu treiben. Kein Wunder, es geht um Abermilliarden an ergaunertem Vermögen, den diese Mafia vor dem demokratischen Zugriff der Mehrheiten schützen will.

Diese Mehrheit könnte die „greedy one percent“ leicht enteignen und hätte auch schon lange allen Grund dazu. Die zunehmend verelendete (Hartz IV) oder zumindest mit Verelendungs-Drohung gequälte und disziplinierte Bevölkerungsmehrheit muss daher von oben eingeschüchtert, terrorisiert und manipuliert werden, um ihre Macht bei demokratischen Wahlen auch weiterhin nicht zu nutzen. Oder wenn sie glaubt, sie endlich gegen die herrschende 1%-Mafia zu nutzen, muss sie eben nach Rechts in die Irre geführt werden. Zu Trump (USA) oder zu AfD&Co (Deutschland. Die US-Wahl von Trump erscheint dabei besonders dumm, da dieser selbst Milliardär ist.

Fazit: Die US-Bürger sind so weit von ihren eigenen Interessen entsprechender Einsicht in Politik entfernt, wie wohl kein anderes Volk der Welt sonst (außer evtl. die Nordkoreaner). Denn sie sind seit Jahrzehnten das Ziel der vermutlich effektivsten Medien-Manipulationender menschlichen Geschichte. Auch sie wurden mit inszenierten Terroranschlägen in die rechte Ecke getrieben (9/11). Der deutsche Weihnachtsmarkt-Anschlag ist, wie ähnliche Anschläge in Madrid, London, Paris, Brüssel, das europäische Pendent zu den 9/11-Anschlägen.

Wie ab 2001 Georg W. Bush in den USA mit seiner Terrorkriegs-Propaganda die USA in eine (fast schon Nazi-Deutschland ähnliche) Kaum-noch-Demokratie verwandelte, Militär, Geheimdienste, Polizei und Para-Militärs („Homeland Security“) monströs aufrüstete, so will jetzt das Merkel-Regime agieren: Weg mit Bürgerrechten und her mit einer militarisierten Gesellschaft,+20% Geld für innere Aufrüstung! Die medial geschürte Terror-Panik macht es möglich –auf Kosten besonders der Tunesier und anderer „Nafris“.

Tunesiens Demokratie und der Weihnachtsanschlag

Warum schon wieder ein Tunesier? Diese Frage beschäftigt viele Menschen nach dem Berliner Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt, der zwölf Todesopfer forderte. Antwort: Tunesiens Jugend ist seit Jahren das Ziel einer unbeschreiblichen Propaganda-Offensive von Islamisten mit viel Geld aus den Golfstaaten unter Führung der von den USA gesteuerten Saudis. Es ist perfide, von Kriegspsychologen der CIA ausgekochte Propaganda, die bei zugleich von den westdominierten Finanzmächten verweigerten Investitionen auf eine resignierende Bevölkerung trifft. So finden sich in Tunis viele, die den ausgefeilten Lockungen des Al-CIAida-Komplexes erliegen. Eine Analyse der Hintergründe mit Blick auf Israel, die Saudis und Halliburton.

Wenn in Westmedien anlässlich einer UNO-Resolution gegen die „Siedlungspolitik“ (so der übliche Euphemismus für Annexion, Vertreibung, ethnische Säuberung) derzeit wieder stereotyp von Israel als „einziger Demokratie des Nahen Ostens“ gefaselt wird, zeigt dies die Haltung gegenüber den Tunesiern. Deutsche Journalisten begegnen der kleinen demokratischen Nation mit Arroganz, Verachtung und zynischer Herablassung, in die sich durch die Anschläge von Nizza und Hamburg zunehmend auch eine Haltung rassistischer Hetze mischt. Vielleicht wurden junge, verwirrte Tunesier genau aus diesem Grund von IS & Co. als Killer ausgewählt, damit diese Westmedien endlich auch unser friedliches Land als Ziel ihrer antimuslimischen Propaganda ins Visier nehmen können.

Tunis tut was es kann, gegen den islamistischen Terror, der sich zuerst im Land selbst gegen den Tourismus als wichtigster Stütze der Ökonomie richtete –mit grausigen Anschlägen, die Berlin weit übersteigen. Offensichtlich kommen Terroristen von außen, kommt islamistische Propaganda massiv von außen. Trotzdem entschuldigte sich der Staatschef Tunesiens bei Berlin für die Untaten des tunesischen Terroristen. Als in Bangladesch und Pakistan Hunderte Frauen und Kinder verbrannten, in Fabriken die von deutschen Managern aus Profitgier zu Todesfallen organisiert worden waren –wo war da Kanzlerin Merkel? Warum hat sie sich nicht entschuldigt? Sie trägt weit mehr Verantwortung dafür, als Tunis für die IS-Terroristen.

Westen will keine Demokratie in Tunis

Tunesien ist als einziger Staat des Nahen Ostens aus den Aufständen der „Arabellion“, des „Arabischen Frühlings“ oder der „Jasminrevolution“ als einigermaßen stabile Demokratie hervorgegangen. Das hat Ängste geweckt, bei Diktaturen ringsum, ihren islamistischen Terror-Marionetten und deren geopolitischen Drahtziehern. Vor allem die Saudis haben daher Milliarden investiert, um den Funken der Demokratie in Tunis und anderswo auszulöschen. Tunesien wurde ein Schwerpunkt islamistischer Propaganda und Gehirnwäsche, hinter der vorgeblich fromme Scheichs stecken.

Aber in zweiter Reihe schleichen die Rattenfänger des IS, Al Qaida, Al Nusra oder wie sich die verschiedenen Köpfe ein und desselben Monstrums auch immer nennen mögen. Eines in der Maske des Moslems auftretenden Monstrums, das an der Kette seines Herrchens im „Deep State“ des Westblocks liegt, dort wo sich Big Biz und Dark Intelligence mischen: Im schwarzen Herzen des Militärisch-Industriellen Komplexes (MIK), wo Pentagon, NSA, CIA und Firmen wie Halliburton, Blackwater, Blackrock ein geheimes Dickicht von finanziellen und personellen Verflechtungen bilden. Im Kalten Krieg hetzten sie die Bestie gegen ihren Todfeind, das kommunistische Moskau, jagten ihm Afghanistan ab. Heute ist Moskau nur noch ein Widersacher unter vielen, eigentlich der ganzen Welt.

Vermutlich können diese MIK-Drahtzieher nicht genau kontrollieren, wen welcher Kopf des von ihnen geschaffenen Scheusals als nächstes massakrieren wird. Vermutlich ist es ihnen auch weitgehend egal. Hauptsache ist es, Chaos, Krieg und Gewalt über den Nahen Osten zu bringen. Das politische Führungspersonal des Westblocks fährt eine Doppelstrategie: Ein mit immensem Aufwand poliertes Image von Gerechtigkeit, Menschenrecht und Edelmut steht neben eine realen Politik, die bei näherem Hinsehen von niedersten Instinkten getrieben scheint: Habgier, Machthunger und Rachlust sind die Hauptmotive, etwa wenn Obama sich weigert, die drei erfolgreichsten Whistleblower der Geschichte zu begnadigen: Manning, Assange und Snowden, die mehr staatlich ausgeführte oder gedeckte Verbrechen ans Licht gebracht haben, als alle zuvor. Teilweise waren es nicht einmal Obamas Verbrechen, sondern die seiner Vorgänger und alle sind damit davon gekommen. Trotzdem schreit die US-Machtelite nach Rache, droht, tobt und heult über die angeblichen „Verräter“.

Clinton wollte Whistleblower ermorden

Hillary Clinton persönlich fragte ihren Kriegsrat, ob man Julian Assange nicht einfach per Killerdrohne massakrieren könne, in seinem Botschaftsasyl mitten in London (Ecuador? Kommunisten! Londoner Zivilbevölkerung? Collateral Damage! Wir erinnern uns: Assange begann die Wikileaks-Story mit dem Enthüllungs-Video „Collateral Murder“). Obamas Rachefeldzug geht (mit der einzigen Ausnahme: Kuba, kleinste Lockerungen nach einem halben Jahrhundert Terror und Wirtschaftskrieg wegen ein paar enteigneter US-Bordelle in Havanna) gegen jeden, der es je gewagt hat, den USA im Weg zu stehen, Russen, Chinesen, Kommunisten, Whistleblower, Moslems, Iraner, Somalier, Jemeniten…u.v.a.m.

Das braucht der MIK für die Ausbeutung des Erdöls, aber auch für die Angst-Strategie daheim in New York, London, Paris und Berlin, wo sie Menschen gegen den Islam aufhetzen wollen. Ein ständiger „Krieg gegen den Terror“ kommt ihnen gerade recht, um die westliche Militärmacht weiter aufzurüsten, die monströseste Tötungs-Maschinerie, die je existierte. Ihre willigsten Satelliten sind die Golfstaaten, die superreichen Scheichs und Emire, die um ihren Reichtum und vor ihren Völkern bibbern und Multi-Milliarden an ihre „Schutzmacht“ USA zahlen. So lassen die Scheichs Militär- und CIA-„Berater“ schalten und walten, stellen sich als willige Puppen zur Verfügung, um islamistische Propaganda auch gerade in Tunesien zu verbreiten.

Deutsche Medien morden mit

Die blutigen Früchte dieser Saudi-Al-CIAida Intrigen ernten jetzt auch die deutschen Medien, wenn sie die Hetzjagd auf Tunesier in genüsslichem Fanatismus und geheuchelter Betroffenheit zelebrieren. „Oh Gott, wie konnte dieser tunesische Terrorist bloß trotz Geheimdienst-Observation mordenß“ „Und dann trotz Großfahndung durch halb Europa fliehen, bevor man ihn in Italien zur Strecke brachte?“ Man sieht ihn auf Tausenden von Videobildern in die Kameras grinsen und winken, also fordert man bar jeglicher Logik noch mehr Videoüberwachung. Die Logik liegt aber hier: als Hand des MIK haben Geheimdienste die Terroristen aufgebaut, also wollen sie auch davon profitieren, mit mehr Geld, mehr Macht, mehr Überwachung.

Dabei tritt die Heuchelei der korrupten Machteliten des Westens klar zu Tage, auch wenn der Medien-Mainstream all diese Hintergründe in üblicher Propaganda-Manier als angebliche „Verschwörungstheorien“ abtun wird. Ohne gerichtsfeste Beweise (die man gegen Putin offenbar nicht braucht) sind das alles „Fake-News“. Legt einer Beweise vor, wird er nach Mafia-Art umgelegt (siehe Snowden-Befürworter-Todesfälle oder Clinton-Kritiker-Morde), für die Westmedien kein Thema.

In Berlin starben zwölf Unschuldige und Rechtspopulisten der schwarzroten Regierung Merkel fordern lautstark, Lager in Afrika aufzubauen, „etwa in Tunesien“, als müsste das Land auf diese perfide Weise etwas gut machen. Im Mittelmeer gerettete Boatpeople sollen dann dorthin verfrachtet werden, statt nach Europa. Ziel: Sie sollen ihr Leben ein weiteres Mal der tödlichen Gefahr einer Überfahrt aussetzen müssen, die in diesem Jahr schon mindestens 5000 Menschenleben forderte. Das ist ein Genozid, den man per neoliberalem Outsourcing an Frontex und an heuchlerisch beschimpfte „Schlepper“ delegiert.

 

Bertelsmann propagiert Faception: Digitale Schädelkunde gegen Terroristen

Satire auf Phrenologen

Daniela Lobmueh

Der Bertelsmann-Propagandasender n-tv hat in seinem Wochenend-Frühstücks-TV die Firma Faception entdeckt. Die Israelis behaupten mit ihrer Anti-Terror-Software Gewalttäter am Gesicht erkennen zu können, weil die Neigung zu Terrorismus schon in den Genen steckt. Das glaubten die Phrenologen (Schädelkundler) des späten Mittelalters auch schon. Funktioniert hat es nie, aber Tausende Unschuldige zu Verbrechern abgestempelt und den Boden für rassistische Massenmorde bereitet.

Hier erkennt Faception angeblich neun der elf Attentäter von Paris als potenzielle Terroristen

FACEPTION heißt die Firma, die das Programm zu angeblicher „Persönlichkeits-Profilierung“ über Gesichtserkennung in Echtzeit anbietet und ihren Kunden das Blaue vom Himmel verspricht, „wie Unternehmen, Organisationen und sogar Roboter Menschen verstehen und dramatisch die öffentliche Sicherheit… verbessern können“. Objektivität wird angepriesen, weil die Klassifizierung ohne Grundannahmen und Regeln auskomme, da das maschinelle Lernen nur datengestützt sei. Wird man also mittels des Programms aus Aufnahmen von Kameras oder Fotos schnell sehen, wer Terrorist, Gauner oder überhaupt ein Böser ist, um ihn gleich außen vor zu lassen oder mit ihm nichts zu tun zu haben oder ihn desto gründlicher zu überwachen und prüfen? Oder ist, wie in den Medien nur selten erwähnte Kritiker befürchten, alles nur mit pseudotechnologischer Big-Data-Staffage aufgeblasener Mumpitz? Auf nebenstehender Abbildung erkennt Faception angeblich neun der elf Attentäter von Paris als potenzielle Terroristen, aber erst im Nachhinein -und solche post hoc-Analysen sind leider oft nur  pseudowissenschaftliche Taschenspielerei.

Statisken lügen -Big Data lügt besser

Hier erkannten Phrenologen vor 300 Jahren angeblich Verbrecher an der Schädelform

Steckt man in Datenauswertungen seine Vorurteile hinein, kommen sie bekanntlich als Statistiken wieder heraus. Nur weil selbige Statistiken jetzt mit dem neuesten Computer produziert werden, ändert das nichts an diesem Prinzip. Außerdem ist der „Faception“-Ansatz alles andere als neu: Es handelt sich um einen Irrweg aus der Frühzeit des Rassismus. Die Phrenologie ist zu unterscheiden von der daraus hervorgegangenen Kraniometrie („Lehre von der Schädelvermessung“) als Werkzeug der Rassenkunde. Diese Lehre wurde vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders im Zusammenhang mit rassistischen Theorien, populär. Kraniometrische Vermessungen waren in der Anthropologie und Ethnologie noch weit verbreitet, heutzutage finden sie außer bei der Vermessung von tierischen Schädelknochen noch Anwendung in der Archäologie, um Erkenntnisse über die Evolution der menschlichen Spezies zu gewinnen -und neuerdings wieder bei Faception.

Neorassismus powered by Bertelsmann
faception

Digitale Phrenologie von Faception

Eine fröhlich-dumm daherplappernde n-tv-Reporterin interviewt Faception-Leute und begeisterte Israelis auf den Straßen von Tel Aviv: „Ich glaube daran!“, „Ich habe nichts zu verbergen!“ usw. Bei israelischen Kontrollen werde schon lange das Aussehen von Reisenden zur Terroristen-Erkennung genutzt, hat n-tv recherchiert, man nenne das Rassen-Screening. Der lobhudelnde Bericht von Bertelsmann ist eine Beleidigung jedes halbwegs kritischen Verstandes und zielt offensichtlich auf rassistische Verdummung der Zuschauer ab, die nebenbei in Terrorangst gehalten werden sollen. In den USA grassiert die staatlich geförderte Angst seit 9/11, Bush-Regime und Obama-Administration nutzten sie weidlich aus, um ihre Bevölkerung zu kontrollieren -nicht nur über die NSA. Die von Bush geschaffene Blockwart-Sicherheitsbehörde „Homeland Security“ soll bekanntlich zu quasi magischem Abwehrzauber mit Pseudotechnologie neigen.

Damals beeindruckte der Phrenologe mit solchen Hirn- und Schädelkarten, heute staunen schlichte Gemüter vor den neuesten Computer-Gadgets, die ihnen den gleichen Mumpitz wie vor 300 Jahren als neu verkaufen.

„Unsere Persönlichkeit wird durch unsere DNA definiert und spiegelt sich in unseren Gesichtern“, behauptet Shai Gilboa, Chef der Big-Data-Phrenologie-Firma Faception. Eine durch „Machine Learning“ trainierte „Künstliche Intelligenz“ (so das aufgeblasene PR-Gefasel zu neuen Statistik-Methoden) soll aus dem Gesicht spezielle Facetten ablesen, die beispielsweise auf Pessimismus oder Selbstsicherheit schließen ließen -meine Oma kann das auch: Aus hochgerecktem Kinn z.B.  oder hängenden Schultern. Dabei, fährt Gilboa fort -und hier wird es rassistisch-, soll der Scan jedoch genetisch programmierte Veranlagungen ausmachen, die Trefferrate dabei liege bei 80 Prozent, jubelt das leicht debile, aber hippe Techie-Nerdmagazin WIRED, wo man noch nie etwas von Phrenologie gehört hat und nur ganz am Ende des Artikels, der atemlos die PR der Firma nachplappert, auf „Kritiker“ kommt, von denen man in der Zeitung gelesen hat (in der nicht gerade für kritisches Denken bekannten Washington Post).

Nur Schwindelei? Oder High-Tech-Rassismus?

Zur Frage, wie genau die Software die Bilder auswertet, dazu schweigt Faception sich natürlich aus. Als Grundlage benennt die Firma angebliche Forschungen „im Bereich Sozial- und Biowissenschaften“ (ob die Schädelkunde dazugehört?). Außerdem spiele das maschinelle Lernen und die „Extraktion bestimmter Merkmale aus dem Gesicht“ eine Rolle -mit der auch klassische Rassisten arbeiteten. Nach eigener Angabe arbeitet Faception bereits jetzt mit einer der “führenden Heimatschutzbehörde” zusammen -was man bei deren Hysterie, sprudelnden Geldzuflüssen und debiler Weltsicht auch gut glauben kann. Weitere Anwendungsgebiete für die Software seien das Versicherungswesen oder Partnerbörsen, denn Dumme finden sich überall.

Kriminelle oder auch nur böse Menschen schon am Gesicht bzw. an ihrer Schädelform zu erkennen, klingt ganz nach dem, was einst der Anatom Franz Joseph Gall betrieb. Er war der Ansicht, dass sich Charaktereigenschaften am Gehirn und sogar von außen am Schädel erkennen lassen sollen. Denn das Zusammenspiel der verschiedenen „Organe“ des Gehirns (an solche glaubte man damals) kann nach Gall den Schädel räumlich formen und somit von außen sichtbar werden. Die damals als Stand der medizinischen Wissenschaft geltende Phrenologie wurde tatsächlich zur Erkennung von Kriminellen verwendet, etwa vom italienischen Psychiater Cesare Lombroso. Phrenologie ist heute als Vorläuferin der Rassentheorie gänzlich in Misskredit geraten -zu Recht, denn sie beruht auf wissenschaftlich verbrämten Vorurteilen gegen anders aussehende Menschengruppen. Ähnliche Lehren erfreuen sich heutezutage aber großer Beliebtheit bei Neoliberalen, zu deren Markt-Darwinismus die perversen Rassentheorien perfekt passen und noch mit Hetze gegen sogenannte „Gutmenschen“ vermengt werden („Gutmenschen“ behaupten, sie wären nicht ausschließlich von Habgier gesteuert, sondern würden sich auch ethisch verhalten; nach neoliberalem Menschenbild können das nur Heuchler sein).

So setzt sich die Phrenologie insofern in den modischen „Neuro“-Wissenschaften fort als man auch dort von Hirnarealen mit bestimmten Funktionen ausgeht, die Schädellehre ist aber als Scheinwissenschaft längst ad acta gelegt worden. Dennoch knüpft Faception dreist wieder an und macht sich anheischig, aus Gesichtern „mit hoher Genauigkeit“ Charakterzüge herauslesen zu können, um 15 Persönlichkeitstypen mit ihren Charaktereigenschaften zu erkennen -Pseudowissenschaft, die man mit ihren rassistischen Auswüchsen überwunden glaubte.

Die Basis von Faception ist also die angestaubte Behauptung, dass die Persönlichkeit genetisch determiniert sei, was sich wiederum im Gesicht spiegele. So erkenne man angeblich Menschen mit einem hohen IQ, den der Faception-PR-Hansel der n-tv-Reporterin auch prompt attestierte -die dümmlich plappernde junge Dame war intellektuell natürlich meilenweit davon entfernt, darin die platte Werbetechnik zu erkennen, ihr Honig ums Journalistenmaul zu schmieren. Ebenso erkennen will Faception professionelle Pokerspieler, Pädophile oder eben (und damit lässt sich vermutlich am leichtesten Geld machen): Terroristen. Und wer wird den Neo-Phrenologen ihr hirnloses High-Tech-Brimborium teuer bezahlen müssen? Wir, die Allgemeinheit, natürlich, wenn es dann bei Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten wieder eingespart wird. Merkels Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will mehr Geld für die Bundeswehr. Viel mehr Geld. Den Wehretat will sie im kommenden Jahr um 2,3 Milliarden Euro auf dann 36,6 Milliarden Euro erhöhen. Das wäre die größte Steigerung seit einem Vierteljahrhundert -da fällt für Faception oder ähnliche Verkäufer von „Sicherheit“ bestimmt etwas ab.

Nato, Nazis und der Brexit

NATOmap

NATO: Blau. Lila, gelb, grün: Beitrittskandidaten

Gilbert Perry

Ein Brexit würde die Nato destabilisieren, Gladio schwächen. Nervöse Börsen, blasse Spitzenpolitiker, ein undurchsichtiger politischer Mord zum genau richtigen Zeitpunkt, um die Brexit-Befürworter zu diskreditieren: In den letzten hektischen Tagen der Kampagne, bevor die Briten heute entscheiden, ob sie in der Europäischen Union bleiben scheinen die Nazis überall zu sein zumindest in der Phantasie und Rhetorik in Großbritannien. TheIntercept macht sich Gedanken zum hysterischen Hühnerhaufen Europa (meint die EU und vergisst mal wieder Russland). Und jetzt greift auch noch Donald Trump ein.

Die tonangebende Stimme war im letzten Monat Boris Johnson, ehemaliger Bürgermeister von London und Gesicht der Brexit-Fans. Er hofft, dass ein Triumph der Kampagne ihn von Premierminister David Cameron (Konservative) befreien könnte. Boris Johnson sagte, dass das ultimative Ziel des europäischen Projekts Europa unter einer einzigen Regierung, ein Traum mit dunklen historischen Resonanzen sei:
“Napoleon, Hitler, various people tried this out, and it ends tragically,” Johnson said. “The EU is an attempt to do this by different methods.” zitiert nach TheIntercept:“Why the Brexit Campaign Is Obsessed With Nazis and Hates Facts“
„Napoleon, Hitler, verschiedene Leute versuchten dies und es endet tragisch,“ sagte Johnson. „Die EU ist ein Versuch, dies mit anderen Methoden machen.“
Brexit: Donald Trump greift ein
Die Briten stimmen darüber ab, ob sie die Europäische Union verlassen: die Kampagne für die „Unabhängigkeit“ von der EU mobilisiert zutiefst böse Nationalisten und stützt sich auf Anti-EinwandererHysterie und Rassismus.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Donald Trump auftaucht. Am Freitag, den 24. Juni, also am Tag da die Brexit-BrexitStimmen gezählt werden will Trump das Urheimatland seiner Mutter besuchen: Schottland. Trump’s erklärtes Ziel ist die Wiedereröffnung eines Golfplatzes, den er dort besitzt. Aber das Timing deutet darauf hin, dass er hofft, beim Bejubeln des Erfolgs einer reaktionären politischen Bewegung dabei zu sein. Der Brexit basiert auf der gleichen Art von moserndem Hinterweltertum und Fremdenfeindlichkeit, die Trump in Amerika so gut gedient haben. Die Debatte nimmt groteske Züge an: Der frisch gewählte Londoner Bürgermeister Sadiq Khan (dessen Popularität litt, weil eine seiner ersten Amtshandlungen darin bestand, Bikinimädchenplakate zu verbieten) warf den Brexit-Befürwortern eine „Hass“-Kampagne vor. Johnson konterte, dass die EU-Kampagne vor allem mit Angst arbeite. Etwa der Angst davor, dass Berlin Zölle einführen würde, obwohl doch  Deutschland ein Fünftel seiner Autos nach Großbritannien exportiere: Würden deutsche Politiker also tatsächlich Zölle einführen, müssten sie wahnsinnig sein.

Nach einem Brexit wäre Großbritannien morgen schon das zweite Staatsgebiet, das die EU seit 1985 verlässt (nach der dänischen Kolonie Grönland). Großbritannien war aber im Gegensatz zu Grönland immer ein bedeutendes Mitglied der EU und hat deren Politik entscheidend mitgeprägt -oder war es immer der Vorposten der USA bei der Ausübung ihrer transatlantischen Dominanz? Einige dieser auch Britischen Entscheidungen haben die EU zu einer Politik geführt, die nun jene Migration verursacht, die rassistische Elemente der Brexit-Debatte befeuern. Doch Migration ist das Symptom, nicht die Ursache, und sie wurde von allen Mitgliedstaaten gefördert, um den Arbeitsmarkt für die Großkonzerne zurecht zu biegen: Lohndumping, Gewerkschaftszertrümmerung und Prekarisierung. Doch die Nationalisten irren sich: Für Großbritannien wird sich die Migration auch bei einem Brexit kaum ändern. So sich die Briten dann in einer mit der Schweiz oder Norwegen vergleichbaren Situation befinden, werden sie Migration aus der EU akzeptieren müssen, um weiterhin ihre Zugang zum EU-Binnenmarkt zu erhalten.

Unfaire sogenannte „Freihandelsabkommen“ wie die Economic Partnership Agreements (EPA, wir berichteten) fördern die Migration, besonders aus Afrika. Das regionale Abkommen mit Ostafrika beinhaltet eine EU-begünstigende Explosion von Deregulierungen: Kenia, das regionale Wirtschaftszentrum, zögerte daher mit der Unterzeichnung, aber EU-Spontanzölle für kenianische Produkte zwischen 8 und 30 Prozent setzten die Afrikaner unter unfairen Druck. Es waren Sanktionen, wie sie unter Säbelrasseln gegen Russland verhängt wurden, ein unerklärter Wirtschaftskrieg gegen ein armes Land, das sich nicht wehren konnte. Kenia geriet in eine Krise, so dass die Afrikaner das Abkommen im Sommer 2015 zähneknirschend unterzeichnen mussten.
Die neoliberale Intrige: Wirtschaftskriege, Migration, Rassismus

Solche neokolonialistische Gewalt gegen arm gehalteten Länder (durchaus im Sinne des British Empire) sorgt für Migration, die uns dann mit rassistischer Hetze gegen „Wirtschaftsflüchtlinge“ von den Medien verkauft wird. Es müsste besser heißen: Wirtschaftskrieg-Flüchtlinge. Doch von Bilderbergern (wer dachte beim aktuellen Mord im Brexit-Wahlkampf nicht an Gladio?) und anderen Verschwörern manipulierte Medien verpassen den Völkern eine rassistische Hirnwäsche: Völlig abseits der Öffentlichkeit laufen deshalb die Auseinandersetzungen um die sogenannten „Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen“ EPAs (Economic PartnerAfrikaSqueezedship Agreements) zwischen der EU und afrikanischen Staaten. Dabei macht sich EU-Politik zum Büttel der schon jetzt übermächtigen EU-Exportindustrien, um ihnen die Absatz-, Land- und Arbeitssklavenmärkte immer rücksichtsloser zu öffnen -das nennt sich dann „Freihandel“. EPA wird die instabilen Länder Afrikas noch tiefer in Krisen und Hunger treiben -und seine Menschen zur Auswanderung nach Europa.

Das heuchlerische Gerede von „Fluchtursachen bekämpfen“ angesichts der aktuellen Migration lässt sich anhand von EPA bestens demaskieren: Lasst Afrika in Ruhe mit eurer Profitgier. Der Neoliberalismus ist mit seinen großen Versprechungen von der Armuts- und Hungerbekämpfung gescheitert, denn der Reichtum, den er schafft, fließt nur zu den bereits in Geld schwimmenden Machteliten.

Propaganda: Vom „Stürmer-Juden“ zum „Spiegel-Griechen“

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Bertelsmann schuf den “Spiegel-Griechen”, mit struppigem Schnauzbart, krummer Nase, buschigen Augenbrauen, langen, gebogenen Fingern, krummen Beinen und Sirtaki-tanzenden Plattfüßen, dazu hämisch: „Unsere Griechen“. Das spricht billige Ressentiments an, rassistische Vorurteile und niederste Instinkte -kurz: Es verkauft sich blendend!  Einziger Wermutstropfen: Anders als der Stürmer-Gründer, Rassist und Hitler-Liebling Julius Streicher mit seinem „Stürmer-Juden“ muss Bertelsmann sich den Profit an der rassistischen Hetze mit Springers BILD teilen. Aber Bertelsmann-Besitzerin Liz Mohn und Friede Springer (ihr Blatt schuf den „Pleite-Griechen“) sind ja ein Milliardenerbinnenherz und eine Medienmogulinnenseele…

Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer verteidigte das umstrittene Spiegel-Cover “Unsere Griechen” als harmlose Satire

Ist der Vergleich des „Spiegel-Griechen“ mit dem „Stürmer-Juden“ (mit  gebogener Nase, hervorstehenden Augen, krummen Beinen und Plattfüßen) wirklich so weit hergeholt? Sind es nicht die selben Methoden, die heute gegen die Griechen zur Anwendung kommen, die immer wieder von Rassisten gegen die von ihnen verhetzten Minderheiten, Fremden, Außenseiter usw. eingesetzt wurden? Das Blatt kam schon mit anderen Titeln ins Gerede, so sehr, dass sogar die erzkonservative und bestimmt weder Griechen- noch Tsipras-freundliche FAZ ins Nachdenken kam. Das ebenfalls eher rechtsstehende und wirtschaftsnahe Handelsblatt sprach von einem „seltsamen Zeitschriftentitel, der das Missverständnis zwischen Deutschland und Hellas verstärkt“ und meinte dazu:

„Das Klischee des Deutschen mit seinem brachialen Humor bestärkt der „Spiegel“ mit seinem jüngsten Titelbild unfreiwillig. Unter dem Titel „Unsere Griechen. Annährung an ein seltsames Volk“ wird ein dicker Grieche mit überdimensionalen Schnauzbart, das Ouzo-Gläschen in der linken Hand, Sirtaki-tanzend mit einem deutschen Touristen gezeigt, der die Geldbörse mit den 500- und 50-Euro-Scheinen fest an sich hält. (…) Ein Nachrichtenmagazin, das in seiner „Hausmitteilung“ verspricht, sich mit der komplexen und umstrittenen Frage des Grexit aus unterschiedlichsten Perspektiven zu befassen, betreibt mit diesem Titelbild schlichtweg Irreführung. Denn es suggeriert auf demagogische Weise die Antwort: Der dumme Deutsche zahlt für tanzenden, alkoholisierten Griechen.“ Handelsblatt

Da hilft es wenig, wenn der „Spiegel“-Chef vom Dienst Klaus Brinkbäumer im Nachhinein erklärt, das wäre ja alles https://jasminrevolution.files.wordpress.com/2012/06/akropolisadieuspi.jpeg?w=520ganz harmlos gemeint gewesen -denn so ein Titelblatt muss vor dem Hintergrund der ganzen und vor allem der derzeitigen Debatte in Deutschland gesehen werden. Da ist Bertelsmann nicht allein mit seiner Griechenhetze, sogar Bildungssender wie PhoenixARTE und 3sat machten mit beim billigen Griechen-Bashing. Da wurde Häme über Varoufakis ausgegossen, mit Merkel und Schäuble auf Teufel komm raus schon seit 2012 der Grexit beschworen (was vorsätzlich den gefürchteten Bankensturm auslöste) und sogar Syriza mit Presselügen Korruption angedichtet. Und zum einen hat das Bertelsmann-Blatt von Anbeginn der Schuldenkrise gegen Athen Position bezogen, verschärft noch seit dem Wahlsieg von Syriza. Zum anderen lesen die wenigsten die Artikel dazu -die meisten sahen nur die Hetzkarikatur am Kiosk. Sicher, man hätte die Griechen noch schlimmer darstellen können.

Der Stürmer hätten zwar neben die fröhlich tanzenden Griechen vom Titelblatt des vorletzten „Spiegel“ statt des deutschen Touristen vermutlich eine gefesselte junge Frau (Germania) gestellt, aber die Aussage bleibt auch ohne solchen Nazi-Pathos die gleiche: Die faulen Griechen feiern und wir müssen dafür schuften -der durchschnittliche  „Spiegel“-Leser wird sich das schon so zusammen reimen können. Diejenigen, die feiern, während Deutsche und mehr noch Griechen dafür schuften sollen, sind aber die Banker, die die Schulden aus ihrer Finanzkrise mittels korrupter Politik (in Athen wie Berlin) in die Staatshaushalte schieben konnten. Geholfen haben ihnen dabei Blätter wie BILD und „Spiegel“, die statt aufzuklären, die Zusammenhänge vernebeln und Sündenböcke präsentieren. Von den Multimillionären und Bankern sollten wir per Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuer die Kosten der Bankenrettung nach der Finanzkrise 2008 heute zurückholen. Doch das passt den Medienmogulen und -mogulinnen nicht. Hoffen wir, dass sie dies böse Spiel der Propaganda nicht noch weiter treiben, denn das hatten wir doch schon mal.

Hintergrund: “Fips” schuf den “Stürmer-Juden”

„“Der Stürmer” vermittelte seinen radikalen Antisemitismus im Stil einer Boulevardzeitung möglichst plakativ: Große Überschriften, die schon von weitem ins Auge fielen, gehörten dazu. Außerdem prägte der ab 1925 für die Zeitung arbeitende Karikaturist Philipp Rupprecht (1900-1975) mit seinen Zeichnungen das Blatt. Unter dem Pseudonym “Fips” schuf er Woche für Woche mit seinen Karikaturen den Typus des geldgierigen, meist unrasierten “Stürmer-Juden” mit langer, gebogener Nase, hervorstehenden Augen, krummen Beinen und Plattfüßen. “Fips” trug mit seinen zur Fratze entstellten Figuren zur Verfestigung antisemitischer Vorurteile bei. (…)

Julius Streicher gründete die Wochenzeitung „Der Stürmer. Nürnberger Wochenblatt zum Kampf um die Wahrheit“ am 20. April 1923 in Nürnberg. Unmittelbarer Anlass waren Kämpfe innerhalb der NSDAP in Nürnberg. Der NS-Agitator brauchte eine eigene publizistische Plattform. Streicher hatte am 20. Oktober 1922 die erste NSDAP-Ortsgruppe ins Leben gerufen, nachdem er sich zuvor Adolf Hitler (1889-1945) unterstellt hatte. (…)

22 Jahre lang verbreitete die Zeitung übelste, rassistisch begründete Diffamierungsparolen gegen den „Weltfeind Alljuda“, der an allem schuld sei. „Der Stürmer“ knüpfte an den Antisemitismus des Kaiserreichs an und griff alte Stereotype aus dem Mittelalter auf, etwa dass Juden so genannte Ritualmorde begingen, d.h. kleine Kinder entführen und opfern würden.

Streichers „Stürmer“ verbreitete seinen Antisemitismus mit fanatischer Wut und zugleich brutaler Primitivität. Erfundene Geschichten über angebliche Vergewaltigungen, Ritualmorde, Berichte über die „Verschwörung des internationalen Finanzjudentums“ und das „jüdisch-bolschewistische Verschwörertum“ sowie über „Rassenschande“ und Denunziationen schürten den Hass. Dazu kamen manipulierte Darstellungen über die angeblichen Zustände in Synagogen und in jüdischen Altersheimen. Vorurteile und Neid bestimmten die Beiträge. Die Juden galten als das Böse schlechthin, als der Teufel.

Zu den aggressiven Diffamierungen traten sexuelle Obsessionen und pornographische Darstellungen. Das Blatt richtete sich an Menschen geringer Bildung, u. a. mit einfach geschriebenen Artikeln über angebliche Rassenschande zwischen (alten) jüdischen Männern und (jungen) „arischen“ Frauen. Seine Leser wurden regelmäßig zu denunziatorischen Zuschriften aufgefordert. Unter der Überschrift „Lieber Stürmer“ wurden die verleumderischen Beiträge aus dem gesamten Deutschen Reich dann veröffentlicht.

Streicher feierte die sich verschärfende antisemitische Politik des NS-Regimes und forderte gleichzeitig immer offener die physische Vernichtung der Juden. Seit Kriegsbeginn intensivierte „Der Stürmer“ die Hasspropaganda gegen das „plutokratisch-bolschewistische Weltjudentum“. Je nach Kriegsverlauf wurden verschiedene gegnerische Staaten als „Judenknechte“ oder „verjudet“ angegriffen. (…)“

Quelle: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44465

 

ZDF lobt Alt-Nazi zum Ukraine-Helden um?

Daniela Lobmueh BanderaBriefmarke

Lwow, Westukraine. Das ZDF meint, Stepan Bandera habe zwar mit den Nazis paktiert, ABER gegen die Sowjets mit dem Ziel der FREIHEIT für sein Volk. Und wer könnte Bandera das krumm nehmen? Für die FREIHEIT! Gegen die (wie ZDF-Zuschauer täglich neu erfahren: teuflischen) Sowjets! Wen interessieren da noch groß Banderas Massenmorde? Ein alter Kämpe der Bandera-Truppe durfte jetzt gegen die Sowjets vors ZDF-Mikrofon, als Freiheitsheld.

Den ZDF-Intendanten Bellut interessiert Banderas Blutrausch gegen Juden, Polen, Russen usw. wohl scheinbar nicht. Aber nun der Schock: Dafür kassiert er jetzt schon wieder eine Beschwerde! Etwas mehr Mühe sollten sich die Lobhudler vom ZDF schon machen. Jetzt wurden sie schon wieder bei Tendenzlügen mit Rechtsdrall erwischt und Intendant Bellut bekommt schon wieder eine Programmbeschwerde. Dabei hat Bellut doch bloß getan, was ein ZDF-Intendant nunmal tun muss. Also senden lassen wie ein braver Bello es täte, also Wuff-Wuff-Bellizist der herrschenden Westeliten (Nato, Bilderberger, Deutsche Bank, Goldman Sachs) und weiß gar nicht was seine Zuschauer sich neuerdings immer so haben?

ZDF-Frontmann Armin Coerper war für das Heute-Journal am Vorabend der Parlamentswahlen in der westukrainischen Stadt Lwow unterwegs. Dimitri Jarosch, der Chef der nationalsozialistischen Kampftruppe „Rechter Sektor“ darf kurz richtigstellen, dass er sich als ukrainischer Nationalist versteht und keinesfalls als Faschist oder Nazi bezeichnet werden möchte. Armin Coerper erwähnt immerhin, dass einige Anhänger des „Rechten Sektor“  ihren Chef „schon mal mit Hitlergruß“ begrüßen (wir setzen mal voraus, dass das vom ZDF nicht lobend gemeint war, auch wenn viel Kritik daran nicht zu vernehmen ist).

Hintergrund: Entsprechend ihrer bisherigen tendenziös einseitigen Berichterstattung (vom SvobodaProtestersARD-Programmbeirat bekanntlich offiziell, aber folgenlos gerügt) erklärten ARD & Co. die rechtsextremistische Gefahr in der Ukraine durch das Wahlergebnis für beendet. Mit Oleg Ljaschkos Radikaler Partei ist aber mindestens eine offen faschistische Partei immer noch in Fraktionsstärke in der zukünftigen Rada vertreten. Dazu kommen faschistische Kräfte, die angesichts des zu erwartenden Wahldebakels rechtzeitig in etablierteren Parteien Unterschlupf suchten –bei Obamas Zögling Jazenjuk. Ein Erdrutschsieg von Petro Poroschenko konnte so von Jazenjuks Rechtsbündnis verhindert werden, da Jazenjuk viele Stimmen aus dem faschistischen, nationalistischen und militanten Lager in ihr neoliberal-rechtspopulistisches Lager zog.

Programmbeschwerde: Sehr geehrter Herr Dr. Bellut
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Putin-Darstellung, dt. TV: Slawisches Monster greift nach arischer Blondine

Die „Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien“ erhebt dagegen jetzt formal Programmbeschwerde gegen den Beitrag Lemberg kämpft für mehr Europa innerhalb der Sendung Heute-Journal vom 21.10.2014 (hat das ZDF die peinliche Sendung nachträglich gelöscht?). Die Beschwerde führt an:

1. der 90- jährige Ivan Mamschtur, welcher lediglich als ehemaliger KGB-Häftling vorgestellt wird, als Fürsprecher eines von Europa zu unterstützenden Kampfes der Freiheit der Ukraine (gegen Russland) dargestellt. Verschwiegen wurde dem Zuschauer, dass es sich bei Ivan Mamtschur um einen Veteranen der Waffen-SS Galizien und der faschistischen OUN handelt.
2. im Zuge einer kritiklosen Übernahme des westukrainisch-nationalistischen Narrativs Stephan Banderas Kollabaroration mit den Nazis als Kampf für die Freiheit des ukrainischen Volkes verherrlicht.
Zu den Beschwerdepunkten im Einzelnen:
Nachdem Herr Coerper – und dies sei der Fairness halber erwähnt – nicht verschweigt, dass Dimitri Jarosch auch „schon mal gern von seinen Anhängern mit Hitlergruß begrüßt wird“, zeigt das ZDF nach einem kurzen historischen Überblick über die Stadt Lwiw (Lemberg) eines der vielen Lemberger Denkmäler zu Ehren Stephan Banderas.
Ab Minute 18:03 trifft Armin Coerper folgende Feststellung: “ Er (Stephan Bandera) hat mit den Nazis paktiert gegen die Sowjets mit dem Ziel der Freiheit für sein Volk“.
Dieser vom ZDF-Korrespondenten Coerper unkritisch übernommene westukrainisch-nationalistische Mythos, wonach Stephan Bandera lediglich zum Zwecke der „Freiheit für sein Volk“ mit den Nazis zusammengearbeitet hätte, unterschlägt zugunsten der Täterperspektive unstrittige historische Fakten und missachtet nicht nur, aber auch die ukrainischen Opfer Banderas, dessen Bewegung „stark am Holocaust beteiligt war“. (Anders Rudling, Lund University)
(…) Hier  erklärt Ivan Mamschtur sich anlässlich des 66. Jahrestages der Gründung der SS-Division Galizien 2009 selbst zum Helden (Ukraine-Nachrichten).

Bandera: ZDF-Freiheitsheld oder Nazi?

Stephan Banderas Denkmal stellte das Heute-Journal also mit den Worten vor: „Er hat mit den Nazis BanderaUkrainepaktiert gegen die Sowjets mit dem Ziel der Freiheit für sein Volk.“ ZDF-Freiheitshelden oder Nazis? Im Jahre 1934 wurde Stepan Bandera in Polen wegen der Beteiligung an der Ermordung des polnischen Innenministers Bronislaw Pieracki zum Tode verurteilt (Polen hatte Teile der Ukraine besetzt gehalten). Banderas Todesstrafe wurde jedoch in lebenslange Haft umgewandelt und im September 1939 kam Bandera wieder frei -nach der Eroberung Polens durch Hitler und Stalin. Im von Deutschland besetzten Krakau arbeitete Bandera für den Geheimdienst von Hitlers Wehrmacht. Die Nazis hofften, Bandera würde den Ukrainischen Widerstand (OUN) für den geplanten Angriff auf die Sowjetunion auf die Seite der Nazis ziehen. Bandera und der OUN “werden von zahlreichen internationalen Historikern vorgeworfen” (so die tendenziösen Formulierungen von Wikipedia, die hier aber immerhin halbwegs bei der Wahrheit bleiben), am 30. Juni 1941 und noch vor Einmarsch der regulären deutschen Truppen ein Massaker in der Stadt Lemberg angerichtet zu haben: Hierbei seien rund 7000 Menschen, überwiegend Kommunisten und Juden, ermordet worden. Der von Bandera ausgerufene unabhängige ukrainische Staat widersprach jedoch den Plänen der Nazis, weshalb sie Bandera im Juli 1941 im KZ Sachsenhausen inhaftierten, wo auch der austro-faschistische Ex-Kanzler Kurt Schuschnigg saß. Im September 1944 wurde er von den Nazis jedoch entlassen, die den Führer der UPA (bewaffneter Arm der OUN) nun gegen die vorrückende Rote Armee einsetzen wollten. Banderas UPA kämpfte dann auch tatsächlich, mit deutschen Waffen versorgt, zeitweise gegen die Sowjetarmee, wechselte aber die Seite und attackierte die Nazi-Wehrmacht als diese von Stalins Truppen zurückgedrängt wurde. 1946 flüchtete Bandera nach München, wo er 1959 vom KGB als flüchtiger Massenmörder und Kriegsverbrecher getötet wurde.

So klingt in etwa die deutsche Wikipedia (Abruf 27.4.2014), die wahrlich nicht für ihre progressive Weltanschauung bekannt ist und wo man unter dem Deckmantel angeblicher „Neutralität“ oft alles weglöscht, was dem Westen, seinen Machteliten und deren Verbündeten unlieb sein könnte. Bei Bandera nennt Wikipedia z.B. die faschistische OUN lapidar „Organisation Ukrainischer Nationalisten“. Historiker wissen mehr dazu:

„Der bedeutendste westliche Historiker, der sich mit dem ukrainischen Nationalismus beschäftigt hat, ist zu der Einschätzung gelangt, daß ‚die Theorie und die Lehren der Nationalisten dem Faschismus sehr nahestanden und in mancher Hinsicht –wie dem Beharren auf >Rasse-Reinheit<- über die ursprünglichen faschistischen Doktrinen noch hinausgingen.“ So zitiert Stanley Payne in seiner „Geschichte des Faschismus“ (Berlin 2001/London 1995) auf S.526 den Historiker J.A.Armstrong. Doch noch viel weiter ging der ZDF-nahe Sender 3sat beim Abwiegeln von Banderas faschistischen Wurzeln.

ZDF-Held Mamtschur war SS-Mann?

Auch laut Telepolis feierte Ivan Mamtschur den 66. Jahrestag der Gründung der SS-Division Galizien. Ab Juli 1943 bestand diese Division aus 14.000 Freiwilligen, überwiegend Mitglieder der „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN). Die Kameraden von Ivan Mamtschur wurden zur „Partisanenbekämpfung“ im Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt. Dort zeichneten sie sich vor allem durch Grausamkeiten gegenüber der polnischen und jüdischen Bevölkerung aus. Unter anderem massakrierten sie die Bewohner von Huta-Pieniacka, Podkamień und Palikrowy.

„Hitler kaputt, Faschismus tot“? Nicht in der Ukraine. Die Überlebenden der Waffen-SS Galizien wurdenNATO_ukraine in Italien interniert. Die westlichen Geheimdienste, allen voran die Organisation Gehlen und die CIA rekrutierten alle ukrainischen Kriegsverbrecher, die sie finden konnten, und setzten sie zum Partisanenkampf gegen die Sowjetunion ein. Die „Ukrainischen Aufstandsarmee“ (UPA) begann ab 1945 einen blutigen Bürgerkrieg in der Westukraine. Bis 1951 ermordeten diese Freiheitskämpfer etwa 35.000 Menschen, schätzt die CIA laut Frank Wisner, Chef des CIA-Directorate of Plans. Sie unterstützte, wie auch der britische SIS, den Freiheitskampf der ukrainischen SS-Schlächter. Erst ab 1957, als die Sowjetunion vor der UNO formell protestierte und die meisten Kameraden von Ivan Mamtschur in eben diesem KGB-Gefängnis saßen, das Armin Coerper dem deutschen Publikum skandalisierend vorzeigt, war der Krieg vorbei, so Telepolis. Waren die Sowjets also böse -weil sie faschistische terroristen einsperrten, die ihnen die CIA auf den Hals gehetzt hatte? Für ZDF-Zuschauer keine Frage, wenn sie ihrem Sender in seiner Tendenzberichterstattung auf den Leim gehen.

Auch Dokusender Phoenix gleichgeschaltet

Phoenix blieb in seiner das Krim-Referendum journalistisch begleitenden JD500088.JPGSchwerpunkt bei der Böll-Version, die Kiewer Maidan-Faschisten seien nur russische Propaganda und war voll der Empörung, dass die pro-russische Seite diese Faschisten für ihren Wahlkampf nutzte. Zum Referendum selbst behauptete die Moderatorin, es enthalte gar keine Wahlmöglichkeit, sondern nur die Alternativen: Anschluss an Russland sofort oder später. Dabei war die Alternative ein Verbleib bei der Ukraine bei mehr Autonomie. In zahlreichen Vor-Ort-Interviews fand Phoenix auf der Krim kaum Befürworter der Russen, aber immer wieder eine Olga oder einen Stepan, die Angst vor Putin hatten oder die Russen generell nicht mochten und den Niedergang ihrer Firma befürchteten.

Dabei brachte der sonst besinnlich-dröge Dokusender seinen aufgeregten JD500101.JPGKrim-Krisen-Schwerpunkt vor dem Hintergrund von dämonisierenden Putin-Bildern. So etwa ein Bild, das den GUS-Präsidenten mit gierig ausgestreckter Klaue zeigt, wie er nach der hübschen Phoenix-Blondine zu grapschen scheint. Ein anderes Bild zeigte Putin mit geballter Faust und derart verzerrtem Gesicht, als hätte ein Phoenix-Praktikant mit Photoshop nachgeholfen, um es zu einer teuflischen Fratze zu deformieren.

JD500092.JPGDazu plapperte die Phoenix-Blondine von russischen Schlägern auf der Krim und der Sender zeigte Putin neben einem üblen Burschen mit Keule und hasserfülltem Blick (rechts mit schwarzer Mütze). Dieses Bild kannten wir allerdings schon, aber als das eines Schlägers des „Rechten Sektors“, der Bruderpartei von Svoboda, die brutal gegen Janukowitsch-Anhänger vorging –und gegen Kommunisten, Russen und Juden.Von möglichen JSOC-Operationen war nicht die Rede, aber es ist merkwürdig still geworden um die zunächst lauthals skandalisierten Todesschüsse auf dem Maidan und die Suche nach den Mördern…

Inzwischen sind die Swoboda-Faschisten ins neue von Westmedien mit Aufmerksamkeit geadelte Parlament eingezogen -über die Nationalistenpartei von Obama-Liebling Jazenjuk… Siehe dazu auch

ARD-Lügen zum Ukraine-Wahlspektakel: Faschisten im Parlament

 

Ferguson brennt: Weiße Jury gab Feuer frei auf Schwarze

Gilbert Perry aac53-yes-we-scan-round-200

Ferguson. Jury erhebt keine Anklage gegen den Polizisten, den  unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown (18) erschoss. Demonstrationen eskalierten in der Nacht, die Polizei trieb Protestierende mit Rauchbomben und Tränengas auseinander, Polizeiwagen und Gebäude gingen daraufhin in Flammen auf, Supermärkte wurden von der Bevölkerung geplündert. Ein Desaster für Obama, den ersten schwarzen US-Präsidenten, dem jetzt die schwarzen Wähler davon laufen.

President black, Police white, child dead

Totalversager Obama: Der erste schwarze Präsident lässt seine eigenen Leute im Stich. Weiße USA im rassistischen Blutrausch. US-Polizei erschoss gestern einen erst 12jährigen Jungen, natürlich wieder einen Schwarzen. Ferguson ist seit der Tötung eines schwarzen Teenagers durch den weißen Polizisten Darren Wilson Hauptstadt der US-Rassenunruhen. Dort entschied gestern eine überwiegend weiße Jury, gegen den Todesschützen, einen weißen Polizisten, keine Anklage zu erheben.

Der schwarze Jugendliche, der unbewaffnet war und die Hände erhoben hatte, wurde von Polizeikugeln Ferguson2014durchsiebt. Die weiße Jury sah darin eine Tötung in Notwehr -Officer Darren Wilson wird nicht zur Verantwortung gezogen. Die schwarze Bevölkerung der USA kann dies nicht glauben. Viele sehen darin eher einen feigen rassistischen Mord durch die Staatsgewalt dieser mächtigsten, jemals von einem Schwarzen regierten Nation. Die Entscheidung der Jury hat in ihren Augen bewiesen, dass Schwarze von Rechtssystem der USA nur Hohn und Verachtung zu erwarten haben –aber keine Gerechtigkeit.

 Hola Hombres! Obama sucht sich neue Wähler

Obama sucht sich nun neue Wähler, nachdem die Schwarzen, mit deren Stimmen er ins Weiße Haus einzog, ihm scharenweise davon laufen. Inzwischen ist die Minderheit der Latinos ohnehin zahlreicher als die der Schwarzen, so dass Obama mit ein paar Zugeständnissen an illegale Einwanderer aus Mexiko deren Gefolgschaft kaufen will. Viel Auswahl haben rassische Minderheiten in den USA nicht: Die rechtspopulistischen bis -extremen Republikaner stehen teilweise noch mit einem Bein im Zeitalter der Rassentrennung, wenn nicht Sklavenhaltung.

Die neoliberal-populistischen Demokraten reden gern von Gleichberechtigung und nehmen die Stimmen der Minderheiten bei Wahlen mit breitem Grinsen an, tun dann aber wenig oder nichts dafür. Genau wie die Republikaner machen sie nur Politik für eine reiche, überwiegend weiße Geldelite. Das heißt: Löhne runter, Sozialstaat weg und Steuerbefreiung für Bosse und Millionäre. Der aufgeblasene US-Militärapparat verschlingt Tausende Milliarden Dollar für Kreuzzüge in aller Welt gegen Moslems, Chinesen, Russen oder wen immer die westlichen Lügenmedien als Schurken des Tages an den Pranger stellen.

Neoliberaler Terrorstaat: US-Polizei gleicht Paramilitärs

Nach innen wird eine paramilitärisch aufgerüstete Polizei immer mehr auf Gewalt gegen das eigene Volk gedrillt. Die US-Kulturindustrie liefert dafür die ideologische Hirnwäsche: Totaler Gewaltrausch in Actionfilmen, deren Schurken immer Moslems, Slawen, Kubaner usw. sind. Eine Sicht auf den Menschen als Raubtier im Sozialdarwinismus, Kampf jeder gegen jeden. Kooperative, friedliche Lösungen werden lächerlich gemacht und notfalls durch gedungene Terroristen sabotiert. Die Staatsführung entspricht einer Zwei-Parteien-Diktatur nach dem billligen Spiel von Bad Cop und Good Cop, die Demokraten stellen den Good Cop. Aber beide sind neoliberale Ausbeuterfreunde.

Die Nominierung des Schwarzen Obama war nur Symbolpolitik: Der Kokosnuss-Präsident erweist sich als außen braun, aber innen schneeweiß. In den USA wählen gehen, heißt einen Wahlzettel zu bekommen auf dem man überall nur FDP ankreuzen kann.

TheIntercept: “Burn This Shit Down”: Mayhem and Protests Engulf Ferguson
TheIntercept: “Down Outright Murder”: A Complete Guide to the Shooting of Michael Brown by Darren Wilson

3sat-Kulturzeit salbt Kriegsverbrecher Bandera zum Nationalhelden

BanderaUkraine

Svoboda-Anhänger mit Bandera-Plakat

Daniela Lobmueh und Gilbert Perry

Auf eine ausgewogene Berichterstattung hofften Zuschauer von 3sat auch gestern vergeblich. In der Ausgabe des 3sat-Magazin Kulturzeit wurde ihnen eine ungeheuerliche Geschichtsklitterung vorgesetzt: Der ukrainische Kriegsverbrecher Stepan Bandera wurde zwar als schillernde Figur, aber trotzdem als Nationalheld präsentiert. Die 3sat-Darstellung schloss sich damit in Kommentar und Bild der Meinung der neofaschistischen Svoboda-Partei an. Westliche Interessen wurden wieder einmal nicht erwähnt.

Eingebettet war diese Reinwaschung eines erwiesenen Nazi-Kollaborateurs in eine Reportage über die ukrainische Schriftstellerin und entschiedene Putin-Gegnerin Oksana Sabuschko in Kiew. In der deutschen Wikipedia wird Bandera weit ungünstiger dargestellt, als im gestrigen 3sat-Bericht, in dem sich 3sat-Reporter Tim Ewers weitgehend dem Bandera-Bild der neofaschistischen Svoboda-Partei anschloss. Schon zum zweiten Mal in wenigen Tagen zeigt sich 3sat-Kulturzeit betont unreflektiert beim Nachplappern von Propaganda.

Im Jahre 1934 wurde Stepan Bandera in Polen wegen der Beteiligung an der Ermordung des polnischen Innenministers Bronislaw Pieracki zum Tode verurteilt (Polen hatte Teile der Ukraine besetzt gehalten). Banderas Todesstrafe wurde jedoch in lebenslange Haft umgewandelt und im September 1939 kam Bandera wieder frei -nach der Eroberung Polens durch Hitler und Stalin. Im von Deutschland besetzten Krakau arbeitete Bandera für den Geheimdienst von Hitlers Wehrmacht. Die Nazis hofften, Bandera würde den Ukrainischen Widerstand (OUN) für den geplanten Angriff auf die Sowjetunion auf die Seite der Nazis ziehen. Bandera und der OUN „werden von zahlreichen internationalen Historikern vorgeworfen“ (so die tendenziösen Formulierungen von Wikipedia, die hier aber immerhin halbwegs bei der Wahrheit bleiben), am 30. Juni 1941 und noch vor Einmarsch der regulären deutschen Truppen ein Massaker in der Stadt Lemberg angerichtet zu haben: Hierbei seien rund 7000 Menschen, überwiegend Kommunisten und Juden, ermordet worden. Der von Bandera ausgerufene unabhängige ukrainische Staat widersprach jedoch den Plänen der Nazis, weshalb sie Bandera im Juli 1941 im KZ Sachsenhausen inhaftierten, wo auch der austro-faschistische Ex-Kanzler Kurt Schuschnigg saß. Im September 1944 wurde er von den Nazis jedoch entlassen, die den Führer der UPA (bewaffneter Arm der OUN) nun gegen die vorrückende Rote Armee einsetzen wollten. Banderas UPA kämpfte dann auch tatsächlich, mit deutschen Waffen versorgt, zeitweise gegen die Sowjetarmee, wechselte aber die Seite und attackierte die Nazi-Wehrmacht als diese von Stalins Truppen zurückgedrängt wurde. 1946 flüchtete Bandera nach München, wo er 1959 vom KGB als flüchtiger Massenmörder und Kriegsverbrecher getötet wurde.

So klingt in etwa die deutsche Wikipedia (Abruf 27.4.2014), die wahrlich nicht für ihre progressive Weltanschauung bekannt ist und wo man unter dem Deckmantel angeblicher „Neutralität“ oft alles weglöscht, was dem Westen, seinen Machteliten und deren Verbündeten unlieb sein könnte. Bei Bandera nennt Wikipedia z.B. die OUN lapidar „Organisation Ukrainischer Nationalisten“, ohne ihre faschistische Ideologie zu erwähnen. Historiker wissen mehr dazu:

„Der bedeutendste westliche Historiker, der sich mit dem ukrainischen Nationalismus beschäftigt hat, ist zu der Einschätzung gelangt, daß ‚die Theorie und die Lehren der Nationalisten dem Faschismus sehr nahestanden und in mancher Hinsicht –wie dem Beharren auf >Rasse-Reinheit<- über die ursprünglichen faschistischen Doktrinen noch hinausgingen.“ So zitiert Stanley Payne in seiner „Geschichte des Faschismus“ (Berlin 2001/London 1995) auf S.526 den Historiker J.A.Armstrong. Doch noch viel weiter ging der öffentlich-rechtliche Sender 3sat beim Abwiegeln von Banderas faschistischen Wurzeln.

3sat-Kulturzeit „rehabilitiert“ Kriegsverbrecher Bandera

Die Nazi-Kollaboration des Stepan Bandera wurde von 3sat genauso wenig geleugnet, wie Svoboda-Ideologen sie leugnen; nur wusste 3sat Banderas Nazi-Kumpanei sehr tendenziös-manipulativ zu relativieren. 3sat-Reporter Tim Evers:

„Noch immer prangt auf dem Maidan ein Transparent von Stepan Bandera, der im Westen des Landes als Nationalheld verehrt wird. Bandera kämpfte für eine unabhängige Ukraine gegen die Rote Armee. Im russisch geprägten Osten gilt er daher als Nazi-Kollaborateur, was er auch war. Bandera saß später aber auch in einem deutschen Konzentrationslager. Eine Biographie, so widersprüchlich und kompliziert wie die des ganzen Landes.“ (3sat-Kulturzeit, 5.5.2014)

Evers erweckt hier den Eindruck, Bandera hätte gar nicht mit den Nazis zusammengearbeitet, sondern nur quasi zufällig gegen den selben Feind, die Roten, gekämpft –die Ostukrainer würden ihn fälschlich als Nazi-Verbündeten hinstellen. Die historische Reinfolge von Kampf und KZ-Haft wird von 3sat auch noch so zurechtgelogen, dass sie zur Darstellung passt. Die tendenziöse Darstellung wird noch deutlicher, bezieht man die unter den Text gelegten Bilder mit ein: Zuerst das überlebensgroße Bandera-Plakat auf dem Maidan, davor Demonstranten. Dann ein Zoom auf den sympathisch-verträumt guckenden Bandera, vor dessen Konterfei zu den Worten „als Nationalheld verehrt wird“ auch noch eine friedliche Taube hochflattert. Besser hätte Goebbels Propaganda-Ministerium den Film auch kaum hinkriegen können (natürlich bevor Bandera 1944/45 sich auf die Seite der siegreichen Roten Armee schlug).

Wenige Mainstream-Medien-Gesichter zeigten Rückgrat

Peter Scholl-Latour z.B., der früh gegen die Svoboda-Verherrlichung von ARD & Co. protestierte: „Die Tatsache, dass führende Politiker des Westens der Swoboda-Partei einen Heiligenschein ausstellten, obwohl die sich nachträglich auf jene ukrainischen Partisanentruppen beruft, die während des Zweiten Weltkrieges brutal gegen Russen, Polen und Juden vorgingen und nur gelegentlich gegen die deutsche Besatzung kämpften, zeigt, dass der westlichen Politik jegliches historische Gespür abhanden gekommen ist.“ Peter Scholl-Latour auf Telepolis

BanderaBriefmarke

Faschist und Kriegsverbrecher Stepan Bandera, geehrt mit Briefmarke von Timoschenko & Co.

Mit den „ukrainischen Partisanentruppen“ meinte Scholl-Latour die Faschisten der OUN/UPA (deren Logo 3sat dem hier Dokumentierten Text als Bild unkommentiert unterlegte) um den Kriegsverbrecher Bandera. Stepan Bandera wurde von der abgewählten Rechts-Regierung (Timoschenko & Co.) in Kiew zum Volkshelden erklärt. Weil Bandera in die Ermordung von Polen und Juden verwickelt war, was 3sat hätte wissen und den Zuschauern mitteilen müssen, erntete Kiew damals internationale Proteste. Aus Warschau, Israel und jüdischen Gemeinden auch in Deutschland hagelte es Kritik und Aufforderungen, diese ungeheuerliche Geschichtsfälschung zu unterlassen. Erst Janukowitsch entzog Bandera diese Ehrungen wieder und zog sich damit den Hass vor allem westukrainischer Faschisten zu –einer der nie erwähnten Hintergründe der Maidan-Proteste.

Damit soll die Janukowitsch-Regierung nicht zu Engeln erklärt werden, aber das unerträglich einseitige Putin- und Russen-Bashing der Medien erfordert den Hinweis auf diese Aspekte westlicher Verbündeter. Um es mit Scholl-Latour zu sagen:

Telepolis: Sie halten also Kritik an Menschenrechtsverletzungen in Putins Russland für überflüssig?

Peter Scholl-Latour: Der Westen könnte ja einmal damit beginnen, bei seinen engsten Verbündeten Menschenrechte einzufordern und diese nicht nur selektiv einzuklagen. Saudi-Arabien wird von den USA und der EU mit Waffen geradezu überschüttet, obwohl Homosexuelle dort hingerichtet werden, der Spaßgruppe Pussy Riot wäre dort ein ähnliches Schicksal beschieden.

 

Ungarn: Homophobie in der Verfassung

Gerd R. Rueger 12.03.2013

Viktor Orban und seine rechtspopulistische Fidesz-Regierung haben jetzt festgelegt, was für den Ungarn eine “richtige” Familie zu sein hat: Ein heterosexuelles verheiratetes Paar mit Kindern -nur dieses wird künftig den Schutz des Staates erhalten. Rechtspopulismus leidet unter Homophobie -wäre es nicht schwulenfeindlich, müsste man jetzt Witze über die abgeleugnete Homosexualität von männerbündelnden Fidesz-Rabauken machen. Die EU tut pikiert, arrangiert sich aber insgeheim gern mit Orban.

Bekennender Homosexueller:
Außenminister Westerwelle

Viktor Orban und seine rechtspopulistische Fidesz-Regierung machten nach ihrem Erdrutsch-Wahlsieg 2010 hierzulande zunächst durch ihre rigide Beschränkung der Medienfreiheit von sich reden. Nun hat Orban festgelegt, was für den Fidesz-Ungarn eine „richtige“ Familie zu sein hat: Ein heterosexuelles verheiratetes Paar mit Kindern -nur dieses wird künftig den Schutz des Staates erhalten. Rechtspopulismus leidet unter Homophobie… wird unser Außenminister Westerwelle jetzt einmal hart gegen sexistische Diskriminierung durchgreifen? Aber Rechtspopulismus leidet nicht nur unter Homophobie, er hat auch was gegen andere Religionen, Obdachlose, Studenten…

Viktor Orban mag keine Homosexualität

So sieht die Gesellschaft aus, die sich ein Rechtspopulist erträumt: Religionsfreiheit? Welche Religionsgemeinschaft eine Kirche ist, ist ab jetzt eine politische Entscheidung und zwar die der Regierung. Bildungsfreiheit? Studenten, die ein staatliches Stipendium erhalten, müssen nach ihrem Abschluss mehrere Jahre in Ungarn bleiben -oder rückwirkende Studiengebühren zahlen. Freiheit der Bewegung? Der Staat darf Obdachlose oder Menschen, die er dafür hält, künftig verhaften, nur weil sie auf der Straße übernachten. Und das werden bald immer mehr sein, denn die neoliberale Armutswalze, die Bulgarien ins Elend stürzt, rollt auch über Ungarn. Rassistische, ethnische, sexistische Diskriminierungen hetzen die Menschen gegeneinander auf -und verhindern damit eine Solidarisierung gegen die Finanzmafia. Das ist das Rezept des Neoliberalismus: Freiheit für das Geld (und die, die es haben), aber Diktatur für die Menschen.

Orban kämpft gegen Ungarns Verfassung

Damit drückte Orban bereits seine vierte Verfassungsänderung im Parlament durch, spielt den bösen Buben in Europa, der seine Grenzen austesten muss. Begleitet wurde die Verstümmelung der Freiheitsrechte von Protesten der Bevölkerung. Die Richter können nach den Änderungen an der Verfassung künftig nicht mehr inhaltlich prüfen, sondern nur noch verfahrensrechtlich -der ungarische Rechtsstaat wird immer zweifelhafter. Weiter soll das Verfassungsgericht keine Entscheidungen mehr überprüfen dürfen, die schon vor dieser „gesetzlichen“  Selbst-Freisprechung in Kraft war. Eine von der Regierung eingesetzte Koordinationsstelle, das “Justizamt”, das vermutlich mit eigenen Fidesz-Funktionären besetzt wird, soll künftig entscheiden, welches Gericht bestimmte Fälle zu überprüfen hat.

Im letzten Frühjahr klagte die EU-Kommission bereits einmal gegen Ungarns Regierung, denn es gab Bedenken gegen Eingriffe der Fidesz-Rechtspopulisten in den Rechtsstaat (nachdem Ungarns Medien bereits weitgehend auf Orbans Kurs gebracht wurden). EU-Justizkommissarin Reding bemängelte, dass Orban das Renteneintrittsalter für Richter, Staatsanwälte und Notare in Ungarn von 70 auf 62 Jahre abgesenkt hatte -eine schleichende „Säuberung“, die Platz für Orban-Treue bei Juristen schaffen sollte. Es ist die Treue zu einer Demokratur, zu einer Regierung, die sich selbst immer mehr Vollmachten in die Verfassung schreibt.

Ungarn: Von der Vorzeige-Demokratie zur Diktatur

Ungarn nahm als neoliberaler Vorzeige-Staat Osteuropas die heutige Krisen-Technokratie in Griechenland, Italien und Spanien vorweg. Nach deren Versagen kippte Budapest in Rechtspopulismus und Neofaschismus ab: Führerkult, Neorassismus, Medienknebelung. Ist das eine wahrscheinliche oder gar eine strategisch erwünschte Entwicklung für die neuen neoliberalen Krisenprogramme? Ist dies die braune Hardcore-Variante der plutokratischen “Postdemokratie” (Colin Crouch)?

Ist das eine wahrscheinliche oder gar eine strategisch erwünschte Entwicklung für die neuen neoliberalen Krisenprogramme? Aus rechten Ecken der deutschen Medienlandschaft kommen immer wieder gedämpfte Pro-Orban Töne, man traut sich nicht so recht selber „Hurra!“ zu schreien, etwa beim Deutschlandfunk, aber holt gerne moderate Beobachter ans Mikrofon.

Ungarns postkommunistische „Sozialisten“ verkörpern vieles, wofür New Labour letztlich steht: Die hemmungslose Bereicherung einer Machtelite, die Sozialabbau und Lohndumping mit hoher PR-Kompetenz als “Notwendigkeit im scharfen Wind des internationalen Wettbewerbs” verkauft. Der Clou dabei: Weil die verantwortlichen Akteure angeblich Sozialdemokraten oder Sozialisten sind, kann man den Zorn über die Sparprogramme auf den Sozialstaat lenken. Am Ende bleibt der Rückgriff auf überkommenen Nationalismus, Hetze gegen Minderheiten – in Ungarn vor allem die Roma – und der Ruf nach einer starken, wenn nicht autokratischen Führungspersönlichkeit.

Orbans Fidesz-Bewegung schluckte neben den Christdemokraten auch die rechtsextreme MIEP, die Orbans erste Regierung schon 1998-2002 im Parlament toleriert hatte. Rechtsextremer Ableger des Fidesz ist die 2004 von Studenten gegründete Jobbik-Bewegung, die sich auch aus der MIEP speiste. Nach den Budapester Unruhen 2006 gründete Jobbik 2007 die militante „Ungarische Garde“, die 2009 verboten wurde. Jobbik-Chef Vona legte trotz Verbots (auch gerade des Tragens der schwarzen Uniform) am 14.5.2010 seinen Eid vor dem Parlament in der Uniformweste der Ungarischen Garde ab –die der Tracht der Pfeilkreuzler-Faschisten des mit Hitler verbündeten Horthy-Regimes nachempfunden ist. In dieser schwarzen Uniform marschierten die Neofaschisten bis zum Verbot auch durch Roma-Dörfer, um die ins Abseits gedrängte Minderheit zu terrorisieren und in ihrem Elend zu verhöhnen. Orbans neuesten Verfassungsänderungen gießen diese dumpfen Rassismen in Gesetzesform und rechtfertigen unter der Hand Menschenrechtsverletzungen.

Wird die EU strukturell rassistisch?

Indymedia

Die von Finanzkrise und diktatorischen Sparmaßnahmen gebeutelten Ungarn ließen sich gegen die Minderheit aufhetzen und wählten auch aus diesem Grund 2010 überwiegend rechtsextrem und rechtspopulistisch. Die EU tut zwar beleidigt über Missachtungen europäischer Freiheitsrechte, argwöhnt in Wahrheit aber nur, Orban könnte ausländische Kapitalinteressen wirklich hie und da zugunsten der Bevölkerung seines Landes beschneiden.

Ansonsten arrangiert man sich gerne mit dem Rechtpopulismus und Rechtsextremismus aus Budapest -ist Ungarn wirklich rassistischer als die EU-Politik an der Mittelmeer-Außengrenze, die von Frontex & Co. gegen Migranten dichtgemacht wird? Alle deutschen Reaktionäre jaulen bis heute über die „Mauertoten“, die von der sozialistischen DDR am Eisernen Vorhang getötet wurden -ca. 200 Menschen: Soviel lassen Frontex-Schergen an einem Nachmittag im Meer ertrinken.

Die US-Strategie denkt um: Slawen, Russen und Rassismus

Wikileaks, geopolitische und ideologische Hintergründe der aktuellen Medienkampagnen gegen Griechenland

Gerd R. Rueger, 07.08.2012

Zbigniew Brzezinski, Ex-Direktor der Trilateralen Kommission, ist ein Nestor des Kalten Krieges, einflussreicher Polit-Technokrat der US-Think-Tank-Szene, nach Henry Kissinger vielleicht wichtigste graue Eminenz des außenpolitischen Establishments der USA. Dekade um  Dekade wiederholte er seine Hauptparole „Delenda Russia“ in verschiedenen rhetorischen Variationen mit der Beharrlichkeit eines Cato –bis jetzt. Sein neues Buch „Strategic Visions“ brachte die Sensation: Brzezinski deutet Fürsprache für einen Pakt der USA mit Putins GUS an [1]. Wie der Brzezinski-Beobachter Hauke Ritz in seiner hier maßgeblichen Analyse betont, war die von ihm beschriebene „erstaunliche Wandlung“ keineswegs vorherzusehen.

Und dies gerade jetzt, wo deutsche Medien just anti-russische, anti-slawische Ressentiments in einer zynischen Medienkampagne auf Griechenland ausdehnten –womit sie eine alte ideologische Tradition von Jakob Fallmerayer bis Alfred Rosenberg im Dienste aktueller Finanzkriminalität mobilisierten.

Geopolitischer Hintergrund: Mackinders Weltinsel-Theorie

Hauke Ritz zufolge war Geopolitik immer Hauptanliegen des als Russenhasser bekannten Alt-Strategen. Bei seinen alten wie auch bei seiner neuesten Strategie orientierte sich Brzezinski stets implizit an Konzepten des englischen Geopolitikers Halford J. Mackinder (1861-1947). Mackinder spricht von einer globalen Zentralregion (dem Heartland) in der Mitte der eurasischen Landmasse und bezeichnet dieses Gebiet als geographischen Angelpunkt der Geschichte [2]. Die geopolitische Bedeutung dieser Region beruht auf ihrer geografischen Lage: Zentralasien und Sibirien sind für Mackinder uneinnehmbare Festungen, für Seemächte unerreichbar –so sieht es sein angelsächsischer Blick. Zentralasien war daher in der Geschichte immer wieder Ausgangspunkte für Eroberungszüge an den Rand des eurasischen Kontinents, wie Invasionen hunnischer und mongolischer Steppenvölker nach Europa, aber auch bis nach Persien, China und sogar Indien belegen.

Seit Iwan der Große, der Großfürst von Moskau, 1485 Russland nach der Unterwerfung Nowgorods einte und in der Folge die Mongolen der Goldenen Horde zurückdrängen konnte, beherrscht Russland dieses Herzland. Damit ist seit bald einem halben Jahrtausend das strategische Zentrum der Weltinsel russisch, das Zentrum einer gigantischen Landmasse, welche annähernd 60% der globalen Wirtschaftsleistung, 75% der Weltbevölkerung und 75% der bekannten Energievorkommen beherbergt. Russland nahm damit eine besondere Stellung in Europa ein, die in der Zeit der maritimen Entdeckungen und kolonialen Eroberungen als Randstellung erschien, die sich in ökonomischen Nachteilen und kulturellen Besonderheiten äußerte.

Iwan, der „erste Zar über ganz Russland“, stellte sich von Anfang an in die Tradition von Byzanz –im Einklang mit der russisch-orthodoxen Kirche. Er übernahm nicht nur das Wappenbild des byzantinischen Doppelkopfadlers, sondern heiratete auch Zoe Sophia Palaiologina, die Nichte des letzten Kaisers von Byzanz. Hier wurzelt neben dem geopolitischen Wettbewerb auch kulturell-ideologischer Konfliktstoff mit Europas latinisiertem Westen. Aus dieser Teilung resultierten subkutan schwelende Ressentiments, die sich bis hinein in aktuelle, vordergründig finanzplutokratisch motivierte Medienkampagnen gegen Griechenland erahnen lassen.

Brzezinski, der Kalte Krieger

Zbigniew Brzezinski war, so Ritz, zumindest zeitweise in beiden US-Regierungsparteien verankert. So war er einerseits Mentor von Madeleine Albright, Bill Clintons Außenministerin. Aber seine Position im Center for Strategic and International Studies (CSIS), dem u.a. Henry Kissinger angehört, sicherte seinen Einfluss auch in Kreise der Republikaner hinein. Die doppelte Verankerung in beiden Parteien lässt sich jedoch nur für die Periode Carter, Reagan wirklich festellen. Für gut möglich halten Brzezinski-Kenner aber, dass der Nestor der US-Strategie neben Clinton auch noch auf Bush Sen. Einfluss ausgeübt hat. Spätestens auf die Bush Jun. -Administration hatte er aber wohl keinen Einfluss mehr, was durch seine Opposition zu George W. Bush deutlich wird.

Brzezinski wurde, so Ritz,  auch als Obama-Berater gehandelt, sein Sohn Mark Brzezinski gehörte zum Obama-Team und seine Tochter Mika Brzezinski, eine TV-Journalistin, ergriff Partei für den ersten schwarzen US-Präsidenten. Aber seine Position im Center for Strategic and International Studies (CSIS), dem u.a. Henry Kissinger angehört, sicherte seinen Einfluss auch in Kreise der Republikaner hinein. Als Hardliner im Kalten Krieg griffen vor allem Ronald Reagan und die beiden Bush-Präsidenten gerne auf Brzezinskis sowjet- und russlandfeindlichen Thesen zurück. 1998 enthüllte er dem Le Nouvel Observateur in einem spektakulären Interview, dass die USA die Mudschaheddin bereits vor dem Einmarsch der Roten Armee (1980) finanziert hatten, um Moskau in “seinen Vietnamkrieg“ zu treiben [3a].

Noch 2008 hatte Brzezinski Putin mit Hitler verglichen, sehr zur Freude deutscher Reaktionäre [4]. Brzezinski sprach sich damals während der Georgienkrise für eine dauerhafte Isolierung Russlands aus, ganz i.S. einer an Mackinder orientierten Strategie der Umklammerung des russischen Heartland von der Südflanke her. Das Ausspielen von Islam und China gegen Putin sollte die GUS von zentralasiatischen Ressourcen abschneiden und diese in die Gewalt des US-Unilateralismus bringen. In Brzezinskis letztem großen Buch „The Grant Chessboard“ (1998) ging es um die Kontrolle über Zentralasien, und er phantasierte dort von einer „neuen Seidenstraße“, so Brzezinski-Experte Ritz, geschaffen durch eine ostwärts expandierende EU und eine Nato, die sich Georgien und die Ukraine einverleiben sollte. Bis hin nach China, dem potentiellen Verbündeten gegen das dann fest umklammerte russische Heartland, sollte die anti-russische Zone sich erstrecken. Ein Gürtel aus Handelsrouten, Pipelines, pro-westlichen Staaten und US-Militärbasen würde diese „Seidenstraße“ zum Rückgrat einer neuen Weltordnung unter Führung Washingtons machen.

Die unter Boris Jelzin heruntergewirtschaftete GUS sah Brzezinski damals als gescheiterten Staat, als „schwarzes Loch“ [5]. Russland war für ihn ein geschlagener Staat, der in Armut und Chaos versinken, womöglich sogar einer territorialen Dreiteilung entgegen blicken würde: Ein europäisches Russland wäre von einer sibirischen und einer fernöstlichen Republik abzutrennen. Die USA dagegen sah er als Sieger im Kalten Krieg und für mindestens eine Generation als führende alleinige Supermacht, deren „Kultur“ danach in einem transnationalen System von globalen Konzern- und Finanzverflechtungen weiter existieren könne. Brzezinskis größenwahnsinnige Weltherrschaftsideen stellten dabei für US-Verhältnisse noch die bescheidene Variante des autoritären Machtdenkens dar. Die Neokons, um den Bushclan und seine Öl-, Energie- und Rüstungsmafia herum angesiedelt, beanspruchten dagegen das komplette 21.Jahrhundert, so Ritz, also mindestens drei Generationen,  für die Weltführungsmacht USA. Sie verzierten ihre Ideologie mit einem Glorienschein evangelikaler Prädestinationslehre, doch die Dinge liefen nicht so glatt für die US-Unipolarität, wie sich mancher in Washington es erträumt hatte.

WikiLeaks ruinierte die „Second Chance“

2008 sah Brzezinski die Rolle der USA schon weit weniger enthusiastisch, sprach aber immerhin noch von einer „Second Chance“ für die unipolare Supermacht Amerika. Er ging mit der besinnungslosen Großmannssucht der Neokons hart ins Gericht. Ihre grenzenlose Gier und ihr plumper Imperialismus hätten das Ansehen Amerikas ramponiert und damit verhindert, dass seine, Brzezinskis, Vorhersagen sich hätten in die Tat umsetzen lassen. Der blutige globale Bush-Krieg „gegen den Terror“ hätte die USA in der islamischen Welt zum Satan gemacht und ihre  geopolitische Position dadurch empfindlich geschwächt. Die erfrischende Offenheit seiner Kritik an der Bush-Administration setzt sich 2012 noch drastischer fort:

„…profit-motivated mass media exploites public fears allowing for the demagogically inclined Bush administration to spend eight years remaking the united States into a crusader state. The ‚war on terror‘ became synonymous with foreign policy…“ Brzezinski, Zbigniew: Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power, Basic Books 2012, S.122

Die Lügengebäude, die westliche Medien zur Glorifizierung der Besatzungsregime in Irak und Afghanistan fabrizieren, haben seitdem sogar im westlichen Lager stark an Glaubwürdigkeit verloren, wozu insbesondere Julian Assange mit seinen Enthüllungen auf WikiLeaks beigetragen haben dürfte [6] -was Brzezinski natürlich kaum zugeben dürfte. Die Feindschaft der US-Machteliten gegen Wikileaks hat hier ihren Ursprung und Brzezinski straft die Whistleblower-Plattform auch mit Nichterwähnung –obwohl er die Netzmedien immerhin kurz als Mitauslöser des arabischen Frühlings bzw. eines „political awakenings“ würdigt (S.30f.). Ansonsten firmiert das Internet bei ihm unter „global commons“ (neben Trinkwasser, Umwelt, Ozeanen, Arktis, Weltraum und Atomwaffenkontrolle) und er findet die bisherige Dominanz der USA bei der Verwaltung dieser Commons ganz fabelhaft (S.110ff.).

Gegen die Entwicklung einer Achse Moskau-Peking, so Brzezinski schon 2008,  hätte eine tolpatschige US-Diplomatie zu wenig getan –den Rest gab den USA auch auf dieser Ebene vermutlich, was aber Brzezinski zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte, 2010 die Publikation der US-Depeschen durch WikiLeaks [7]. Wikileaks erwähnt er nicht, spricht aber öfters von der „revolution in communication technology“, die zusammen mit den „youth bulges“, den demographischen Wellen junger Menschen in einigen Ländern, zu explosiven politischen Entwicklungen geführt habe (Strategic Vissions,  S.30).

Wird Brzezinski altersmilde?

Angesichts zahlreicher Rückschläge sieht der „neue Brzezinski“ in seinem neuesten Buch die Washingtoner Weltherrschaftspläne als Makulatur an, auch Obama habe versagt, den US-Amerikanern die Wahrheit über die schrumpfende Bedeutung der USA zu sagen. Er konstatiert die wachsende Schwäche des Westens, der inzwischen unter Führung der USA sogar in eine globale Isolierung zu geraten droht. Das politische Gravitationszentrum der Welt verlagere sich nun von Westen nach Osten. Den Ausweg, den die militaristischen Neocons offenbar anstreben, neue Kriege gegen Iran oder womöglich gegen Nordkorea anzuzetteln, sieht Brzezinski wenig optimistisch: das Image Amerikas und der Nato würde noch weiter leiden, eine Dominanz über China, Russland, Indien, selbst über Brasilien und Mexiko sei so nicht mehr zu erlangen. Die neuen Medien, siehe die tunesische Jasminrevolution, hätten zudem eine Welle von erwachendem politischen Bewusstsein ermöglicht. Ausweg sieht Brzezinski nunmehr nur noch in einer Annäherung Europas an Putins GUS und die Türkei –statt der Umklammerung und Isolierung des russischen Heartland, schlägt Brzezinski also eine Bündnispolitik vor.

Die USA seien heute in der Lage der Sowjetunion der 80er Jahre: Bankrott durch Rüstungswahn und militärische Abenteuer, namentlich Irak und Afghanistan; eine politische Klasse von Privilegierten, die sich nicht ums eigene Volk scheren, folglich sinkender Lebensstandard der Mehrheit und sozialpolitischer Zündstoff; Versuche, von inneren Problemen durch äußere Feinde abzulenken und eine Außenpolitik, die in Isolation zu führen droht. Der globale Legitimitätsverlust westlicher Außenpolitik sei bereits heute weit größer als unsere Medien uns glauben machen, die 500jährige Epoche atlantischer Vorherrschaft ginge zu Ende.

Eine Dominanz Chinas lasse sich nun nur noch durch  eine Strategie der Umzingelung, diesmal mit Hilfe Russlands abwenden. Dank der strategischen Interessen der chinesischen Nachbarstaaten Indien, Japan, GUS sei dies auch sehr gut möglich –Indien etwa blicke bereits mit Sorge auf Pekings Beziehungen zu Pakistan und Sri Lanka. Bei Verlust der US-Position drohe der Welt eine Periode wachsender Instabilität und kriegerischer Konflikte vor allem in den Randbereichen der Großmächte, etwa in Georgien, Ukraine, Afghanistan, Pakistan, Israel, Taiwan und Südkorea.

Brzezinski, Europa und der Ethnorassismus

Europa und die Europäer hat Brzezinski in seinen „Strategic Visions“ nicht wirklich im Blick, kritisiert hauptsächlich ihre mangelnde Fähigkeit zur Überwindung politischer Zerstrittenheit, fordert aber implizit, die Aufnahme der Türkei in die EU endlich voranzutreiben. Die strategische Rolle, die Ankara künftig in Bezug auf die turksprachigen Völker Zentralasiens spielen wird, ist ihm wohlbewusst. Brzezinskis Hauptanliegen ist aber die Warnung vor einem Niedergang der USA, dies würde die instabile Welt, die wir heute erleben, noch chaotischer machen:

„The world needs an America that is economically vital, socially appealing, responsibly powerful, strategically deliberate, internationally respected, and historically enlightened in ist global engagement with the new East.“ (Z.Brzezinski: Strategic Visions, Foreword)

Man könnte sagen, dass Brzezinski jetzt die Folgen jener atlantischen Misere erkannt hat, die Kees van der Pijl knapp drei Dekaden zuvor so analysierte:

„Bowing to the military and monetary exigencies of the Reagan administration’s hard-line unilateralism, their successors have shown themselves incapable of formulating a new comprehensive concept of control adequate to the realities of the post-Atlantic world economy while preserving a minimal degree of imperialist unity.“[8]

Die von van der Pijl kritisierte Konzeptlosigkeit beruhte vielleicht wenigstens teilweise auf einem unterschwelligem Rassismus, der schon früh bei Brzezinski spürbar war. Vorurteile und Rassenwahn sind keine Kennzeichen rationalen Denkens, mithin kaum geeignet, klare strategische Ideen zu entwickeln. Schon als er in den 60er Jahren zusammen mit seinem Kollegen Samuel P. Huntington das Verhältnis von USA und Sowjetunion analysierte, mischten sich ethnorassistische Ressentiments mit elitären Dünkel:

„Die Tatsache, daß die sowjetische Elite von Arbeitern und Bauern abstammt, hat ihrem Verhalten und ihren moralischen Normen den Stempel aufgedrückt. Sie kommt in der Direktheit, Derbheit und gelegentlich sogar Brutalität des offiziellen Sprachgebrauchs im Innern wie gegenüber solchen Ausländern zum Ausdruck, die die sowjetischen Führer mit Feindseligkeit betrachten.“ [9]

Das soziopolitische US-Modell einer Herrschaft der „oberen Mittelschicht“ habe dagegen weder die „Amerikanische Revolution“ noch die „Revolution Jeffersons“ noch die „Revolution Jacksons“ beseitigen können, so das Duo Brzezinski/Huntington [10]. Sie scheuen sich dabei nicht, auf soziologische Analysen von C.Wright Mills zurück zu greifen, die dieser allerdings als Beleg für soziale Verkrustung und mangelhafte Gerechtigkeit der US-Gesellschaft gedacht hatte [11]. Das ficht die Kalten Krieger jedoch wenig an: Hauptsache ist ihnen also im Vergleich USA/UdSSR, dass den schwarzen Sklaven und anderen unterdrückten Minderheiten der USA die derbe Sprache der Offiziellen erspart geblieben ist. Einem nur subtil angedeuteten slawischen Barbarentum steht die stilvolle Diktatur der angelsächsischen Gentlemen gegenüber. Huntington sollte diese muffigen Ideen später zum traurigen Höhepunkt seiner „Kampf der Kulturen“-Ideologie weiterentwickeln, die Washington als ethnorassistische Rechtfertigung seiner unipolaren Weltmachtpolitik dienen durfte.

Kyrill, Byzanz und der Historismus

Ressentiments gegen slawische Völker und Kulturen haben eine lange

Ikone: Kyrill und Method, Apostel der Slawen, Bukarest, 19. Jahrhundert

Tradition, die sich mit einer abschätzigen historischen Bewertung des oströmischen Reiches von Byzanz und sogar der orthodoxen christlichen Kirchen mischt. Jahrhunderte vor dem Anglikanismus entstanden nationale Kirchen in Russland, Albanien, Bulgarien, Griechenland bis nach Syrien und bei den Kopten Afrikas. In populären Darstellungen des Christentums rühmt sich heute der Westen, die römisch-katholische Kirche hätte das Beste der alteuropäischen Großreiche in sich vereinigt: Von den Griechen den Geist, von den Juden den Gott und von den Römern das Recht (oder den Staat). Der orthodoxe Kulturkreis hätte dagegen bei der Teilung der Christenheit nur das Minderwertige abbekommen: Die Dekadenz von Byzanz, eine verlotterte Ostkirche, die auf mystische Heiligenverehrung statt auf stramme Kurie und Kirchenrecht setze, und die kyrillische Schrift.

Dabei vergisst man gern, dass die vom Mönch Kyrill zur Missionierung des Balkans entwickelte Schrift, „ein grässlicher Mischmasch aus verdrehten griechischen Buchstaben und frei erfundenen Zeichen“ [12], immerhin die erste Bibelübersetzung in eine Volkssprache brachte. Erst Luther konnte hier im Westen später anknüpfen –und auch an den vom Papst geächteten Zugang zur persönlichen, mystischen Glaubenserfahrung der „närrischen Christen von Byzanz“ [13]. Als närrische Eigenheiten belächelt die westliche Theologie neben der mystischen Ikonenverehrung die Ablehnung von päpstlicher Unfehlbarkeit, jungfräulicher Empfängnis sowie Fegefeuer und Ablasshandel. Es verwundert kaum, dass ein deutsches „Handbuch der Oekumene“ von der „griechisch-katholisch östlichen Kirche“, abgekürzt als „GOK“ spricht [14] –welchem Bibelkundigen fielen da nicht sofort die teuflischen Völker der Gog und Magog aus der Offenbarung des Johannes ein

In klassisch westlicher Rezeption der Historiker wurde mit dem Begriff Byzanz ein Ressentiment gegenüber „orientalischer Dekadenz“ verbunden. Man fokussierte bereits in der Klassik der Geschichtswissenschaft auf Byzanz als Symbol für den „Zerfall und Untergang des Römischen Reiches“ [15]. Schon bei Gibbon zeigt sich in der Tendenz zum Historismus, zum völligen Eintauchen in die Sichtweise einer Epoche, aber auch die Vernachlässigung übergeordneter Gesichtspunkte [16]. So wurde die ungeheure Kraft des byzantinischen Reiches übersehen, die es tausend Jahre überdauern und dabei Europas Südostflanke schützen ließ. In der Byzantinistik scheint Byzanz heute als eigenständiges historisches Gesamtphänomen eine gewisse Anerkennung zu finden –dennoch bleibt selbst dem westlichen Fachhistoriker eine „Fremdheit“ der byzantinischen Geschichte gegenüber spürbar [17].

Antislawismus von Fallmerayer bis Rosenberg

Mit dem griechischen Geist, den Giganten der Philosophie, Sokrates, Platon, Aristoteles, und natürlich dem Welteroberer Alexander, identifizierte sich der Westen gerne. Dabei blieb nur ein Problem: Byzanz war ein griechisch geprägtes Reich und die Griechen gehören bis heute dem orthodoxen Kulturkreis an. Der österreichische Orientalist und Publizist Jakob Philipp Fallmerayer (1790-1861) löste diesen „Widerspruch“ indem er in seinen Büchern die heutigen Griechen rassisch und kulturell vom klassischen Griechentum trennte.

Bekannt wurde Fallmerayer, der Experte für eine Byzanz-Abspaltung, das

Jakob Philipp Fallmerayer (1790-1861)

anatolische Trapezunt, hauptsächlich durch seine ethnogeografischen Arbeiten. Fallmerayer begleitete den russischen Grafen Alexander Ostermann-Tolstoi 1831-1834 auf dessen Forschungsreisen durch Griechenland und den Vorderen Orient, wohin er ab 1840 und erneut ab 1847 weitere Studienreisen unternahm. Fallmerayer reussierte vor allem mit seiner umstrittenen These, dass die antiken Griechen im Mittelalter ausgestorben und durch hellenisierte Slawen und Albaner verdrängt worden seien.

Fallmerayers Folgerung, die Bevölkerung des griechischen Staates in den Grenzen von 1830 bestünde lediglich aus hellenisierten Slawen und Albanern, empörte auch westliche Philhellenen und Griechen, die sich gegen die osmanische Besatzung auflehnten. Fallmerayers Geschichte der Halbinsel Morea (des griechischen Peloponnes) während des Mittelalters löste 1830 hitzige Kontroversen aus. Darin postulierte er eine Ethnie von blonden, blauäugigen Hellenen im antiken Griechenland und stellte die These auf, dass die antiken arischen Griechen im Mittelalter völlig ausgerottet worden wären:

„Das Geschlecht der Hellenen ist in Europa ausgerottet (…) Denn auch nicht ein Tropfen ächten und ungemischten Hellenenblutes fließet in den Adern der christlichen Bevölkerung des heutigen Griechenlands.“ [18]

Als Publizist schrieb Fallmerayer in der Augsburger Allgemeinen Zeitung meist zu Griechenland und dem mittleren Osten, wobei er stets die russische Bedrohung betonte [19]. So bediente er antirussische Ressentiments ebenso wie K.u.K.-Ambitionen auf dem Balkan, indem er den Zaren bezichtigte, die Weltherrschaft anzustreben. In Westdeutschland und Österreich wurden später Straßen und Schulen nach Fallmerayer benannt, seine Thesen zur Rassenkunde der Griechen wurden von Hitlers Leibhistoriker, Alfred Rosenberg in seinem Buch „Der Mythus des 20.Jahrhunderts“ für seine kruden Rassentheorien verwendet.

Rosenbergs Religion des Blutes scheitert an den Griechen

Alfred Ernst Rosenberg, geboren im russischen Reval 1892, hingerichtet 1946 in Nürnberg, verbreitete eine von russischen Rechtsextremen übernommene Theorie der „jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung“. Demnach hätten die Freimaurer den Weltkrieg und die Juden die Russische Revolution angezettelt und Kapitalismus und Kommunismus seien folglich nur scheinbare Gegner. In Wahrheit handele es sich um eine Zangenbewegung, mit der das „internationale Judentum“ nach der Weltherrschaft strebe.

Rosenberg beruft sich dafür auf antisemitische Thesen bei Dostojewskij und entwirft das Wahnbild einer „jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung“, die wiederum zum Kern von Hitlers Denken wird. Gerüchte über jüdische Familienwurzeln des NS-Ideologen bestätigten sich nicht, scheinbar wurden aber diesbezügliche Akten während der deutschen Besatzungszeit in den Jahren 1941-45 gezielt vernichtet.[20] Rosenberg setzt sich für die Verbreitung der zaristischen Hetzschrift „Protokolle der Weisen von Zion“ ein, wird aber trotz russischer Herkunft zunehmend antirussisch und beeinflusst Hitlers „Mein Kampf“. Während Hitlers Haft 1923 führt er sogar in dessen Auftrag die zeitweilig verbotene NSdAP und bekleidet später höchste Ämter im NS-Staat.

Rosenbergs 1930 publiziertes Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ sollte die Fortsetzung von Houston Stewart Chamberlains Werk „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ sein. Bis 1944 publizierte der NS-Staat eine „Volksauflage“ in über einer Million Exemplaren dieses neben „Mein Kampf“ wichtigsten Buches der Nazi-Ideologie. Hitler soll zwar bekannt haben, Rosenbergs Buch nie ganz gelesen zu haben, da es ihm zu theoretisch war. Aber Himmlers Ideen eines arischen Kultes, den die SS verwirklichen sollte, dürften daraus gespeist worden sein: Eine neue „Religion des Blutes“ sollte laut Rosenberg ein an „jüdischen Einflüssen“ krankendes Christentum ersetzen. Eine neue „Metaphysik der Rasse“ und ihres „kollektiven Willens“ sollte die Religion ablösen –Hitlers „Vorsehung“ könnte hier ihre Inspiration gefunden haben. Die modernen Griechen sah Rosenberg, an Fallmerayer anknüpfend, ihrer ruhmreichen Vorfahren unwürdig, weil die Übermacht des „Vorderasiatentums durch tausend Kanäle einsickerte, Hellas vergiftete und anstelle des Griechen den schwächlichen Levantiner zeugte, der mit den Griechen nur den Namen gemeinsam hat“ [21].

Im Zweiten Weltkrieg versuchte das faschistische Italien den britischen Verbündeten Griechenland vom italienischen Vizekönigreich Albanien aus zu erobern. Mussolinis Invasion wurde jedoch von den sich nicht so schwächlich wie vom NS-Ideologen geglaubt wehrenden Levantinern zurückgeschlagen. Griechische Truppen konnten sogar große Teile Albaniens von den Faschisten befreien und Rom in die Verlegenheit bringen, Hitler um Hilfe bitten zu müssen [22]. Das mit Italien verbündete Deutschland sah sich zum Eingreifen gezwungen und besetzte Griechenland, wobei man zunächst am positiven Griechenbild vieler Deutscher orientiert, den tapferen Griechen Respekt zollte –Hitler selbst soll dem Philhellenentum zugeneigt gewesen sein. Mit wachsendem griechischen Widerstand gewannen aber die rassistischen Thesen Rosenbergs die Oberhand zur Rechtfertigung brutaler Repressionsmaßnahmen.

Was Slawen, Russen und Griechen angeht, schließt Rosenberg an die von Fallmerayer aufgebauten Ressentiments an. Dem NS-Ideologen gleich tun es heute die meisten deutschen Medien –und das, obwohl sonst in der schreibenden Zunft schon banalstes Anknüpfen an NS-Propaganda zum journalistischen Todesurteil genügt, man denke z.B. an jene prominente TV-Frau, die über „Hitlers Autobahnen“ stolperte.

Rosenberg, Brzezinski, Bertelsmann

In deutschen Medien, und zwar beileibe nicht nur im Gossenblatt BILD mit seiner plump-stereotypen Hetzkampagne, wurde versucht, „nach dem Motto ‚2000 Jahre Niedergang‘ ein ganzes Volk diffamierend in die Niederungen politischer und kultureller Barbarei abzuschieben. Das Titelbild des Magazins „Focus“ mit dem Bild der einen Stinkefinger hoch haltenden Venus von Milo und der Zeile daneben ‚Betrüger in der Euro-Familie –bringt uns Griechenland um unser Geld?‘ steht beispielhaft für diesen üblen Hetz-Journalismus.“ so Strohmeyer [23]

Der mediale Rechtspopulismus setzt dabei zwar nicht mehr auf den traditionellen Rassismus des Kolonialismus und Nationalsozialismus, aber auf einen modernisierten Ethno-Rassismus frei nach dem “Kampf der Kulturen” des Brzezinski-Kollegen Samuel Huntington. Die Griechen wurden in diesem Sinne in Deutschland zum Sündenbock für die von der Finanzindustrie verursachten Krise gemacht, so Buckley/Rueger [24].

BILD hetzte am radikalsten gegen Athen, dichtete den in über 200 Artikeln notorisch als „Pleite-Griechen“ verhetzten Hellenen stereotyp Genusssucht, Faulheit und Luxus-Frührenten an. Dies prügelten Schlagzeilen in die deutschen Köpfe, obwohl Statistiker belegten, dass Griechen im Schnitt nicht jünger in den Ruhestand gehen als Deutsche, aber viel weniger Rente erhalten.  In einem alarmistischen Krisentitel „Akropolis adieu! Warum Griechenland jetzt den Euro verlassen muss“ (Nr.20, 14.05.2012) verband der SPIEGEL die drohende Euro-Apokalypse mit einer digitalen Schändung des Nationalheiligtums der Hellenen. Das Titelblatt erregte großes Aufsehen bis nach Athen und wurde dort als Affront, als Erpressung mit einem Rauswurf aus Europa verstanden. So war es wohl auch gemeint und in den Formulierungen mehr als angedeutet.

Das nächste Heft (Nr.21, 21.5.2012, S.146) warf  in der Rubrik „Rückspiegel“ einen befriedigten Blick auf Reaktionen der griechischen Presse, die Tageszeitung Ta Nea habe dazu geschrieben: „Nach den chaotischen Wahlergebnissen will uns jetzt auch der SPIEGEL, das große deutsche Nachrichtenmagazin, aus dem Euro werfen.“ Das griechische Blatt To Ethnos schreibe zum selben Thema: „Der SPIEGEL zerlegt die Akropolis, das ist anmaßend“ und das Netzmagazin Tsantiri: „Der Terrorismus der Geldgeber geht weiter, der SPIEGEL verabschiedet Griechenland aus der Euro-Zone. Dafür zertrümmert er die Akropolis…“.

Im SPIEGEL Nr.21/2012 schlugen noch zwei weitere Artikel auf Athen ein, speziell auf den Linken-Chef Alexis Tsipras: „Griechenland: Kranke Verhältnisse“ und „Zweifelhafte Nothilfe“ (für Athens „Zombiebanken“); im SPIEGEL Nr.22 wird dann Tsipras selbst einem Interview bzw. Verhör unterzogen, SPIEGEL Nr.23 lässt den konservativen „Vom Unglück ein Grieche zu sein“-Bestsellerautor Dimou über die kranke Seele der Hellenen schwadronieren, und wie er sich vom Akropolis-Schändungs-Titel des SPIEGEL aus Europa rausgeworfen fühlte. Auch das letzte Heft vor der Athener Wahl am 17.6.2012, SPIEGEL Nr.24, trat im Stil von BILD noch einmal kräftig nach –wenn auch nur durch seine Feuilletonistin: Unter der Überschrift „Das Blut der Erde“ erfahren SPIEGEL-Leser, Deutsche „verachten griechischen Wein. Sein Ruf ist wie der des Landes.“ (S.48)

Selten haben sich die deutschen Medien so deutlich bemüht, in den Wahlkampf eines anderen europäischen Landes einzugreifen. Die Mühe des Flaggschiffes der mächtigen Bertelsmann-Medienflotte trug für die Griechen bittere Früchte: Tsipras wurde um seinen Sieg betrogen, die Konservativen stellten die Regierung. Seither wird das Spardiktat der EU-Kommissare, die Berlins Austeritätspolitik exekutieren, fortgesetzt. Die Bertelsmann-Linie, Athen aus dem Euro zu drängen, wird seither von Politikern der Bundesregierung weiter propagiert, zum Nutzen und Frommen der Finanzindustrie. Sogar der alles andere als sozialistisch gesinnte Luxemburger Jean Claude Juncker hat inzwischen die deutsche Politik, insbesondere die FDP, aufgefordert, die respektlose antigriechische Kampagne einzustellen und an das drohende Schicksal der griechischen Bevölkerung zu denken. Anders als in der SPIEGEL-Titelstory „Akropolis adieu!“ im Mai wahrheitswidrig behauptet, wäre eine Rückkehr zur Drachme für die Hellenen keineswegs mit einer Sicherung ihrer Lebensgrundlagen verbunden [25].

Vielmehr droht einem wachsenden Teil der Griechen Arbeitslosigkeit und Elend, während selbst ehedem liberale Medien sich in Deutschland im Sinne antislawisch-antirussischer Ressentiments betätigen. Die Verwicklung führender Großbanken in die Erzeugung der desolaten Lage Athens wird dabei selbstverständlich von keinem der Mainstream-Medien erwähnt [26].  Wenn die USA sich mit Brzezinski von antislwawischen Ressentiments lösen, könnte es auch deutschen Medien erschwert werden, diese alten Stereotype weiterhin auf das orthodoxe Griechenland auszudehnen.

Seltsam genug ist, dass ein Pentagon-Ideologe wie Brzezinski sich zu einem Umdenken in der russischen Frage durchgerungen hat, und dass der Chefpolitiker der dreistesten Steueroase der Europäischen Union heute Fürbitte für die Griechen gegen ein gnadenloses Berlin leistet. Vielleicht können wir tatsächlich bald einem geopolitischen Umschwenken der USA gegen über Putins GUS entgegensehen, Brzezinski hat mehr als einmal dem strategischen Denken Washingtons seinen Stempel aufgeprägt. Wenn Wikileaks einen Beitrag zur Schwächung der bisherigen antirussischen Linie der US-Ideologen geleistet hat, wäre dies auch eine Erklärung für die Stärkung von Assange durch das Moskauer Fernsehen. Von Seiten der angelsächsischen Politik hätte Wikileaks wohl dennoch keine Milde zu erwarten [27].

Anmerkungen

[1] Brzezinski, Zbigniew: Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power, Basic Books 2012; vgl. Ritz, Hauke: Warum der Westen Russland braucht -Die erstaunliche Wandlung des Zbigniew Brzezinski, Blaetter Juli 2012, http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/juli/warum-der-westen-russland-braucht

[2] Ritz, Hauke: Warum der Westen Russland braucht -Die erstaunliche Wandlung des Zbigniew Brzezinski, Blaetter Juli 2012, http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/juli/warum-der-westen-russland-braucht

[3] Mackinder, Halford John: The Geographical Pivot of History, The Geographical Journal, Jg. 23 (1904), Nr. 4, zit. n. Buckley, Michel: Die Ukraine als geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, The Heartland Blog (2012)

[3a] Brzezinski-Interview: „How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen“, Le Nouvel Observateur, 15.1.1998.

[4] Brzezinski, Zbigniew: Russlands Vorgehen ähnelt dem von Hitler, Welt Online 11.8.2008, http://www.welt.de/politik/article2296378/Russlands-Vorgehen-aehnelt-dem-von-Hitler.html

[5] Brzezinski, Zbigniew: Die einzige Weltmacht –Amerikas Strategien der Vorherrschaft, Berlin 1997, S.180, zit.n. Ritz 2012

[6] Rueger, Gerd R.: Julian Assange –Die Zerstörung von Wikileaks, Hamburg 2010, S.5ff.

[7] Rueger ebenda, S.42 ff.

[8] Pijl , Kees van der: The Making of an Atlantic Ruling Class, (Epilogue: From Trilateralism to Unilateralism) Seite 272, First published in London by Verso, 1984, published by http://www.theglobalsite.ac.uk, 2004, http://www.theglobalsite.ac.uk/atlanticrulingclass/

[9] Brzezinski, Z. u. Samuel P. Huntington: Politische Macht: USA/UdSSR. Ein Vergleich, Köln/Berlin 1966, S.158f.

[10] Brzezinski/Huntington ebd. S.155.

[11] Mills, C. Wright: The Power Elite, New York 1956, S.400 ff.

[12] Zitelmann, Arnulf: Die Geschichte der Christen, Weinheim/Basel 2009, S.111.

[13] Zitelmann ebd. S.82.

[14] Littell, F.H. u. H.H.Walz: Weltkirchenlexikon. Handbuch der Ökumene, Stuttgart 1960, Sp.1084 ff.

[15] Gibbon, E., The History of the Decline and Fall of the Roman Empire, London 1788/1900.

[16] Schuller, Wolfgang: Einführung in die Geschichte des Altertums, Stuttgart 1994, S.44f.

[17] Maier, Franz Georg: Byzanz, Augsburg 1998, S.13.

[18] Fallmerayer, Jakob P.: Geschichte der Halbinsel Morea während des Mittelalters, Stuttgart 1930, S.IIIf.

[19] Kollautz, Arnulf, „Fallmerayer, Jakob Philipp“, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 19 f. (online verfügbar: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118685996.html)

[20] Piper, Ernst: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe, München 2005, S. 22 f.

[21] Rosenberg, Alfred: Der Mythus des 20.Jahrhunderts, München 1935, S.50.

[22] Vgl. Noack, David X.: Griechenland im Spiegel von Großmachtinteressen und Globaler Politischer Ökonomie, The Heartland Blog.

[23] Strohmeyer, Arn: Deutsche und Griechen –das ewige Missverständnis? http://vm2000.net/60/weiteres/griechenland.html

[24] Buckley, Michel und Gerd R. Rueger: Der reaktionäre Geist des Griechen-Bashings, Le Bohemien (16.4.2012), http://le-bohemien.net/2012/04/16/sturm-auf-die-akropolis/#more-8929

[25] Rueger, Gerd R.: „Akropolis adieu!“ Bertelsmann droht Athen mit Militärputsch, Jasminrevolution (22.6.2012), https://jasminrevolution.wordpress.com/2012/06/22/spiegel-schandet-nationalheiligtum-der-griechen/

[26] Vgl. Rueger, Gerd R.: Die Wurzeln der Euro-Krise: Goldman Sachs versus Griechenland, Le Bohemien (24.5.2012), http://le-bohemien.net/2012/05/24/die-wurzeln-der-euro-krise/#more-10754

[27] Vgl. Rueger, Gerd R.: Kampagne gegen WikiLeaks? Die TV-Dokumentation “WikiLeaks – Geheimnisse und Lügen”, Berliner Gazette (14.4.2012), http://berlinergazette.de/tv-doku-wikileaks-the-guardian/#more-29944

Quellenverzeichnis

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