Mainstream-Medien manipulierten Griechenland-Berichterstattung

Theodor Marloth

Jetzt hat es auch die gewerkschaftsnahe OBS begriffen: Deutsche Mainstream-Medien machten Propaganda gegen die Griechen und für die Bankster mit ihrem Finanzputsch 2011. Griechenland kämpfte 2011 verzweifelt gegen den Terror der Finanzmärkte: Massive finanzielle Einschnitte bei den Menschenrechten auf Bildung, Freiheit, Gesundheit; totalitär diktierte Lohnsenkungen; Preisexplosion via Mehrwertsteuer, bei weiterhin mit Samthandschuhen gehätschelter Geldelite. Die deutschen Medien standen mehrheitlich stramm an der Seite der terrorisierenden Finanzmacht (Bilderberger & Co.), etwa wenn sie verbal auf streikende „Pleite-Griechen“ (BILD) einschlugen. Aber auch sogenannte Qualitätsmedien nebst Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten machten mit beim Griechen-Bashing der Banken- und Euro-Krise.

Weder neutral noch ausgewogen, aber mangelhaft in der analytischen Qualität: Das ist das Ergebnis einer neuveröffentlichten Studie der Otto Brenner Stiftung (OBS) über die Berichterstattung von ARD und ZDF zur Griechenland-Krise. Damit wird deutlich, was bereits voran gegangene Untersuchungen belegten: Die Berichterstattung der großen Medien zu Griechenland weist -bis heute!- eine Tendenz zur Propaganda auf. Mainstreamer nahmen aggressiv Partei gegen Athen, insbesondere gegen Tsipras und Varufakis, aber für die Banken, für deutsche Kapitalinteressen, aber auch für Goldman Sachs (vgl. z.B. Deutsche Hetzmedien dichten Syriza Korruption an).

Die Öffentlich-Rechtlichen haben rasch auf die Studie reagiert, etwa der DLF am letzten Samstag, der einen ARD-Bonzen von kritischen Nachfragen unbehelligt sein selbstgerechtes Statement ins Mikrofon näseln ließ. Trotzreaktion der Sendeanstalten: Die Kritik ist nicht berechtigt. Wir haben sauber berichtet. Wenigstens können sie bei der OBS nicht, wie gegen die Kritik im Internet, z.B. hier bei uns seit 2011, auf taube Ohren schalten bzw. mit „Igitt Pegida!“-Parolen auf angeblich nur „Pöbeleien“ im Netz verweisen.

„Aufgrund der festgestellten Verfehlungen bei zentralen Qualitätskriterien müssen sich die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen fragen lassen, ob sie immer ihrem gesetzlichen Auftrag nachkommen und ihrem journalistischen Anspruch gerecht werden.“ Studie der Otto-Brenner-Stiftung

So fassen die Autoren der Studie „Die Griechen provozieren!“ – Die öffentlich-rechtliche Berichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise der Otto Brenner Stiftung ihre Arbeit zusammen -recht milde gehen die OBS-Gewerkschafter mit den Kollegen Journalisten da um, wenn man berechtigte Kritik im Netz dagegen hält: Presselügen gegen Tsipras oder Deutsche Medien: Dauer-Shitstorm gegen Athen. Man war bei der OBS wohl zu Harmoniebedürftig, um Klartext zu reden. Dass selbst die milde OBS-Kritik den Fernsehsendern ARD und ZDF nicht gefällt, hätten wir auch ohne die von unseren Rundfunkgebühren tausendfach gesendete platte Abwiegelei gewusst, mit der man immerhin meinte die Studie niederbügeln zu müssen. Immer noch sehen sich ARD- und ZDF-Bonzen, aber auch ihre Mitarbeiter, als über jede Kritik erhaben -wie fachkompetent und unabweisbar die gesammelten Beweise auch sein mögen. Die pure Arroganz der Macht ist wohl bei kaum einer Elite im Land so groß wie bei den Damen und Herren Journalisten. Das betrifft nicht nur die zu Bedürfnisanstalten der Herrschaftselite verkommenen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, sondern z.B. auch die bei uns oft kritisierte Zeitung SZ, Fachblatt für militaristische Transatlantiker wie Stefan Kornelius, den Helden von Kiew und Damaskus, Vorkämpfer gegen Putin im Dienste der Heiligen Nato. Auch gegen Griechen trommelte die SZ, wie jetzt wissenschaftlich bewiesen wurde:

Die Leiterin des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS), Margarete Jäger, und ihre Kollegin Regina Wamper, haben die Kommentare der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu Griechenland über sechs Monate analysiert – Ergebnis: Die SZ-Kommentatoren beruhen auf einer bestimmten „Hintergrundfolie“. Das Heißt im Klartext: Sie sind von einer neoliberalen Ideologie geprägt, die von der SZ vertretenen Meinungen orientieren sich stark am Mainstream, wie von der Machtelite hierzulande, wie telepolis/heise berichteten: „Die SZ folgt dem technokratischen Herangehen der politischen Akteure“.

So zahm kann man es auch ausdrücken. Wir berichteten im Vorfeld der Bilderberg-Konferenz vom 11.-14.Juni 2015 über die deutsche Medien-Treibjagd auf Tsipras. Athen hatte seine IWF-Zahlung noch einmal verzögern können, doch die deutschen Medien kannten keine Gnade. Der Bilderberger-Darling Stefan Kornelius durfte auf S.1 der edlen Bilderberger-Postille SZ die Troika-Forderung verkünden: „Athen soll fünf Milliarden Euro einsparen“! Dann stellt sich der Transatlantiker Kornelius stramm vor Angela Merkel: Es sei nicht Deutschland, das hier gnadenlos stur auf Regeln pocht. Alle die anderen sind es: Italiener, Spanier, Portugiesen!

Doch nicht nur die Gegenöffentlichkeit im Netz kritisiert seit Jahren den deutschen Medien-Mainstream als unfähig, rückgratlos und tendenziös. Auch angesehene, konservative Medien in Nachbarländern mokieren sich über die sich selbst gleichschaltende deutsche Journaille, etwa die Neue Zürcher Zeitung (NZZ): Die stramm-rechtskonservative Schweizer Wirtschaftszeitung NZZ kritisierte die deutsche Medienhetze gegen Athen, warf Günther Jauch (ARD-Talkmaster) „übelsten Kampagnenjournalismus“ vor, und stellte sich damit schützend vor eine sozialistische (!!) Regierung -ein vermutlich einmaliges Ereignis in der europäischen Mediengeschichte. Klar, dass weder Jauch noch andere selbsternannte „Qualitätsjournalisten“ zur NZZ Stellung nahmen. Sie hoffen einfach auf das mediale Hinterwäldlertum ihrer internetscheuen Stammkunden und leugnen verbissen jede Verfehlung.

Was müssen die Berliner Machteliten für eine Angst haben, was muss die deutsche Wirtschaft und ihre Presse für Leichen im Keller haben, dass sie so panisch, brutalisiert und letztlich auch leicht durchschaubar verlogen reagiert? Diese Frage sollte uns umtreiben. Und die Frage, ob man solche Schreiber und Talker, die bei derartigen Kampagnen unkritisch mitmachen, noch Journalisten nennen kann. Die folgende Meldung ist beachtlich, weil sie bislang keine Resonanz in Medien fand, die bei gleichen Vorgängen, aber anderen Akteuren voller Schmalz-und-Tränen-Artikel wären:

Was deutsche Hetzmedien lieber verschweigen

Seit Sonntag ist bekannt, dass Alexis Tsipras bei seiner Reise zum EU-Gipfel nach Brüssel nicht aus  reiner Sparsamkeit mit dem Linienflieger in Economy reiste -es diente auch sozialer Nothilfe für die Schwächsten der Gesellschaft: Krebskranke Kinder. Der staatliche Jet des Premierministers hatte den anderen Einsatzbefehl erhalten, die zwölfjährige Despoina von Athen nach Hannover zu fliegen. Despoina ist weder reich noch berühmt, aber sie muss wegen einer ernsten Krebserkrankung in Hannover operiert werden. Das griechische Gesundheitswesen hat die korrupte Regierung von Schäubles und Gabriels Schwesterparteien ins Elend gespart, viele Menschen sind deswegen schon vorzeitig gestorben. Die Hilfsorganisation „To Chamogelo tou Paidiou“ hatte bei Tsipras um Hilfe für den komplizierten Transport gefragt. Tsipras überließ ihnen seinen Jet, unterließ es jedoch sich damit in den Medien zu brüsten -und eigene Recherche  haben deutsche Mainstream-Edelfedern ja nicht nötig, bevor sie einen fremden Politiker begeifern. So meldete damals lediglich die Seite der Hilfsorganisation etwas darüber während ARD&ZDF, BILD bis SPIEGEL ihre Hetzphrasen droschen, derer manche rassistisch aufgepeitschte Leser und Zuschauer scheinbar nicht überdrüssig werden.

Reblogged: Demokratur

Interviewer: Jens Wernicke

Die Eliten im Lande diskutieren bereits seit Jahren über Sinn und Unsinn, die Vor- und Nachteile der Demokratie. Die Fesseln der Demokratie werden ihnen zunehmend lästig. Wer aber sind diese „Eliten“? Wie organisieren und exekutieren sie ihre Macht? Und wie erreichen sie es, dass es so wenig Gegenwehr gegen immer weiteren Sozialabbau, Entsolidarisierung und Entdemokratisierung gibt? Zu diesen Fragen sprach Jens Wernicke mit dem Autor und Journalisten Marcus Klöckner, dessen Buch „Wie Eliten Macht organisieren: Bilderberg & Co.: Lobbying, Think Tanks und Mediennetzwerke“ soeben erschien. (VSA-Verlag, Hamburg)

-Herr Klöckner, wir verdanken Ihnen nicht nur wunderbare Telepolis-Artikel zum Vertrauensverlust in die Medien und den Gründen hierfür; gerade erschien auch noch das Buch „Wie Eliten Macht organisieren: Bilderberg & Co.: Lobbying, Think Tanks und Mediennetzwerke“, dessen Mitherausgeber Sie sind. Warum dieses Buch? Was treibt Sie an?

Da gibt es mehrere Gründe. Der Aufhänger für das Buch ist, dass es in diesem Jahr genau 60 Jahre her ist, seitdem die Soziologie mit der Theorie der Machtelite bereichert wurde. Es war nämlich im Jahr 1956, als der Soziologe Charles Wright Mills ein Buch mit dem bezeichnenden Titel „The Power Elite“, das in Deutschland zu Beginn der 60er Jahre unter dem Titel „Die amerikanische Machtelite“ veröffentlicht wurde, herausbrachte.

In dem Buch hat Mills etwas getan, was ein guter Soziologe geradezu tun muss und was leider ziemlich selten geworden ist: Er hat ganz grundlegende „Wahrheiten“ kritisch hinterfragt und ist nicht davor zurückgeschreckt, Antworten zu geben, die feste an dem politischen Wirklichkeitsverständnis von so manchem Zeitgenossen gerüttelt haben.

Sein besonderes Interesse galt dabei der Frage, ob die demokratischen Strukturen in den USA auch tatsächlich in der Praxis, also faktisch funktionieren, oder ob es nicht vielmehr so ist, dass es zwar eine demokratische Oberfläche gibt, sich hinter dieser aber längst Netzwerke gebildet haben, denen es gelingt, den demokratischen Gedanken immer weiter zu unterlaufen.

Das Ergebnis von Mills‘ Forschung war die bereits erwähnte Machtelitentheorie. Demnach geht Mills davon aus, dass es Akteure gibt, die unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gruppen angehören und zusammen ein komplexes Gebilde formen.

Mills erkannte: Diese Akteure, die aufgrund ihres Status und ihrer Vernetzung eine Machtelite bilden, sind in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die sich mindestens auf nationaler Ebene bewegen. Anders gesagt: Der Soziologe hat herausgearbeitet, dass es in der amerikanischen Gesellschaft Akteure gibt, die sich quasi von den „normalen“ Reichen und Mächtigen noch weiter abgesetzt haben und über eine enorme Struktursetzungsmacht verfügen.

Hans Jürgen Krysmanski: Machtstrukturen

Da die Machtstrukturforschung insbesondere innerhalb der Soziologie in Deutschland eher am Rande vegetiert, haben wir uns entschlossen, dieses Buch herauszugeben: Eine kritische Machtstrukturforschung ist für eine Demokratie sehr wichtig, da sie in der Lage ist, Bruchstellen im demokratischen Gefüge aufzuzeigen und die Ursachen für diese zu benennen. Wenn Sie so wollen, ist der Antrieb für das Buch also ein sehr demokratischer.

-Was verstehen Sie denn unter „Eliten“ und warum ist ein Blick auf diese und ihre Macht wichtig in einer parlamentarischen Demokratie?

In der Elitenforschung gibt es eine ganze Reihe von Ansätzen, mit denen sich das Phänomen von Eliten erfassen lässt. Ohne darauf jetzt näher einzugehen: Das Elitesein dreht sich vor allem um die Pole Einfluss und Position. Wer in den zentralen gesellschaftlichen Teilbereichen wie zum Beispiel Politik, Wirtschaft, Militär usw. eine besonders hervorgehobene Position hat, also „weit oben“ steht, gehört in gewisser Weise zur Elite oder, wenn Sie so wollen, zur „Spitze“ eines Landes. Und, je nach Positionierung, damit geht auch die Möglichkeit einher, Einfluss auszuüben – und zwar Einfluss, der größer und weitreichender ist, als es denjenigen Menschen möglich ist, die weiter unten stehen.

Um auf den Punkt zu kommen: Wenn jemand Einfluss ausübt, ist es wichtig, genau hinzuschauen und zu fragen: Welchen Einfluss übt er oder sie aus? Wie sieht dieser aus? Was sind seine oder ihre Motivationslagen? Warum lässt diese Person ihren Einfluss in die eine, aber nicht in die andere Richtung wirken, um es einfach auszudrücken? Und mit diesen Gedanken kommen wir dann auch zu der Frage, warum eine demokratische Gesellschaft den analytischen Blick auf ihre Eliten nicht scheuen sollte. Wer nämlich verstehen will, warum Politik so ausfällt, wie sie dies tut, muss sich auch mit denen auseinandersetzen, die direkt oder indirekt im Land die Weichen stellen, die mächtiger als andere sind.

Stellen Sie sich nur einmal vor, was wäre, wenn plötzlich über Nacht in den Parlamenten und an den anderen Schaltstellen der Macht nur die Armen und Ärmsten sitzen würden. Hätten wir dann nicht schlagartig eine andere – ich will erstmal gar nicht sagen: eine „bessere“, aber eben doch eine andere – Politik? Von daher: Wer oben steht, wer in der Lage ist, weitreichende Entscheidungen zu treffen, die die Bürger betreffen, das ist von zentraler Bedeutung für ein Land und seine Gesellschaft.

-Wie kommt es denn, dass die in den Parlamenten sitzenden Politiker kaum je die Interesse der Armen vertreten, obwohl es sich um einen bedeutenden Bevölkerungsanteil handelt?

Dafür gibt es viele Ursachen. Grundlegend scheint mir: Der Umgang mit den Armen in unserem Land ist oftmals gekennzeichnet von offener oder heimlicher Verachtung und Ausgrenzung; und das zieht sich von da eben auch bis in die Parlamente. Ich möchte gar nicht wissen, wie weit die klassistischen Ressentiments gegenüber den Prekären in unserer Gesellschaft bei so manchem Abgeordneten gehen.

Der im Parlament vorhandene Blick auf die Armen und das Phänomen der Armut lässt es insofern erst gar nicht zu, dass politische Mehrheiten entstehen, die tatsächlich zu Entscheidungen führen, die den unteren Schichten, den Schwachen, den Armen, zugutekommen: Grundlegende Strukturveränderungen, die auch einmal den Armen richtig in die Karten spielen würden, lassen sich mit einem Parlament, dessen Mitglieder in ihren Entscheidungen oft genug ein Verhalten erkennen lassen, das von alles anderem als Sympathie für die Armen geprägt ist, einfach nicht durchsetzen.

Eine Politik, die den Armen in unserem Land richtig hilft, ist einfach „nicht sexy“. Mit solch einer Politik würden viele Parlamentarier auf Ablehnung bei genau den Schichten und Klassen in der Gesellschaft stoßen, die ihnen ihre Stimme geben und von denen natürlich auch die größten Spenden und maßgeblichste politische Unterstützung zu erwarten sind. Das ist bitter, aber so ist es. Der Kreis zwischen Teilen der Bevölkerung, die den Armen am liebsten noch weniger zukommen lassen möchte, und einer Politik, die Veränderungen herbeiführen könnte, es aber nicht will, schließt sich.

-Ist das womöglich einer der Gründe für die vielzitierte „Politikverdrossenheit“: dass die „normalen Menschen“ längst bemerkt haben, dass es „denen da oben“ ohnehin nicht um sie geht? Will sagen: dass es im neoliberalen Parteienkarussell fast schon egal ist, wen man wählt; die große Politik unterstützt ja doch stets die Reichen und Mächtigen auf Kosten der anderen 99 Prozent?

Über die sogenannte Politikverdrossenheit wurde ja schon viel diskutiert. Wir erwähnen den Begriff in unserem Buch auch, aber ich muss sagen, dass ich ihn nicht sonderlich mag, weil er ein gesellschaftliches Phänomen zwar erkennt, es aber falsch benennt.

Wenn wir von einer „Verdrossenheit“ reden, dann heißt das, dass Menschen, Bürger und letztlich Wähler einen Mangel an Interesse an der Politik haben. Aber das sehe ich nicht so. Zu beobachten ist vielmehr, dass es sehr wohl ein Interesse an der Politik gibt, aber viele Menschen erkennen, dass zentrale politische Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden und Politik nicht für, sondern gegen sie gemacht wird.

Mein Eindruck: Ein nicht geringer Teil der Bürger beobachtet die Politik sehr genau, diskutiert über sie, macht sich auch seine Gedanken. Aber gleichzeitig weigern diese Menschen sich, sich in den vorgegebenen politischen Strukturen einzubringen, weil sie realistisch abschätzen können: Ihre Stimme ist dort im Hinblick auf ihre politischen Interessen, ihre Wünsche und Hoffnungen nahezu bedeutungslos.

Reden Sie nur einmal in Ruhe mit den Armen und Ärmsten in unserem Land. Man läge sehr falsch, wenn man diesen Menschen zuschreiben würde, dass sie sich nicht für Politik interessieren. Sie wissen nur genau: Wen auch immer sie wählen, auf absehbare Zeit wird es nicht zu einer Politik kommen, die sich ihrer annimmt.

 

Wodurch ist die Macht der Eliten über uns alle und über die gesellschaftlich vorherrschende Ideologie denn so immens groß?

Eine einfache Antwort lautet: Die Strukturen in unserer Gesellschaft sind von vorneherein so ausgelegt, dass sie diejenigen, die „oben“ stehen, begünstigen und diejenigen, die unten stehen, benachteiligen. Das zeigt sich im Kleinen wie im Großen, allerorts.

Der Handlungsradius einer alleinerziehenden Mutter, die von Sozialhilfe lebt, ist beispielsweise um ein Vielfaches geringer, als jener einer Familie aus der Oberschicht. Die einen verfügen über reichlich ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital, wie der französische Soziologe Bourdieu das einmal gut analysiert und aufgeschlüsselt hat, die anderen leben von der Hand in den Mund und verfügen weder über Geld noch über die Möglichkeiten und Fähigkeiten, öffentliche Diskurse zu steuern.

Man muss sich einfach einmal vorstellen, wie umfangreich die verschiedenen Kapitalarten bei den Eliten und Machteliten sind. Dann wird einem schlagartig klar, über welchen Handlungsradius der Präsident der Vereinigten Staaten, der Direktor der NSA, der Chef von Google sowie die Multimillionäre und Multimilliardäre mit ihren großen Konzernen verfügen. Und nun stelle man sich vor, was passiert, wenn auch nur einige von ihnen ihre Kräfte bündeln und ein Projekt, von dem sie überzeugt sind, gemeinsam anstoßen.

Hinter solch einem „Anstoß“ steht eine geballte Wucht – an wie gesagt: Kontakten, Geld, Einfluss, der Fähigkeit, das öffentliche Bewusstsein zu beeinflussen und Diskurse zu steuern, Themen zu setzen etc. -, dass er unglaublich viel in Bewegung zu setzen und verändern vermag. Und, ja: Auch viel mehr Wucht als es der Fall wäre, wenn selbst eine große Anzahl von Armen und denen, die für diese ihre Stimmen erheben, etwas in Bewegung setzen wollten.

Alles in allem ist die Macht der Eliten, die sich in unserer Gesellschaft, in unserem System immer wieder bemerkbar macht, so allumfassend, dass sich den Strukturen und den Ideologien, die sie hervorbringt, nichts wirklich entziehen kann. Stellen Sie sich einfach ein Fußballspiel vor zwischen den Spielern eines Spitzenfußballclubs und elf durchschnittlichen Menschen, also Männer, Frauen, Kinder, die allesamt vielleicht bestenfalls einmal an einen Ball getreten haben. Wer wird dieses Spiel dominieren? Wer wird die entscheidenden Akzente setzen? Wer wird als Gewinner vom Platz gehen? Wobei das noch ein sehr freundliches Bild ist…

 

Da haben Sie recht. Mir käme im Sinne Warren Buffets, der von einem „Krieg“ der Reichen gegen die Armen spricht, auch eher eine bellizistische Metapher in den Sinn. Etwa ein Kampf um sehr wohl auch Leben oder Tod, in dem die einen über Massenvernichtungswaffen, Panzer und Drohnen verfügen und die anderen über Stöcke und Steine… Aber gut; das ist sicher schon sehr schwarzmalerisch. – Können Sie denn sagen, wie es diese „Eliten“, diese Wenigen immer wieder schaffen, ihre Partikular- und Profitinteressen als „Gemeinwohl“ auszugeben, unabhängig davon, wie viele Menschen hierdurch Schaden erleiden? Vielleicht haben Sie ja ein oder zwei konkrete Beispiele für derlei „Machtdurchsetzungen“ parat…

Nehmen wir doch einfach die sozialpolitischen „Veränderungen“, welche die SPD und die Grünen unter der Führung von Gerhard Schröder durchgezogen haben. Das, was da vonseiten der Eliten als „Reformen“ bezeichnet wurde, diese brutalen Einschnitte in den Sozialstaat und den Arbeitsmarkt, zeitigt seine verheerenden Wirkungen ja bis heute; sie haben das gesellschaftliche Gefüge nachhaltig und schwer in Mitleidenschaft gezogen.

-Etwas, worauf Albrecht Müller in „Die Reformlüge“ ja bereits frühzeitig hingewiesen hat…

So ist es. An der Art und Weise, wie der Begriff „Reformen“ in den vergangenen Jahren in der Politik verwendet wurde, ist deutlich zu erkennen, dass die Macht der Elite bis tief in die Sprache hinein vordringen kann.

Wer von den „normalen“ Bürgern verfügt über die Möglichkeit, einen so gewichtigen und positiv besetzten Begriff wie den der Reformen aufzugreifen und darunter eine Politik zu verkaufen, die das genaue Gegenteil von dem ist, was der Begriff eigentlich inhaltlich transportiert? Herrschaft bedient sich der Sprache. Das war schon immer so.

In George Orwells „1984“ wird deutlich, dass Herrschaft so weit in die Sprache eindringen kann, dass sie, sozusagen, aus Krieg Frieden werden lässt. Das ist ein extremes Beispiel, aber außerhalb der Orwellschen Dystopie bestimmen die Mächtigen durch Sprache, durch die Kraft der Benennung, über die sie aufgrund ihrer Position und ihres Einflusses verfügen, wie „die Dinge“ zu sehen sind. Es gab eine Zeit, da bedeutete „Reformen“ Demokratisierung, Versuche, die Lebensbedingungen der Menschen im Land zu verbessern, aus etwas, das alt und schlecht war, etwas Neues, tatsächlich für viele Menschen Besseres zu machen.

Und das ist auch das, was die Menschen normalerweise unter Reformen verstehen. Auf diese positiven Erwartungen, die in den Köpfen und Herzen der Bürger waren, haben die Eliten gesetzt. Die neoliberalen Strategen wussten, wie wichtig der Reformbegriff war, um eine Politik mit weitreichenden negativen Folgen durchziehen zu können, die sich bis in die Fundamente unseres Staates fressen würde.

Wenn man die politische Situation heute im Land sieht, wenn man sieht, wie die große Volkspartei SPD in Umfragen Mühe hat, die 20 Prozent zu halten, wenn man sieht, wie sich plötzlich „Außenseiterparteien“ formieren und es quasi aus dem Stand in die Parlamente schaffen, dann hat das auch sehr viel mit einer völlig fehlgeleiteten Politik der Eliten zu tun, die seit vielen Jahren ihre Wirkung entfaltet.

-In der Psychologie gibt diesbezüglich ja beispielsweise das Konzept der sogenannten „Täter-Opfer-Umkehr“, das heißt, die Opfer werden zu Tätern und die Täter zu Opfern erklärt, es wird mit Schuldgefühlen hantiert, und Tatsachen in ihr Gegenteil verkehrt…

Das erleben wir doch auf der gesellschaftspolitischen Ebene genauso. Die, die erkennen, was die verfehlte Sozial- und Arbeitsmarktpolitik anrichtet und nicht mit in den Chor der „Reformer“ einstimmen, werden als „Reformverweigerer“ oder als „Blockierer“ bezeichnet. Der herrschende Diskurs versucht so, die kritischen Stimmen auszuschließen und ins Abseits zu stellen.

-Aber geschieht nicht Ähnliches auch durch die Hartz IV-Ideologie und viele weitere Mythen, Legenden und Verdrehungen im öffentlichen Diskurs? Nimmt man nicht beispielsweise diejenigen, die nicht mehr gebraucht werden, nicht mehr verwertbar, weil etwa krank oder anderes sind, und verunglimpft sie als „Sozialschmarotzer“, „faul“, „Simulanten“, „Leistungsverweigerer“ und vieles mehr, um sie hierdurch als amoralische Täter an der Gesellschaft abstempeln zu können, was schließlich Sanktionen gegen sie legitimiert? Hier erfolgt doch auch jene „Benennung“, die sie erwähnt haben, oder?

Ja natürlich. Die, die nichts haben, die arm sind, die unten stehen, die nicht so funktionieren können, wie so manches „neoliberale Subjekt“, das oben steht, es erwartet, werden auch durch Sprache abgewertet und stigmatisiert.

Den meisten der politischen Gestalter fehlt doch völlig der Blick von unten. Sie haben keine Ahnung von den Kämpfen, die die Armen Tag für Tag bestreiten müssen. Sie begreifen nicht und wollen auch nicht begreifen, dass das als „unmöglich“ klassifizierte Verhalten von so manchem Armen oft auf Lebensschicksale und Lebenssituationen zurückzuführen ist, die niemand derjenigen, die sich den Armen gegenüber als Richter aufspielen, selbst je erleben wöllte.

Die neoliberale Politik jedenfalls, die ihre Entscheidungen nicht am Wohl der Menschen, sondern am Wohl des Kapitals ausrichtet, konnte überhaupt nur deshalb so erfolgreich sein, weil es tonangebenden Eliten aus unterschiedlichen Bereichen gelang, weite Teile der Gesellschaft mittels solcher „Denkgifte“, die uns unsere Mitbürger zu Feinden erklären, von ihrer Notwendigkeit zu überzeugen.

Und diese Überzeugungsarbeit war deshalb möglich, weil diese Eliten auf eine ausgefeilte Infrastruktur zurückgreifen konnten: Think Tanks, Lobbyorganisationen, Stiftungen, private Medien, Netzwerke etc. pp., durch die die Elite öffentlichkeitswirksam ihre Vorstellungen und Vorhaben kommunizieren konnte.

Der Soziologe und Mitherausgeber Ihres Buches, Michael Walter, hat dazu ja eine geistreiche Analyse verfasst.

Ja, er hat sich intensiv damit auseinandergesetzt, wie die neoliberalen Ideen unter Schröder in der deutschen Öffentlichkeit etabliert wurde. Über beispielsweise den Think Tank Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, den Bürgerkonvent und den „Partner für Innovation“ liefen dabei massive „publizistische Interventionen“.

Walter stellt fest, dass die Eliten sehr geschickt ihre eigenen, ideologisch geprägten Vorstellungen universalisiert und versucht haben, diese der Bevölkerung quasi überzustülpen.

Über eine Mischung aus Politmarketing, Werbung, PR, wissenschaftlichen Analysen und Publikationen in den Medien, wurde vordergründig versucht, ein „positives Klima“ in der Bevölkerung zu schaffen, in dem man sich scheinbar unverfänglichen, aber in Wirklichkeit politisch hochgradig aufgeladenen Begriffen wie etwa dem der Eigenverantwortung bediente, um der Bevölkerung hinterrücks den neoliberalen Kraftschlag schmackhaft zu machen. So wurde ein Bild in die Köpfe der Menschen gepflanzt, wonach jeder seines eigenen Glückes Schmied sei und alles schaffen könne – so er sich nur wirklich aufopferungsvoll bemüht.

Die Botschaft ist doch aber im Prinzip nicht falsch.

Nein, natürlich nicht. Das ist, im Prinzip, eine positive Botschaft. Und sie ist tatsächlich nicht per se falsch, nein. Sie ist aber auch nicht richtig. Man könnte daher sagen: Wir haben es mit einer klug verkauften Halbwahrheit zu tun. Und Halbwahrheiten sind bekanntlich gefährlich.

Nichts spricht dagegen, den Menschen positive Botschaften zu übersenden, um ihnen dabei zu helfen, die ein oder andere Limitierung, die im eigenen Denken verwurzelt sein mag, selbst aufzuheben. Aber wenn man den Menschen zugleich verschweigt, dass viele der Begrenzungen, die sie in ihrem Leben erfahren, eben mit genau jener Politik zu tun haben, die ihnen mit lauwarmen Worten versucht, weiß zu machen, ihr Scheitern und ihre Misserfolge gingen alleine auf ihr eigenes Konto zurück, dann haben wir es mit einem bösartigen politischen Doppelspiel zu tun.

Dem Bürger sagt man: Es ist Dein Leben, mach etwas daraus! Gleichzeitig verändert man aber die Rahmenbedingungen, innerhalb derer er etwas machen kann, soweit, dass dies seine eh bereits sehr begrenzten Möglichkeiten noch weiter beschränkt.

Und Teile unserer kulturellen Elite – also Schauspieler, Sportler und andere Berühmtheiten – sind dann dieser Politik auch noch zur Seite gesprungen und haben als sogenannte Testimonials in entsprechenden neoliberalen Werbespots fungiert – wobei ich mich frage, ob diese Prominenten überhaupt verstanden haben, welcher Politik sie da Vorschub leisten.

Man muss sich nur nochmal den „Wohlfühlspot“ der Du-bist-Deutschland-Kampagne ansehen: Oliver Pocher steht da hinter einem Haus auf dem Grundstück, vor ihm steht ein etwas beleibter Mann und neben den beiden ein Grill. Pocher sagt dann zu dem Mann, der offensichtlich das männliche Familienoberhaupt darstellt:

„Unrealistisch, sagst Du? Und warum feuerst Du dann deine Mannschaft im Stadion an, wenn Deine Stimme so unwichtig ist?“

Walter hat analysiert und herausgearbeitet, dass Pocher hier zu einem „zu aktivierenden Subjekt“ spricht, „dessen pessimistische Grundhaltung (durch den „Aktivator“ Pocher) zu ‚reformieren‘“ sei. Pocher, so interpretiert Walter weiter, übernimmt dabei die Figur des Lehrers, der „durch Blick und Gestik einen belehrenden, fordernden“ Part einnimmt und durch die Grillzange, die er in der Hand hält, auch noch „latent aggressiv“ auftritt. Walter kommt zu dem Schluss, dass die Szene dazu dient, den Rezipienten, also „uns“, regelrecht zu erziehen, zu manipulieren also. Hinter all dem verbirgt sich die neoliberale Botschaft: „Der Sozialstaat wird sich zurückziehen. Bürger, schaut, wo ihr bleibt!“ Und das wird auch noch als “zum Wohl des Landes“ inszeniert.

Und wer sind diese Leute, diese Eliten, die derlei „Gehirnwäsche“ verbreiten, denn nun genau?

Wenn Sie Namen von Personen möchten, die man zu den Machteliten zählen darf, dann schauen Sie sich einfach einmal die Teilnehmerliste der Bilderberg-Gruppe an. Da kommen einige Angehörige der Machtelite zusammen.

Und was genau geschieht auf so einer „Bilderberg-Konferenz“?

Die Bilderberg-Konferenzen, aber auch andere, ähnliche gelagerte Elite-Treffen und Veranstaltungen, verweisen auf einen vorgelagerten politischen Formationsprozess der Mächtigen.

Das heißt konkret?

Ich will es mal so formulieren: Einflussreiche Personen bewegen sich in Strukturen, die neben den klassischen, bekannten und für jedermann einsehbaren demokratischen Strukturen bestehen. Diese Strukturen sind politische Strukturen. Sie existieren, um direkt oder indirekt Einfluss auf die Politik zu nehmen. Das große Problem ist: Sie sind völlig intransparent, sie funktionieren wie eine geschlossene Gesellschaft.

Um es zuzuspitzen: Der politisch klug denkende Mechaniker von der kleinen Werkstatt an der Ecke, der vielleicht auch ein paar Gedanken im Hinblick auf die Gestaltung der Welt an jenen Orten vorzubringen hätte, wo Konsense geschmiedet und Weichen gestellt werden, bleibt der Zugang verwehrt. Die Elite bzw. die Machtelite möchte eben unter sich bleiben. Warum das so ist, kann man sich denken: Meinungen, Ansichten und Interessen, die zu weit weg von denen der Weltenlenker sind, würden wie ein Bremsklotz bei der machtelitären Konsensfindung wirken.

Aber noch etwas Anderes sollte erwähnt werden: Wenn hier davon die Rede ist, dass es „Konsensschmieden der Mächtigen“ gibt, soll das nicht heißen, dass die existierenden demokratischen Strukturen keinerlei Bedeutung mehr hätten oder dass quasi eine Art Geheime Weltregierung die Geschicke der Welt aus dem Verborgenen lenkt. Diesen Eindruck könnte man bei einer oberflächlichen Betrachtung der Verhältnisse vielleicht erhalten, tatsächlich ist alles aber viel komplexer.

Auch dürfen wir uns, wenn wir von „der“ Machtelite reden, nicht der Vorstellung hingeben, dass auf der Welt eine homogene Machtelite existiere, deren Mitglieder alle genau gleich denken und alle genau die gleichen Ziele verfolgen würden: Auch wenn diejenigen, die beispielsweise bei einer Bilderberg-Konferenz zusammenkommen, sich sicherlich im Hinblick auf ihre Sozialisation, auf ihre Kapitalstruktur, auf ihre Stellung in der Gesellschaft bzw. ihre Klassenzugehörigkeit und natürlich ihre Akkumulations- respektive Profitinteressen sehr ähnlich sind, so gibt es dennoch durchaus auch Meinungsunterschiede unter ihnen, die sich allerdings in einem sehr viel engeren Korridor als das Meinungsbild in der Gesamtbevölkerung bewegen.

Kein Wunder auch, denken „normale Menschen“ ja nicht in den Sach- und Strukturzwängen von Kapitalverwertung und -akkumulation, wollen nicht „noch reicher“ werden, diesen und jenen Multi im nächsten Jahr übernehmen oder anderes, sondern wollen einfach ein vernünftiges und auskömmliches Leben haben, über die Runden kommen, so gut es eben geht.

Werden solche undemokratischen „Klüngelrunden“ von Medien und Öffentlichkeit denn beobachtet und kritisiert? Ich meine: Das täte offensichtlich ja dringend not…

Die Medien haben meines Erachtens diesbezüglich eine ganz schlechte Arbeit geleistet: Ein Journalismus, der Mediennutzer über die mehr oder weniger verborgenen Pfade der Mächtigen informiert, ein Journalismus, der in diese Gruppen und Organisationen reinleuchtet, sie beleuchtet, ihre Arbeit, ihr Wirken, ihren Handlungsradius und ihren Einfluss kritisch hinterfragt, existiert in der Breite der Berichterstattung nicht.

Gerade auch im Hinblick auf den demokratischen Prozess ist es ein großes Problem, dass die Presse den politischen Formierungsprozess der Machtelite geradezu ausblendet. Damit versagt sie darin, aufzuzeigen, wie Weltsichten, die vorherrschen oder eben dabei sind, sich zu etablieren, zustande kommen.

Die Berichterstattung erweckt stattdessen immer wieder den Eindruck, dass die jeweils gerade alles umgreifende Ideologie quasi gottgegeben und vom Himmel gefallen sei. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu, der sich etwa intensiv mit dem Neoliberalismus und der Globalisierung auseinandergesetzt hat, sagte einmal:

„Der Thatcherismus stammt nicht etwa von Frau Thatcher, er war seit langer Zeit von Intellektuellengruppen vorbereitet worden, denen die großen Zeitungen oft eine breite Öffentlichkeit verschafft haben.“

Bourdieu betonte auch, wie wichtig es ist, aufzuzeigen, wie „Weltsichten erzeugt, verbreitet und eingetrichtert werden.“ Und er betonte, wie wichtig es ist, auf die „Einflüsterungen“, die aus den Think Tanks und „ihrer, von den Mächtigen handverlesenen Experten“ kommen, zu achten.

Doch genau das haben Medien nicht gemacht und unterlassen es nach wie vor. Im Gegenteil: Nicht nur, dass sie diesen machtelitären Part unserer politischen Wirklichkeit den Lesern und Zuschauern nicht vor Augen führen, einige sind sogar selbst Teil des machtelitären Umfelds und werden zum handelnden Akteur darin.

Wenn Journalisten, um nur mal ein Beispiel zu nennen, etwa über lange Zeit im Lenkungsausschuss der Bilderberg-Gruppe gesessen haben und selbst deutsche Politiker in den exklusiven Zirkel eingeladen haben, zugleich aber nicht über diese Zusammenkunft berichten, dann ist das aus journalistischer Sicht untragbar.

Immerhin scheinen die Medien mittlerweile aber erkannt zu haben, dass die Bilderberg-Konferenzen ein Thema sind, das sie auf ihrem Radar haben sollten. Über die diesjährige Bilderberg-Konferenz, die in Dresden stattfinden wird, berichten die daher schon jetzt, also frühzeitig. 60 Jahre hat es gedauert, aber immerhin. Besser spät als nie. Aber ob auch die großen Nachrichtenformate bei ARD und ZDF über die Konferenz berichten werden? Ich zweifle daran.

Warum? Was sollte sie daran hindern?

Ich gehe davon aus, dass die Einstellung der Redaktionsverantwortlichen zu dem Thema bisher dazu geführt hat, nicht über die Konferenzen zu berichten. Wahrscheinlich wird die Bilderberg-Konferenz einfach als etwas ohne Berichterstattungswert betrachtet. Schließlich wird in Dresden ja auch nur die Weltelite zusammenkommen, um für drei Tage hinter verschlossenen Türen über zentrale Themen zu sprechen, die uns alle angehen. Aufgabe der verantwortlichen Redakteure ist es eben, Ereignisse und Informationen zu gewichten und dann zu entscheiden, ob eine nachrichtliche Relevanz gegeben ist.

Wenn ich, allgemein gesprochen, an die ein oder andere Berichterstattung im Zusammenhang mit Unglücksfällen, Katastrophen oder zu Themen, die im Bereich des Boulevards liegen, denke, da war keine Anstrengung zu absurd, um einen Mangel an Informationen irgendwie auszufüllen. Beim Germanwings-Absturz lässt man Teenager vor der Kamera erzählen, wie sie sich so fühlen, als sie erfahren haben, dass Mitschüler gerade mit dem Flugzeug an einer Felswand zerschellt sind, beim Kachelmann-Prozess hat ein dpa-Journalist sogar versucht, Richter abzuhören.

So ist das eben oft: Dort, wo es um Emotionen, um Klatsch und Tratsch geht, wird jeder Stein dreimal umgedreht, um ja nicht ein Zipfelchen an Informationen zu übersehen; wenn aber 140 Gestalter der Welt sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit treffen, dann respektieren Qualitätsmedien eben den „privaten Charakter“ der Veranstaltung.

Es gibt ja Journalisten, die sich mit derlei Elitenetzwerken gerne gut stellen wollen und wo das möglich ist, schließlich sogar assoziieren. Der Medienkritiker Uwe Krüger spricht diesbezüglich von Alpha-Journalisten bzw. Alpha-Journalismus und sieht hierin eine große Gefahr… Der Korridor der veröffentlichten Meinung werde auch wegen diesen aktuell immer geringer und sei zurzeit bereits so eng wie selten zuvor, sagte er etwa im Interview mit mir.

Bourdieu hat einmal gesagt, dass es in der Politik um die Durchsetzung von Wahrnehmungskategorien geht. Und wie werden solche für die Politik wichtige Wahrnehmungskategorien in unsere Gesellschaft getragen? Natürlich auch durch die Medien.

Wenn Machteliten also der Ansicht sind, dass „wir“ weniger Sozialstaat brauchen, dass Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung die Zauberworte sind, die „die Gesellschaft“ voranbringen, dann müssen diese Vorstellungen und Konzepte auch nach außen transportiert werden, sie müssen irgendwie bei der Bevölkerung und bei anderen systemrelevanten Eliten ankommen.

Hierbei kommt dann die Berichterstattung ins Spiel. Von daher: Es hat schon seinen Grund, dass nicht nur Journalisten die Nähe zu den Mächtigen, sondern auch die Mächtigen eine gewisse Nähe zu Journalisten suchen. Die Folgen hiervon hat unter anderem Uwe Krüger sehr pointiert analysiert.

-Was können wir tun gegen manipulierte Journalisten und Elitenmacht?

Ich würde nicht sagen, dass wir es mit „manipulierten Journalisten“ zu tun haben. Oder anders gesagt: Gewiss mag es, wie eben in allen menschlichen Beziehungen, so sein, dass sich auch einmal Journalisten bei ihren Beziehungen zu hochrangigen Personen manipulieren oder instrumentalisieren lassen.

Aber allgemein gesprochen gehe ich nicht davon aus, dass Journalisten, die sich in diesen Kreisen bewegen, „manipuliert“ sind.

Sondern? Was sind sie denn dann?

Uwe Krüger hat in seiner Studie angesprochen, dass bestimmte Journalisten wahrscheinlich eben deshalb in diesen Netzwerken der Mächtigen sind, weil sie den dort vorherrschenden Sichtweisen im Wesentlichen sowieso zustimmen. Da gilt also eher ein „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Und als Soziologe würde ich die darüberhinausgehenden Prozesse eher als „Anpassung“ denn als „Manipulation“ beschreiben. Die Leute werden ja nicht belogen und betrogen, sondern umworben, umgarnt, belohnt oder -straft.

Aber nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen: Dass Spitzenjournalisten in diesen Netzwerken unterwegs sind und auch selbst eine politische Meinung haben, die jener der Eliten ähnelt, ist nicht unbedingt das große Problem.

Nicht? Was ist denn dann des sprichwörtlichen Pudels Kern?

Problematisch wird meines Erachtens die Nähe zur Elite für den Journalismus und die Gesellschaft dann, wenn sich das Meinungsspektrum in den großen, tonangebenden Medien bei bestimmten gewichtigen Themen so stark verengt, dass, um es zuzuspitzen, nur noch die Sicht der Mächtigen überhaupt Eingang in die Berichterstattung findet.

Was ja bezüglich Russland zurzeit oder auch der vermeintlichen Eigenverantwortung der Armen für ihr Elend bereits seit einigen Jahren deutlich der Fall zu sein scheint…

Genau. Die großen Medien bilden zu den zentralen gesellschaftlichen und politischen Themen unserer Zeit längst das Meinungsgewicht nicht mehr so ab, wie dieses in der Bevölkerung vorhanden ist. Stattdessen ist ein Journalismus zu beobachten, der immer wieder die Sichtweisen der Herrschenden, der Mächtigen transportiert und dadurch die Realität verzerrt und, wenn Sie so wollen, ebenso „erzieherisch“ fungiert, wie dies der „Du bist Deutschland!“-Spot, den ich bereits erwähnt habe, tat.

Der Knackpunkt ist: Journalisten, die in Elitezirkel eingebunden sind, sind nicht irgendwelche Medienschaffenden aus der vierten oder fünften Reihe. Es sind in der Regel eben die Alphajournalisten, also jene, die die großen Leitartikel schreiben. Sie haben eine herausragende Stellung innerhalb des journalistischen Feldes. Das, was sie sagen, schreiben, kommentieren, wie sie sich entscheiden, was sie tun oder lassen, hat eine ganz andere Wirkung als das, was ein Journalist schreibt, der für ein Nischenmedium tätig ist.

Wenn nun eine Vielzahl derjenigen, die die Alphajournalisten umgeben bzw. direkt hinter ihnen stehen, im Wesentlichen ebenfalls die Sichtweise der Tonangebenden teilt, dann verengt sich die Perspektive. Impulse, um es bildlich zu formulieren, von vorne, von hinten, von unten, von der Seite gibt es keine mehr, weil sich keiner mehr umdreht, nach unten, nach hinten etc. schaut, da alle davon ausgehen, ohnehin bereits die richtige Perspektive eingenommen zu haben. So entsteht ein elitärer Einheitsjournalismus, der für viele Mediennutzer nicht mehr hinnehmbar ist.

Und was wäre hiergegen zu tun? Was raten Sie?

Wichtig ist, die Problematik zu erkennen und transparent zu machen. Das, was wir derzeit sehen, nämlich die Formierung vieler alternativer Formate im Internet, also ein Journalismus, der außerhalb der großen Medien heranwächst, ist dabei von zentraler Bedeutung, um Schieflagen in der Berichterstattung entgegenzutreten. Die Meinungsgegengewichte sind dann eben nicht in den sogenannten Leitmedien zu finden, sondern bei dem kleinen Internetmagazin, der alternativen Nachrichtenseite, auf diesem und jenen Blog usw. Oder eben – auch – auf den NachDenkSeiten, ja.

Allerdings: Optimal ist auch das nicht. Die großen Medien sind aufgrund ihrer Ressourcen und ihrer Reichweite kaum zu ersetzen; der Widerspruch der Alternativen ist daher stets in Gefahr, ohnmächtig zu verhallen. Zu einer wirklichen Veränderung wird es daher nur kommen, wenn die Zusammensetzung des journalistischen Feldes als solchem wieder heterogener wird.

Anders gesagt: Die großen Medien würden den Mediennutzern und so eben auch sich selbst einen großen Gefallen tun, wenn sie dafür sorgten, dass sich das journalistische Feld in seiner Zusammensetzung öffnet. Alle Klassen und Schichten müssen vertreten sein, in der Redaktionskonferenz sollten neben dem Hochschulabsolventen, der mehrere Semester im Ausland verbracht und aus dem hochkulturellen Milieu stammt, genauso der talentierte Blogger sitzen können, der vielleicht einen ganz anderen Lebensweg aufweist, aber auch das Zeug zum Journalisten hat und nochmal einen ganz eigenen Blick auf die Verhältnisse wirft.

Doch genau danach sieht die Entwicklung gerade nicht aus. In den großen Häusern wird vielmehr aktuell genau jener Nachwuchs rekrutiert, von dem erwartet wird, dass er in etwa so auf die Welt schaut, wie es diejenigen tun, die ohnehin bereits in den Redaktionen sitzen.

Ich erinnere an der Stelle an ein Interview, das der Leiter des außenpolitischen Ressorts der Süddeutschen Zeitung, Stefan Kornelius, im Jahr 2014 dem Medienmagazin ZAPP gegeben hat. Darin sagt er in Sachen journalistischem Nachwuchs sehr bemerkenswerte Sätze, die es verdienen, hervorgehoben zu werden:

„Aber im Gegenteil, es ist ja sogar großartig: Wir haben es mit einer Generation zu tun, die jetzt in den Journalismus kommt, die so international ist wie keine zuvor. Jeder Volontär bei uns hat zwei, drei Jahre Auslandserfahrung in den noch so exotischsten Ländern hinter sich, spricht Sprachen, das ist wirklich toll und bemerkenswert. Es gibt die komplette Erasmus-Generation, die rumläuft, die ist offen und versteht, wie die Welt tickt. Also eigentlich müsste es ein leichtes Spiel sein, aber das darf man sich nicht durch die Verrückten verderben lassen.“

Hier ist nicht der Platz, um die soziologisch-medienwissenschaftliche Dimension dieser Äußerungen in ihrer Gesamtheit zu erfassen, aber auch ohne viel zu analysieren, ist zu erkennen, dass der verengte Blick, der den großen Medien immer wieder von Mediennutzern vorgeworfen wird, bereits in der DNA eben jener Medien angelegt ist. Wie sollen die großen Medien die Vielfalt der Betrachtungsweisen, wie sie in der Gesellschaft vorhanden sind, erfassen und in ihrer Berichterstattung widerspiegeln, wenn die personelle Zusammensetzung dieser Medien das genaue Gegenteil von gesellschaftlicher Vielfalt ist?

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1.Bilderberger-Konferenz 1954

-Eine letzte Frage noch… Diese „Macht der Wenigen über die Vielen“ ist ja so ziemlich genau das Gegenteil dessen, was man gemeinhin unter Demokratie versteht. Würden Sie denn so weit gehen, Rainer Mausfeld zuzustimmen, der argumentiert, der Neoliberalismus sei die Ideologie der Eliten zur finalen Überwindung der Demokratie? Oder vielleicht David Harvey, dessen wunderbare „Kleine Geschichte des Neoliberalismus“ folgender Klappentext ziert: „Längst kritisieren auch bekannte Wirtschaftswissenschaftler wie Joseph Stiglitz, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, die ‚Auswüchse‘ des Neoliberalismus und beklagen die wachsende soziale Ungleichheit als dessen unerwünschtes Nebenprodukt. Falsch, sagt David Harvey: Weshalb kommt diesen Leuten denn ‚nie der Gedanke, dass die soziale Ungleichheit womöglich von Anfang an der Zweck der ganzen Übung war‘? Die neoliberale Wende, so Harvey, wurde in den 70er-Jahren zu dem alleinigen Zweck eingeleitet, die Klassenmacht einer gesellschaftlichen Elite wiederherzustellen, die befürchtete, dass ihre Privilegien nachhaltig beschnitten werden könnten“…

Lassen Sie es mich einmal so sagen: Wenn man sich die politische Entwicklung der letzten Jahrzehnte anschaut, wenn man sieht, welche Entscheidungen wie getroffen werden, dann muss man schon mit Blindheit geschlagen sein, um hier nicht eine Systematik zu erkennen.

Wir erleben eine Politik der Eliten, eine Schwächung der Demokratie und eine Schere zwischen Arm und Reich, die viel zu weit auseinandergegangen ist. Die Ursachen für diese Entwicklung sind sicherlich vielfältig. Aber dass die Mächtigen mitunter so ihre Probleme mit der Demokratie haben und ein sehr vitales Interesse daran besteht, ihre eigene Macht auszubauen, ist doch offensichtlich.

-Ich bedanke mich für das Gespräch.

Marcus Klöckner studiert Soziologie, Medienwissenschaften und Amerikanistik. Er wirft als Journalist und Autor in seiner Arbeit einen kritischen Blick auf Medien und Herrschaftsstrukturen. Bisher erschienen von ihm unter anderem „Machteliten und Elitenzirkel – Eine soziologische Auseinandersetzung“, „9/11 – Der Kampf um die Wahrheit“, „Staatsversagen auf höchster Ebene – Was sich nach dem Fall Mollath ändern muss“, „Medienkritik – Zu den Verwerfungen im journalistischen Feld“ und „Wie Eliten Macht organisieren“.

Dieser Text erschien zuerst auf den NachDenkSeiten. Die Publikation hier erfolgt im Rahmen der Creative Commons Lizenz CC2.0 Non-Commercial, die Bilderberger-Debatte mit Hintergrundwissen zu versorgen.

Wieviel Goldman Sachs steckt in der Süddeutschen Zeitung?

Daniela Lobmueh bilderbergerclublogo

Beim Panama-Leak über Steuerbetrüger stellten deutsche Medien unter Führung der SZ   (Süddeutsche Zeitung) den Erzfeind der Westmachthaber, Vladimir Putin, ins Zentrum ihrer Empörung. Obwohl Putins Name in den Dateien nicht vorkam. Putin wehrte sich mit Kritik an den Enthüllern, sie seien von Westmachthabern gesteuert. Was teilweise stimmte. Putin ordnete die SZ dann noch einer Medienholding von Goldman Sachs zu. Ist da was dran? Und was haben die Bilderberger damit zu tun?

Hier bei uns wird die Atlantiker- bzw. Bilderberger-Postille SZ regelmäßig kritisch beobachtet, denn sie genießt trotz neoliberal-geopolitischer Tendenzen (nicht nur beim Qualitätsbellizisten Stefan Kornelius)  immer noch einen enormen Ruf im sogenannten Qualitätsjournalismus. Bei den Panama-Papers war sie wieder einmal in diesem Sinne tätig: Offensichtlich haben sich deutsche Medien unter Führung der SZ monatelang ins Zeug gelegt, um bei ihrer Empörung über Steuerbetrüger mit dem Finger nicht auf Westeliten, sondern mal wieder auf Putin zeigen zu können (nicht, dass der es nicht verdient hätte -aber andere sollten auch mal dran kommen und hätten hier näher gelegen, wäre die SZ nicht tendenziös). Um drei Ecken herum gelang ihnen dies auch: Über Putins Freund Sergei Roldugin. Ob der Starmusiker Roldugin sein Geld aber von Putin hatte konnte die SZ nicht belegen. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass es von jenen russischen Oligarchen stammte, die auch Putin fördern. Sie werden dafür bekanntlich von Putins Politik gegen den gierigen Zugriff der global dominierenden Westoligarchen geschützt, die scharf auf russische Öl- und Gasfirmen sind. Darum hassen die Westoligarchen Putin, die auch (z.B. über ihren feinen Bilderbergerclub) zutiefst mit allen Westmedien verflochten sind. Auch mit der SZ -was deren unbelegtes Alarmgeschrei in Richtung Putin erklärt. Ob und wie tief jedoch speziell Goldman Sachs in der SZ steckt ist unklar. Die SZ behauptet, dies sei eine von Putins Propagandalügen, was bei Putins Äußerung nicht ganz falsch zu sein scheint:

„Wo ist der Bericht zum ersten Mal erschienen? In der Süddeutschen Zeitung, die zu einer Medienholding gehört. Und diese Medienholding gehört zum amerikanischen Finanzunternehmen Goldman Sachs, also sind überall die Ohren des Auftraggebers zu sehen, die noch nicht einmal rot werden. Und wir brauchen keine Reue von ihnen erwarten. Sie werden so weitermachen.“ So Putin laut telepolis; der Geschäftsführer der SZ, Stefan Hilscher, reagierte empört:

„Die Süddeutsche Zeitung gehört allerdings weder direkt noch indirekt Goldman Sachs. Die Süddeutsche Zeitung ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Süddeutschen Verlags. Dieser wiederum gehört zu 81,25 Prozent der Südwestdeutschen Medienholding und zu 18,75 Prozent der Münchner Verlegerfamilie Friedmann.“ Die Südwestdeutsche Medienholding habe „keine gesellschaftsrechtlichen Verbindungen zu Goldman Sachs.“

Aber Putins Leute scheinen die Verbindung aus dem (angeblich selbstorganisierten, aber auch hier bei uns oft genug bei tendenziöser Westpropaganda erwischten) Wikipedia gehabt zu haben, dessen Quelle Burdas Bilderberger-Gazette Focus war (muss denen durch die Zensur gerutscht sein bzw. man wollte unter dem Tisch dem kleinen Konkurrenten SZ mal vors Schienenbein treten, zumal Goldman Sachs 2007 noch nicht im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit existierte -dies war erst uns kritischen Blogs, einer bemerkenswerten ARTE-Doku 2015 und der Schmunzelversion davon im Kabarett DIE ANSTALT zu verdanken).

Bertelsmann sprang der SZ zu Hilfe als Benjamin Bidder vom Spiegel spekulierte, dass womöglich die englische Version von Wikipedia den Kreml auf eine falsche Fährte gelockt haben könnte. Dort stand mit Verweis auf einen angeblich „nicht genau gelesenen Focus-Artikel“, am Kauf sei neben der SMWH Holtzbrinck „mit Unterstützung durch das Investmenthaus Goldman Sachs“ gewesen. Holtzbrinck war allerdings nur ein Interessent. Daraufhin wurde dieser Eintrag von Wikipedia schnell entfernt und ein von unangenehmen Verdachtsmomenten „gesäuberter“ SZ-Eintrag präsentiert, „was auch die Glaubwürdigkeit von Wikipedia in ein schlechtes Licht rückt“ wie selbst das sonst eher wenig Wikipedia-kritische Telepolis in seinem (gleichwohl Putin heftig attackierenden) Artikel „Stammt Putins peinliche Verschwörungstheorie über die Panama Papers aus Wikipedia?“ (telepolis) zugeben muss.

Nicht Telepolis selbst, sondern ein Telepolis-Leser hat genauer nachrecherchiert: Laut einem SZ-Organigramm aus infografik-suedeutsche-zeitungder Konkurrenz FAZ sind die Besitzverhältnisse wie folgt aufgeteilt: 18,75% des süddeutschen Verlags werden von der Familie Friedmann gehalten, was diesen keine Entscheidungsgewalt gibt. 81,25% werden von der Südwestdeutschen Medienholding GmbH (SWMH) gehalten, die also beim süddeutschen Verlag die Macht haben. Die SWMH wird wiederum mit 44,4% von der Gruppe Württembergischer Verleger (GWV) gehalten, weitere 44,4% besitzt die Medien Union GmbH (beherrscht von Familie Dieter Schaub mit 50,7%), die übrigen 11,2% gehören diversen kleineren Gesellschaftern.

Bei der Württembergischen Verleger Gruppe ist laut Wikipedia die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG von Eberhard Ebner mit 9,5% der größte Anteilshalter. Insgesamt sind jedoch 18 Verlage beteiligt, von denen ja rechnerisch z.B. schon 4 Anteilshalter á 8,1 % ausreichen würden, um die Entscheidungen zu treffen. Wenn Verleger Ebner laut Wikipedia Sprecher der Gruppe ist, kann, muss das aber nichts heißen.

Die Südwestdeutsche Medienholding GmbH (SWMH) ist also eine ziemlich undurchsichtige Sache, genau nach dem Geschmack von Bilderbergern und Goldman Sachs. Bei diesem komplizierten Konstrukt zweier mit 44,4% gleich großer Löwenanteile kann es folglich darauf ankommen, wer bei den 11,2% Kleineignern der SWMH mit wem kooperiert bzw. Strohmann ist. Es könnte genügen wenn z.B. ein Dieter von Holtzbrinck Minderheitenanteile an der SWMH halten würde: Wenn er damit das Zünglein an der Waage bei Entscheidungen der SWMH spielen würde. Und damit wäre möglicherweise auch Goldman Sachs im Spiel der SZ, ob als stiller Teilhaber oder heimlicher Geldgeber, wie der verräterische Focus-Artikel, den Wikipedia offenbar voller Panik löschte, nahelegte.

Außerdem bleibt unklar wer die Anteilshalter der 18 Verleger der Württembergischen Gruppe (GWV) sind. Es reichen u.U. vier Parteien der GWV und eine Partei der SWMH-Kleineigner aus, um beim süddeutschen Verlag und damit über die SZ-Redaktionsarbeit zu bestimmen. Der Telepolis-Leser: „Hier wäre mal investigativer Journalismus angebracht… Denn einfach zu behaupten, dass Goldman Sachs im Hintergrund nicht doch die Fäden zieht, ist bei einem solch komplizierten Anteilseigner-Konstrukt einfach nur lächerlich.“

Der bei Wikipedia zitierte Focusartikel, der eine Beteiligung von Dieter von Holtzbrinck in den Raum stellte sei ja nicht frei erfunden. (Focus-Verleger und Milliardär Burda ist freilich ein Bilderberger des engeren Kreises). Wenn man nach der Überschrift des Artikels suche, finde man auch viele andere deutsche Zeitungen die sich genau auf diesen Artikel vom Focus berufen haben.

„Einem Bericht des Nachrichtenmagazins FOCUS plant der Verleger Dieter Schaub von der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH) zusammen mit den südwestdeutschen Verlegern Eberhard Ebner (SÜDWEST PRESSE) und Dieter von Holtzbrinck den Kauf der Mehrheitsanteile. Dem Magazin zufolge liegt der Gesamtpreis für den Süddeutschen Verlag bei mindestens einer Mrd. Euro. Schaubs SWMH ist mit 18,75 Prozent am Süddeutschen Verlag, Ebner hält 44,4 Prozent an der SWMH. Dieter von Holtzbrinck, 66, der frühere Chef der Holtzbrinck-Gruppe (u.a. ZEIT, HANDELSBLATT) und bis 2006 auch deren Mitgesellschafter, wird laut FOCUS beim Werben um den SZ von Investmentbank Goldman Sachs unterstützt. Laut der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD war von den genannten Verlagshäusern und Verlegern niemand zu einer Stellungnahme erreichbar.“ DNVonline 21.12.2007

Holtzbrinck und auch sonst keiner in der Westoligarchie wollte die mutmaßliche Verbindung Goldman-GoldmanHoltzbrinck-SZ öffentlich machen, so kann man annehmen: Ohne Geheimhaltung ist die Medien-Beherrschung schließlich nur die Hälfte wert. Eine Tilgung von Spuren einer Strohmann-Beteiligung wäre also hoch wahrscheinlich, aber schwer beweisbar.

Das Fazit des Telepolislesers: „Also für mich bleibt das Thema genauso offen wie vor Putin oder Rötzer… Ohne weitere Informationen kann man dort keine Aussagen tätigen ob Goldman-Sachs hintenrum Strippen zieht oder nicht. Ob da der SZ-Geschäftsführer Stefan Hilscher überhaupt weiß von wem er eigentlich gelenkt wird, ist meiner Meinung nach – soweit unten in der Nahrungskette – sehr fraglich.“ Dem kann man sich nur anschließen und sollte es auch -so lange bis die SZ vielleicht doch einmal über das Bilderberger-Jahrestreffen (2016 in Ostdeutschland) so ausgiebig berichtet wie über Davos, G7 oder die Sockenfarbe irgendeines Opernsängers.

Quellenverweis:

„Stammt Putins peinliche Verschwörungstheorie über die Panama Papers aus Wikipedia?“ telepolis

ELone-Leserbrief dazu

Bilderberger-Bellizist Stefan Kornelius schlägt wieder zu

 

Theodor Marloth NATO_ukraine

Der Kriegstreiber nennt sich heute vornehm „Bellizist“ und serviert seine Propaganda für die engelhafte NATO und gegen den Teufel Putin täglich seinen Mainstream-Medienkonsumenten. Kornelius: Der Frieden kommt nicht „auf Taubenflügeln eingeschwebt“, sondern mit Kampfbombern der NATO. Kornelius mischt sich unter der Hand auch in Bilderberger- bzw. CFR-interne Debatten ein: Gegen eine rationale Machtpolitik, die aus strategischen Gründen derzeit keinen Krieg in Europa will.

Der Meinungsschreiber Stefan Kornelius von der SZ (Süddeutsche Zeitung), gibt weiter den Gemäßigten unter den „Transatlantikern“, aber etwas leiser als zuvor –vermutlich eine Folge der vernichtenden Netz-Kritik an seiner Propaganda. Nach dem bombastischen Trommeln für die „Globale Ordnung: Die Welterschütterer“ (SZ 18.8.14)  kommt er jetzt bescheidener daher: „NATO: Abschreckung mit Maß“ titelt seine neue Meinungs-Kolumne (SZ 4.9.14). Kornelius hat Kreide gefressen, doch Tendenz und Methode sind dieselbe: Der Schurke des Tages heißt immer noch Putin, nur der Weiße Ritter, der ihm mutig entgegentritt, ist statt Ober-Bilderberger Henry Kissinger diesmal schlicht „die NATO“. Dass die NATO für Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich zeichnet (von Belgrad bis Bagdad, von Kabul bis Tripolis), weiß Stefan Kornelius nicht. Er wird für Lobhudelei bezahlt, nicht für NATO-kritische Recherche.

Ein Kriegshetzer gegen die Friedens-Träumer

„Wer nach dem Mauerfall vom ewigen Frieden in Europa träumte“, beginnt Kornelius seine SZ-Kolumne, „der wurde schon ein paar Mal eines Besseren belehrt.“ Und zwar von Kornelius. Kornelius belehrt seine SZ-Leserschaft regelmäßig über den „Zerfall von Splitterstaaten“, der sich brutal abspielen kann, wie „die Balkankriege“ gezeigt haben. Dass der ach so friedfertige Westen irgend etwas mit dem brutalen Zerfall Jugoslawiens zu tun gehabt haben könnte, sagt Kornelius dem SZ-Leser nicht. Die CIA-BND-UCK-Connection? Nie gehört. Nato-Bomben auf Belgrad? Nur eine humanitäre Aktion für die „prowestlichen Separatisten“ (damals nur „Opfer serbischer Gewalt“ genannt) im Kosovo.

Neben der Reinwaschung der Nato von jeder Verantwortung bereitet Kornelius seine immer noch kriegsunlustige SZ-Leserschaft behutsam auf seine bellizistische Botschaft vor. Der Krieg in der Ukraine sei eine „weitere Mahnung“, dass „Friedfertigkeit nicht unbedingt der Naturzustand der Menschheit ist, auch in Europa nicht.“ Kurzum: Kornelius will Krieg, Krieg, Krieg und endlich auch wieder in Europa. Sein Sorgenkind dabei: „Die Deutschen“, denn sie tun sich „schwer mit dem Gedanken, dass der Frieden nicht auf Taubenflügeln eingeschwebt kommt.“ Sondern auf Jagdbombern der NATO, wie etwa in Belgrad, Bagdad oder jüngst in Tripolis –flüstert Kornelius zwischen den Zeilen.

Kornelius will Krieg, Krieg, Krieg

Warum aber jetzt ein NATO-Krieg in Europa? Kornelius weiß warum: Putin ist Schuld. Zum Beleg bombardiert Kornelius die SZ-Leser mitBilderbergerClubLogo allem, was die Kriegspropaganda aus Kiew, Pentagon und Westmedien hergibt:

„Mit der Annexion der Krim und der Schatteninvasion in der Ostukraine hat Russland die zentralen Prinzipien der europäischen Friedensordnung seit Ende des Kalten Krieges aufgekündigt: Den Respekt vor der Souveränität einer Nation und die Unverletzbarkeit von Grenzen.“ Kornelius 4.9.14

Ach, so war das. Und die Geschichtsschreibung denkt immer noch, dies wäre mit der Anerkennung der slowenischen Separatisten nach ihrer Abtrennung von Jugoslawien durch den deutschen Außenminister geschehen. Und fortgesetzt worden bis zum Herausbrechen auch noch des Kosovo aus dem souveränen Serbien –mit NATO-Hilfe über die CIA-BND-UCK-Connection. Stefan Kornelius führt den biederen SZ-Leser tief in die bizarre Weltsicht eines Bilderberger-Propagandisten hinein, die von Furcht, Schrecken und Grusel vor Putin geprägt ist. Denn Putin ist der aktuelle Gegner der Bilderberger bzw. der hinter ihnen stehenden Westoligarchen.

Putin ist böse, denn „er hat eine neue Form der hybriden Kriegsführung eingeführt, die Furcht und Schrecken bei Nato-Staaten auslöst“. Wohl mit seiner „Schatteninvasion“, deren unermüdliche Behauptung in Westmedien sie den Hirnen der Medienkonsumenten einbläuen soll. Die Schatteninvasion der Ukraine durch US-Söldner bzw. Paramilitärs Marke Blackwater, Academy usw., die den Putsch vorbereitete, kennt der SZ-Leser nicht. War es nur russische Propaganda? Kornelius:

„Eine besonders gruselige Bedrohung erwächst durch das Gespinst aus Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen, mit deren Hilfe der russische Apparat den Unfrieden in den Westen hereinträgt.“ Kornelius 4.9.14

Dass eine ganz besonders gruselige Bedrohung durch das Gespinst aus Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen eines Stefan Kornelius erwächst, kommt ihm nicht in den Sinn. Und seinen mit Propaganda eingelullten Lesern wohl auch nicht. Die haben natürlich keine Ahnung davon, dass in der Ukraine der Westen hinter dem Bürgerkrieg steckt, dass in Pakistan US-Drohnen Terror verbreiten und haben längst vergessen, dass in Libyen Nato-Jets die mit Westgeld und -Waffen aufgerüsteten Islamisten an die Macht bombten. Und dass es ebensolche Dollar-Islamisten sind, die als ISIS in Syrien und jüngst im Irak Hunderttausende abschlachten.

Mit Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen kennt Kornelius sich aus. Aber ist es wirklich Russland, das „Unfrieden in den Westen hineinträgt“? (Am 4.9. musste die SZ wohl oder übel auf Seite 1 mit dem Titel: „Putin legt Plan für Waffenruhe vor“ aufmachen.) Oder sind es Kriegstreiber wie Kornelius, die mutmaßlich im Dienste machthungriger Geldeliten und gieriger Rüstungskonzerne unermüdlich ihre Kriegstrommel schlagen?

Um seine wilden Behauptungen und Verdrehungen plausibel zu machen, greift Kornelius zu einer wüsten Geschichtsklitterung: Ausgerechnet die NATO (unter Führung der selbsternannten „letzten Supermacht der Welt“ USA) habe sich nach Ende des Kalten Krieges in „Selbstbeschränkung“ geübt:

„Russland wurde eingebunden in den westlichen Sicherheitsraum, seine Interessen wurden diskutiert und respektiert. US-Präsident Obama stoppte die Raketenabwehr.“ Kornelius 4.9.14

Wie jetzt? Welche Raketenabwehr? Kornelius kann nur die Raketenbatterien meinen, die die NATO in Polen (!) aufzubauen drohte, angeblich gegen den Iran (!). Diskutiert wurden russische Interessen damals sicher, auch lautstark ventiliert, vor allem die Zusicherung des Westens, seinen Militärpakt NATO nicht über die ehemaligen Grenzen des Eisernen Vorhangs Richtung Osten auszuweiten. Aber respektiert wurde dies nicht, man hatte die Russen mit einem Vertrag hereingelegt, der diesen wichtigen Punkt unklar ließ. Laut Kornelius dagegen „sträubten sich das Bündnis und besonders Amerika gegen die Erweiterung“, aber weil Russland zu wenig tat „Misstrauen abzubauen“ musste sich der Westblock mit seinem Militärpakt leider, leider bis an die russische Grenze ausweiten.

Die blamable Leistung in dümmlichster Geschichtsklitterung, die Stefan Kornelius hier vorlegt, erfährt inzwischen nicht nur Widerspruch aus dem Netz, sondern auch innerhalb der Bilderberg-Milieus selbst. Der Rechtsintellektuelle J.J.Mearsheimer publizierte im Hausblättchen von Rockefellers CFR (Council on Foreign Relations), den „ Foreign Affairs“, eine von dieser platten Anti-Putin-Hetze abweichende Sichtweise:

According to the prevailing wisdom in the West, the Ukraine crisis can be blamed almost entirely on Russian aggression. Russian President Vladimir Putin, the argument goes, annexed Crimea out of a long-standing desire to resuscitate the Soviet empire (…) But this account is wrong: the United States and its European allies share most of the responsibility for the crisis. The taproot of the trouble is NATO enlargement, the central element of a larger strategy to move Ukraine out of Russia’s orbit and integrate it into the West. At the same time, the EU’s expansion eastward and the West’s backing of the pro-democracy movement in Ukraine — beginning with the Orange Revolution in 2004 — were critical elements, too.” J.J.Mearsheimer, Foreign Affairs, September 2014

„Der vorherrschenden Meinung im Westen zufolge ist für die Krise in der Ukraine fast ausschließlich russische Aggression verantwortlich zu machen. Der russische Präsident Vladimir Putin, so die Argumentation, annektierte die Krim aus dem langjährigen Wunsch, das sowjetische Imperium wiederzubeleben (…) Aber diese Erklärung ist falsch: Die USA und ihre europäischen Verbündeten teilen sich die Hauptverantwortung für die Krise. Die Wurzel allen Übels ist NATO-Erweiterung, das zentrale Element einer größeren Strategie, um die Ukraine aus Russlands Einflusssphäre herauszubrechen und in den Westen zu integrieren. Ebenso waren die EU-Osterweiterung und die West-Unterstützung der Demokratiebewegung in der Ukraine –beginnend mit der Orangenen Revolution 2004–kritische Elemente.“ (Übersetzung Th.Marloth)

Wenn sogar im bilderbergernahen CFR solche Erkenntnisse um sich greifen, muss Kornelius natürlich einschreiten. Mearsheimer gilt als Hauptvertreter der sogenannten „offensiven Neorealisten“, einer Subsekte der „Realisten“ in der US-Spindoctor-Szene der Außenpolitik. Gegen sie wettert nun Kornelius:

„Die ‚Realisten‘ sagen: So ist die Welt, respektiert das und überhebt euch nicht mit der Ukraine. Kiew habe seine klassische Pufferrolle ignoriert. Nun zahle es den Preis. Diesen zynischen Realismus in Ehren: Er ignoriert das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine…“ Kornelius 4.9.14

Obwohl SZ-Leser wohl niemals von Mearsheimer, dem CFR oder gar den Bilderbergern gehört haben, will Kornelius hier offenbar gegen jede Vernunft in der US-Außenpolitik vorgehen. Wenn man alle Verantwortung des Westens verschweigt, alle Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen gegen Russland mobilisiert und Putin zum Teufel persönlich erklärt hat, dann kommt man zur Position von Kornelius: und der will Krieg, Krieg, Krieg.

Bilderberger: Transatlantische Geld- und Machteliten

Am Beispiel des Meinungsschreibers Stefan Kornelius von der SZ (Süddeutsche Zeitung), einer der „Transatlantiker“ unter den deutschen Mainstreamern, habe ich hier bereits die Technik der Propaganda für die Machteliten des Westblocks und das Hasspredigen gegen ihre Feinde aufgezeigt. Die geheimen Bilderberg-Treffen stellen eine Art Castingshow der Nachwuchspolitiker vor den transatlantischen Geld- und Machteliten dar, die zugleich als Jahresbriefing der Medienindustrie dient.

Als „Transatlantiker“ werden die Mainstream-Schreiber Kai Diekmann (BILD), Günter Nonnenmacher und Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ), Josef Joffe und Jochen Bittner (ZEIT) sowie Stefan Kornelius (SZ) bezeichnet. Reibungslos läuft ihre Agitation derzeit nicht mehr, nachdem sie allesamt im ZDF-Kabarett Die Anstalt satirisch auf’s Korn genommen wurden und Joffe und Bittner so dumm waren, dagegen zu klagen. Kornelius ist schlauer, stellt sich taub und macht ungerührt weiter im Propaganda-Geschäft.

Ukraine: Bilderberger-Postille SZ hetzt weiter für Krieg

Gilbert PerryBilderbergerClubLogo

„Völkerrechtsverletzung!“ kreischt die hysterische Schlagzeile der heutigen Wochenendausgabe der renommierten SZ und meint den russischen Hilfskonvoi. Nato-Bomben auf Belgrad oder Tripolis, Obamas Drohnen-Terror in Nahost ließen die SZ-Edelfedern dagegen kalt, die ostukrainischen Opfer des „Rechter Sektor“-Massaker in Odessa wurden vertuscht. Merkel und Obama werden hofiert, das faschistisch dominierte, prowestliche Poroschenko-Regime in Kiew kommt ausführlich zu Wort. Heuchelei und Kriegshetze sollte sich nicht „Qualitäts-Journalismus“ nennen dürfen.

Der SZ-Leitartikel auf S.1 der Bilderberger-Postille „Süddeutsche Zeitung“ hat keine Zeile für die humanitäre Katastrophe in Lugansk, wo akuter Mangel an Wasser, Medikamenten, Nahrung und Benzin herrscht. Die SZ lässt stattdessen das Kiewer Poroschenko-Regime, das seine eigenen Bürger zu Tausenden massakriert, ausführlich mit seiner Propaganda zu Wort kommen. Wie der SPIEGEL mit seiner Panikmache Freitag letzter Woche, so kam auch diese Hetzkampagne zum passenden Zeitpunkt.

Der SZ-Artikel online zum Thema (in dieser Minute erschienen) ist etwas milder „Erste Lastwagen verlassen die Ukraine wieder“ lautet die dümmliche Schlagzeile -hatten die selbsternannten Edelfedern erwartet, dass bis an die Zähne bewaffnete Rotarmisten nun Panzerabwehrkanonen hervorzaubern und Kiew stürmen? Der ebenfalls hetzerische Online-Artikel, der sich Netz aber etwas zahmer gibt, wohl um Kritik nicht zu sehr zu provozieren, erwähnt nirgends die humanitäre Lage! Lügen durch Weglassen: So wird als Grund der Grenzübertretung die „Invasion“ suggeriert, die Kiews Propaganda lautstark heraustrompetete.

Die zynische Blockade der Notstandsgebiete durch die Westmarionette Poroschenko wird ebenso verschwiegen, wie Poroschenkos Abhängigkeit vom faschistischen Rechten Sektor und dessen Verbrechen sowieso. Die Bilderberger-unterwanderte SZ-Redaktion, deren Meinungsführer Stefan Kornelius sich diese Woche auffällig zurück hält (Urlaub wg. Netzkritik?), bringt ohne kritisch zu hinterfragen die Parolen Kiews. Man war kurz davor, die dringend benötigten Hilfslieferungen mit dem Chef des Kiewer Geheimdienstes, Walentin Naliwajtschenko (von der faschistischen Svoboda-Partei), als „Invasion“ zu dämonisieren, aber was sagt das Pochen auf „Völkerrechtsverletzung“ schon anderes?

Statt die russische Hilfsaktion mit Nato-Operationen oder den Verbrechen der USA zu vergleichen, sabberten die dümmlichen Hofberichterstatter der SZ Spalte für Spalte mit Merkels Blabla voll:

„Mit Unverständnis haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama auf den russischen Kurs im Ukraine-Konflikt reagiert. Beide kritisierten in einem gemeinsamen Telefongespräch Moskaus Entscheidung, den Hilfskonvoi ohne Zustimmung der Regierung in Kiew und ohne Begleitung durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz über die ukrainische Grenze nach Lugansk zu schicken…“ Hofberichterstattung auf SZonline

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Brandopfer des Odessa-Massakers von Euromaidan-Faschisten

Warum steht dort in der SZ nichts über die Gründe Russlands, die zynische Blockade-Taktik von Poroschenkos Regime, die Tausenden Toten, unter Brechung des Völkerrechts zusammengeschossen vom eigenen Präsidenten bzw. seinen faschistischen Paramilitärs? Nichts über das Massaker von Odessa? Weil die Mainstream-Manipulationen offenbar unter Federführung der Grünen Böll-Stiftung eine deutsche Medienzombie-Bevölkerung erzeugt hat, die sich solche Lügen klaglos bieten lässt -jedenfalls in ihrer überwiegenden Mehrheit. Dagegen müssen wir weiter protestieren!

 

Ukraine-Panikmache vom SPIEGEL: „Ab 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!“

Gilbert Perry blackwater

Als SPIEGEL Online am letzten Freitag gegen 17:20 meldete „Konflikt um Grenzverletzung: Ukrainische Truppen greifen russischen Konvoi an“, stürzten die Börsen ab. Schnell stellte sich diese Panikmache als Falschmeldung heraus. SPIEGEL Online hatte eine Propagandalüge der Kiewer Putsch-Regierung ungeprüft als Tatsache hingestellt, um erneut Hysterie zu verbreiten. Samstag musste SPIEGEL-Mann in der Ukraine, Christian Neef, den online gemeldeten Angriff in einem heuchlerischen Dementi relativieren. Bilderberger-Propaganda oder Börsenschwindel?

Alle lachen jetzt über die Kiewer Kriegsente“. Aber unseren kriegslüsternen Mainstreamern war es am börsensensiblen Freitagnachmittag bitter ernst mit der Panikmache. Stern.de trompetete „Ukrainisches Militär greift russische Armee an„, „Ukrainische Armee nimmt russische Militärfahrzeuge unter Beschuss“ legte Zeit-Online nach und n24 vermeldete „Ukrainische Armee greift russischen Konvoi an„, so die Bertelsmann-Medienarmada mit ihrem Flaggschiff SPIEGEL, einst „Sturmgeschütz der Demokratie“ nun wohl eher der Demagogie.

Und was war wirklich geschehen? Freitagnacht hatten zwei britische und ein russischer Journalist vom Magazin „The New Times“, beobachtet was ihrer Ansicht nach ein Übertritt der russisch-ukrainischen Grenze von einer Kolonne mit 23 Fahrzeugen war. Während die beiden britischen Kollegen keine „Belege“ vorwiesen, veröffentlichte der russische Journalist Sergej Hasow-Kasija vier Photos, jedoch von derart schlechter Qualität, dass sie kaum als Beweis für die gemeldeten Schützenpanzer und Begleit-LKWs gelten können. Möglich ist, dass die drei Journalisten eine russische Grenzkontrolle beobachtet haben und selbst nicht genau wussten, wo die Grenze genau verläuft – so die offizielle russische Version, die sich über den „Phantom-Konvoi“ lustig machte.

Spiegel: „Sturmgeschütz der Demagogie“

Alle anderen Deutungen sind angesichts der minderwertigen Belege, die bislang auch nicht weiter bestätigt werden##Spiegel-StopPutin konnten, nur Spekulation bzw. wie mal wieder beim SPIEGEL reine Kriegshetze. Ob die Bertelsmann-Postille reine Bilderberger-Propaganda betrieb oder sich ein paar Redakteure durch den von ihnen ausgelösten kleinen Börsencrash schnell eine goldene Nase verdienen wollten wissen wir nicht.

Auf jeden Fall hat das Blatt, das sich den Spitznamen „BILD am Montag“ wieder einmal mehr als verdiente, erneut auf zynische Weise die Kriegsgefahr geschürt. In einer Situation die gerade durch die deutsche Journaille immer brisanter wird sind es scheinbar nur die Russen, die ruhig Blut bewahren. Der „Phantom-Konvoi“ soll noch in der gleichen Nacht auf ukrainischem Gebiet durch Artillerie der ukrainischen Regierungstruppen vernichtet worden sein. Dies behauptete am Freitagnachmittag in Kiew Präsident Poroschenko per Pressemitteilung und telefonisch gegenüber dem britischen Premier Cameron.

Doch auch Poroschenko hatte nicht den geringsten Beleg für seine Behauptungen, weder Filmaufnahmen, noch Photos, noch wenigstens gefälschte Augenzeugenberichte, geschweige denn Satellitenbilder aus dem Pentagon. Offizielle Pressemeldung der ukrainischen Regierung sind oft reine Propaganda, was auch Journalisten bekannt ist. Klüger war der britische Guardian, der zeitgleich mit dem SPIEGEL die Falschmeldung wenigstens in Anführungszeichen setzte: „Ukrainischer Präsident behauptet, dass russische Fahrzeuge, die die Grenze überschritten haben, zerstört wurden“. Dass weitere deutsche Hetzmedien wie Springers WELT die Propaganda der Putsch-Regierung heraus trompeteten kann auch keine Entschuldigung sein. Der rechtskonservativ-libertäre US-Kritiker Paul Craig Roberts, sicher nicht der Sowjet- oder Russenliebe verdächtig, sieht eine typische CIA-Fake-Story hinter dem Geschehen und macht sich besonders über die deutschen Mainstream-Medien lustig:

Now we have the media story of the armored Russian column that allegedly crossed into Ukraine and was destroyed by Ukraine’s rag-tag forces that ISIS would eliminate in a few minutes. British reporters fabricated this story or were handed it by a CIA operative working to build a war narrative. The disreputable BBC hyped the story without investigating. The German media, including Die Welt, blared the story throughout Germany without concern at the absence of any evidence. Reuters news agency, also with no investigation, spread the story.” Paul Craig Roberts

NDS meldete, dass SPIEGEL Online auf Facebook auf die Frage eines Lesers, ob man denn „konkrete Belege“ hätte, dass russische Truppen die Grenze zur Ukraine überschritten hätten, mit der Gegenfrage antwortete, ob es denn „eigentlich konkrete Belege gäbe, dass dem nicht so sei“. So ähnlich hätte Goebbels wohl 1939 auch die von Nazis fingierte Grenzverletzung polnischer Truppen verteidigen können, die den Zweiten Weltkrieg auslöste: „Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurück geschossen!“

„Beinahe tragikomisch“ finden die NDS das Dementi des SPIEGEL-Ukraineexperten Christian Neef, der auch für den ##FoghBushCamp Davidzynischen „Stoppt Putin jetzt!“-Hetztitel des SPIEGEL mitverantwortlich war. Neef rechtfertigt sich damit, dass Agenturen und andere Onlinedienste auch „Militärintervention in der Ukraine“ titelten, obwohl „so manche Mitteilung der Kiewer Militärs nicht stimmt“. Besonders dümmlich ist die Ausrede Neefs, dass auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh „Saddam hat Massenvernichtungswaffen“ Rasmussen habe den Einfall der russischen Armee in die Ostukraine bestätigt.

NATO-Sprecher Rasmussen will inzwischen eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ für eine militärische Intervention Russlands in der Ukraine sehen. Diese Invasion würde wahrscheinlich unter dem Deckmantel humanitärer Hilfsleistungen erfolgen würde, so Rasmussen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Rasmussen als Führer jener Westmächte, die unter dem Vorwand angeblich „humanitärer Interventionen“ in den vergangenen Dekaden von Belgrad bis Tripolis Länder niederbombten und -schossen, warnt nun Putin vor einer „humanitären Intervention“ in der Ukraine. Während der Schokoladen-Milliardär und Putsch-Präsident von Natos Gnaden Panzer gegen sein eigenes Volk rollen lässt, Krankenhäuser und Kindergärten bombardiert und eine humanitäre Krise zu verantworten hat, denken Westmedien wie der SPIEGEL nur an eins: Putin zu dämonisieren. Man will auf Teufel komm raus einen Vorwand finden, damit die Nato ein weiteres Land mit ihrer den Boden für Generationen verseuchenden Uran-Munition verwüsten kann. Dafür greifen die Schmierfinken zu jedem Strohhalm, ob von Kiewer Propagandisten oder ihrem Nato-Mastermind Rasmussen geliefert.

Kriegshetzer Stefan Kornelius in der Süddeutschen Zeitung hat die „weißen Lastwagen“ Putins in seiner manipulativen Kampagne ebenso benutzt wie andere Mainstreamer. Und Anders Fogh Rasmussen hat sich bislang noch immer als zynischer Kriegstreiber im Dienste der Westoligarchen, Bilderberger und Pentagon-Rüstungsmafia erwiesen. Die Börsenkurse von Rüstungsfirmen und Stahlkochern stiegen nach dem Kriegshetze-Crash vom Freitag diese Woche übrigens besonders kräftig an. Vielleicht war das ja diesmal der Hauptgrund für die Panikmache gegen Putin.

Wie funktioniert Bilderberger-Propaganda? Beispiel: Stefan Kornelius (SZ)

Theodor Marloth BilderbergerClubLogo

Am Beispiel des SZ-Meinungsschreibers Stefan Kornelius, einer der „Transatlantiker“ unter den deutschen Mainstreamern, wird die Technik der Propaganda für die Machteliten des Westblocks und das Hasspredigen gegen ihre Feinde gezeigt. Der Schurke des Tages heißt Putin und der Weiße Ritter, der ihm mutig entgegentritt, ist Ober-Bilderberger Henry Kissinger. Dass Kissinger ein verurteilter Kriegsverbrecher ist, weiß Stefan Kornelius nicht. Er wird für Lobhudelei bezahlt, nicht für Recherche.

Am Beispiel des Meinungsschreibers Stefan Kornelius von der SZ (Süddeutsche Zeitung), einer der „Transatlantiker“ unter den deutschen Mainstreamern, wird die Technik der Propaganda für die Machteliten des Westblocks und das Hasspredigen gegen ihre Feinde gezeigt. Als „Transatlantiker“ werden die Mainstream-Schreiber Kai Diekmann (BILD), Günter Nonnenmacher und Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ), Josef Joffe und Jochen Bittner (ZEIT) sowie Stefan Kornelius (SZ) bezeichnet. Reibungslos läuft ihre Agitation derzeit nicht mehr, nachdem sie allesamt im ZDF-Kabarett Die Anstalt satirisch auf’s Korn genommen wurden und Joffe und Bittner so dumm waren, dagegen zu klagen. Kornelius ist schlauer, stellt sich taub und macht ungerührt weiter im Propaganda-Geschäft.

Stefan Kornelius‘ Globale Ordnung

In seiner SZ-Kolumne donnert Stefan Kornelius am 18.8.14 unter dem pompösen Titel „Globale Ordnung: Die Welt-Erschütterer“ gegen Putin und für seine Helden, die Machthaber des Westens. Deren Untaten werden verschwiegen, vertuscht oder reingewaschen, Putin aber mit diversen rhetorischen Tricks allerlei Bosheiten und Gräueltaten angehängt- vom Shitstorm (womöglich gar gegen Edelfedern wie ihn, Kornelius?) bis zum Kopfabschlagen. Denn der Schurke des Tages heißt Putin und der Weiße Ritter von edler Gestalt, der ihm im Namen von Frieden und Demokratie mutig entgegentritt, ist für den Bilderberger-Schreiberling Kornelius der Chef-Bilderberger Henry Kissinger.

Dass Kissinger ein verurteilter Kriegsverbrecher ist, verschweigt Stefan Kornelius oder er weiß es nicht. Das kann gut sein, denn sein Metier ist Lobhudelei für die Führer der „Freien Welt“ (wie sich der Westblock ganz bescheiden nennen lässt), nicht Recherche oder kritisches Denken. Das Leserpublikum der ehemals links- jetzt eher neoliberalen SZ hat sich satt im Wohlstand eingerichtet und lässt sich im Plauderton zwischen wichtigtuerisch-welthistorischen Betrachtungen und Infotainment Kornelius‘ üble Kriegspropaganda unterschieben.

Damit liegt Stefan Kornelius auf Linie der „Transatlantiker“. Die „Schmierigen Sechs“ trompeten in ihren Zeitungen von stramm-reaktionär bis halbrechts-liberal in verschiedenen Stimmlagen für Interessen der reichen Westoligarchen rund um Wallstreet und Pentagon –und für den Krieg, denn der bringt diesen Kreisen sicheren Profit und Ausweitung ihrer Macht. Kornelius ist eher für gedämpfte Tonlagen zuständig, die den in jungen Jahren vielleicht linken, heute gesetzten SZ-Lesern bekömmlich sind.

Furcht einflößend: Kornelius‘ Kriegstrommel

Stefan Kornelius

Die Propaganda-Methode von Kornelius ist simpel: Erst aufpeitschen, dann Angst und Hass gegen die Feinde seiner Herren lenken (hier Putin), dann abwiegeln, beruhigen und einlullen. Und immer den Westen lobpreisen. Seine Kolumne beginnt mit Kriegsangst. Die sei von Statistik nicht zu beruhigen, obschon doch im Kalten Krieg jährlich viel mehr Kriegstote auf der Strecke blieben:

Stets die Ukraine, nun das Kurdengebiet im Irak neben Syrien, gerade noch Nahost, immer wieder Libyen, Pakistan, Nigeria –seit Monaten schlägt die Kriegstrommel ihren Furcht einflößenden Takt.“ Stefan Kornelius (SZ 17.8.2014)

Dass der Kriegstrommler der SZ Stefan Kornelius heißt, kommt ihm nicht in den Sinn. Und seinen mit Statistik eingelullten Lesern wohl auch nicht. Die haben natürlich keine Ahnung davon, dass in der Ukraine der Westen hinter dem Bürgerkrieg steckt, dass in Pakistan US-Drohnen Terror verbreiten und haben längst vergessen, dass in Libyen Nato-Jets die mit Westgeld und -Waffen aufgerüsteten Islamisten an die Macht bombten. Und dass es ebensolche Dollar-Islamisten sind, die in Syrien und jüngst im Irak Hunderttausende abschlachteten.

„Das rasante Tempo der Krisen, die Unmittelbarkeit der Information, das Grauen der Bilder berühren die Menschen überall… Aber die demokratisch verfasste Politik, die westlichen Staaten, sind weitgehend hilflos…“ Kornelius (SZ 17.8.2014)

Warum eigentlich, wo der Westblock bzw. seine Marionetten in den Golfemiraten doch hinter den Islamisten stecken? Geld und Waffen dieser Killertruppen sind für Kornelius wohl vom Himmel gefallen, wichtig ist ihm nur, dass der angeblich hilflose, in naiver Friedlichkeit schlummernde Westen endlich zuschlagen muss, gegen die „gefährliche, zerstörerische Kraft“ und die hat einen Namen: Putin.

„Ethnische Splittersaaten wie Russland retten sich in Nationalismus und gebärden sich autoritär, um sich zu behaupten.“ Kornelius (SZ 17.8.2014)

Hier verkaspert sich Kornelius fast, denn ein aufmerksamer Leser könnte fast fragen: Sich zu behaupten –gegen wen? Gegen den ach so friedfertigen, nur immerzu in Demokratie und Freiheit schwelgenden Westen etwa? Aber nein! Denn leider ist der Westblock viel zu schwach, insbesondere die EU, die dringend aufgerüstet und militarisiert werden sollte:

„Die westlichen Ordnungsmächte, vor allem die USA, ziehen sich aus der Welt zurück oder Scheitern wie die EU an ihrer eigenen Schwäche. Und die Kräfte der Globalisierung –der weltumspannende Handel und die allgegenwärtige Kommunikation im Netz– schwingen die Peitsche dazu…“ Kornelius (SZ 17.8.2014)

Dass die angeblich so weltabgewandten USA die globalen Netze bis in die letzten Winkel durchdringen und ausspionieren weiß Kornelius angeblich nichts. Von US-Drohnen, die von Libyen bis Pakistan täglich ausfliegen zum Töten auf Verdacht will er vermutlich gar nichts wissen. Das weltumspannende System von US-Militärstützpunkten, insbesondere rund um Russland von Alaska über Kanada und Europa, Nahost und Zentralasien bis Korea und Japan, übersieht Kornelius, obwohl es achtmal mehr Dollars verschlingt als Russlands „autoritäre Gebärden“.

Kornelius über Putin und abgeschlagene Köpfe

Im zweiten Teil peitscht Kornelius seine Leser gegen Putin auf: Seit Tagen läuft das diplomatisch-propagandistische Hickhack in den Westmedien, täglich spekulieren Journalisten wie Kornelius über die „weißen Lastwagen“ Putins. In keiner Tagesschau fehlen Bilder der weißen Lastwagen und Fragen, ob sie wirklich Hilfsgüter enthalten für die vom westorientierten Regime zusammengeschossene Opposition in der Ostukraine (Westmedien: „prorussische Separatisten“). Kornelius knüpft hier schlau an:

„Noch nie war es so einfach, mithilfe weißer Lastwagen, abgeschlagener Köpfe oder Troll-Kommentare Furcht und Schrecken zu verbreiten. Russland steht als Beispiel…“ Kornelius (SZ 17.8.2014)

Als Beispiel für Irgendwas, Hauptsache Putins weiße Lastwagen stehen neben abgeschlagenen Köpfen, Furcht und Schrecken. Und das Gejammer der Journaille über die Trolle und ihren Shitstorm gegen Westmedien-Lügen bringt der gewiefte Propaganda-Schreiber auch gleich mit Russland in Verbindung.

„Russland steht als Beispiel für den Zerfall von Splitterstaaten, die der Kalte Krieg zurück gelassen hat. Die Balkankriege haben gezeigt, wie brutal sich dieser Zerfall abspielen kann.“ Kornelius (SZ 17.8.2014)

Dass der ach so friedfertige, nur immerzu in Demokratie und Freiheit schwelgenden Westen irgend etwas mit dem brutalen Zerfall Jugoslawiens zu tun gehabt haben könnte, fällt Kornelius nicht ein. Die CIA-BND-UCK-Connection? Nie gehört. Nato-Bomben auf Belgrad? Nur eine humanitäre Aktion für die „prowestlichen Separatisten“ (damals nur „Opfer serbischer Gewalt“ genannt) im Kosovo. Neben dieser Reinwaschung der Nato von der Verantwortung für eines der finstersten Kapitel europäischer Geschichte, hetzt Kornelius gegen Putin und wirbt für einen der feuchtesten Träume der transtalantischen Bilderberger-Gang: die Aufsplitterung Russlands, die ein gewisser Brzezinski –neben Kissinger Chefstratege der Westmachthaber– seit den 90ern forderte.

Kornelius und Kissinger: Putin = Hitler!

So lamentiert Kornelius weiter gegen Putin, der wolle doch nur zurück in den Kreis der Großmächte, aber legitimiere das „Aggressivität gegen souveräne Staaten“? Natürlich nicht. Der unverschämte Putin habe seine Unzufriedenheit schon auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 „herausgepoltert“ poltert Kornelius.

„Und der Altmeister der Gleichgewichtspolitik, Henry Kissinger, hatte schon 1994 davor gewarnt, dass eine unkluge Abwertung Russlands zu innerer Radikalisierung führen kann –ähnlich dem demokratischen Deutschland in den frühen 1930er-Jahren“. Kornelius (SZ 17.8.2014)

Aha. Putin gleich Hitler, wie subtil. Wie dumm, dass nicht Putin, sondern Kissinger der verurteilte Kriegsverbrecher ist. Aber das werden die Leser der SZ vermutlich nie erfahren. Ob die USA mit ihrem aggressiven Vorgehen in Lateinamerika, Afrika, Asien legitimer seien als Putins behauptete Aggressionen in der Ukraine, fragt Kornelius nicht. Das große Abschlachten in Irak, Libyen, Syrien? Für Kornelius nur ein „Trend“ zur „Auflösung postkolonialer Staaten unter dem Druck junger, religiöser und gewaltbereiter Männer“, quasi eine Art sozio-religöser Naturprozess. „Starke-Mann-Politik“, russischer Nationalismus, autoritärer Regierungsstil Putins sind die wahren Weltprobleme.

„Der starke Mann ist aus der Phantasie der Schwachen und zu kurz Gekommenen nicht zu löschen“, psychologisiert Kornelius die dummen Putin-Anhänger –intellektuell etwas schwächlich. Kornelius‘ starker Mann heißt jedenfalls Kissinger und dass sich stets nach mehr Geld, Macht und Einfluss gierende Alpha-Männchen auch unter Medienleuten meist zu kurz gekommen glauben, ist auch kein Geheimnis. Hofft Kornelius auf reiche Belohnung, wenn er der reichsten und mächtigsten Herrschaftselite der Welt, den Westoligarchen hinter den Bilderbergern, nur schmierig genug nach dem Munde redet? Wie der Gipfelpunkt kritischen Journalismus liest sich der Schlussabsatz seiner Kolumne jedenfalls nicht:

„Im ewigen Ringen um eine gerechte und stabile Ordnung hat trotz all seinen Unzulänglichkeiten das westliche System –Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Marktfreiheit– eine nicht zu schlagende Attraktivität entwickelt. Wer dieses System festigt und beschützt, der wird die friedliebende Welt an seiner Seite wissen.“ Kornelius (SZ 17.8.2014)

Dass seine sogenannte Marktfreiheit als Diktatur der Konzerne im TTIP gerade Demokratie und Rechtsstaat spottet, TPP_TTIPhindert Kornelius nicht an seiner Lobhudelei an den Bonzen im Westen. Und ob „die friedliebende Welt“ sich wirklich von ein paar tendenziösen Schreiberlingen im Auftrag der Bilderberger über US-Kriegsverbrechen, Folterlager wie Guantanamo, völkerrechtswidrigen Drohnenterror, die Verwüstung eines Staates nach dem anderen (von Jugoslawien bis Syrien) hinweg täuschen lässt? Vielleicht überschätzt Stefan Kornelius die „nicht zu schlagende Attraktivität“ seiner „Gobalen Ordnung“, die wohl mit der „Neuen Weltordnung“ der Bilderberger bzw. der Machtclique des PNAC („Project New American Century) identisch ist.

Siehe auch:

Kissinger-Files auf Wikileaks

Kissinger-Leak

Bilderberger in der Anstalt: Bröckelt die totale Medienkontrolle?

Theodor Marloth BilderbergerClubLogo

Josef Joffe, der Big Boss der ZEIT, verklagt Kabarettisten, lässt Satire aus dem Netz zensieren. Kritik an korrupter Journaille ist nicht erwünscht. Aber warum die Aufregung? Die ZDF-Clowns haben doch sogar schon Goldman Sachs, Bilderberger und Trilaterale satirisch verwurstet: Das ZDF-Publikum lacht, klopft sich die Schenkel und wählt weiter Merkel. Und wie hängen die transatlantischen Bilderberger mit Bertelsmann zusammen?

„Third-Party-Technique“ heißt ein Lobbyisten-Trick in der Fachsprache moderner Propaganda-Technologen: Wenn mehrere scheinbar voneinander unabhängige Quellen die gleiche Botschaft trommeln, wirkt das überzeugender auf ein unwissendes Publikum. Eine transatlantische Bilderberger-Pentagon-Connection hat in diesem Sinne eine neoliberal-reaktionäre Seilschaft im deutschen Pressewesen installiert, um Kriegstreiberei ans militärunwillige deutsche Volk zu bringen. Es geht um die Macht der Westoligarchen und speziell die Profite der Militär-Geheimdienst-Industrien.

Auf’s Korn genommen hatte die verklagte ZDF-Satire diese „Transatlantiker“ unter den deutschen Journalisten, die in ihren Zeitungen von stramm-reaktionär bis halbrechts-liberal in verschiedenen Stimmlagen für Interessen der reichen Westoligarchen rund um Wallstreet und Pentagon trompeten. Dabei werben sie für harte Haltungen gegen den jeweiligen Schurken des Tages (Moslem, Chinese, Russe) und gelten daher als Falken bzw. Kriegstreiber. Ihre Verstrickungen mit elitären Think Tanks, Tarnstiftungen usw. wurden satirisch gegen den hehren Anspruch der Journaille auf Unabhängigkeit gehalten. Das gefiel nicht jedem, zumal besagte Institutionen im Internet inzwischen als Lobby der reichen Westoligarchen rund um Wallstreet und Pentagon entlarvt wurden.

DIE ZEIT“: Medienbonzen ohne Medienkompetenz

Kai Diekmann (BILD), Günter Nonnenmacher und Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ) und Stefan Kornelius (SZ) fühlten sich kabarettistisch offenbar weniger bedroht als das Duo von der ZEIT: Josef Joffe und Jochen Bittner. Die beiden klagten und bewiesen dabei nicht nur Humorlosigkeit, sondern auch mangelnde Medienkompetenz. Der „Streisand-Effekt“ war ihnen offenbar nicht bekannt, der besagt, dass das Verklagen von Kritikern diesen erst Recht Aufmerksamkeit beschert. Und Zensur hat in vordigitalen Zeiten auch schon besser funktioniert: Was aus der ZDF-Mediathek wegzensuriert wurde findet sich leicht bei Youtube oder sonst wo im Netz wieder.

ZEIT-Redakteur Jochen Bittner war von den Kabarettisten als heimlicher Spindoc der Rede von Bundespräsident Gauck auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz hingestellt worden –wegen dieser Rede hatten Kritiker Gauck als „Kriegshetzer“ bezeichnet. Es ging um Deutschlands „Verantwortung“, notfalls auch mit Kriegsmitteln zuzuschlagen. Jochen Bittner hatte an einem Projekt ähnlicher Thematik des German Marshall Fund of the United States (GMF) und der (bundes-) regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) teilgenommen, behauptet aber, dies hätte nichts mit Gaucks Rede zu tun.

Bittner war zwar nicht selbst Gaucks Redenschreiber, hat aber im Auftrag des GMF und zusammen mit Thomas Kleine-Brockhoff an einem Papier zur neuen deutschen Außenpolitik geschrieben –sicher im Sinne strammer Militärpolitik für transatlantische Nato-Interventionen. Derselbe Thomas Kleine-Brockhoff, seines Zeichens Ex-GMF-Direktor und Ex-Zeit-Redakteur, schrieb später die Münchner Rede für Gauck.

Bittners ZEIT-Kompagnon Josef Joffe beklagte sich über das Kabarett:

Es hieß, ich sei Mitglied oder Kuratoriumsmitglied in einer großen Zahl von Institutionen, die sich zur „Lobby“ (…) formiert hätten und „nur eine Antwort“ kennten: „mehr Rüstung“. Diese Unterstellung war herabsetzend, weil sie mir journalistische Integrität absprach. Sie war auch falsch. Tatsächlich sitze ich im Gremium von nur zweien: der American Academy in Berlin und des American Institute for Contemporary German Studies (AICGS), das zur Johns Hopkins Universität gehört. Mit den anderen verbindet mich keine Mitgliedschaft.“

Der Journalismus- und Medienforscher Uwe Krüger hält folgende Verbindungen von Joffe dagegen für belegt: mit der Atlantik-Brücke, dem American Council on Germany, dem berüchtigten neoliberalen Aspen Institute, es weise ihn auch aktuell das Impressum der offiziösen Fachzeitschrift „Internationale Politik“, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, als Beiratsmitglied aus. Und für die Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz, einer „im Kern transatlantischen Veranstaltung“, habe er mindestens seit 1999 und bis heute praktisch ein Abonnement. Joffe steckt demnach bis zum Hals im militaristischen Sumpf der „Transatlantiker“ und versucht sich mit Haarspalterei vor Gericht herauszureden. Krügers Buch „Journalismusforschung: ‚Ganz auf Linie mit den Eliten‘“, hatte die Kabarettisten zu ihrer Nummer inspiriert und sie hatten vorher auch Krügers Rat eingeholt, wie er in Telepolis schreibt.

Bertelsmann, Bilderberger und Reinhard Mohn

Die ZEIT gilt übrigens als Verbindungsglied der deutschen Bilderberger-Delegation und des Mohn-Bertelsmann-Clans. Milliardär und Medienmogul Reinhard Mohn hatte möglicherweise in den 70ern Probleme, sich als Emporkömmling bei den Transatlantikern zu etablieren. Mohn hatte daher durch halbliterarisch-„verschwörungstheoretisch“ inspirierte Bücher von Bernt Engelmann („Hotel Bilderberg“) mittels seines Verlagsimperiums publizistischen Druck ausgeübt. Vielleicht qualifizierte er sich so als großer Fernsehbaron in der gerade herauf dämmernden Ära des deutschen Privat-TV. Die Bilderberger wurden durch den „Tatsachenroman“ Hotel Bilderberg erstmals dem breiten Publikum bekannt gemacht –wenn auch für viele Jahre nur durch viele Blümchen und um die Ecke herum. Wer wollte konnte das als Fiktion abtun, genaueres sagte Engelmann dort nicht, munkelte nur von Verbindungen der Bilderberger zur Starfighter-Affäre, die gerade im Bilderberger-Milieu zu beträchtlichen Verwerfungen geführt hatte. Die Bilderberger waren gewarnt und Mohn stieg mit Bertelsmann zum mächtigsten Medienmogul Europas, zeitweise sogar der Welt auf.

Bernt Engelmann schloss sich gegen Ende der Diktatur des Nationalsozialismus einer Widerstandsgruppe an, wurde  in den Konzentrationslagern Flossenbürg und Dachau inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb er für Gewerkschaftszeitungen, war bei Bertelsmanns „Spiegel“, später beim NDR-Magazin Panorama. Ab 1962 arbeitete Engelmann als freier Schriftsteller, verfasste  seine „Anti-Geschichtsbüchern“ mit Geschichtsbild „von unten“. Daneben schrieb Engelmann auch zwei Romane mit realem Hintergrund: In Großes Bundesverdienstkreuz beschäftigte er sich mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Industriellen Fritz Ries und dessen Einfluss auf ranghohe Politiker. In seinem Buch Hotel Bilderberg beschrieb er die Entstehung der westlichen Nachkriegseliten am Beispiel der dort aber noch nicht namentlich genannten Bilderberg-Konferenz.

Als der von Engelmann vertretene Presseausschuß Demokratische Initiative 1978 in einer Broschüre auf die Tatsache verwies, dass CSU-Boss Franz Josef Strauß während des Dritten Reiches Nationalsozialistischer Führungsoffizier war (Wikipedia setzt diese Tatsache bis heute ängstlich in die Möglichkeitsform), fiel die Maske des Faschismus von den Nachkriegseliten vor Schreck eine Sekunde herab: Strauß reagierte mit der berühmten und eines Altnazis würdigen Äußerung, er führe „gegen Ratten und Schmeißfliegen“ keine Prozesse.