„Alles Lüge oder was?“: Schon wieder ein ARD-Propaganda-Debakel

Die gestrige ARD-Doku hielt sich besonders schlau, war aber besonders stümperhaft gemacht: „Alles Lüge oder was?“, gesendet am 25.10.2015 ab 22.45, präsentiert sich als Aufklärung über Propaganda, liefert jedoch zugleich eine Wiederholung von ARD-Propagandalügen aus dem Ukraine-Medienkrieg. Lange fällige Selbstkritik an der ARD kommt nicht vor, dafür wird massiv antirussische Ukraine-Propaganda zelebriert. Expertenmeinungen kommen u.a. von Poroschenkos neuem „Informationsminister“ und vom deutschen BND. Als Höhepunkt wird dem ARD-Zuschauer erneut die unbewiesene und höchst fragwürdige Behauptung aufgetischt, der Putsch in Kiew sei ein demokratischer Machtwechsel gewesen und die 100 Toten des Maidan-Massakers seien Opfer von Scharfschützen des „moskautreuen Machthabers“ geworden. Zarte Kritik auch an Propaganda aus Israel und USA soll wohl Ausgewogenheit simulieren. ARD-sensible Themen wie MH17-Falschmeldungen werden nicht genannt.
Die ARD-Doku mit dem salopp-pubertären Titel „Alles Lüge oder was?“ beginnt beim Sender france24, der vorbildliche Recherche betreibt, dafür sogar mehr Geld ausgibt. Ob die ARD so etwas nicht auch tun könnte, fragt die Doku nicht. Wir erfahren, wie france24 prorussische Propaganda einer prorussischen Gruppe namens „Rettet den Donbas“ aufgedeckt hat: Fotos von unglücklichen Kindern waren falsch deklariert worden: Etwa ein australisches Mädchen, dass im Schlamm mit ihrem Hund spielte als von Kiew bombardierte Zivilbevölkerung; ein weiteres Foto stammte aus einem Spielfilm. Kurz darauf kommentiert die ARD-Doku den Kiew-Konflikt so:
„In der Ukraine gab es viele Opfer bis sich der moskautreue Machthaber der Parlamentsmehrheit gebeugt und abgesetzt hat. Auch seine Heckenschützen konnten ihm da nicht mehr helfen.“
Dazu trommeln auf die ARD-Zuschauer Bilder von Einschusslöchern auf dem Maidanplatz und Trauerfotos für Opfer des Maidan-Massakers ein, unterlegt mit dramatischer Musik. Die ARD-Journalisten Klaus Scherer und Lucas Stratmann scheinen sich hier dem öffentlich-rechtlichen Credo der Ausgewogenheit nicht besonders verpflichtet zu fühlen. Sonst hätten sie zu dieser völlig unkritisch aufgetischten Version der neuen Machthaber in Kiew auch die Version der Gegenseite erwähnen müssen: Dass die Mörder vom Maidan aus neofaschistischen Kreisen von Svoboda und Rechtem Sektor stammten, finanziert, aufgerüstet und ausgebildet mittels einer US-Söldnerfirma -doch die widerspricht der langgehegten ARD-Propaganda-Sprachregelung. Dabei hat die ARD eine heftige Klatsche von ihrem eigenen Programmbeirat kassiert, der Tendenzberichterstattung und Propaganda bezüglich der Ukraine-Krise nachwies und kritisierte (die Sendeanstalten sind eigentlich per Staatsvertrag auf Ausgewogenheit verpflichtet, halten sich aber immer weniger daran).
„Informationsminister“ in Kiew als Propaganda-Experte

Stattdessen kommt der neue ukrainische „Informationsminister“ zu Wort, der sich über russische Propaganda beklagt und seine eigene Propaganda-Truppe rühmt, eine I-Army oder „digitale Bürgerwehr“ in Kiew gegen „Moskaus Trommelfeuer“ (so die ARD-Journalisten). Genüsslich wird die tatsächlich für russische Medien blamable Story vom gekreuzigten Jungen ausgebreitet, mit der gegen Kiews Krieg gegen die eigenen Zivilisten im Donbas Stimmung gemacht werden sollte. Die ARD triumphierend: „Dafür gab es keine Belege!“ Nach den Belegen für die ARD-Version des Maidan-Massakers fragt die ARD-Doku nicht.

SvobodaProtesters

Svoboda-Maidan-Faschisten

Doch auch Putin persönlich muss natürlich attackiert werden: Putins Lügen zum angeblichen Nichteinsatz russischer Soldaten bei der Annexion der Krim werden gegeißelt. Lügen in Medien der USA, Deutschlands oder der ARD selbst werden nicht erwähnt. Ein winziges Feigenblatt der Ausgewogenheit: Man enttarnt auch eine Kiewer Propagandalüge: Dort wurden nach dem Abfall der Krim leere Ladenregale gezeigt, angeblicher Notstand auf der Krim, in Wahrheit aber falsch deklarierte Bilder. Dass CNN jüngst bei fast der gleichen Propaganda-Lüge gegen das verhasste sozialistische Venezuela erwischt wurde, konnten die überbezahlten ARD-Leute angeblich nicht recherchieren. Die Kritik aus ihrer eigenen Rundfunkanstalt an der tendenziösen Berichterstattung zur Ukraine schweigen sie weiterhin tot.
Neben ihrem Hauptthema prorussische Ukraine-Propaganda lässt die Doku noch einen BND-Experten zu IS-kritischen Fälschungen, einen israelischen Armee-Pressesprecher und einen US-Experten zu Wort kommen, zeigt Walter Ubricht mit O-Ton „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“. Abschluss der Doku bietet ein jüdisches Webportal, dass auf ein Fake mit Humor reagierte: Eine orthodox-jüdische Zeitung hatte auf dem Foto zur Charlie-Hebdo-Demo in Paris die bei Hollande untergehakte Angela Merkel wegretuschiert, weil Frauen in der Politik für die Orthodoxen nichts zu suchen haben. Das Webportal machte die Retusche nicht nur rückgängig, sondern überklebte noch ein Dutzend weitere Gesichter mit dem Konterfei der Kanzlerin der ARD-Herzen. Was haben die ARD-Journalisten uns damit wirklich gezeigt? Eine gute Satire? Oder den feuchten Traum kriecherischer Merkel-Hofberichterstatter?

13 Gedanken zu “„Alles Lüge oder was?“: Schon wieder ein ARD-Propaganda-Debakel

    • Also wer jetzt erwartet, das die da im TV endlich mal die Wahrheit erzählen, muss wohl noch bis zu Neuwahlen oder so warten. Das ist doch die Hauptaufgabe von ARD/ZDF & Co., dem Volk Sand in die Augen streuen und von der Krise abzulenken getreu dem Motto: Was wir hier nicht senden findet definitiv nicht statt.

  1. »„Alles Lüge oder was?“: Schon wieder ein ARD-Propaganda-Debakel«

    Was heißt denn bitte »Schon wieder ein ARD-Propaganda-Debakel«? Die kompletten GEZ-Komiks sind doch nur EIN EINZIGES Debakel, PERMANENT-ANGRIFFE auf Hirn und Verstand! Nur AUSSCHALTEN kann helfen.

  2. Zuletzt am 30. September 2015 zitierte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Chefs der mit Zwangsgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender zu sich. In Anbetracht sinkender Beliebtheitswerte gab die Führerin neue Richtlinien der Berichterstattung vor. Seit 2008 müssen nicht nur die obersten Staatsfunker regelmäßig bei „Mutti“ antreten, um sich die Linien der vom Kanzleramt gewünschten Berichterstattung diktieren zu lassen
    Mich sorgt schon, wenn Journalisten, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte – jetzt bitte nicht lachen – sachlich zu berichten, die Debatte befeuern. Hanns Joachim Friedrichs wurde der Satz zugeschrieben: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“
    Analysiert man unsere Qualitätsmedien nach diesem Satz, dann stellt man fest, dass es keine Journalisten, in diesem Sinne, mehr gibt. Alle sind zur Zeit eingebunden in die große Aufgabe unserer Zeit, das unrühmliche Verhalten unserer Bundeskanzlerin in der Migrantenfrage schönzureden und auszubügeln, wo es nichts mehr schönzureden und auszubügeln gibt.
    Die Journaille übt sich im Schulterschluss und ist sich nicht zu schade, Bevölkerungsgruppen mit fragwürdigen Mitteln an den Pranger (die schreiben das auch noch so) zu stellen. Ähnliches kenne ich aus dem Geschichtsunterricht. Es war die Aufgabe der Blockwarte, auf die Gesinnung seines Sprengels zu achten und unbotmäßiges Verhalten zu melden.
    Denunziationen kenne ich ebenfalls aus dem Geschichtsunterricht, auch wie das aussehen kann, wenn Leute an den Pranger gestellt werden.
    Die momentane politische Auseinandersetzung hat keinerlei Diskussionskultur, sondern kann man nur noch als wildes Draufloskloppen von Gutmenschen gegen Schlechtmenschen, Herz gegen Herzlos, Gescheit gegen Dumm, Fremdenfreundliche gegen Fremdenhasser, Antifaschisten gegen Nazis, bezeichnen. Egal wie: es ist hochgradig unbefriedigend und faschistisch. Ich empfehle allen, sich mal zu informieren, was Faschismus ist, dann in den Spiegel zu schauen und zu prüfen, ob man nicht gerade ganz schön faschistisch gegen Andersdenkende gehandelt hat. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob wir mehr faschistische Demokraten oder mehr demokratische Faschisten rumlaufen haben …

  3. da stimme ich dir zu Horatio und empfehle folgendes Video https://www.youtube.com/watch?v=NnPXQLkBUK0
    Man konnte schon fast Mitleid haben mit den Journalisten, die es doch ach so schwer haben zu Recherchieren und deshalb gleich alles im Konjunktiv schreiben. Von diesen mutmaßlichen, möglicherweise, ungenannten Quellen, wird behauptet und dementiert…Nachrichten habe ich schon lange die Nase voll. Wieso kommen manche Ereignisse in den Medien einfach nicht vor, werden Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen, um ein anderes Bild zu erzeugen. Darum ging es leider nicht.
    Zum Glück kann man sich noch alternativ informieren https://www.publikumskonferenz.de/forum/

  4. Ich habe es nach der „Charlie-Hebdo-Außenspiegel-Aufklärung“ ausgemacht. Unerträglich diese Scheinfakten. Hätten sie wirklich was klären wollen, hätten sie doch mal Fotos unter ähnlichen Bedingungen und Winkeln im Vergleich mit schwarzen oder Weißen Außenspiegeln nachgestellt, um zu sehen wie das aussieht.

    Abgerundete Außenspiegel können laut Physik und Lichtbrechung zwar partiell Lichtreflexionen zur Kamera erzeugen, die dann ein Foto überstrahlen, sodaß diese Stellen dann weiß erscheinen, aber nicht so, daß sie ganz weiß erscheinen, jedenfalls nicht, wenn nur EINE Sonne auf ein gewölbtes Objekt scheint. Zumal, wenn man sich mal die Lichtverhältnisse im Bild anschaut, war das kein sehr sonniger Moment, und laut Schattenlage der Anderen Objekte sogar eher von hinten kommend, sodaß solche Reflexionen sicherlich nicht erzeugt werden können. Also wieder einmal, kontinuierlich nichts, als ein sich selbst rein waschen.

    Was die Fernsehmacher leider schon immer gut konnten, ist eben diese Selbstbeweihräucherung. Das war aber schon immer so. Ergebnis offenes arbeiten, ist dort schon lange passé, und heutzutage nur noch rudimentär anzutreffen.

    So ein Verhalten ist jetzt allerdings besonders schlimm, weil wir in schlimmen Zeiten leben, in denen eine Berichterstattung, welche Alle Seiten beleuchten würde, zu einem gegenseitigen Verstehen beitragen, und damit viel zur Friedenserhaltung beitragen könnte. Leider tut das kein Sender mehr. Auch diese Sendung polarisierte. Wir, die Guten und Da, die Bösen.

  5. Also ich fand die Reportage gut gemacht. Natürlich war das übelste propaganda aber das sehen halt nur kritische Geister. Die die nicht sicher sind lassen sich davon bestimmt beeindrucken. Da werden die kritischen Geister als leichtgläubig die Journalisten als gewissenhaft dargestellt und schon stimmt das Weltbild wieder. Die war nicht so plump wie sonst. Da hat eine Task Force bestimmt lange gebrainstormt.

  6. Ja da muss ich Dem Vorredner Recht geben Diese verlogene Bertelmanns Stiftung Brut das tue ich mir schon Lange nicht mehr an dieses All Abendliche Kasperle Theater Vorstellung, Märchenstunde, Hirnwäsche, ich kann auch diese Lügen mit den Asyl Bewerber nicht mehr sehen. Eins weiß ich mit Sicherheit dass werden wir noch alles Teuer bezahlen

  7. http://antikrieg.com/aktuell/2015_11_16_militaerische.htm

    * „Obamas Luftkrieg gegen ISIS ist ein Schwindel. Das ist kein Krieg gegen den Islamischen Staat, das ist ein Krieg gegen Syrien. Der „Krieg gegen den Terrorismus“ ist ein Rauchschleier.

    Laut dem Independent vom 15. November waren „die Bombardierungen am Sonntag der größte französische Luftschlag, der bisher in Syrien stattgefunden hat.“ Laut dem französischen Verteidigungsministerium war „das erste Ziel, das die Flugzeuge zerstörten, ein Kommandoposten, in dem ein Rekrutierungszentrum, Waffen und ein Munitionsdepot untergebracht waren.“

    Was die Berichte allerdings nicht erwähnen, ist dass von Beginn von Obamas Bombenkrieg im August-September 2014 an die von den Vereinigten Staaten von Amerika angeführte Koalition die Positionen der ISIS-Rebellen nicht bombardiert hat.

    Ganz im Gegenteil, der ISIS wurde von der westlichen Militärallianz beschützt. Die von den Vereinigten Staaten von Amerika angeführten Luftüberfälle wurden benutzt, um den Terroristen Waffen und Munition zukommen zu lassen.

    Die meisten Presseberichte beruhen auf Informationen, die aus Frankreichs Verteidigungsministerium kommen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine verlässliche unabhängige Information, dass die französische Luftwaffe in ihrer Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika in sinnvoller Weise ISIS-Positionen in Raqqa bombardiert hat.

    Die Bombardierungen sind also auch für „den Gebrauch im Inland” gedacht. Sie werden benützt, um Unterstützung der Öffentlichkeit für den Ausnahmezustand zu generieren, gar nicht zu reden von der Aufhebung bürgerlicher Freiheiten im Bereich der Hauptstadt Paris. “ *

    Der vom Westen geführte Krieg gegen den Terror ist ein Lügenmärchen

  8. Es ist ganz einfach, zieht einfach das TV-Kabel. Das habe ich schon vor Jahren gemacht, es reicht doch wenn man den ganzen Misst lesen kann. Auserdem ist das ein unheimlich befreiendes Gefühl.

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